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31.03.05

Wie markiert man eigentlich einen ganzen Wald?

tree1_randy.jpgGute Frage. Immerhin kann man nicht an jeden einzelnen Baum ein Schild hängen, oder gar überall Zäune aufstellen. Das wäre auch nicht Sinn der Sache, schließlich sollen die Rentiere und ebenso alle anderen Waldbewohner sich frei bewegen können. Da wir den Wald markieren, um Menschen vom industriellen Abholzen abzuhalten, hängen wir also Schilder an gut sichtbaren Stellen auf. Ursprünglich haben wir sie in Augenhöhe angebracht. Leider verschwanden einige Schilder auf wundersame Weise, und tauchten teilweise an obskuren Orten wieder auf. Deswegen gingen wir dazu über, sie mit Hilfe einer Leiter in einer Höhe zwischen zwei und sechs Metern aufzuhängen. Da wir aber oft mit Schiern unterwegs sind, können wir keine Leiter mitnehmen.

Umso besser, dass unsere Aktivisten auch einfach die Bäume hochklettern können. Dort befestigen sie die Schilder mit einem dünnen Draht. Der wird zumindest solange halten, bis die Urwälder langfristig geschützt sind.

demarkation-skies-climbing.jpg

Meine Sorge war übrigens, dass der Draht innnerhalb kurzer Zeit den Baum einengen würde. Doch Christian kann mich beruhigen: "So fest ziehen wir den Draht nicht", und Sigurd fügt hinzu, dass hier die Jahresringe sowieso nur 0,4 bis 1 Millimeter pro Jahr wachsen, und damit etwa 300 Jahre brauchen, bis sie ausgewachsen sind.

Nebenbei bemerkt: Eben deswegen ist es umso wichtiger, dass sie nicht im großen Stil abgeholzt werden.
(Monika)

















Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:26 | Kommentare (4)

Und noch mehr Schilder

demarkation3_chrisgurd.jpgAllein heute haben unsere Aktivisten Christian und Sigurd weitere 300 Hektar abgesteckt. Gut, dass die beiden schwindelfrei sind. Christians Freizeitbeschäftigung ist übrigens Alpinklettern. Macht ja auch Sinn, wenn man Schweizer ist.

P.S.: Eben flüstert mir Christian noch zu, dass sie bloß zu faul waren, die Leiter mitzunehmen. Ich glaube aber, dass sie einfach gerne klettern. (Monika)





Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:31 | Kommentare (2)

Wie versprochen: Weitere Schilder

climbing-2.jpgAuch gestern haben unsere Aktivisten wieder Schilder an den Bäumen angebracht. Hier seht Ihr Sigurd, wie er mutig den Baum hochklettert. Zum Glück liefen uns dieses Mal keine Holzfäller über den Weg, die unsere Schilder hätten klauen können;-) Dafür haben wir uns nett mit einigen Eisfischern unterhalten. Zum Abschied meinte der eine freundlich, dass er uns erschießen würde, falls wir in seinem Wald Schilder aufhängen würden. Das sollten wir allerdings nicht wörtlich nehmen, fügte er hinzu. Und obwohl er unsere Arbeit sinnlos findet, wünschte er uns Viel Glück.

Übrigens: In ihrem Netz hatten sie nur zwei kleine Fische. Wir sind gespannt auf den Eisfischerwettbewerb am übernächsten Wochenende. 3000 Eisfischer sind angekündigt - es wird also voll hier, denn Inrai selbst hat nur 550 Einwohner.

Isadora, unsere schwedische Aktivistin, übt noch ein wenig. Bis dahin sieht sie reichlich komisch aus. Stand da nicht irgendwas von "gute Skikenntnisse vorausgesetzt" in den Teilnahmebedingungen?
(Monika)

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Veröffentlicht von Redaktion-HH um 13:12 | Kommentare (0)

Der Hase ist ein Rentier

rabbit-reindeer-with-bird.jpgAls es neulich ein wenig taute, kam ein "kleines Häschen" in unserem Camp zum Vorschein. Zwischendurch fiel Schnee, und wir hatten das gute Stück fast vergessen. Seit gestern aber taut es wieder. Also, entweder leben hier ziemlich große Hasen, oder der Hase ist ein Rentier. Wie auch immer, wir lassen Euch gern an dem schönen Anblick teilhaben. Man beachte das Vögelchen links oben im linken Bild. Hoffentlich schneit es bald wieder! Ansonsten werden wir das tote Tier bei Gelegenheit ordentlich vergraben müssen - bevor es anfängt zu stinken. (Monika)



Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:44 | Kommentare (0)

30.03.05

Sigurd geht baden...

sigurd.jpg... ebenso einer unserer finnischen Jungs. Um Sigurd, unseren deutschen Aktivisten ins Loch hopsen zu sehen, kam ich leider nicht mehr rechtzeitig. Sorry, Mädels. Wobei er mir versprochen hat, sich bei Gelegenheit nochmal in die Fluten unseres Bächleins zu stürzen. Um sicherzugehen, dass die beiden von keiner Strömung mitgerissen werden, waren sie beide mit einem Seil gesichert. Immerhin ist der Bach so tief, dass man von Kopf bis Fuß untertauchen kann.

Hier seht Ihr unseren finnischen Aktivisten. Er ist ebenfalls reingesprungen und sofort wieder raus. Ist halt kalt hier. Und: "Das Wasser stinkt ziemlich übel!"
(Monika)


finn.jpg
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Veröffentlicht von Redaktion-HH um 14:20 | Kommentare (1)

Weitere Schilder aufgehängt - alle geklaut

logged-tree1.jpgGestern waren wir unterwegs, um weitere Schilder aufzuhängen. Die Schilder weisen auf ein Gesetz hin, das den Schutz der Lebensweise der Sami gewährleisten sollte, unserer Einschätzung nach bisher aber missachtet wurde. Mit Hilfe einer Karte und GPS haben wir uns orientiert, und dann unsere Schilder möglichst hoch aufgehängt. Leider wussten einige Holzfäller unsere Arbeit nicht zu schätzen: Nachdem sie uns beim Anbringen eines Schildes beobachtet hatten, fällten sie zu unserem Entsetzen kurzerhand den ganzen Baum, und stahlen das Schild. Soviel zum Thema Einschlagstopp. Heute mussten wir feststellen, dass über Nacht alle weiteren Schilder "verschwunden" sind. Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen - gerade dass sich einige Holzfäller diese Mühe machen, zeigt uns, dass sie uns Ernst nehmen. Heute bringen wir weitere Schilder an;-)

Hier seht Ihr noch einige Bilder von unserer gestrigen Arbeit. Teilweise war der Schnee so tief, dass ich ohne spezielle Schneeschuhe einfach versackt und steckengeblieben bin. Kein Grund zum Jammern, ich war ja dick verpackt und außerdem schien die Sonne schön warm.
(Monika)

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Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:03 | Kommentare (0)

28.03.05

Sami-Konzert

concert.jpgDas angekündigte Sami-Konzert fand für einige von uns leider nicht statt. Denn der Abend begann mit ein paar Jugendlichen, die gemütlich Jazz spielten. Jazz ist zwar nett, doch was das mit Sami-Musik zu tun haben sollte, war mir nicht klar - auch ich ging gegen Mitternacht schlafen. Erst heute Morgen ist mir klargeworden, wen ich verpasst habe: Ulla Pirttijärvi! Das zumindest erzählen diejenigen, die bis zum Ende durchgehalten haben. Die haben dieses verwackelte Bild geschossen.

Ulla Pirttijärvi ist eine bekannte samische Joikerin. Joik? Sprecht es einfach so aus, wie es geschrieben wird.

Joik heißt soviel wie "samischer Gesang", überliefert aus früheren Zeiten. Im Unterschied zu anderen Volksweisen trällert man keine Liebesgeschichte, oder erzählt ein Märchen über moralisches Verhalten. Stattdessen weckt man ein Gefühl, zum Beispiel das Wesen der Liebe. Deswegen muss ein Joik nicht mal Text enthalten, es reicht der Klang der Stimme.

Der Joik gehört zum schamanischen Glauben dazu. Dabei ist es entscheidend, nicht ÜBER etwas zu joiken, sondern etwas selbst zu joiken. Das Joiken ruft die Natur als Wesenheit herbei - den Neuschnee, ein bestimmtes Tier oder einen Schluck Wasser.

Joiks lassen sich übrigens nicht erfinden, oder gar erzwingen. Man sagt, dass sie kommen, wenn sie wollen. Zum Beispiel beim Wandern, Arbeiten, Essen - oder beim Langweilen. Mein Langeweile-Joik von gestern, als ich drei Stunden am Flughafen warten musste, ging etwa so: mmm... LAAA! mmm... LAAA! Immer wechselnd zwischen erzwungener Ruhe und einem innerlichen Aufschrei.

Ulla Pirttijärvi sagte einmal, dass man mit einem Joik die Natur nicht nur anschaut und sie schön, oder gar überwältigend findet, sondern das Wesen des Windes, eines Sees spürt. Vielleicht kann uns der samische Joik einen Zugang zur Natur zeigen. Sicher gibt es auch bei anderen naturverbundenen Völkern traditionelle Gesänge. Die Samis sind immerhin nicht so weit von uns entfernt - aber in ihrer Lebensform genauso bedroht wie andere Ureinwohner.

So. Und meine einzige Rechtfertigung, die gestrigen Joiks verpasst zu haben, liegt in diesen beiden Beweisfotos. So gelangweilt und einschläfernd, wie unsere Aktivisten da noch aussehen - hättet Ihr mit noch mehr Spannung gerechnet? Wohl kaum.
(Monika)

people.jpg wandbild.jpg

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 11:52 | Kommentare (0)

27.03.05

Neues Gesicht - neue Handschrift

monika.jpgWie meine Vorgängerin angekündigt hat, schreibe ich ab heute das Weblog zur Forest-Rescue-Station von Greenpeace. Als mich Beate aus der Internet-Redaktion von Greenpeace Deutschland Anfang Februar anrief, um zu fragen, ob ich mal eben für zwei Monate nach Finnland fliegen möchte, habe ich mit einem entschiedenen Jein geantwortet. Klar wollte ich! Aber ich stecke mitten im letzten Semester, muss meine Abschlussarbeit bald abgeben... Wenig später rief sie erneut an und fragte, ob ich zumindest für drei Wochen könnte? Und hier bin ich.

