| Chemie |
Gift im Blut von Prominenten
Greenpeace hat 2006 das Blut der Schriftstellerin Karen
Duve, der Schauspieler Peter Lohmeyer und Ralph Herforth sowie der Greenpeace-Geschäftsführerin
Brigitte Behrens auf 55 giftige Chemikalien untersucht, die als hormonell
wirksam, krebserregend oder erbgutschädigend gelten. Im Durchschnitt
haben die Testpersonen 16 dieser Chemikalien im Blut wie z.B. bromierte Flammschutzmittel,
Phthalate, perfluorierte Tenside, Organochlorpestizide wie DDT, synthetische
Moschusverbindungen und Dauergifte wie polychlorierte Biphenyle.
Diese Chemikalien stammen aus Alltagsprodukten wie Handys, Spielzeug, Outdoor-Jacken
oder Parfums. Sie reichern sich im Körper an und finden sich
sich in Blut, Gewebe, Muttermilch und in der Nabelschnur.
Gift in Pommes Frites
Im Auftrag von Greenpeace analysierte das Fraunhofer Institut
Schmallenberg (NRW) Pommes Frites aus fünf deutschen Städten auf Perfluoroktansäure
(PFOA) und Perfluoroktansulfonat (PFOS). In den Kartoffel-Proben fand das Fraunhofer
Institut zwischen 0,32 und 0,95 Mikrogramm pro Kilogramm PFOS und zwischen 1,57
und 2,81 Mikrogramm pro Kilogramm PFOA.
Greenpeace Aktion in Gendorf
November 2006, Altötting/Gendorf,
Bayern: Nach Greenpeace-Recherchen ist die bayrische Alz hochgradig mit
Chemikalien belastet. Eingeleitet werden die als krebserregend geltenden Perfluorierten
Tenside (PFT) aus dem Industriepark in Gendorf. PFT ist ein extrem langlebiges
Dauergift, das sich in der Umwelt und der Nahrungkette anreichert und Menschen
und Ökosysteme noch jahrzehntelang belasten wird. PFT kommt in der Natur
nicht vor. Es wird wegen seiner wasser- und fettabweisenden sowie hitzebeständigen
Eigenschaften in der Textilindustrie und zum Herstellen von Teflon-Pfannen
und Imprägnier-Sprays eingesetzt.
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| © Greenpeace Deutschland |
In den bei Gendorf genommenen Wasserproben fand ein von Greenpeace beauftragtes
unabhängiges Labor bis zu 93 Mikrogramm / Liter der Chemikalie PFOA (Perfluoroktansäure)
- 10.000 mal so viel wie im Rhein und der höchste PFT-Wert, der
jemals in deutschen Flüssen gemessen wurde. Auch das Trinkwasser in
Gendorf weist Rückstände von PFT über dem Grenzwert auf. Um den
Fluss vor der Einleitung weiterer Chemikalien zu schützen, stauten 40 Greenpeace-Aktivisten
das Abwasser auf und pumpten es in ein Rückhaltebecken auf dem Werksgelände
zurück.
Auch in Fischen aus der Alz wiesen von Greenpeace beauftragte Labore
10 µg/kg PFOS und PFOA nach.
Die Chemiefirma Dyneon hat inzwischen zugegeben, jährlich eine
Tonne Perfluoroktansäure (PFOA) in den Fluss zu entsorgen.
Auch einen Monat später haben die bayrischen Behörden keine Maßnahmen
zum Schutz der Bevölkerung ergriffen.
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Zu den Dauergiften gehören u.a. verschiedene Pestizide ("Pflanzenschutzmittel"), halogenierte Flammschutzmittel (z.B. in Elektrogeräten, Kabeln), Organozinnverbindungen wie TBT (z.B. in Schiffsanstrichen), Moschusverbindungen (z.B. in Waschmitteln) und Weichmacher im PVC. Greenpeace fordert die chemische Industrie auf, die Freisetzung solcher Stoffe in die Umwelt nach dem Vorsorgeprinzip endgültig auf Null zu drosseln.
An einem Infostand am 23.10.99 informierte die Greenpeace-Gruppe Aachen erstmals
über das Thema. Passanten konnten auf Aktionspostkarten den Verband
der Chemischen Industrie auffordern, die Produktion von Dauergiften einzustellen.
Bereits nach gut 2 Stunden konnte die Aktion beendet werden, da die am Stand
vorhandenen Postkarten alle durch die Passanten ausgefüllt worden waren.
