« Interview mit Oliver Salge, Aktivist bei Greenpeace | Home | Minus 16 Grad - Man kann die Kälte förmlich sehen! »

14.03.05

Eine gute Reise, Achim!

AchimSkierKopie.jpg Zwei Wochen sind rum. Das heißt für Achim Gresser, ehrenamtlicher Aktivist bei Greenpeace und Schriftsteller in Marburg, dass es wieder Richtung Heimat geht. Dort wartet seine Freundin und eine Menge Arbeit, denn Achim schreibt gerade an seinem Buch über seine USA-Durchquerung zu Fuß! Doch bevor er heute in den Bus steigt, hab ich ihm noch ein paar Löcher über seine Zeit im Greenpeace Finnland Camp, in den Bauch gefragt. Und er hat geduldig geantwortet....

Du warst jetzt zwei Wochen hier im Camp! Wie sieht deine Rückfahrt aus?
Es wird ein Erlebnis für sich werden. Um von den letzten intakten Urwäldern Europas zurück nach Marburg, in die Nähe des Nationalparks Kellerwald-Edersee – einem Urwald von morgen – zu gelangen, werde ich mit Bus, Zug und Schiff gut und gerne 45 Stunden unterwegs sein. Eigentlich ganz schön, als Abschluss nochmals die Zeit zu haben, die zwei Wochen im Camp Revue passieren zu lassen.

Was war der beeindruckendste Moment?
Der beeindruckendste war für mich gleichzeitig auch der ernüchterndste Moment. Plötzlich einmal selbst in einem vom Holzeinschlag gezeichneten Urwaldgebiet zu stehen. Hunderte von Baumstämme entlang einer kürzlich erst angelegten Forststrasse, die mich direkt ins Zentrum des Einschlags führte. Ein Anblick, der mich daran zweifeln ließ, tatsächlich im Jahre 2005 im zivilisierten Europa zu sein.

Hat Dich dein Finnland-Aufenthalt verändert?
Ich denke, das kann ich so nicht sagen. Es war auf jeden Fall eine intensive Zeit für mich in der Natur, im Thema und letztlich auch innerhalb der Greenpeace-Organisation. Auf jeden Fall wurde für mich nochmals deutlich, dass die Urwälder für uns Menschen einen unverzichtbaren Teil der Zivilisation darstellen und wir diese für uns nutzen sollten, ohne sie gleich zu zerstören. Aus meiner Erfahrung kann ich jedem, der sich für Urwälder interessiert und sich für deren Schutz aktiv einsetzen möchte, nur empfehlen, bei der nächstliegenden Greenpeace Gruppe vorbeizuschauen, und wie ich einfach mitzumachen. Dann könnte sich für uns alle mehr verändern.

Was wirst du jetzt in Deutschland als erstes tun?
Zunächst einmal meine Freundin in den Arm nehmen. Dann meinen dicken Wollpulli durch eine Badehose austauschen und für ein paar Tage zu einer Familienfeier nach Italien fahren. Und natürlich überall und jedem von den finnischen Urwäldern erzählen.

Wie wirkt sich dein Aufenthalt jetzt auf deine Arbeit bei Greenpeace in Deutschland aus?
Ich werde ganz klar dort weitermachen, wo ich zuvor aufgehört habe. Das Verhalten der Verbraucher in Deutschland wird entscheidend für den Erhalt dieser letzten Urwälder Europas sein. Die letzten Monate hinweg mobilisierte ich über Aktivitäten des Greenpeace Urwaldpostamtes www.urwaldpostamt.de bereits mehr als 1.300 Verbraucher für den Schutz der letzten finnischen Urwälder. Diese richteten selbst verfasste Protestbriefe an die Adresse der finnischen Regierung, mit der Forderung die Einschläge in den Rentier-Urwäldern der Sami zu stoppen. Als der zuständige Vertreter der finnischen Regierung in Deutschland, Forstattaché Kari Vitie, gegenüber den Mitmachern des Urwaldpostamtes leugnete, dass der staatseigene finnische Forstbetrieb in den Urwäldern abholzt, startete ich im Dezember gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Aktivisten aus den Greenpeace Gruppen Marburg und Frankfurt vom Nationalpark Kellerwald-Edersee ausgehend die "Rentour". Als Zeichen des öffentlichen Protests zogen wir in Rentierkostümen verkleidet einen 200 Kilogramm schweren Rentierschlitten zu Fuß bis zum 160 Kilometer entfernten finnischen Honorarkonsulat nach Frankfurt. Mit an Bord der achttägigen Tour waren auch 474 hölzerne Kellerwaldzwerge. Jeder Kellerwaldzwerg trug jeweils den Namen eines der 474 von Greenpeace, FANC und den Sami-Rentierkooperativen kartierten Urwaldgebiete in Finnland. Die Zwerge selbst wurden 2001 während der Greenpeace-Kampagne zur Einrichtung des ersten hessischen Nationalparks von Kindern als Symbol für die Einrichtung europäischer Schutzgebiete bemalt. Wir erlangten schließlich ein einstündiges Gespräch mit dem Konsul, sowie die offizielle Übergabe zweier Kellerwaldzwerge an die finnische Regierung. Eine Antwort steht noch immer aus. Dafür ging für mich persönlich vor zwei Wochen die Post ab – hier ins Camp nach Finnland.

Ich wünsche Dir eine gute Reise.
(Anisha)

Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 14.03.05 08:50

Kommentare:

Kommentar ver�ffentlichen




An den Eintrag erinnern?