Damit Ihr wisst, wer da für Euch schreibt, folgt nun ein gestelltes Interview (Fragende und Befragte sind identisch;-)

Warum ist der Wald für Dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Weil ich es schrecklich finde, wenn guter Wald zu Klopapier verramscht wird. Oder zu ähnlichen Alltagsdingen, die genausogut aus Recycling-Papier sein könnten.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Ein herkömmlicher Infostand, der war zumindest der Auslöser. Und ursächlich: "Die Welt ist so schlecht - irgendwer müsste doch mal irgendwas tun..." - das kann jeder sagen! Wieso warten, bis "die anderen" was tun? Ich will handeln. Und so kümmere ich mich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Flensburger Greenpeace-Gruppe. Dort haben wir übrigens zur Zeit ein Projekt zur Umstellung auf Recycling-Papier.

Warum bist du in Finnland? Gibt es für dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Ja, meine dänische Herkunft, und mein Studium - ich bin angehende Kultur- und Sprachmittlerin mit Dänisch und Englisch. In Finnland komme ich mit Dänisch ziemlich weit: Fast alles ist neben Finnisch zusätzlich in Schwedisch beschriftet. Und zum Retten der finnischen Urwälder halte ich die Forest-Rescue-Station für einen geeigneten Ort.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Für den Wald, die Sami und ihre Rentiere: Dass der Einschlagstopp eingehalten wird. Für mich ist ein Wunsch schon in Erfüllung gegangen: Massenweise Schnee. Der macht sich bei uns ja mittlerweile rar.

P.S.: Mein Dozent weiß übrigens gar nicht, von wo aus ich meine Abschlussarbeit schreibe... Gelobt sei das Internet. Und wehe, Ihr petzt!

(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:17 | Kommentare (5)

Frohe Ostern - Hyvää Pääsiäistä

osterei.jpg Der Osterhase war so nett, mir mein Osterei auf das Gepäckband zu bringen. Ansonsten hatte ich bisher einen mäßig spannenden Morgen: Von acht bis elf Uhr habe ich am Flughafen in Ivalo darauf gewartet, abgeholt zu werden. Die Stille Post von Flensburg nach hier oben im Greenpeace-Camp hat leider bewirkt, dass aus acht Uhr morgens acht Uhr abends wurde. Bei dieser Kälte und leichtem Schlafentzug macht das doch einen Unterschied. Zum Glück habe ich endlich jemanden im Camp erreicht, der zu dieser unchristlichen Zeit schon wach war - und jetzt bin ich in Inari!

Apropos Ostern... Wie feiern eigentlich die Samis das Osterfest? Seit im 17. Jahrhundert auch hier das Christentum ankam, unterscheiden sich die Rituale nicht wirklich von unseren - Ostergras, bunt angemalte Hennen, Ostereier. Wobei zumindest hier oben im finnischen Norden kein Osterfeuer angezündet wird - "wir haben dafür Feuer im Mittsommer", erzählt mir eine Finnin. Bei den Samis auf der norwegischen Seite scheint es an Ostern richtig abzugehen, verspricht zumindest die Stiftung Samisches Musikfestival.

Und Ihr da draußen, ist der Osterhase auch zu Euch gekommen? Ich hoffe mal, dass die Osterrituale nicht überall gleich sind. Sonst könnte ich Euch jetzt nicht fragen, wie Ihr den heutigen Tag verbringt!

Übrigens, hier in Inari steigt heute Abend eine Party mit echter Sami-Musik... (Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 14:34 | Kommentare (0)

26.03.05

Schichtwechsel

ZeltKopie.jpg Es ist so weit. Ich reiche das Ruder für die nächsten 2 1/2 Wochen an Monika weiter. Und wenn ich auch neben viel Arbeit, sehr viel Spaß hatte, so freue ich mich auf meinen Schatz, das warme Wetter und vor allem wieder auf ein normales Bett - mit Decke und Kopfkissen. Schlafsack adieu! Zumindest bis Mitte April, denn dann geht es für mich hier weiter. Und während ich mich in den Flieger setze, könnt ihr noch ein wenig in meinen Erinnerungen der ersten Etappe schwelgen... Hier ein paar Fotos für den Blick hinter die Kulissen... Viel Spaß und bis ganz bald...






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(Anisha)


Veröffentlicht von Redaktion-HH um 08:53 | Kommentare (3)

25.03.05

Frühlingserwachen?

anisha2-Kopie.jpgHamburg 15, London 10, Amsterdam 9, Paris 18 Grad! Seit 4 Tagen ist offiziell Frühling. Hmm... . Bei uns? Nun denn, das Thermometer zeigt heute morgen ganze Null Grad. Doch ist das besser, als die Kälte der letzten Wochen? Wenn man mich fragt, nein. Auch wenn wir uns immer tüchtig einmummeln mussten, sobald wir einen Schritt vor die Tür machten, so schien doch wenigstens die Sonne. Und ganz ehrlich, wenn die Sonne scheint, die Kälte trocken ist und man durch die schneeweiße Landschaft wandert, dann sind minus 25 Grad tatsächlich ganz angenehm. Ist es aber draußen grau, windig und es taut, dann geht einem das durch Mark und Bein. Während unsere Greenpeace Kollegen in Hamburg, London, Amsterdam oder Paris nette Bildchen aus der Mittagspause schicken, wie sie dort den wohlverdienten Snack ohne Jacke, Schal und Pudelmütze sitzen, müssen wir bei jedem Schritt aufpassen, dass wir auf den glitschigen Strassen uns nicht der Länge nach hinlegen. Von Frühlingsgefühlen kann also keine Rede sein.

Doch nicht nur, dass dieses Wetter echt widerlich ist, es stellt uns früher oder später auch vor ernsthafte Probleme. Sollte es weiter so tauen, müssen wir uns Gedanken machen, wie es mit dem Camp weiter geht. Denn fängt erst mal die Zufahrtsstrasse an, sich in einen Schmelztiegel zu verwandeln, kommen wir weder raus, noch rein. Die Container selbst fangen langsam an, ein Eigenleben zu entwickeln. Noch spürt man es zwar nicht, aber wenn der Boden erst mal anfängt richtig aufzutauen, dann sackt uns unser “Zuhause auf Zeit“ unter den Beinen weg. Aber so weit ist es Gott sei Dank noch nicht. Bis dahin, müssen wir uns um die eher kleineren Probleme kümmern.

Huck, unser Aktivist aus Deutschland, hat sich auf dem Weg zum Klo bereits seinen ersten „Nassen“ geholt. Knick, knack und schwups war er weg – im Fluss eingebrochen. Dumm gelaufen. Doch damit das nicht ständig passiert, muss das Klo wohl von seiner ursprünglichen Stelle auf die andere Straßenseite verlegt werden. Nasse Füße sind schließlich auch bei Null Grad unangenehm. Und das Schlafen im Zelt ist zur Zeit eine echt feuchte Angelegenheit. Der Boden ist matschig, die Wände sind klamm, von erholender Nachtruhe kann da eigentlich keine Rede sein. Die ersten Erkältungsfälle lassen wohl nicht mehr lange auf sich warten.

Nullgrad2Kopie.jpg Neu sind auch ein paar Besucher, die hin und wieder ins Camp kommen. Vögel. Interesse haben die allerdings weniger an uns, als an dem totem Hasen, der circa 5 Meter hinter unserem Zelt im Schnee liegt. Aasfresser also. Wunder schön, wie Melanie unsere Jüngste im Team meint, doch leider super scheu. Doch davon lässt sie sich nicht abschrecken. Voller Tatendrang will sie sich später so lange in den Schnee setzten, bis sie endlich ein gutes Foto im Kasten hat. Ich kann dazu nur sagen: Viel glück, und zieh dich warm an. Wir anderen harren der Weil der Dinge, was uns das Frühlingserwachen sonst noch für Überraschungen beschert.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:53 | Kommentare (0)

24.03.05

Erste Gespräche - Und wie geht es jetzt weiter?

FotofuerMeeting.jpg

Nachdem Greenpeace Anfang März eine Urwaldschutzstation im nordfinnischen Urwald errichtet hatte und mit den Sami aus Nordfinnland zusammen begonnen hat, die Urwälder und die für die Sami wichtigen Rentier-Wälder mit Warnschildern zu markieren, hat das Forstamt Metsähallitus auf Bitten des größten Holzabnehmers, dem Papiergiganten Stora Enso, den Einschlag in einem Waldgebiet ausgesetzt.

Stora Enso setzte sich dafür ein, dass unter der Leitung der Gouverneurin von Lappland, Frau Hannele Pokka, am 23. März ein Gespräch zwischen den beteiligten Parteien (den Sami, dem Forstamt Metsähallitus, Greenpeace, Stora Enso, den Holzfällern) stattfand.

Ziel dieses Treffens war es, erste Schritte zu einer Lösung des Interessenkonfliktes zwischen der Forstwirtschaft auf der einen und den Interessen der Sami und der Umweltverbände auf der anderen Seite zu finden. Dabei war völlig unverständlich, dass die Presse während des gesamten Treffens anwesend sein konnte.

Völlig überraschend stellte sich zu Beginn des Meetings heraus, dass Stora Enso, die das Treffen initiiert hatten, gar nicht teilnahm. Ein merkwürdiges Mannöver, denn Stora Enso entscheidet als größter Holzabnehmer des staatlichen Forstamtes unter anderem darüber, ob weiter eingeschlagen wird oder nicht. Zudem ist das Unternehmen seit Jahren mitverantwortlich für die Zerstörung der letzten Urwälder in Finnland.

Für die Sami sprach auf dem Treffen der Präsident des Sami-Parlamentes Pekka Aikio. Er forderte die verbindliche Aussetzung der Einschläge in den 73 ausgewiesenen und kartierten Gebieten und faire Verhanglungen unter Beteiligung der Sami.

