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12.03.05

"Was ist denn dann ein Ureinwohner?"

Gebiet-Sami.jpg Eigentlich eine komische Frage, denn das Wort Ureinwohner sagt doch im Grunde alles. Es sind Menschen, die als erstes einen Ort, ein Gebiet oder ein ganzes Land besiedeln, so wie Sami, Indianer, Aborigines, Maori oder Quechua. Dann kommen irgendwann ein paar andere und vertreiben die Eingeborenen oder versuchen ihnen zumindest die eigene Lebensweise aufzudrängen. DENKSTE. Ein Freund von mir fragte mich sogar, was denn die Sami von uns anderen Europäern unterscheidet. "Ich bin doch dann auch ein Ureinwohner, meine Familie stammt ursprünglich aus Deutschland, und ich lebe immer noch hier!" "Aber Du lebst nicht, wie ein Ureinwohner", gab ich als schlagendes Argument zurück. Worauf Dierk grinste: "Doch, ich trinke Bier und kümmere mich, wie jeder Mann ums Essen." Eben das simple Denken eines Unwissenden. Doch so wie Dierk ging es den meisten, denen ich erzählte, dass ich nach Finnland fahre, um dort mit den Sami für die Urwälder zu kämpfen.

Das machte mich neugierig...

Im Internet steht auf der UN-Seite eine ganze Abhandlung über indigene Völker und all die Kriterien, die diese Gruppen erfüllen müssen, damit sie als Ureinwohner anerkannt werden. Dazu gehört, das diese Gruppen tatsächlich als ziemlich die ersten an einem Ort gelebt haben. Außerdem sollten sie freiwillig ihre kulturellen Besonderheiten bewahren, was im Klartext heißt, sie müssen irgendwas immer noch so tun, wie schon immer. Ob Religion, Arbeits- und Lebensweisen oder spirituelle Werte, ganz egal. Die Überzeugung, ein indigenes Volk zu sein, ist ein weiteres Kriterium, ebenso wie es eine Gruppe sein muss. Ein paar Leutchen machen einen also nicht gleich zum Eingeborenen. Was heute nicht unbedingt mehr eingehalten werden muss, aber durchaus wichtig ist, ist die sogenannte "Erfahrung" von Unterdrückung, Ausbeutung oder sonstige Benachteiligung gegenüber anderer Gruppen.

MuseumKopie.jpg Doch jetzt Schluss mit trockenen UN-Regeln und zurück zur Frage, was die Sami zu Ureinwohnern macht? Hier in Inari gibt es das samische Siida Museum. Da bin ich heute mal hin.

Wider Erwarten ist es recht groß mit drei Ausstellungsräumen, plus einen Diaraum. Grosse Wandtafeln mit vielen Zeichnungen, Wanderkarten und Grafiken zeigen mir, dass die Sami in Finnland, Schweden, Norwegen und Russland leben, und das schon seit fast 10.000 Jahren. Sprich, lange bevor die Germanen aus dem Süden nach Skandinavien kamen. Hier in Finnland gibt es circa 7000 Sami, mit die kleinste Population. Schöne Illustrationen zeigen wie die Sami sowohl früher, als auch heute vom Jagen, Fischen und Rentierzucht leben. Früher waren sie einmal nomadisch, zogen den Jahreszeiten entsprechend zu Sommer- und Winterweiden. Durch entstande Ländergrenzen und Konflikte mit Landbesitzern, sind diese traditionellen Frühjahrs- und Herbstwanderungen allerdings immer problematischer. Um ihre Kultur zu erhalten und Interessen zu vertreten, gründeten sie 1956 den Nordischen Sami-Rat, heute das Sami-Parlament.

An das Leben als "Nicht-Nomaden" angepasst, führen sie ihre Herde dennoch durch die Wälder, aber möglichst nur in ihren Genossenschaften. Dass die Abholzung der Wälder heute jedoch eine weitere und sogar viel größere Bedrohung ihrer Existenz ist, zeigen die Wandtafeln nicht. Durch die Abholzung finden die Rentiere nicht mehr genug Futter im Winter, was logischerweise negative Auswirkungen hat. Dafür bekommt man im nächsten Raum einen guten Eindruck in die Lebensweise der Rentierzüchter. Hierfür brauch ich allerdings kein Museum. Wie sie heute leben sehe ich jeden Tag, wenn wir mit den Sami in die Wälder fahren oder sie bei den so genannten Round-Ups besuchen.

Natürlich sind viele Dinge anders, als noch vor Jahrhunderten oder gar Jahrzehnten. Lange wurde die Sprache gar nicht, oder nur wenig gesprochen. Ein Ausschuss für die Wiedereinführung wurde 1971 ins Leben gerufen, doch es gibt so viele verschiedene Formen, dass die meisten sich doch auf Finnisch unterhalten. Besonders enttäuscht war ich, als die Museumsangestellte mir sagte, dass sie zwar Sami sei, doch sie selbst nur ein paar Brocken Samisch spreche, überhaupt lebe sie im Grunde finnisch. Was auch immer das bedeutet?

SChuheKopie.jpg Die Handy-Generation macht auch vor Ureinwohnern nicht Halt, somit hat jeder ein Telefon in der Tasche. Das herkömmlichste Fortbewegungsmittel ist neben dem Auto der Motorschlitten und die Kleidung ist mehr als westlich. Traditionelle Kleidung wird nur noch zu entsprechenden Anlässen angezogen. Nur die Schuhe, die im Winter besonders warm halten – ich habe das am eignen Leib erfahren – hat hier jeder an. Kein Wunder, unsere Gummischlappen sind ein echter Dreck dagegen. Trotz drei paar Socken und Alu-Einlegsohle hatte ich bei einer Motorschlittenfahrt nach zehn Minuten Frostbeulen an den Füßen. Auf dem Rückweg, mit Sami Schuhen an den Füßen, war alles in bester Ordnung und kuschelig warm - in Deutschland aber leider nicht gesellschaftsfähig.

Was geblieben ist, ist die Verbundenheit mit der Natur und bei der Rentierzüchtung ist man ebenfalls bei vielen alten Gewohnheiten wie beispielsweise dem Ohrmarkierungssystem der Rentiere geblieben. Doch davon ein andermal mehr....
(Anisha)

Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 12.03.05 09:50

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