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22.03.05

Die Job Frage

Reindeer_forest5-Kopie.jpgWarum wir hier sind ist klar. Wir fordern zusammen mit den Sami Rentierzüchtern den Einschlagstop in den finnischen Urwälder. Das macht den Arbeitern des Forstamtes Metsähallitus und der Gemeinde von Inari Angst. Sie sehen nicht die langfristigen Folgen einer Abholzung der letzten europäischen Urwälder, sondern haben lediglich Angst um ihre Arbeitsplätze. Verständlich. Denn auch sie müssen von irgendwas leben. Dennoch ist es sehr kurzsichtig gedacht. Im Grunde geht es hier nicht nur um die Existenz der einzigen und letzten Ureinwohner Europas, sondern die Zukunft von uns allen.

Wald ist nicht gleich Wald. Urwälder spielen für die Lebensräume der Erde eine elementare Rolle. Sie regulieren das Klima, in dem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Sie bremsen Winde und extreme Klimaverhältnisse wie Hitze, Frost, Trockenheit und Sturm. Außerdem filtern sie natürlich die Luft, speichern und reinigen Wasser und verhindern Erosion. Urwälder geben Heimat und Lebensräume für Ureinwohner, so wie ganzen Tier und Pflanzenwelten. Allein durch die Abholzung der Urwälder in Finnland stehen bereits 564 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten auf der roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten. Viele dieser Tiere und Pflanzen können in den kommerziell genutzten Wäldern Finnlands aufgrund von Eintönigkeit und des veränderten Mikroklimas der Wirtschaftswälder nicht überleben. Das heißt beispielsweise auch, dass zahlreiche Pflanzen verschwinden, die für medizinische Stoffe genutzt werden könnten. Neben dem eigenen, unschätzbaren Wert tragen die verbliebenen Urwälder also entscheidend zur Stabilisierung des Lebens bei.

Und trotzdem. Es wird weiter abgeholzt. Wie auch hier in Finnland. Ein besonderes Problem ist, dass in polaren Regionen wie hier, relativ kurze Sommer herrschen. Deshalb dauert das Aufwachsen neuer Vegetationen Jahre, der ursprüngliche Zustand wird kaum erreicht. Aber das interessiert die Arbeiter nicht. Sie denken, wie schon gesagt nur an ihren Job. Greenpeace nimmt ihnen die Arbeitsplätze weg, heißt es immer wieder. Doch das ist nicht wahr. Greenpeace macht auf das Problem aufmerksam und bietet Lösungen an, doch die Umsetzung liegt dann in der Hand der Arbeitgeben und der Regierung.

Doch nicht nur die Arbeiter von Metsähallitus, auch unsere Leser fragen immer wieder nach der Jobsituation. Matti, unser Waldexperte aus Finnland hat dazu schon des öfteren Stellung genommen. Hier sind noch mal ein paar seiner Kommentare:

„Wir haben bereits viele konkrete Vorschläge, Lösungen und Wege vorgeschlagen:

1. Das bestehende Profitziel von Metsähallitus muss reduziert werden, so dass der Erhalt der Jobs und nicht der Gewinn des staatlichen Unternhemens im Vordergrund steht.

2. Ein Teil der Wälder wird mit einer Erntemaschine gefällt, diese sogenannter Havester wird von einem einzigen Mann per Joystick bedient und erledigt die Arbeit von circa 15 Holzfällern. Würde die Maschine hier weniger eingesetzt, könnten 15 Waldarbeiter stattdessen ihren Job behalten.

2. Wiedergutmachung durch den wirtschaftlich gesunden finnischen Staat. Der selbe Staat, der den Sami die Waldrechte aberkennt, muss jetzt Verantwortung übernehmen. Es ist Sache der Regierung, finanzielle Mittel und Wege zu finden. Allein wenn sie ein einziges F-18 Flugzeug weniger kaufen würden, hätten sie genug Geld, um die Löhne zu zahlen.

Ebenso könnte die Forstwirtschaft, die Milliarden von Euros pro Jahr erzielt, einen Beitrag für eine Lösung leisten".

Und unser Waldexperte Olli von Greenpeace Deutschland sagt:

„Greenpeace ist nicht grundsätzlich gegen Forstwirtschaft, aber gegen die Abholzung der letzten bestehenden Urwälder und anderer wichtige Rentierwälder mit einem hohen Schutzwert. Nur weil diese Gebiete geschützt werden sollen, bedeutet das nicht gleich einen Arbeitsplatzverlust. Es gibt andere staatliche und private Wälder, die man nutzen kann, wie auch in der Vergangenheit.

Es ist keine einfache Lösung, doch das Problem zu leugnen, führ erst Recht zu keiner Langzeitlösung dieser wichtigen Frage.

Zur Zeit gibt es mehr Jobs durch Rentierhaltung als durch Abholzung in den staatlichen Wäldern. Und die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle Lapplands ist der Tourismus“.

(Anisha)

Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 22.03.05 12:20

Kommentare:

Hi, habe den bericht gelesen (danke!!) und wüßte gern, welche position die finnische regierung einnimmt und ob man dorthin mailen sollte (adresse??). wie ist es mit der einrichtung von schutzgebieten - für menschen und natur?? grüße und alles gute! s.w.

Ver�ffentlicht von: susanne walter at 23.03.05 10:40

Gibt es eine Möglichkeit, euch von der Ferne zu unterstützen?

Ver�ffentlicht von: Andreas at 07.04.05 12:37

Hallo Andreas.
Ja, Ihr könnt uns aus der Ferne unterstützen. Zum Beispiel im Greenpeace-Cybercenter (http://act.greenpeace.org/cl2/de/de), oder in einer der Greenpeace-Gruppen vor Ort (http://gruppen.greenpeace.de/).
Lieben Gruß, Monika

Ver�ffentlicht von: Monika at 11.04.05 08:54

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