Greenpeace unterstützt die Forderungen nach einem zeitweiligen Einschlagsmoratorium in den kartierten Urwäldern und machte deutlich, dass das Moratorium eine Grundvoraussetzung für faire und akzeptable Verhandlungen ist.

Nach Darlegung der verschiedenen Positionen beendete die Gouverneurin völlig abrupt das Gespräch. Nach einer kurzen Zusammenfassung des Treffens, bemühte sie sich noch nicht einmal darum, einen gemeinsamen Konsens der Beteiligten zu erstellen. Am Ende blieb uns gänzlich unklar, ob die bisherige Hinhaltetaktik von Stora Enso und dem finnischen Staat nun weiter geht oder tatsächlich ein Moratorium für die 73 Gebiete beschlossen wird.

Wir halten eine Klärung über die gemachten Aussagen seitens der Regierung von Finnland und Metsähallitus über die Dauer der Aussetzung weiterer Einschläge und die davon betroffenen Waldgebiete für notwendig! Wir bleiben dran und werden diese Klärung einfordern.

(Olli)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:29 | Kommentare (1)

Finnlands Wälder: Eine vorher - nachher Ansicht

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Seit Wochen reden wir von nichts anderem als Wälder. Aber wie sieht ein ursprünglicher Rentierwald eigentlich aus? Und wie sieht er vor allem aus, nachdem eingeschlagen wurde? Matti Snellman hat für uns eine 360 Grad Ansicht zusammen gestellt. Nach dem Öffnen, einfach mir der Maus auf das Bild klicken und in eine beliebige Richtung ziehen.


Vorher: Rentierwald

Nachher: Kahlschlag

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:39 | Kommentare (0)

23.03.05

Luft schnappen!

LemmiParkKopie.jpg Die Bude ist wieder mal brechend voll. Viele sind aus dem Camp rüber ins Büro gekommen, um an den Lagebesprechungen teilzunehmen. Circa 15 Mann beraten sich angeregt in unserem 30 Quadratmeter großen Büro. Zeit, um mal frische Luft zu schnappen, denn bei so viel Lärm, bekomm ich nicht eine vernünftige Zeile zustande. Auch Beate und Olli wollen mal für ein, zwei Stunden raus und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Wir schnappen uns also unser so genanntes deutsches Auto, und fahren in Richtung Lemmenjoki Nationalpark. Er liegt 45 Kilometer, bei hiesigen Verhältnissen eine gute Stunde Autofahrt von Inari entfernt, in der Nähe der norwegischen Grenze im Gebiet Kittilä. Olli fährt, Beate schaut verträumt aus dem Fenster und ich falle bereits nach drei Minuten in einen entspannten Mittagsschlaf. Nur am Rande hör ich Olli noch sagen, das ich die schöne Landschaft verpasse. Doch das ist mir jetzt egal, denn ich bin auf einmal unsagbar müde, und den Rückweg gibt es schließlich auch noch.

Auf einer Gesamtfläche von 2855 Quadratkilometer liegt der Lemminjoki Nationalpark, und ist damit der größte in ganz Finnland. Dieser Abschnitt gehört genauso wie die, die wir markieren, zu den letzten Urwälder Europas, was so viel bedeutet, dass er naturbelassen ist. Mit anderen Worten findet keine Forstwirtschaft statt und auch sonstige menschliche Einflüsse sind nicht vorhanden. Ein Wald der einfach so wächst wie es ihm beliebt, und das seit mehr als tausend Jahren.

Finnland ist das waldreichste Land der Europäischen Union. Von der ursprünglichen Waldfläche sind jedoch nur noch fünf Prozent erhalten, etwas über eine Millionen Hektar. Etwas, was ich mir gar nicht vorstellen kann, wenn man von so viel Wald umgeben ist. Doch das Bild trügt, die übrigen Wälder sind meist artenarme Forstplantagen mit gleichaltrigen Bäumen. 500 Jahre alte Exemplare, wie man sie im Lemmenjoki Nationalpark findet, gibt es dort nicht. Und auch wenn die borealen Nadelwälder, zu dieser Gruppe gehört er nämlich, recht dünn besiedelt sind, gibt es indigene Völker, wie die Sami, die in den Wäldern leben und ihn als Nahrungsquelle nutzen - auch heute noch. Deshalb haben es die samischen Rentierzüchter, aus dem Nationalpark auch etwas leichter, als die aus dem Gebiet Siuttajoki, denn in einem Nationalpark bleiben sie vom Einschlag verschont.

GeirKopie.jpg Als Olli gerade auf dem Parkplatz des Dorfes Njurgulahti, dem Ausgangspunkt für Wanderer einfährt, wache ich auf. Bis auf einen kleinen Jungen ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Beim Aussteigen ruft der Kleine in englisch: „Sprichst Du finnisch“? „Nein, aber Englisch“. Woraufhin er mir stolz erklärt, dass seine Eltern hier arbeiten, seine Mutter ihm Englisch beigebracht hat und das der Nationalpark geschlossen ist. Komisch, ich dachte, dass gerade im Winter hier Hochbetrieb ist. „Wie heißt Du“, wollte ich noch von ihm wissen. „Geir“ antwortet er und malt ohne zu zögern seinen Namen in den Schnee.

Gleich hinter einem Haus geht es runter zum Lemmijoki See, den ich zielstrebig ansteuere. Der Anblick ist atemberaubend. Rund um den See liegt der Wald und auf dem Eis, ganz weit hinten, überqueren drei Rentiere in aller Seelenruhe die verschneite Oberfläche. Langsam versuche ich näher zu kommen. Mist – ich bin noch keine drei Schritte weiter und schon haben sie mich entdeckt. Kein Wunder, jeder Schritt ist so laut, wie ein ganzer Schuppen schnarchender Holzfäller. Und da laufen sie auch schon. Ich denk, ich bin pfiffig und versuche ihnen den Weg abzuschneiden. Am Liebsten würden ich richtig los laufen, doch dann rennen sie gleich um ihr Leben, so haben sie nur einen Zahn zu gelegt. Also nähere ich mich Schritt für Schritt, immer schräg auf sie zu. Doch schwup - sie sind um eine Biegung verschwunden.

LemmiSeeRenKopie.jpg Olli und Beate holen auf. Olli kramt hektisch in seiner Fototasche und will versuchen doch noch ein paar Fotos von den drei Ausreißern zu schießen. Denn als wir um die Ecke biegen, stehen die drei gemütlich mitten auf dem See und schnuppern nach was Essbaren. Endlich ist die Kamera zusammen gebaut, was bei der Kälte und blanken Finger immer wieder das Äußerste von einem fordert. Fertig. Nichts passiert. Die Batterien. Super Olli, so wird das nie was mit den Bildern. Inzwischen haben die Rentiere uns natürlich wieder entdeckt und machen sich schnell aus dem Staub. Nach endlosen herum getüddel, ist Olli endlich fertig. Setzt die Kamera an. Weg. Wieder mal typisch. Das war’s dann mit den Fotos.

Auf einmal schreit jemand wild mit den Armen fuchtelnd: „Kein Eis - Runter da“. Verwundert schauen wir drei uns um. „Kann doch gar nicht sein, das Eis ist doch Meter dick hier“, meint Olli. Beate stimmt zu und es beginnt eine unsinnige Diskussion, was das Ganze nun zu bedeuten hat. Ich für meinen Teil, nehme einfach nur meine Beine in die Hand und verlasse schnellstens die Eisfläche. Ein Eisbad mag was für Saunagänger sein, aber ganz sicher nichts für mich.

BirkeKopie.jpg Nicht von weglaufenden Rentieren abgelenkt, sehe ich mir die Umgebung genauer an. Märchenhaft. Hohe, dicke Bäume stehen bis zur Uferböschung. „Was sind das hier für Bäume“? frage ich, während wir zurück zum Ufer gehen. „Überwiegend Birken und Kiefern. Fichten gibt es erst wieder weiter südlich“, erklärt mir Olli. Er muss es wissen, denn er ist der Experte. „Und was ist jetzt der wesentliche Unterschied zwischen den ursprünglichen und den angebauten Wäldern“? bohre ich weiter: „Viele der Tier- und Pflanzenarten können in den Plantagen aufgrund der Eintönigkeit nicht überleben. Siehst Du den toten Baum dort? Diese brauchen viele Tiere für Nahrung, Schutz oder zum Nisten. Solche gibt es aber kaum in kommerziell genutzten Wäldern“.

Am Ufer angekommen, erwartet uns die Verwalterin des Nationalparks. Sie erklärt uns, dass an der Stelle, wo wir waren ein paar Stellen in der Eisschicht offen sind, man sie aber wegen des Schnees nicht erkennen kann. „Es ist einfach zu gefährlich“. Wir nutzen die Chance und fragen, warum denn der Park im Winter geschlossen ist. Worauf sie bedauernd erklärt, dass leider nicht mehr so viele Menschen Interesse an Ruhe und Abgeschiedenheit haben. Die meisten fahren lieber in die Touristenorte, wo mehr los ist. Aber nächstes Wochenende startet auch bei uns die Saison wieder. Da kann man dann in einem der 54 Betten in gemütlichen Holzhäuschen wieder Ruhe und die Natur pur erleben. „Gut zu wissen“, sagen wir fast aus einem Munde. „Wir kommen auf jeden Fall noch mal wieder“, setzen uns dabei ins Auto und auf geht's Richtung Heimat. Diesmal bleib ich jedoch wach und genieße die Landschaft in vollen Zügen...
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:21 | Kommentare (0)

22.03.05

Die Job Frage

Reindeer_forest5-Kopie.jpgWarum wir hier sind ist klar. Wir fordern zusammen mit den Sami Rentierzüchtern den Einschlagstop in den finnischen Urwälder. Das macht den Arbeitern des Forstamtes Metsähallitus und der Gemeinde von Inari Angst. Sie sehen nicht die langfristigen Folgen einer Abholzung der letzten europäischen Urwälder, sondern haben lediglich Angst um ihre Arbeitsplätze. Verständlich. Denn auch sie müssen von irgendwas leben. Dennoch ist es sehr kurzsichtig gedacht. Im Grunde geht es hier nicht nur um die Existenz der einzigen und letzten Ureinwohner Europas, sondern die Zukunft von uns allen.