TBT (Tributylzinn)
Dieses Gift wird der Farbe für Schiffsanstriche
seit Jahren beigemischt und ist so giftig, daß schon kleinste Konzentrationen
ausreichen, um Muscheln, Seepocken und Algen zu töten, die nicht
an den Schiffen wachsen sollen, weil dadurch der Strömungswiderstand erhöht
wird. Dieses Gift reichert sich in Meerestieren an, so daß Fische,
Muscheln und Krebse bis zu 7000 mal stärker belastet sind als das Wasser,
in dem sie leben. TBT ist so giftig, daß schon wenige Milliardstel
Gramm pro Liter Seewasser ausreichen um bei der Wellhornschnecke zu Mißbildungen
zu fühern! Französische Austernzüchter mußten daher
schon Millionenverluste hinnehmen. Arktische Tiere wie die Eisbären,
die wie der Mensch am Ende dieser Nahrungskette stehen, gehören zu den
am stärksten mit diesem Gift belasteten Tieren. Die Eisbären in Spitzbergen
haben eine hohe Sterblichkeitsrate der Jungen. TBT wirkt wie ein Hormon,
das zur Vermännlichung der Weibchen führt und Biologen entdecken immer
mehr zwittrige Jungtiere: Eisbärenweibchen, die weibliche und männliche
Geschlechtsmerkmale haben. Beim Menschen kann TBT das Immunsystem schädigen.
Außerdem wurde TBT in letzter Zeit von GREENPEACE in Sporttextilien (Fußball Trikots) und Baby Windeln entdeckt.
Aale mit Giftcocktail
Im Fleisch von Fischen finden sich hohe Konzentrationen von PCBs (Polychlorierten
Biphenylen) Diese stehen im Verdacht, bei Kindern zu Lernschwierigkeiten
und Verhaltensstörungen zu führen und das Nervensystem sowie
die Schilddrüse zu schädigen.
2005 hat Greenpeace Aale aus 20 verschiedenen Flüssen und Seen in
zehn europäischen Ländern auf die Belastung mit bromierten Flammschutzmitteln
und PCBs untersucht. Besonders belastet waren Fische aus Großbritannien,
Italien, den Niederlanden und Deutschland. (Download
der Studie)
Greenpeace fordert den Ersatz der gefährlichen Chemikalien durch sichere
Alternativen. Die EU-Chemikalienverordnung REACH darf nicht noch weiter
abgeschwächt werden, so wie es die chemische Industrie derzeit fordert.
(s.u.)
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| © Greenpeace Deutschland |
Meilenstein für den Meeresschutz und ein großer Erfolg für Greenpeace:
Am 5.10.2001 hat sich die Internationale Organisation für die Seeschifffahrt
(IMO) auf ein weltweites Verbot der Chemikalie Tributylzinn (TBT) und
aller anderen Organozinn-Verbindungen in Schiffsfarben ab 2003 geeinigt. Die
jahrelange Kampagne von GREENPEACE gegen diese
giftige Chemikalie war nicht umsonst. Auch wenn ökologisch ein Sofortverbot
nötig wäre, ist diese Entscheidung ein wichtiger Schritt.
Vorbildliche Reederei
Juli 2005: Mit einer drei mal zwei Meter großen, gelben "Welcome"-Fahne
begrüßen 20 Greenpeace-Aktivisten auf einem 6 Meter langen schwarzen
Schlauchboot den Ozeanriesen "Queen Mary 2" im Hamburger Hafen
- umringt von fünf weiteren Greenpeace- Booten. Die Cunard-Reederei,
der die "Queen Mary 2" gehört, hatte sich vor 6 Jahren nach Greenpeace
Protesten als erste internationale Reederei verpflichtet, den giftigen Unterwasseranstrich
TBT in der gesamten Schiffsflotte zu ersetzen.
Spielzeug, das Phthalate enthält
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| © Greenpeace Deutschland |
Das ist der Grund, warum GREENPEACE 1997 eine Kampagne
startete, um diese Umweltgifte endgültig aus dem Spielzeug zu verbannen.
Und das ist keineswegs neu, denn bereits in anderen Ländern wurde dieser
heimtückische Zusatz verboten. Nur Deutschland ist mal wieder kein Vorreiter
in Sachen Vorsorge. Mittlerweile hat die EU ein Sofort Verbot für Weich
PVC Spielzeug verabschiedet.
