| Karlspreis 2003 |
Euratom Kredite
250 Millionen Euratom-Euro sind davon für das rumänische Atomkraftwerk
Cernavoda 2 beantragt. Dabei geht es aber keineswegs um die Verbesserung
von Sicherheitsstandards bei einem laufenden Meiler: Cernavoda 2 ist ein
Neubau, für den kein altes AKW in Rumänien abgeschaltet wird.
215 Millionen Euro sollen in die bulgarischen Reaktoren Kosloduj 5 und 6 gepumpt werden.
Außerdem 585 Millionen Euro in die Fertigstellung der urainischen Reaktoren Chmelnizki 2 und Rowno 4.
In den Jahren 1978 bis 1988 machten Firmen in Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien... von der Möglichkeit Gebrauch, Euratom Kredite für den Bau von Nuklearanlagen zu beantragen. Sie bekamen ca. 50 Kredite - insgesamt 2,8 Milliarden Euro.
Von 1991 bis 2000 hat die EU 966 Millionen Euratom-Euro für die Erhöhung der nuklearen Sicherheit in der ehemaligen Sowjetunion ausgegeben. Der Europäische Rechnungshof kam jedoch zu einem vernichtenden Urteil, was die Verwendung dieser Mittel anging: Unklare Strategien, Verschwendung, Veruntreuung und Nutzlosigkeit von millionenschweren Studien.
Euratom Forschung
Das Europarlament bewilligte für 2002 bis 2006 jährlich 246 Millionen Euro für die Forschung.
Davon 28% für Kernspaltung und 12% für Atommülllagerung.
Der größte Teil
Im Vergleich dazu:
Für die Erforschung regenerativer Energien will die EU pro Jahr nur 96 Millionen Euro ausgeben!
EU Verfassung
Der Euratom Vertrag, der die Entwicklung der Kernenergie fördern soll,
stammt aus dem Jahr 1957 und wurde seitdem nicht überarbeitet.
Der Euratom-Vorsitzende Valéry Giscard d'Estaing will erreichen, dass der alte Vertrag
quasi ungeändert in die neue EU Verfassung übernommen wird. Mehrere
Umweltverbände fordern, den Euratom-Vertrag endgültig abzuschaffen.
Europa braucht eine Wende hin zu rationeller Energienutzung und erneuerbaren
Energien.
Auch der Deutsche Bundestag forderte in einem Beschluss vom 12. März 2003,
den Euratom-Vertrag auslaufen zu lassen. Darin heißt es, der Vertrag sei
nicht mehr zeitgemäß. Die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten
wollen aus der riskoreichen Atomenergie aussteigen. Nur Frankreich, Finnland,
Spanien und England halten die Atomenergie noch für förderungswürdig.
Am 29.5.2003 erhielt der Franzose Valéry Giscard d'Estaing in Aachen
den Karlspreis für seine besonderen Verdienste in der EU. Mehrere
Umweltverbände machten dabei auf die Euratom-Problematik aufmerksam.
Siehe auch unsere ausführliche Atomenergie Seite
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| © Greenpeace Aachen |
| Greenpeace Aktivisten stiegen vor der Preisverleihung in den Karlsbrunnen
und forderten mit Bannern und Flugblättern "Stopp EU Subventionen für Atomkraft" An den Häusern gegenüber dem Rathaus wurden lange Banner vom Dach heruntergelassen. Die Aktivisten standen während der gesamten Zeremonie (> 3 Stunden) im kalten Wasser des Karlsbrunnens. Die Aktion wurde mehrfach im Fernsehen gezeigt.
Im Vordergrund 2 Aktivisten vom BUND, die in mittelalterlichen französichen
Kostümen demonstrierten, |
Karlspreisverleihung an Valéry Giscard d`Estaing
Atomkraft darf nicht in der EU-Verfassung festgeschrieben werden!
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Sehr geehrter Herr Dr. Linden,
lassen Sie uns in Zusammenhang mit der diesjährigen
Karlspreisverleihung auf ein Problem hinweisen, auf das wir kürzlich gestoßen
sind.
In diesem Jahr wird Valéry Giscard d’Estaing, der Präsident des Europäischen Konvents den Karlspreis für die Ausarbeitung der europäischen Verfassung erhalten. In dieser entscheidenden Phase europäischer Zukunftsgestaltung schlägt Valéry Giscard d'Estaing vor, die Förderung der Atomenergie als Bestandteil der neuen europäischen Verfassung auf unabsehbare Zeit beizubehalten. Die Nuklearförderung ist ein Relikt aus den Anfangsjahren der europäischen Staatengemeinschaft und ist im so genannten Euratom-Vertrag festgeschrieben.
Auf Grundlage des Euratom-Vertrags
Eine solche Bevorzugung der Atomenergie durch die EU ist heute nicht mehr zurechtfertigen. Sie berücksichtigt auch nicht die Interessen der Mehrheit der EU-Staaten. Nur Frankreich, Spanien, Großbritannien und Finnland wollen die Atomenergie fortsetzen. Die Mehrheit der 15 EU-Mitglieder hat sich gegen die Atomenergie entschieden.
Die Stadt Aachen hat sich in einem Ratsbeschluss zum Thema Atomtransporte aus dem Jahr 1994 klar und eindeutig gegen die Nutzung der umweltzerstörenden und gefährlichen Atomenergie ausgesprochen. In dem Beschluss heißt es wörtlich :
"Dem Rat der Stadt Aachen ist bewusst, dass es Transporte atomarer Abfälle geben wird, solange Atomkraftwerke betrieben werden. Da der Rat der Stadt die Gefährdung nicht nur verlagern will, tritt er ein für den Ausstieg aus der Atomenergie und fordert und forciert die Verwirklichung alternativer Energiekonzepte sowie die Einsparung von Energie."
1995 hat der Rat mit dem Beschluss zur kostendeckenden Vergütung für Solarstrom ein Modell geschaffen, das bundesweit als "Aachener Modell" bekannt wurde.
Aachen setzte mit diesem Beschluss ein Signal in ganz Deutschland für erneuerbare Energien.
Auch bei der jährlich stattfindenden Karlspreisverleihung schaut ganz Deutschland in Richtung Aachen. Der Karlspreis ist heute einer der bedeutendsten europäischen Preise mit einem großen politischen Eigengewicht.
Da die Stadt Aachen sich verantwortungsbewusst gegen die weitere Nutzung der Atomkraft und für die Förderung umweltfreundlicher Energien ausspricht, besteht ein Widerspruch zu den Plänen von Valéry Giscard d`Estaing bezüglich der weiteren Förderung der Atomkraft.
Sehr geehrter Herr Dr. Linden, im Rahmen der Karlspreisverleihung besteht für Sie die Möglichkeit, auf diesen Dissens der europäischen Verfassung hinzuweisen. Nutzen sie bitte auch das persönliche Gespräch mit Valéry Giscard d`Estaing und machen Sie ihm deutlich, dass für die Förderung einer gefährlichen und umweltschädlichen Energieerzeugung in einer richtungsweisenden europäischen Verfassung kein Platz ist.
Fordern Sie ihn auf, die Förderung der Atomenergie aus der neuen europäischen Verfassung herauszuhalten. Machen Sie deutlich, dass die Stadt Aachen auch weiterhin für den Ausstieg aus der Atomenergie eintritt.
Mit freundlichen Grüßen,
Greenpeace-Gruppe Aachen