Wald ist nicht gleich Wald. Urwälder spielen für die Lebensräume der Erde eine elementare Rolle. Sie regulieren das Klima, in dem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Sie bremsen Winde und extreme Klimaverhältnisse wie Hitze, Frost, Trockenheit und Sturm. Außerdem filtern sie natürlich die Luft, speichern und reinigen Wasser und verhindern Erosion. Urwälder geben Heimat und Lebensräume für Ureinwohner, so wie ganzen Tier und Pflanzenwelten. Allein durch die Abholzung der Urwälder in Finnland stehen bereits 564 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten auf der roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten. Viele dieser Tiere und Pflanzen können in den kommerziell genutzten Wäldern Finnlands aufgrund von Eintönigkeit und des veränderten Mikroklimas der Wirtschaftswälder nicht überleben. Das heißt beispielsweise auch, dass zahlreiche Pflanzen verschwinden, die für medizinische Stoffe genutzt werden könnten. Neben dem eigenen, unschätzbaren Wert tragen die verbliebenen Urwälder also entscheidend zur Stabilisierung des Lebens bei.

Und trotzdem. Es wird weiter abgeholzt. Wie auch hier in Finnland. Ein besonderes Problem ist, dass in polaren Regionen wie hier, relativ kurze Sommer herrschen. Deshalb dauert das Aufwachsen neuer Vegetationen Jahre, der ursprüngliche Zustand wird kaum erreicht. Aber das interessiert die Arbeiter nicht. Sie denken, wie schon gesagt nur an ihren Job. Greenpeace nimmt ihnen die Arbeitsplätze weg, heißt es immer wieder. Doch das ist nicht wahr. Greenpeace macht auf das Problem aufmerksam und bietet Lösungen an, doch die Umsetzung liegt dann in der Hand der Arbeitgeben und der Regierung.

Doch nicht nur die Arbeiter von Metsähallitus, auch unsere Leser fragen immer wieder nach der Jobsituation. Matti, unser Waldexperte aus Finnland hat dazu schon des öfteren Stellung genommen. Hier sind noch mal ein paar seiner Kommentare:

„Wir haben bereits viele konkrete Vorschläge, Lösungen und Wege vorgeschlagen:

1. Das bestehende Profitziel von Metsähallitus muss reduziert werden, so dass der Erhalt der Jobs und nicht der Gewinn des staatlichen Unternhemens im Vordergrund steht.

2. Ein Teil der Wälder wird mit einer Erntemaschine gefällt, diese sogenannter Havester wird von einem einzigen Mann per Joystick bedient und erledigt die Arbeit von circa 15 Holzfällern. Würde die Maschine hier weniger eingesetzt, könnten 15 Waldarbeiter stattdessen ihren Job behalten.

2. Wiedergutmachung durch den wirtschaftlich gesunden finnischen Staat. Der selbe Staat, der den Sami die Waldrechte aberkennt, muss jetzt Verantwortung übernehmen. Es ist Sache der Regierung, finanzielle Mittel und Wege zu finden. Allein wenn sie ein einziges F-18 Flugzeug weniger kaufen würden, hätten sie genug Geld, um die Löhne zu zahlen.

Ebenso könnte die Forstwirtschaft, die Milliarden von Euros pro Jahr erzielt, einen Beitrag für eine Lösung leisten".

Und unser Waldexperte Olli von Greenpeace Deutschland sagt:

„Greenpeace ist nicht grundsätzlich gegen Forstwirtschaft, aber gegen die Abholzung der letzten bestehenden Urwälder und anderer wichtige Rentierwälder mit einem hohen Schutzwert. Nur weil diese Gebiete geschützt werden sollen, bedeutet das nicht gleich einen Arbeitsplatzverlust. Es gibt andere staatliche und private Wälder, die man nutzen kann, wie auch in der Vergangenheit.

Es ist keine einfache Lösung, doch das Problem zu leugnen, führ erst Recht zu keiner Langzeitlösung dieser wichtigen Frage.

Zur Zeit gibt es mehr Jobs durch Rentierhaltung als durch Abholzung in den staatlichen Wäldern. Und die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle Lapplands ist der Tourismus“.

(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:20 | Kommentare (3)

21.03.05

Pressekonferenz in Helsinki

cover.jpg


Heute morgen haben wir zusammen mit dem finnischen Naturschutzbund und einigen Sami-Rentierhaltern aus Lappland in Helsinki einen neuen Report veröffentlicht. Der Report zeigt, welche besondere ökologische, soziale und ökonomische Bedeutung die Urwälder im Sami-Gebiet für die Sami Rentierhaltung haben.



Anhand einiger Beispiele wird dargestellt, dass der Interessenkonflikt zwischen der Holzwirtschaft und den Sami-Rentierhaltern nicht neu ist. Die Sami haben bereits vor Jahrzehnten vom finnischen Staat gefordert, die Holzwirtschaft in einzelnen Gebieten zu reduzieren.

Der Report stellt Möglichkeiten dar, den langjährigen Konflikt zu lösen. Es ist wichtig eine Lösung zu finden, die sowohl die per Gesetz geschützte Sami-Rentierhaltung garantiert, als auch die Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft erhält: etwa die Reduzierung des finanziellen Umsatzzieles des staatlichen Forstunternehmens Metsähallitus. Wird der erwartete Gewinn des staatlichen Unternehmens reduziert, kann der Erhalt der Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft in den Vordergrund gestellt werden, und nicht der Profit des Staates. Das hauptsächliche Fällen durch Holzfäller, anstatt der Einsatz einer hocheffizienten und von einem Mann allein zu bedienenden Erntemaschine, die die Arbeit von knapp 15 Holzfällern ersetzt, würde dem Erhalt der Arbeitsplätze in Inari ebenfalls zugute kommen.

Die wichtigste Periode sind die kommenden 30 Jahre. Bis dahin wird es dauern, bis die bereits gefällten Wälder nachgewachsen sind und ein weiteres mal gefällt werden können. In dieser Zeit muss der Einschlag reduziert werden, wenn nicht die letzten Urwälder, wie wichtige Rentierwälder abgeholzt werden sollen.
(Oliver/Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:31 | Kommentare (0)

Making Off - Rentier Kunst auf Eis

RiverArt6.jpg


Gestern gab es schon einen ausführlichen Bericht über unser Rentierkunstwerk auf dem Juuntua Fluss. Jetzt gibt es das Making Off... Viel Spass damit ...




Quick Time.move(748)

Windows Media.mwv(872kb)

Real Time.rm(924kb)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:32 | Kommentare (0)

20.03.05

De nohká! – Botschaft auf Eis!

RiverArt1.jpg Ich komme gerade vom Juuntua Fluss, circa vier Kilometer außerhalb von Inari. Meine Wangen glühen noch, die Schultern tun weh. Der Aufstieg durch den tiefen Schnee war echt anstrengend. Zumal ich einen Teil unseres Equipments wieder mit nach oben geschleppt habe. Doch es hat sich gelohnt. Der Blick von der Straße runter auf dem Fluss lässt alle Mühe vergessen, denn durch die Kiefern schimmert ein großes Rentier umrahmt mit den englischen und samischen Wort "Genug" auf dem Eis.

"Mit diesem Kunstwerk wollen wir zusammen mit den Sami auf die Urwaldzerstörung aufmerksam machen", erklärt Matti Liimatainen unser Waldexperte von Greenpeace Finnland. Und Inka Saara Arttijeff fügt bekräftigend hinzu: "Wir jungen Sami sind beunruhigt über die Wald-Einschläge und wir wollen gemeinsam mit Greenpeace gegen die Waldzerstörung angehen. Die Rentierhaltung ist ein wichtiger Teil unserer Kultur und wichtig für unsere Identität. Wir sind junge Rentierhalter und wir kämpfen für unsere Rechte. Rentierhaltung ist nicht nur ein Beruf, es ist ein Teil unseres Lebens."

Vor vier Tagen haben Jeske, Huck und Sigurd angefangen, das 50 mal 50 Meter große Bild vorzubereiten. Bepackt mit Schnüren, Schaufeln, Schneeschuhen und jeder Menge Proviant sind die drei los und haben die Stelle am Juunta Fluss, wo das Bild entstehen sollte, genau abgesteckt. Dafür haben sie die ursprüngliche Zeichnung in ein Raster eingeteilt. Acht gleich große Quadrate quer und sieben Quadrate längs. Drei Zentimeter auf dem Blatt Papier, sind sechs Meter im Schnee.

Um das Bild genau hinzukriegen, mussten die drei das gleiche Raster in den Schnee machen – nur etwa 200 mal so groß. Mit Schnüren wurde als erstes ein großes Quadrat von je 50 Meter Seitenlänge abgesteckt. Danach wurden dann ein paar Bahnen in einem Abstand von 6,25 Metern gezogen. Das Raster ist fertig, es konnte losgehen!

RiverArt5.jpg Mit Schneeschuhen an den Füßen und dem Muster in der Hand, bahnte sich immer einer seinen Weg durch das Raster. Ein Blick auf das Muster, ein Blick in den Schnee. Einen Schritt vorwärts. Dann wieder ein Blick auf das Muster, ein Blick in den Schnee. Einen Schritt vorwärts. Und das unzählbar oft. Immer wieder mussten sie genau überprüfen, ob sie auch exakt an dem richtigen Kreuz oder der richtigen Linie den entsprechenden Weg einschlagen. "Am Besten man schaltet den Kopf aus, und geht nach Gefühl, sonst hat man keine Chance", gibt Jeske zu. Doch damit nicht genug. Kaum hatten sie eine Strecke fertig, mussten sie anfangen, zu graben.

