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18.03.05

Dampf ablassen - Demo in Inari

DemoKopie.jpg Gestern war es nun so weit. Eine Busladung voller Holzarbeiter des Forstamtes Metsähallitus erschien kurz nach ein Uhr bei uns im Büro in Inari, um gegen Greenpeace zu demonstrieren. Bereits seit Sonntag kursierten viele Gerüchte, dass wir diesen Besuch bekommen sollten. Angeblich wollten am Montag bis zu 200 Arbeiter des Forstamtes gegen das Camp demonstrieren. Doch es passierte nichts. Dann hieß es, es könnte auch Dienstag oder Mittwoch passieren. Doch es passierte wieder nichts. Nachdem wir dann bei der Polizei in Ivalo angerufen haben, haben wir erfahren, dass es nun tatsächlich am Donnerstag frühen Nachmittag los gehen soll.

Und so war es auch. Gegen halb acht Uhr morgens fahren also, wie bereits am Montag, alle ins Camp, nur Dave und ich bleiben wie gewohnt an Ort und Stelle, um die Stellung zu halten. Ungefähr um halb zwölf klingelt das erste Mal mein Handy. Peterie, einer unserer finnischen Aktivisten ist am Apparat: "Ihr werdet gegen kurz nach ein Uhr Besuch bekommen", informiert er mich. "Und was sollen wir dann tun?" wollte ich wissen. Tuuuuuuut – weg ist er. Super, immer diese Funklöcher. Kurze Zeit später klingelt es erneut. "Peterie noch mal, bleibt bitte im Büro, die Holzfäller kommen erst zu Euch, bevor sie zum Camp aufbrechen. Es ist zwar nur ein Gerücht, aber wir behandeln es, als wäre es eine Tatsache. Wir schicken Euch auf jeden Fall Satu rüber, damit ihr jemanden habt, der finnisch spricht", sagt er und legt auf. Dave hat das meiste mit gehört und fängt an, die Vorhänge zuzuziehen. "Besser wenn sie uns nicht so ins Büro gucken können."

Auf einmal steht ein Mann mitten in unserem Büro: "Ich wollte Ihnen mitteilen, dass die Holzarbeiter auf dem Weg zu Ihnen sind. Sie wollen ein paar Flugblätter bei Ihnen an die Hauswand nageln. Nur damit sie vorbereitet sind", erklärt er und verschwindet. Da kommen auch schon Satu und Joe. Keinen Moment zu früh, denn kurze Zeit später fährt ein Polizeiwagen und die ersten Presseautos vor. Kaum positioniert, parken auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein paar VW Busse. Holzfäller, unter anderem in traditioneller Sami Kleidung steigen aus. Selbst Rentiere haben sie dabei. Und dann kommt ein ganzer Bus. Circa 60 Leute steigen aus und stellen sich mitsamt ihren Bannern in einem Halbkreis auf dem Parkplatz vor unserem Büro auf. Alles geht friedlich ab. Die Banner sind jedoch weniger freundlich. Von "Rest in Peace - Greenpeace", "Green Mafia", "Wir essen keine Bäume" und "Green Terror" ist alles dabei. Ein paar der Banner haben sie sogar schon mal vor zwei Jahren bei einer Demonstration gegen uns verwendet, erzählt mir Dave später.

DemoSatuTalkKopie.jpg Nachdem die versammelten Journalisten ihre Fotos und Filme gemacht haben, geht ein Sprecher auf Satu und Joe zu. Die beiden halten wacker die Stellung und hören sich geduldig an, was er zu sagen hat. Satu übersetzt dabei für Joe vom Finnischen ins Englische. Auf einem Zettel, den der Sprecher vorliest, steht, dass die Bürger und Arbeiter gegen die Anwesenheit und Aktivitäten von Greenpeace, der finnischen Naturschutzorganisation und des finnischen WWF seien. Die Aktivitäten von Greenpeace zerstörten die Arbeitsplätze und die Existenz der Bewohner von Lappland. Wenn Greenpeace behaupte, dass die Bevölkerung hinter uns stehe, sei das eine Lüge. Innerhalb einer Woche hätten mehr als 2000 Menschen eine Petition gegen die Anwesenheit von Greenpeace in Inari unterschrieben. Joe versucht, dem Sprecher zu vermitteln, dass wir nicht allgemein gegen Fortwirtschaft sind, uns jedoch für eine bessere einsetzen und schon gar keine Arbeitsplätze vernichten wollen.

Als alles gesagt war, gehen ein paar von den Leute in die Mitte und stellen weiße Kerzen auf den Boden. Nachdem sie die Kerzen angezündet haben, rollen plötzlich alle wieder ihre Banner zusammen und machen sich auf dem Weg ins Camp. Nach einem schnellen Anruf im Camp fahren Satu und Joe dem Trupp hinterher. Je mehr Leute im Camp sind, desto besser. Dave und ich bleiben zurück. Froh, dass der Spuk nun endlich vorbei ist. Zumindest hier bei uns. Aber wie läuft es im Camp?

Auf die Antwort mussten wir circa drei Stunden warten. Gegen vier Uhr kamen die ersten aus dem Camp zurück. Sofort bombardierten wie sie natürlich mit Fragen. "Es war alles ganz friedlich. Sie haben die Tiere gefüttert, die Banner ausgebreitet, ein Sprecher hat ein paar Sachen per Lautsprecher verkündet und vereinzelt haben sich auch welche mit uns unterhalten. Es war, Gott sei Dank, ruhiger als erwartet. Und es war gut, das die Holzfäller mal ein wenig Dampf ablassen konnten", erzählt Joe, der auch wieder mit zurück kam. Und auch uns merkt man die Erleichterung an. Es hätte schließlich alles ganz anders kommen können. Und auch wenn wir natürlich noch keine Lösung haben, die beide Seiten zu Frieden stellt, ist eine ruhige Auseinandersetzung besser als gar keine.

DemoKerzenKopie.jpg

DemoEatnotreesKopie.jpg













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(Anisha)

Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 18.03.05 12:20

Kommentare:

Was mich freut: Dass alles offensichtlich friedlich verlaufen ist. Was mich wundert: Woran liegt es, dass die Holzfäller so ein verzerrtes Bild von der Aktion haben? Ist das bewusste Fehlinformation seitens der Arbeitgeber? Wenn die Holzfäller Angst um ihre Arbeitsplätze haben - wie realistisch ist diese Angst? Und was könnte Greenpeace tun, um sich und seine Aktion den Holzfällern und ihren Familien verständlicher zu machen?


Ich finde es beunruhigend und verwirrend, dass offensichtlicher Widerstand in der Bevölkerung existiert. Wenn alles eine Folge von Miss- oder Fehlkommunikation ist, - was tut Greenpeace, um hier Aufklärung zu schaffen? Eine einmalige Aktion, die nicht den vollständigen Rückhalt in der Bevölkerung hat, scheint mir auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt.


Oder ist es so, dass hier Sami gegen Finnen stehen? Also eine Wiederbelebung eines alten Konflikts? Aber es hieß in dem Bericht ja, dass auch unter den Holzfällern Sami waren. Hm. Mehr Fragen als Antworten...

Ver�ffentlicht von: Katrin Bosse at 18.03.05 21:37

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