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| © Greenpeace Deutschland |
Der Hintergrund der Aktion ist eigentlich eine sehr positive Entwicklung. Durch die EU wurde ein Sofortverbot für alle Beiss-Spielzeuge aus Weich-PVC ausgesprochen. Dies ist eine Bestätigung der Greenpeace Position und ein großer Fortschritt.
Phthalat-Weichmacher sind gesundheitsschädlich, gehören nicht in die Umwelt und schon gar nicht in Kinderspielzeug. Die rechtliche Grundvoraussetzung für das jetzige Sofortverbot ist ein ernstes und unmittelbares Risiko für die Gesundheit von Kleinkindern. Dies war die Schlussfolgerung der Kommission aus all den Berichten, die vom zuständigen Wissenschafts-Komitee in den letzten zwei Jahren vorgelegt worden waren. Über das Europa-weite Verbot hinaus gibt es bereits in acht europäischen Ländern nationale Verbote, die umfassender sind. Diese sind entweder schon in Kraft oder werden es bald sein, auch in Deutschland (voraussichtlich im Frühling).
Doch die EU-Entscheidung ist nur halbherzig. Das Verbot greift zu kurz und betrifft Produkte, die entweder sowieso schon verschwunden sind oder ohnehin nur einen Bruchteil des gesamten PVC-Spielzeugs ausmachen. Verboten werden nur Spielzeuge, die "bestimmungsgemäß" in den Mund genommen werden, also Beissringe, Rasseln u.ä. Ignoriert wird, dass Kleinkinder auf allen Spielzeugen herumkauen.
Außerdem wird es keine Rückrufaktion geben. Die verbotenen Spielzeuge werden noch monatelang weiter verkauft werden können. So ist ein umfassender Schutz für Kleinkinder vor Weichmachern in Weich-PVC-Spielzeug nicht gewährleistet.
Vor diesem Hintergrund verlangt Greenpeace, dass die Spielzeughändler
und - hersteller zum Schutz der Gesundheit der Kinder freiwillig auf den Verkauf
von allen Weich-PVC - Spielzeugen verzichten. Viele Spielzeughersteller haben
sich schon um einen freiwilligen Verzicht bemüht. Die neuen Produkte
sind als "PVC-frei" gekennzeichnet.
EU verbietet 6 Phtatalte
Juli 2005: Das europäische Parlament beschlossen, den Einsatz von 6 Phthalaten
(DINP und DIDP) in Kinderspielzeug und Artikeln zu verbieten, die in den Mund
genommen werden können. Alle anderen Weichmacher und andere Artikel wie
Schwimmflügelchen, Regenstiefel oder Planschbecken sind von
der Regelung nicht betroffen.
EU Chemikalienreform REACH
Juli 2005: Greenpeace warnt vor einer massiven Abschwächung der EU-Chemikalienreform
REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien)
zugunsten der chemischen Industrie. EU-Industriekommissar Günter Verheugen
wollte erzwingen, dass nur noch ein Bruchteil der auf dem Markt befindlichen
Chemikalien auf ihre Gefährlichkeit hin überprüft werden
muss. Nach seinem Vorschlag sollten nur noch Chemikalien überprüft
werden, von denen mehr als 100 Tonnen pro Jahr hergestellt werden. Bisher liegt
die Grenze bei 1 Tonne pro Jahr. Dadurch müsste die Industrie nur noch
für 6% der am Markt befindlichen Chemikalien ausreichende
Sicherheitsdaten liefern.
In Europa sind rund 100.000 Chemikalien auf dem Markt. Von 96% dieser Chemikalien gibt es bisher keine oder nur unzureichende Sicherheitsdaten.
Die chemische Industrie läuft seit Jahren Sturm gegen REACH, allen voran die BASF. Auf der Hauptversammlung rühmt die BASF ihre Rekordumsätze. Dabei verschweigt sie, dass sie das Geld auf Kosten unserer Gesundheit verdient. Dabei kostet REACH die Unternehmen nicht mehr als 0,05% ihres Jahresumsatzes und das bei Umsatzsteigerungen von bis zu 7% in den letzten Jahren! Den gesellschaftlichen Nutzen von REACH schätzt die EU-Kommission dagegen auf mindestens 50 Milliarden Euro.