Nun kam der letzte Schliff. Heute Morgen ging’s deshalb wieder zum Fluss. Diesmal bepackt mit 70 Kilo Holzkohle. Diese hatten ein paar andere Aktivisten in den letzten Tagen mühsam in Kochtöpfen und Suppenschüsseln mit einem Hammer kleingehackt. Eine Schweiß treibende Arbeit, trotz nordischer Kälte. Nach drei Stunden war es dann endlich fertig. Unser Ren! Und Jeske, Timo, Huck und Sigurd hatten im wahrsten Sinnes des Wortes "Genug"!
(Anisha)

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Veröffentlicht von Redaktion-HH um 19:03 | Kommentare (0)

19.03.05

Abschalten!

OfficeUeberfuellungKopie.jpg 16 Tage hier. Seitdem habe ich 24 Stunden Dauerbeschallung. Ich wache morgens auf, um mich herum Menschen. Ich gehe abends ins Bett, um mich herum Menschen. Die Anzahl variiert zwischen eins und 17. Dabei spielt es keine Rolle, ob man im Büro ist, oder im Camp. Überall Menschen. Und in der Zwischenzeit kommen und gehen sie, wie die Fliegen, denn irgendwas muss einfach immer erledigt werden. Und so wie mir, geht es natürlich jedem. All denen die jetzt länger als eine Woche da sind, merkt man langsam an, dass eine kleine Auszeit willkommen wäre. Mich eingeschlossen. Wen wundert’s? 24 Stunden, sieben Tage die Woche immer präsent sein, immer an die Sache denken... . Sich für die Sache einsetzen ist schön und gut, doch jeder braucht einfach mal eine Auszeit! Das ist ganz normal.

Doch wie holt man sich die nötige Ruhe, um Kraft zu tanken? Eine Frage mit der ich mich jetzt nun schon seit ein paar Tagen beschäftige. Und nach einigen Feldbeobachtungen muß ich sagen: Jeder hat seine eigene Strategie. Vor Thomas, einem der Finnen, ziehe ich beispielsweise meinen Hut. Er meditiert. Egal ob 17 Leute drum herum sind, oder nicht. Er liegt ruhig da und schaut ins Nichts. Bewundernswert. Der hat im wahrsten Sinne des Wortes die Ruhe weg. Sicherlich ein Resultat seiner langen Reise durch Indien.

Dave hingegen war gestern auf Mini-Urlaub, wie er meinte. Auf einmal packte er abends um halb zwölf seine Sachen. Na ja, um genau zu sein, stopfte er Zahnbürste, Zahnpasta, frische Unterwäsche und ein paar Socken in eine Plastiktüte und zog sich seine Jacke an. "Tschüs bis morgen – ich mach jetzt Ferien." Matti, unser finnischer Fotograf, und ich waren doch leicht verdutzt. "Ich muss einfach mal ausschlafen, und wenn immer so viel Leute über mich steigen, kann ich das nicht," meinte Dave, schwang fröhlich seine Tüte und ging. Ich kann’s verstehen. Würde ich nicht abends mit meinem Schatz in Hamburg skypen (Internettelefon) wollen, hätte ich schon längst Reißaus genommen. Nun denn, immerhin eine Schnarchnase weniger heute Nacht. Das hat durchaus Vorteile. - Heute morgen kam er dann strahlend wie ein Honigkuchenpferd und verkündete: "Jetzt bin ich ein neuer Mann."

Die Hotelnummer ist jedoch nicht neu. Peterie und Anna haben das auch schon ein, zwei Mal gemacht. Zum Glück ist das Hotel sehr günstig und gleich gegenüber, so dass es zum Büro nur ein paar Katzensprünge sind. Die im Camp haben es da schon schwerer. Wenn man dort seine Ruhe haben möchte, muss man in den sauren Apfel beißen und ins Zelt. Doch manchmal sind wohl ungeahnte Minusgrade besser als ein paar Menschen in einem Container, der so heiß ist wie eine Sauna. Denn heizen tut hier jeder gern. Frischluftfanatiker wie ich haben es da schwer. Kaum reiße ich mal die Tür auf, wird auch schon gemosert. Sauerstoff braucht hier scheinbar keiner.

Beim Thema Wärme kommen wir auch gleich zur nächsten Möglichkeit, mal etwas abzuschalten. Die Sauna. In Finnland ist sie ja Gott sei Dank, an jeder Ecke zu finden. So auch im besagten Hotel auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Die Nutzung kostet ganze 2,50 Euro. Da können Saunaliebhaber in Deutschland nur von träumen. Einer unserer Saunagänger ist Olli. Oder er versucht es zumindest. Seitdem ich hier bin, und das sind jetzt wie gesagt 16 Tage, will er in die Sauna. Einmal hat er es geschafft. Die anderen 10 Anläufe sind wegen Besprechungen oder sonstigen Vorkommnissen ausgefallen. Und seine enttäuschte Miene wird immer länger.

Wer jedoch weder Sauna mag, noch draußen im Schnee schlafen möchte und auch nicht das Meditieren gelernt hat, für den bleibt nur eins: Spazieren gehen. Was bei dieser Landschaft sicher nicht zu den schlechtesten Möglichkeiten gehört, für eine Weile seine Ruhe zu haben. Die frische, kühle Luft bläst einem so richtig schön den Kopf frei und man kommt etwas relaxter wieder. Oder auch nicht! Mein Versuch, einmal in Ruhe ein paar Schritte zu gehen, ist nämlich kläglich gescheitert. Ich zog mir gerade meine Sachen an, als Matti mich fragte: "Kann ich mitgehen?" Was soll man da sagen? Er ist schließlich gerade erst angekommen, da kann er noch nicht wissen, wie heilig solche fünf Minuten sein können. Etwas zerknirscht nicke ich und gemeinsam drehen wir eine kurze Runde. Von der gewünschten Erholung kann keine Rede sein. Aber vielleicht hab ich ja das nächste Mal Glück, setz mich wieder an meinen Computer und rufe in Hamburg an.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:32 | Kommentare (0)

18.03.05

Dampf ablassen - Demo in Inari

DemoKopie.jpg Gestern war es nun so weit. Eine Busladung voller Holzarbeiter des Forstamtes Metsähallitus erschien kurz nach ein Uhr bei uns im Büro in Inari, um gegen Greenpeace zu demonstrieren. Bereits seit Sonntag kursierten viele Gerüchte, dass wir diesen Besuch bekommen sollten. Angeblich wollten am Montag bis zu 200 Arbeiter des Forstamtes gegen das Camp demonstrieren. Doch es passierte nichts. Dann hieß es, es könnte auch Dienstag oder Mittwoch passieren. Doch es passierte wieder nichts. Nachdem wir dann bei der Polizei in Ivalo angerufen haben, haben wir erfahren, dass es nun tatsächlich am Donnerstag frühen Nachmittag los gehen soll.

Und so war es auch. Gegen halb acht Uhr morgens fahren also, wie bereits am Montag, alle ins Camp, nur Dave und ich bleiben wie gewohnt an Ort und Stelle, um die Stellung zu halten. Ungefähr um halb zwölf klingelt das erste Mal mein Handy. Peterie, einer unserer finnischen Aktivisten ist am Apparat: "Ihr werdet gegen kurz nach ein Uhr Besuch bekommen", informiert er mich. "Und was sollen wir dann tun?" wollte ich wissen. Tuuuuuuut – weg ist er. Super, immer diese Funklöcher. Kurze Zeit später klingelt es erneut. "Peterie noch mal, bleibt bitte im Büro, die Holzfäller kommen erst zu Euch, bevor sie zum Camp aufbrechen. Es ist zwar nur ein Gerücht, aber wir behandeln es, als wäre es eine Tatsache. Wir schicken Euch auf jeden Fall Satu rüber, damit ihr jemanden habt, der finnisch spricht", sagt er und legt auf. Dave hat das meiste mit gehört und fängt an, die Vorhänge zuzuziehen. "Besser wenn sie uns nicht so ins Büro gucken können."

Auf einmal steht ein Mann mitten in unserem Büro: "Ich wollte Ihnen mitteilen, dass die Holzarbeiter auf dem Weg zu Ihnen sind. Sie wollen ein paar Flugblätter bei Ihnen an die Hauswand nageln. Nur damit sie vorbereitet sind", erklärt er und verschwindet. Da kommen auch schon Satu und Joe. Keinen Moment zu früh, denn kurze Zeit später fährt ein Polizeiwagen und die ersten Presseautos vor. Kaum positioniert, parken auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein paar VW Busse. Holzfäller, unter anderem in traditioneller Sami Kleidung steigen aus. Selbst Rentiere haben sie dabei. Und dann kommt ein ganzer Bus. Circa 60 Leute steigen aus und stellen sich mitsamt ihren Bannern in einem Halbkreis auf dem Parkplatz vor unserem Büro auf. Alles geht friedlich ab. Die Banner sind jedoch weniger freundlich. Von "Rest in Peace - Greenpeace", "Green Mafia", "Wir essen keine Bäume" und "Green Terror" ist alles dabei. Ein paar der Banner haben sie sogar schon mal vor zwei Jahren bei einer Demonstration gegen uns verwendet, erzählt mir Dave später.

DemoSatuTalkKopie.jpg Nachdem die versammelten Journalisten ihre Fotos und Filme gemacht haben, geht ein Sprecher auf Satu und Joe zu. Die beiden halten wacker die Stellung und hören sich geduldig an, was er zu sagen hat. Satu übersetzt dabei für Joe vom Finnischen ins Englische. Auf einem Zettel, den der Sprecher vorliest, steht, dass die Bürger und Arbeiter gegen die Anwesenheit und Aktivitäten von Greenpeace, der finnischen Naturschutzorganisation und des finnischen WWF seien. Die Aktivitäten von Greenpeace zerstörten die Arbeitsplätze und die Existenz der Bewohner von Lappland. Wenn Greenpeace behaupte, dass die Bevölkerung hinter uns stehe, sei das eine Lüge. Innerhalb einer Woche hätten mehr als 2000 Menschen eine Petition gegen die Anwesenheit von Greenpeace in Inari unterschrieben. Joe versucht, dem Sprecher zu vermitteln, dass wir nicht allgemein gegen Fortwirtschaft sind, uns jedoch für eine bessere einsetzen und schon gar keine Arbeitsplätze vernichten wollen.

