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09.03.05

Circa 8 Unfälle pro Tag!

zucht.jpg In unserem Büro in Inari ist heute Full House. Seit Montag ist die Abholzung von dem finnischen Forstamt Metsähallitus im umstrittenen Gebiet tatsächlich gestoppt. Deshalb checken jetzt ein paar von uns, zusammen mit den Sami, ob dieser kurzfristige Stopp für die Wälder rund um Nellim wirklich eingehalten wird. Und um die Verhandlungen für das Moratorium voran zu treiben, beraten unsere Aktivisten, welche Schritte die nächsten sind.

Dave, unser irischer Web-Reporter und ich sind deshalb mal für ein paar Stunden raus ins Camp, um dem Computer und der Hektik zu entfliehen und etwas Aktionsluft zu schnuppern. Dave fährt. Gott sei Dank. Obwohl er es gewöhnt ist, auf der linken Fahrbahnseite zu fahren - er kommt halt aus Irland - lege ich doch die Verantwortung für den Wagen lieber in seine Hände. Ich bin sicherlich keine schlechte Fahrerin, auch wenn manch einer der Meinung ist, dass ich immer zu sehr auffahre, doch hier bei den vereisten Straßen sitz ich lieber auf der sicheren Seite und lass mich chauffieren. Zu Recht, denn kaum kommt die erste Abbiegung, gerät das Auto bei leichten Bremsen ganz schön ins Schlittern. Eine starke Bremsung ist also nicht zu empfehlen. Was erklärt, warum die Rentierzüchter-Genossenschaftsseite im Internet sogar auf einer ganzen Seite über Rentiere im Strassenverkehr referiert. Freiwild! Vorsicht ist geboten!

Anfänglich musste ich darüber schmunzeln und hab die Ernsthaftigkeit klar unterschätzt. Zwar passieren jährlich circa 3000 Unfälle – circa 8 pro Tag – doch die meisten in der Zeit von November bis Januar und von Juli bis August, da im Winter durch eine dicke Schneeschicht und das Eis auf den Weidenflächen sowie im Sommer durch die Insektenplage die Rentiere auf offene Flächen und Straßengebiete fliehen. Ein anderes Problem ist, dass die Fahrbahnen die Weidegebiete unterbrechen, zudem die Straßen durch das Streusalz und Sand den Bedarf von Spurenelementen decken, was die Anziehungskraft auf die Tiere nur noch erhöht.

RentierSTrasseKopie.jpg Es ist März, also fühle ich mich in absoluter Sicherheit. Jedoch keine 15 Minuten später – was in Finnland übrigens keine große Distanz ausmacht – steht rund 600 Meter vor uns eine ganze Herde mitten auf der Strasse. Seelenruhig, einfach zuckersüss. „Autos stören die Rentiere nicht, aber Menschen“, sagt Dave und nimmt schnell den Fuss vom Gas, damit wir sie nicht sofort vertreiben. Wir versuchen so dicht wie möglich mit dem Auto ran zu kommen, damit wir gute Fotos machen können. Unser „Gestank“ würde sie schliesslich sofort vertreiben.

Die Fotos im Kasten fahren wir heil und happy weiter. Die statistischen dreitausend Pechvögel haben nicht so viel Glück und müssen sich dann auch noch mit Versicherungsklauseln rumschlagen. Denn die besagen verrückterweise, dass man schon ein Rentier richtig anfahren muss, damit die Versicherung zahlt. Die Schäden von Ausweichmanövern muss der Fahrer selber blechen. Es sei denn man hat die nötige Zusatzversicherung nicht vergessen... (Anisha)

Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 09.03.05 20:52

Kommentare:

hallo
das sind ja mal super neuigkeiten, dass sie den einschlag momentan gestoppt haben. für alle die sich direkt für den schutz der rentier-urwälder einsetzen wollen, kann ich die seite http://www.urwaldpostamt.de empfehlen.

auf dieser seite gibt es die möglichkeit briefe an die finnische botschaft in berlin und verschiedene finnische konsulate zu schreiben, um sich so für den erhalt der urwälder einzusetzen.
wir warten noch auf eine antwort von der finnischen botschaft, die uns zugesagt wurde, nachdem wir am ende einer 170 km langen "rentour" unsere foderungen beim honaorarkonsulat in frankfurt übergeben hatten. das ziel ist weitehin, ein komplettes moratorium zu erreichen. also schreibt und fragt nach. für euch in finnland weiterhin gutes durchhaltevermögen und viel heißen tee.

schöne grüße aus marburg
ciao julian

Ver�ffentlicht von: Julian Jaedicke at 10.03.05 11:58

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