Dez 2006:
Grenpeace hat im Vorfeld der Verabschiedung mit etlichen Aktionen auf die Dringlichkeit
des Themas aufmerksam gemacht.
Zum Ende des Jahres 2006 wurde vom EU Parlament beschlossen,
aber auch,
Alltags-Chemikalien schaden der Fortpflanzung
Die Qualität der Spermien hat in den letzten 50 Jahren rapide abgenommen.
Auch Hodenkrebs wird immer häufiger diagnostiziert. Mehr als doppelt so
viele Paare als noch in den 60er Jahren bleiben ungewollt kinderlos.
Chemikalien aus Alltagsprodukten wie Kleidungsstücken, Lebensmittelverpackungen,
Kosmetikartikeln, Computern, Teppichen, Konservendosen, Regenkleidung, Kontaktlinsen,
Duschvorhängen, Infusionsschläuchen und Farben können die menschliche
Fortpflanzungsfähigkeit massiv beeinträchtigen. Das belegt
die Studie "Our
reproductive health and chemical exposure", die die Schadstoffe
Phthalate, Alkylphenole, bromierte Flammschutzmittel, künstliche Moschusverbindungen,
Organozinn-Verbindungen und Bisphenol A untersuchte.
Auch in Muttermilch und Nabelschnurblut finden sich giftige Chemikalien.
Ein 3 Monate altes Baby nimmt 4 mal
mehr DEHP (ein Phtalat von BASF) zu sich, als das Bundesinstitut für Risikoberwertung
für akzeptabel hält. DEHP schädigt u.a. die Fruchtbarkeit von
Männern und führt zu Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut.
REACH würde die Chance bieten, Männer, Frauen und Kinder besser zu
schützen und giftige Substanzen durch ungefährliche Alternativen zu
ersetzen.
Menschenversuche in den USA
Die US Regierung hat 2005 ein Moratorium gekippt, das verbot, Pestizide an
Menschen zu testen.
Vor allem der deutsche Bayer Konzern hatte auf eine Lockerung gedrungen.
Geheime Kampagne in den USA
Mit welchen schamlosen Methoden und schmutzigen Tricks die US-Chemie Industrie
schärferen Vorschriften entgehen und Chemikalientests verhindern
will, enthüllt ein geheimes Stratgiepapier des amerikanischen Chemiverbandes
ACC: Journalisten sollen angeworben, Kritiker bespitzelt und in die Nähe
von Terroristen gerückt werden. Zudem sollen eigene Pseudo-Umweltinitiativen
gegründet werden, die das Vorsorgeprinzip diskreditieren sollen.
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| © Greenpeace Deutschland |
Elektronikschrott
Elektronik-Schrott aus Europa und den USA wird illegal nach China und Indien
tranportiert. Dort wird er unsachgemäß recycelt und gelagert. Arbeitsstätten
und Umwelt werden mit giftigen Substanzen und Schwermetallen verseucht.
Greenpeace Peking veröffentlicht im August 2005 eine Studie, die
Staub, Abwasser und Boden der Schrottplätze sowie das Sediment nahe gelegener
Flüsse untersucht. Greenpeace fordert in beiden Ländern sofort den
Schutz am Arbeitsplatz zu verbessern. Auch über den Umgang mit dem Müll
muss man sich dringend Gedanken machen.
An die Elektro-Industrie geht die erneute Aufforderung, endlich die Giftstoffe
aus ihren Produkten zu verbannnen.
Mittlerweile haben 5 der wichtigsten Elektrofirmen versprochen, auf PVC und
bromierte Brandverzögerer zu verzichten: Samsung,
Nokia, Sony und Sony-Ericsson sowie LG Electronics wollen weniger
gefährliche Ersatzstoffe einsetzen. Bislang nicht dabei sind die Firmen
Dell, IBM/Lenovo, Hewlett Packard, Siemens, Acer,
Toshiba, Panasonic, Motorola, Fujitsu-Siemens und Apple.
Viel Elektronikschrott wird exportiert nach China und Indien, wo er auf Mülldeponieen
landet, die für solche Giftstoffe nicht geeignet sind. Derzeit ist keine
Besserung in Sicht. Im Gegenteil: zum Beispiel HP hat sich 2006 auf einer
Skala der Giftigkeit von Laptops verschlechtert. Greenpeace fand giftige Substanzen
von bis zu 262 mg/kg in Laptops verschiedener Hersteller. (Studie "Guide
to Greener Electronics")