Als alles gesagt war, gehen ein paar von den Leute in die Mitte und stellen weiße Kerzen auf den Boden. Nachdem sie die Kerzen angezündet haben, rollen plötzlich alle wieder ihre Banner zusammen und machen sich auf dem Weg ins Camp. Nach einem schnellen Anruf im Camp fahren Satu und Joe dem Trupp hinterher. Je mehr Leute im Camp sind, desto besser. Dave und ich bleiben zurück. Froh, dass der Spuk nun endlich vorbei ist. Zumindest hier bei uns. Aber wie läuft es im Camp?

Auf die Antwort mussten wir circa drei Stunden warten. Gegen vier Uhr kamen die ersten aus dem Camp zurück. Sofort bombardierten wie sie natürlich mit Fragen. "Es war alles ganz friedlich. Sie haben die Tiere gefüttert, die Banner ausgebreitet, ein Sprecher hat ein paar Sachen per Lautsprecher verkündet und vereinzelt haben sich auch welche mit uns unterhalten. Es war, Gott sei Dank, ruhiger als erwartet. Und es war gut, das die Holzfäller mal ein wenig Dampf ablassen konnten", erzählt Joe, der auch wieder mit zurück kam. Und auch uns merkt man die Erleichterung an. Es hätte schließlich alles ganz anders kommen können. Und auch wenn wir natürlich noch keine Lösung haben, die beide Seiten zu Frieden stellt, ist eine ruhige Auseinandersetzung besser als gar keine.

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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:20 | Kommentare (1)

Und noch mehr neue Gesichter!

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In dieser Woche sind weitere Deutsche Aktivisten zu uns ins Finnland Camp gekommen. Näheres über die drei und ihre finnischen und französischen Kolleginnen gibt es hier....










Melanieneu.jpg Melanie Münch, 19, kommt aus Oftersheim und ist seit einem Jahr bei Greenpeace und seit 4 Monaten Praktikantin.

Warum bist du bei Greenpeace?
Ich kann gar nicht genau sagen, warum ich dabei bin, zu viele Dinge haben dazu beigetragen. Ich bin sehr naturverbunden aufgewachsen und denke das dies mit ein Grund ist, warum ich heute bei Greenpeace bin. Wenn ich früher die Bilder von Greenpeace in der Zeitung gesehen habe, habe ich mir immer gewünscht, dabei zu sein, zu helfen, das zu schützen, worauf und wovon wir leben.

Was machst du in Finnland?
In Finnland/Lappland bin ich zum einem, um neue Erfahrungen, neue Menschen und andere Lebensweisen kennen zu lernen. Und natürlich um zu helfen, die Wälder Finnlands zu schützen.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Finnland soll aufhören seine eigene Schönheit zu zerstören.

SigurdKopie.jpg Sigurd Hafen, 21, kommt aus Herbrechtingen-Bissingen und ist seit 2001 in der Gruppe Ulm aktiv.

Warum bist du bei Greenpeace?
Ich bin von der Idee der gewaltfreien Aktion überzeugt. Greenpeace bietet mir die Möglichkeit mich in dieser Form für den Umweltschutz einzusetzen.

Warum bist du in Finnland?
Da mir der Schutz der letzten Urwälder auch in Europa besonders wichtig ist. Außerdem weiß ich als Forstwirt, dass der Artenreichtum eines Urwaldes in einem Wirtschaftswald nie erreicht werden kann und wie wichtig eben dieser Artenreichtum für das Ökosystem Wald ist. Ebenfalls beeindruckt mich die Schönheit der Landschaft und die Kälte hier.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Interessante Begegnungen mit den Sami, eine gute internationale Gemeinschaft und natürlich, dass der Holzeinschlag im Urwald gestoppt wird.

AmelyKopie.jpg Emilie Abrias, 27, aus Marseille in Frankreich. Sie ist seit 4 Jahren aktiv bei Greenpeace.

Warum bist du bei Greenpeace?
Ich bin bei Greenpeace, weil ich schon in meiner Kindheit an Greenpeace Aktivitäten teilgenommen habe. Ich denke, dass das die effizienteste Umweltorganisation ist, die sich für die Belange der Welt einsetzt. Für mich ist wichtig, wenn man lokale und globale Bedürfnisse kombiniert und sich dafür gemeinsam einsetzt.

Warum bist du in Finnland?
Ich bin besonders in diese Waldkampagne involviert, denn ich arbeite seit 2 Jahren mit Greenpeace International an einem Projekt. Ich habe einen Verband gegründet, der für die Förderung und Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten, wie beispielsweise Papier, arbeitet. Hier in Finnland lerne ich viel über die Forstwirtschaft und die Rentierzucht, und das kann ich dann in meiner Heimatstadt an die Leute weiter geben. In Frankreich wollen wir die Verlage und Autoren davon überzeugen, dass sie umweltfreundliches Papier benutzen.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Es ist eine wichtige Zeit für uns, denn während ich in Finnland bin, fängt die Buchmesse in Paris an. Ich versuche eine Verbindung zwischen unseren Aktivitäten hier vor Ort und dem "Tagebuch" auf der Buchmesse zu schaffen.

SatuKopie.jpg Satu Pitkänen, 29, aus Finnland.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Unser Land und seine Probleme liegen mir am Herzen, seit die Katastrophe mit Tchernobyl 1986 passiert ist. Ich selbst unterstütze Greenpeace seit 1994, aktiv arbeitet ich allerdings erst seit 2000.

Warum bist du in Finnland?
Ich lebe, wie gesagt, in Finnland und habe 2004 angefangen aktiv für finnischen Umweltschutz zu arbeiten. Lappland und seine Umwelt ist für mich besonders wichtig, weil ich mit meiner Familie hier immer Urlaub gemacht habe, als ich noch ein Kind war.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Eine meiner Kindheitserinnerungen sind die kahl geschlagenen Flächen neben dem UKK Nationalpark und die leer stehenden Sami Dörfer. Heute weiss ich über all die Gründe und Probleme, die die Sami Kooperativen mit der übermäßigen Waldeinschlag der Forstwirtschaft haben. Da ist es nur normal, dass man aktiv wird. Ich hoffe, dass wir das Moratorium erreichen, damit sich die Probleme hier wieder regulieren.

(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:54 | Kommentare (0)

17.03.05

Landschaftsimpressionen

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Trotz viel Arbeit und Hektik haben wir immer wieder einen Blick für die Schönheiten Inaris und seiner Umgebung. Und neben ganz viel Wald, gibt es hier mindestens genauso viele Flüsse und Seen. Hier ein Einblick.








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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 11:57 | Kommentare (0)

Inari und der Rest der Welt

SupermarktFlyerKopie.jpg Obwohl die Abholzung von dem Forstamt Metsähallitus zeitweise im Gebiet Nellim gestoppt wurde, haben wir in den letzten Tagen weitere Urwaldgebiete in der Region Inari markiert. Da nicht sicher ist, wie lange der Einschlagstopp eingehalten wird und es keine offizielle Bestätigung gibt, werden wir auch weiterhin die Gebiete markieren.


Mit Motorschlitten und Skiern waren unsere Aktivisten viele Stunden unterwegs und haben pro Tag circa 10 bis 20 Kilometer des Gebietes der samischen Genossenschaft Muotkatunturi in Angeli mit unseren Schildern gekennzeichnet. Außerdem verteilen ein paar Aktivisten vor den Supermärkten in Inari und dem samischen Siida Museum Informationsmaterial an die Einwohner, um Interessierte genauestens zu informieren, was Greenpeace hier vor Ort macht und was wir erreichen wollen: "Greenpeace ist nicht gegen Forstwirtschaft, sondern wir setzen uns für eine bessere Fortwirtschaft ein!"

Doch nicht nur in Inari, sondern auch Greenpeace Aktivisten in Genf und Rom setzen sich für die Urwälder in Finnland und die Sami ein. Vor dem UN Gebäude in Genf wurden am Dienstag Info-Flyer an die Delegierten der 61. Sitzung des Menschensrechtskomitees verteilt, bei der der finnischen Außenminister eine 10-minütige Rede hielt.

Und am Mittwoch rollten die römischen Aktivisten vom Dach der Welternährungsorganisation (FAO) ein Banner mit der Aufschrift "Stoppt die Zerstörung der finnischen Rentierwälder!" Der Grund ist der Besuch des finnischen Premierministers anlässlich einer Ausstellungseröffnung zum Thema "Finnische Wälder". Zusätzlich haben sie eine Ladung Holzspäne vor dem Gebäude positioniert, um darauf aufmerksam zu machen, dass die finnische Regierung ihren Wald für Papier und Zellstoff zerschreddert.

Wir hier in Inari warten außerdem weiterhin gespannt, ob die angesagte Demonstration der finnischen Forstarbeiter Union heute tatsächlich bei uns im Camp einzieht..... Bisher wissen wir es nicht... Es bleibt also weiterhin spannend.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:09 | Kommentare (0)

16.03.05

Neue Gesichter - Und wer ist jetzt im Camp?

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Vor Zwei Wochen haben wir das Finnland-Camp in den Urwäldern von Inari aufgebaut. Die ersten Aktivisten sind bereits wieder abgefahren, dafür sind viele neue gekommen, um das Camp und die Arbeit zum Schutz der Urwälder in der Region um Inari zu unterstützen. Viel Spaß beim Lesen!







NikoPortraitKopie.jpg Niko Humalisto, 25, aus Turku, einer Stadt an der Südwestküste Finnlands. Er ist Aktionist bei Greenpeace Finnland.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Greenpeace macht einen guten Job wenn es darum geht, auf die Probleme unserer Umwelt aufmerksam zu machen und hoffentlich wird das auch in der Zukunft immer so sein. Mir gefällt das und das ist auch der Grund, warum ich für Greenpeace arbeite.

