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25.03.05
Frühlingserwachen?
Hamburg 15, London 10, Amsterdam 9, Paris 18 Grad! Seit 4 Tagen ist offiziell Frühling. Hmm... . Bei uns? Nun denn, das Thermometer zeigt heute morgen ganze Null Grad. Doch ist das besser, als die Kälte der letzten Wochen? Wenn man mich fragt, nein. Auch wenn wir uns immer tüchtig einmummeln mussten, sobald wir einen Schritt vor die Tür machten, so schien doch wenigstens die Sonne. Und ganz ehrlich, wenn die Sonne scheint, die Kälte trocken ist und man durch die schneeweiße Landschaft wandert, dann sind minus 25 Grad tatsächlich ganz angenehm. Ist es aber draußen grau, windig und es taut, dann geht einem das durch Mark und Bein. Während unsere Greenpeace Kollegen in Hamburg, London, Amsterdam oder Paris nette Bildchen aus der Mittagspause schicken, wie sie dort den wohlverdienten Snack ohne Jacke, Schal und Pudelmütze sitzen, müssen wir bei jedem Schritt aufpassen, dass wir auf den glitschigen Strassen uns nicht der Länge nach hinlegen. Von Frühlingsgefühlen kann also keine Rede sein.
Doch nicht nur, dass dieses Wetter echt widerlich ist, es stellt uns früher oder später auch vor ernsthafte Probleme. Sollte es weiter so tauen, müssen wir uns Gedanken machen, wie es mit dem Camp weiter geht. Denn fängt erst mal die Zufahrtsstrasse an, sich in einen Schmelztiegel zu verwandeln, kommen wir weder raus, noch rein. Die Container selbst fangen langsam an, ein Eigenleben zu entwickeln. Noch spürt man es zwar nicht, aber wenn der Boden erst mal anfängt richtig aufzutauen, dann sackt uns unser “Zuhause auf Zeit“ unter den Beinen weg. Aber so weit ist es Gott sei Dank noch nicht. Bis dahin, müssen wir uns um die eher kleineren Probleme kümmern.
Huck, unser Aktivist aus Deutschland, hat sich auf dem Weg zum Klo bereits seinen ersten „Nassen“ geholt. Knick, knack und schwups war er weg – im Fluss eingebrochen. Dumm gelaufen. Doch damit das nicht ständig passiert, muss das Klo wohl von seiner ursprünglichen Stelle auf die andere Straßenseite verlegt werden. Nasse Füße sind schließlich auch bei Null Grad unangenehm. Und das Schlafen im Zelt ist zur Zeit eine echt feuchte Angelegenheit. Der Boden ist matschig, die Wände sind klamm, von erholender Nachtruhe kann da eigentlich keine Rede sein. Die ersten Erkältungsfälle lassen wohl nicht mehr lange auf sich warten.
Neu sind auch ein paar Besucher, die hin und wieder ins Camp kommen. Vögel. Interesse haben die allerdings weniger an uns, als an dem totem Hasen, der circa 5 Meter hinter unserem Zelt im Schnee liegt. Aasfresser also. Wunder schön, wie Melanie unsere Jüngste im Team meint, doch leider super scheu. Doch davon lässt sie sich nicht abschrecken. Voller Tatendrang will sie sich später so lange in den Schnee setzten, bis sie endlich ein gutes Foto im Kasten hat. Ich kann dazu nur sagen: Viel glück, und zieh dich warm an. Wir anderen harren der Weil der Dinge, was uns das Frühlingserwachen sonst noch für Überraschungen beschert.
(Anisha)
Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 25.03.05 10:53