28.02.05
Von Hamburg nach Inari: Montag, 28. Februar 2005
Freitag bin ich gestartet von Hamburg nach Inari. Mein Ziel: die Urwälder Nordfinnlands, die noch immer vom finnischen Staat nicht ausreichend geschützt sind. Nach etwa 2000 Kilometer langer Fahrt über Dänemark und Schweden haben wir die die Grenze nach Finnland bei Kemi überquert. Das ist am nördlichsten Ende der Ostsee. Dies ist die Stadt, aus der das Papier kommt, für das die letzten Urwälder gefällt werden.
Von Kemi geht es weiter Richtung Norden, vorbei an Rovaniemi - der Stadt des finnischen Weihnachstmannes - über den Polarkreis bis nach Inari. Inari íst in fast jedem Atlas zu finden, obwohl dort nur knapp 700 Menschen leben. Rund um Inari liegen einige der letzten Urwälder Europas.
Die gesamte Fahrt links und rechts der Straße sehe ich nichts anderes als Wälder. Fichtenwälder, angepflanzt um nach 80 Jahren wieder gefällt zu werden. Manche sind gerade ein paar Jahre alt. Am Horizont fallen einzelne größere Bäume in einem Meer kleinerer auf. Es sind ältere Bäume, die mir zeigen wie klein die meisten der Bäume noch sind. Wo ist der Urwald - unser Ziel? Bin ich schon dicht dran, oder gar gerade dran vorbeigefahren?
In Inari heißen uns Greenpeace-Aktivisten aus verschiedenen Ländern willkommen. Sie waren beriets Sonnabend und Sonntag eingetroffen. Wir sind spät dran. Und auch die Sami der örtlichen Rentierkooperative begrüßen uns herzlich. Ich fühle mich gleich gut aufgenommen. Aber es ist eiskalt. Wir stehen draußen im Schnee, bei minus 17 Grad. Ich muss mich noch an die klirrende Kälte gewöhnen.
Die Vorbereitungen zur Errichtung der Greenpeace-Urwaldschutzstation sind in vollem Gange. Die traditionellen Sami Zelte (Tipi) werden aufgebaut. Auch sie werden in der Urwaldschutzstation aufgestellt. Gerade ist ein roter Wohncontainer eingetroffen. Er wird dafür sorgen, das uns im Urwald nicht allzu kalt wird.
Der Wald in dem wir die Schutzstation errichten hat tiefe Wunden. In den letzten Monaten wurden vom staatlichen Forstamt immer Bäume gefällt. Knapp zwei Kilometer von unserem Camp kann man die Spuren der Holzindustire deutlich sehen. Im Dezember wurde hier zuletzt gefällt: ein mehrere Hektar großer Kahlschlag. Kaum ein Baum steht noch.
Ich frage mich, wie hier, bei den extremen klimatischen Bedingungen, jemals wieder ein Wald wachsen soll? Ich frage mich wo die Tiere des Waldes jetzt sind? Wo sind die Rentiere der Sami? Hier liegt nur noch eine öde Landaschaft vor meinen Füßen. Grüße aus dem kalten Norden Olli
Veröffentlicht von Beate um 09:15 | Kommentare (2)