Warum bist du in Finnland?
Daran sind meine Eltern Schuld :-)! Nein im Ernst, Ich bin hier in Lappland, weil ich etwas verändern möchte, und die Probleme der Rentierzüchter und der Urwälder gehen mich als Finnen natürlich auch etwas an.

Was erwartetst du von deinem Aufenthalt hier?
In Lappland braucht alles seine Zeit, deshalb erwarte ich nicht, dass sich bereits während meines Aufenthaltes etwas verändert. Das wird dauern, aber ich hoffe, dass sich langfristig natürlich die Dinge so entwickeln, wie wir das wollen. Was ich jedoch hoffe ist, dass die Menschen hier aufwachen und sich mehr für die Umwelt interessieren.


JetskePortraitKopie.jpg Jetske Magtglas, 31, aus Alkmaar aus den Niederlande. Sie ist Aktivistin seit 1998.

Warum arbeitest du bei Greenpeace?
Für Greenpeace zu arbeiten gibt mir die Möglichkeit, tatsächlich etwas auf dieser Welt zu ändern, und zwar zum Positiven. Und das macht das Leben für alle besser.

Warum bist du in Finnland?
Ich möchte hier die letzten Urwälder schützen. Denn wenn uns das gelingt, dann erhalten wir den Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, die ohne ihn nicht überleben könnten. Wenn ich hier bin, kann ich jedem zeigen, wie wichtig er ist.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Ich denke, die Kälte wird uns das ein oder andere Mal herausfordern, doch hoffentlich kann ich trotzdem den Rentierzüchtern helfen. Ohne diese Wälder würden sie sonst ihre traditionelle Lebensweise verlieren.



BeatePortraitKopie.jpg Beate Steffens, 44, aus Hamburg, geboren ist sie jedoch in Eschwege. Sie leitet die Internetredaktion und schaut mir eine Woche auf die Finger. Nein, natürlich nicht. Sie ist eine Woche hier mit im Camp und unterstützt uns ganz fleißig. Die Greenpeace Jacke wollte sie jedoch nicht anziehen, legte dafür aber besonders viel Wert auf ihren Schal.

Warum ist der Wald für dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Ich bin Naturfan, liebe Wälder, Berge, Schnee und Eis. Ich war 2003/2004 das erste Mal am Polarkreis. Diese knackige, trockene Kälte hat mich schwer begeistert. Natürlich erhaltene Wälder bedeuten für mich Lebensqualität, für andere ist es notwendiger Lebensraum. Ich finde, Urwälder sind überall auf der Welt schützenswert. Diese Schätze unserer Erde müssen auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben. Ganz besonders in einer Gegend, in der die Bäume nur so langsam wachsen wie hier.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Der Zufall. Ich bin ein Mensch, der sich seit vielen Jahren engagiert. Für Menschenrechte, für Frauenrechte, für ein besseres Leben hier und jetzt. Im Sommer 2000 bekam ich die Chance, für einige Monate bei Greenpeace in der Pressestelle zu arbeiten. Mittlerweile sind aus Monaten Jahre geworden.

Warum bist du Finnland? Gibt es für Dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Ich habe gerade Urlaub und daher die Gelegenheit ergriffen, das Greenpeace-Camp zu besuchen. In meinem Urlaub mache ich auch gerne was Sinnvolles. Außerdem gibt es ein Camp zum Schutze unsere Urwälder nicht alle Tage. Und wie gesagt, ich liebe Eis und Schnee. Und davon gibt es, im Gegensatz zu Hamburg, hier eine ganze Menge.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Neue Eindrücke, neue Erfahrungen, neue Sichtweisen.

Mit wem würdest du dir am liebsten den Container teilen?
Mit vielen Menschen, die sich für den Schutz der Urwälder einsetzen ;-)


IMG_3254_joe500.jpg Geoffroy Mewrée, 31, aus Belgien.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Ganz simpel, weil ich ein geborener Umweltschützer bin.

Warum bist du in Finnland?
Weil man in Finnland einen der letzten europäischen Urwälder findet, ein Schatz, den man unbedingt schützen muss.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, um den Wald zu schützen und den samischen Lebensstil zu erhalten. Sie sollte aber auch den Forstarbeitern gerecht werden, beziehungsweise auch die zufrieden stellen. Ich glaube daran, dass man das mit Gesprächen und Verhandlungen erreichen kann.


AnishaPortraitKopie.jpg Anisha Blinckmann, 30, aus Hamburg arbeitet als freie Web-Autorin für Greenpeace und ist seit dem 6. März vor Ort. Mit ihren kleinen Geschichten über alle spannenden Erlebnisse halten wir Euch über das Leben im Camp auf dem Laufenden.

Warum ist der Wald für Dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Asche auf mein Haupt, doch ich engagier mich leider nicht aktiv für den Urwaldschutz in meiner Freizeit. Was ich stattdessen tue: Ich liege auf dem Sofa und lese einen Roman nach dem anderen.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Meine Freundin Beate aus der Internetredaktion.

Warum fährst du nach Finnland?
Wie gesagt, ich bin mit der Leiterin der Internetredaktion von Greenpeace Deutschland befreundet. Sie erzählte mir an einem Sonntag bei einem Cafe Latte (den man hier übrigens nicht bekommt) von dem Greenpeace Finnland-Camp. Ich fand die Idee super, worauf sie mich sofort fragte, ob ich nicht den Webblog übernehmen wollte. Und da konnte ich auf keinen Fall nein sagen.

Gibt es für dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Überhaupt nicht. Ich komme jedoch mit extremer Kälte besser klar als mit extremer Hitze, obwohl ich normalerweise lieber in die Sonne fahre. Aber es ist doch angenehmer im Zwiebellook rumzulaufen, als von einer schwülen Wärme erdrückt zu werden.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Ich weiss, dass wir uns hier eigentlich für die Rentiere und die ungeschützten Wälder einsetzen, doch ich bin seit Jahren auf der verzweifelten Suche nach einem echten, lebendigen Elch. Immer wenn ich in Regionen fahre, wo es angeblich diese Tiere geben soll, habe ich noch nie einen gesehen. In Finnland sind die Rentiere zwar in der Überzahl, doch ein paar vereinzelte Elche soll es auch geben. Vielleicht ist das Glück ja auf meiner Seite.

Mit wem würdest du dir am liebsten den Container teilen?
Vielleicht nicht unbedingt gleich den Container teilen, aber wie ja schon gesagt, wenn morgens ein Elch vor der Tür steht, wäre das großartig.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:52 | Kommentare (1)

15.03.05

Round Up - Bilder Galerie

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Hier sind noch ein paar Bilder von unserem Besuch beim Round Up bei der Muddusjärvi Genossenschaft...





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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:03 | Kommentare (0)

Von Rentieren, Frostbeulen und Muskelkater

SChlittenKopie.jpg Muskelkater. Ich kann’s kaum glauben. Schon jetzt auf dem Rückweg. Wir kommen doch gerade erst von unserem Besuch bei der Sami Genossenschaft in Siuttajoki, nördlich von Inari, wo Dave und ich beim sogenannten Rentier Round Up zusehen durften. Um dorthin zu kommen, muss man zu dieser Jahreszeit eine dreiviertel Stunde mit dem Motorschlitten fahren. Und ich muss sagen: "Es sieht romantisch aus, ist aber die reinste Hölle", zumindest für meine Muskeln.

Sechs paar Hosen, drei T-Shirts, zwei Pullis, zwei Jacken und drei paar dicken Strümpfe habe ich an. Dazu kommt noch der Motorradhelm, darunter eine Gesichtsmaske und drum herum sind zwei Schals gewickelt. Ich fühle mich, wie ein Michelin-Männchen. Von Bewegungsfreiheit kann keine Rede sein. So dick und rund setze ich mich auf den Schlittenanhänger. Dave sitzt hinter mir. Unser Fahrer ist Jarmo. Er soll uns zum Round Up bringen, wo wir uns ansehen, wie die Sami ihre Rentierherden auseinander teilen.

RentierPortraitKopie.jpg Die Rentierzüchtung richtet sich nach den Jahreszeiten. Früher wanderten die Sami von Sommer- zu Winterweiden und umgekehrt. Das geschieht wegen der Ländergrenzen heute nicht mehr. Die Arbeitsweise der Züchter jedoch ist immer noch von den Jahreszeiten bestimmt. Die Tiere laufen meistens frei in den Wäldern herum, nur zu bestimmten Anlässen wie Schlachten, Ohrmarkierung oder Zählung werden sie zusammengetrieben und beaufsichtigt. Jetzt im Frühling beispielsweise, damit die Weibchen in Ruhe kalben können.

Es gibt einen großen Ruck, und der Schlitten fährt los. An mir vorbei saust die wunderschöne, weiße Landschaft – doch anstatt diese genießen zu können, versuche ich krampfhaft mein Gleichgewicht zu halten. Festhalten geht einfach nicht, dann frieren mir, trotz dicker Handschuhe, die Finger ein. Der Fahrtwind ist einfach zu bissig. Meine Füße sind schon die reinsten Eiszapfen. Hoffentlich ist das gleich vorbei!

Erst 30 Minuten später wird mein Gebet erhört. Auf dem letzten Stück fahren wir an ein paar Koppeln mit mehreren 100 Rentieren vorbei. Sie würdigen uns keines Blickes. Siuttajoki selbst ist eine kleine Anhäufung von Blockhütten. Es ist kein Dorf, sondern der Arbeitsplatz der Muddusjärvi Genossenschaft. Jarmo parkt den Schlitten vor Anttis Hütte, einem der Rentierzüchter, der rund 22 Familien, die zu dieser Gemeinde gehören. In seiner Hütte wärm ich mir erst mal die Füße, denn in der Zwischenzeit ist der stechende Schmerz in absolute Taubheit übergegangen.

Mit wiederbelebten Füßen stapfen wir dann durch kniehohen Schnee zum Round Up, wo die Familien gerade dabei sind, ihre Tiere zu trennen, nachdem sie den Winter über zusammen in den Wäldern frei herum liefen. Wir schieben eine grobe, schwere Holztür zur Seite und schlüpfen in die Einzäunung. Dort stehen Männer, Frauen, jung und alt, eingemummelt in dicken Overalls und warten auf die nächste Runde Rentiere. Dave tippt mich kurz an, zeigt auf die Schuhe. Alle, bis auf einen tragen die traditionellen Sami Fellschuhe. Ein lustiger Anblick.

RentiereEinlaufKopie.jpg Da öffnet sich auch schon das gegenüber liegende Gatter und eine ganze Horde aufgebrachter Rentiere rast in das Round Up, direkt auf uns zu. Hinter ihnen ein struppiger brauner Hund, dessen Aufgabe es ist, die Rentiere zusammen zu treiben. Was ihm auch bestens gelingt. Für einen kurzen Augenblick möchte ich am liebsten auf die umliegenden Zäune fliehen, denn mich umzingeln auf einmal mehrere, vor Angst schnaubende Rentiere. "Sie überrennen dich nicht, kannst also hier unten stehen bleiben", beruhigt mich Jarmo. Auf die Frage warum, zuckt er nur mit den Schultern. "Das ist einfach so".

Die Züchter fangen an, die Menge genau abzusuchen. Wenn sie eins finden, dann packen sie es am Geweih oder was auch immer ihnen gerade in die Finger kommt. "Wie erkennt man denn sein eigenes Tier?", frage ich. "Die Ohren haben verschiedene Einschnitte. Jede Familie hat ihre eigene Marke. Ich schau mir die Ohren an, denn daran sehe ich, welches Tier mir gehört", erzählt Antti, während ihm schon wieder eins entwischt. Ich kann da nicht den kleinsten Unterschied ausmachen! "Wie kannst du sie auseinander halten, alle Ohren sehen gleich aus?" Er grinst: "Das ist für uns kein Problem, obwohl es circa 1600 verschiede Muster gibt. Das liegt uns im Blut." Jetzt hat er Glück. Am Fell packt, schiebt er ein zappelndes, grunzendes Etwas durch das Gatter, hinter dem die bereits eingefangene Herde auf den Neuankömmling wartet. Und auch die anderen Züchter wurden in der Zwischenzeit fündig. Jeder hat seine Tiere eingefangen. Das Round Up ist also leer, bis auf Menschen. Manch einer nutzt die kurze Pause bis die nächsten Rentiere kommen für einen kleinen Plausch oder um eine zu rauchen. Dann kommen die nächsten, bis endlich alle Tiere getrennt sind. Doch das kann dauern. Ungefährt 2000 Stück müssen Antti und die anderen heute noch auseinander bringen.

RentierfangenKopie.jpg Nachdem wir uns das noch drei, vier Mal angesehen haben, gehen wir zurück zur Hütte. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn meine Füße zeigen schon wieder die ersten Anzeichen von totaler Unterkühlung. Antti grinst schon wieder. "Du solltest unsere Schuhe tragen, dann musst du nicht ständig jammern", und kramt dabei ein paar flauschige Sami Schuhe unter seinem Bett hervor. "Setz Dich", befiehlt er. "Für den Rückweg borg ich Dir meine," und zieht mir auch schon seine Schuhe an. Alles um mich herum schmunzelt. Skeptisch betrachte ich sein Werk. Sie fühlen sich weich und flauschig an, wie Hausschuhe. Das die warm halten sollen, wage ich aber zu bezweifeln, denn ich habe nichts als bloße Rentierhaut an meinen Füßen.

Nach einem warmen Kaffee mit einem Schuss Vodka zur Stärkung, machen wir uns auf den Rückweg. Diesmal sitzt Dave vorne und ich lass mir den Schnee von dem Motorschlitten um die Ohren blasen. Zum Glück haben wir ein Fell dabei. Und noch während ich das um mich drapiere, fährt Jarmo auch schon los. Antti winkt noch zum Abschied, und dann verschwinden wir in der Nacht.

30 Minuten später kommen wir am Auto an. Mir tut erneut jeder Muskel weh, aber ich habe immerhin fast warme Füße. Frostbeulen bleiben mir also erspart, doch morgen früh werd' ich mich vor Muskelkater nicht bewegen können. Autsch!
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 11:06 | Kommentare (3)

14.03.05

Minus 16 Grad - Man kann die Kälte förmlich sehen!

anisha_kl.jpgIch wollte nochmal einen kleinen Nachtrag liefern zu dem Thema "Wie fühlen sich minus 22 Grad an?" In den letzten Tag war es teilweise sogar noch kälter. Vorgestern Nacht beispielsweise waren es minus 31 Grad. Kaum vorstellbar für uns in Deutschland, hier jedoch kein besonders erwähnenswertes Ereignis.


Heute morgen haben sich - bis auf Dave und mich - alle im Camp versammelt. Der Grund: Wir haben gehört, dass die Arbeiter des Forstamts Metsähallitus eine Demonstration gegen Greenpeace, unsere Anwesenheit und das Camp planen. Rund 200 Mann sollen im Camp aufschlagen. Ob das tatsächlich stimmt und heute sein soll, wissen wir nicht. Aber sicher ist sicher!

Nachdem dann alle aus dem Büro raus waren, bin ich mal kurz für eine Stunde spazieren gegangen, um ein paar Fotos für das Weblog zu machen. Das Resultat: Ich habe den besten Beweis für unsere Kälte mitgebracht. Zugefrorene Wimpern! Das bedarf keiner weiteren Erklärungen - denke ich!


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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:07 | Kommentare (2)

Eine gute Reise, Achim!

AchimSkierKopie.jpg Zwei Wochen sind rum. Das heißt für Achim Gresser, ehrenamtlicher Aktivist bei Greenpeace und Schriftsteller in Marburg, dass es wieder Richtung Heimat geht. Dort wartet seine Freundin und eine Menge Arbeit, denn Achim schreibt gerade an seinem Buch über seine USA-Durchquerung zu Fuß! Doch bevor er heute in den Bus steigt, hab ich ihm noch ein paar Löcher über seine Zeit im Greenpeace Finnland Camp, in den Bauch gefragt. Und er hat geduldig geantwortet....

Du warst jetzt zwei Wochen hier im Camp! Wie sieht deine Rückfahrt aus?
Es wird ein Erlebnis für sich werden. Um von den letzten intakten Urwäldern Europas zurück nach Marburg, in die Nähe des Nationalparks Kellerwald-Edersee – einem Urwald von morgen – zu gelangen, werde ich mit Bus, Zug und Schiff gut und gerne 45 Stunden unterwegs sein. Eigentlich ganz schön, als Abschluss nochmals die Zeit zu haben, die zwei Wochen im Camp Revue passieren zu lassen.

Was war der beeindruckendste Moment?
Der beeindruckendste war für mich gleichzeitig auch der ernüchterndste Moment. Plötzlich einmal selbst in einem vom Holzeinschlag gezeichneten Urwaldgebiet zu stehen. Hunderte von Baumstämme entlang einer kürzlich erst angelegten Forststrasse, die mich direkt ins Zentrum des Einschlags führte. Ein Anblick, der mich daran zweifeln ließ, tatsächlich im Jahre 2005 im zivilisierten Europa zu sein.

Hat Dich dein Finnland-Aufenthalt verändert?
Ich denke, das kann ich so nicht sagen. Es war auf jeden Fall eine intensive Zeit für mich in der Natur, im Thema und letztlich auch innerhalb der Greenpeace-Organisation. Auf jeden Fall wurde für mich nochmals deutlich, dass die Urwälder für uns Menschen einen unverzichtbaren Teil der Zivilisation darstellen und wir diese für uns nutzen sollten, ohne sie gleich zu zerstören. Aus meiner Erfahrung kann ich jedem, der sich für Urwälder interessiert und sich für deren Schutz aktiv einsetzen möchte, nur empfehlen, bei der nächstliegenden Greenpeace Gruppe vorbeizuschauen, und wie ich einfach mitzumachen. Dann könnte sich für uns alle mehr verändern.

Was wirst du jetzt in Deutschland als erstes tun?
Zunächst einmal meine Freundin in den Arm nehmen. Dann meinen dicken Wollpulli durch eine Badehose austauschen und für ein paar Tage zu einer Familienfeier nach Italien fahren. Und natürlich überall und jedem von den finnischen Urwäldern erzählen.

Wie wirkt sich dein Aufenthalt jetzt auf deine Arbeit bei Greenpeace in Deutschland aus?
Ich werde ganz klar dort weitermachen, wo ich zuvor aufgehört habe. Das Verhalten der Verbraucher in Deutschland wird entscheidend für den Erhalt dieser letzten Urwälder Europas sein. Die letzten Monate hinweg mobilisierte ich über Aktivitäten des Greenpeace Urwaldpostamtes www.urwaldpostamt.de bereits mehr als 1.300 Verbraucher für den Schutz der letzten finnischen Urwälder. Diese richteten selbst verfasste Protestbriefe an die Adresse der finnischen Regierung, mit der Forderung die Einschläge in den Rentier-Urwäldern der Sami zu stoppen. Als der zuständige Vertreter der finnischen Regierung in Deutschland, Forstattaché Kari Vitie, gegenüber den Mitmachern des Urwaldpostamtes leugnete, dass der staatseigene finnische Forstbetrieb in den Urwäldern abholzt, startete ich im Dezember gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Aktivisten aus den Greenpeace Gruppen Marburg und Frankfurt vom Nationalpark Kellerwald-Edersee ausgehend die "Rentour". Als Zeichen des öffentlichen Protests zogen wir in Rentierkostümen verkleidet einen 200 Kilogramm schweren Rentierschlitten zu Fuß bis zum 160 Kilometer entfernten finnischen Honorarkonsulat nach Frankfurt. Mit an Bord der achttägigen Tour waren auch 474 hölzerne Kellerwaldzwerge. Jeder Kellerwaldzwerg trug jeweils den Namen eines der 474 von Greenpeace, FANC und den Sami-Rentierkooperativen kartierten Urwaldgebiete in Finnland. Die Zwerge selbst wurden 2001 während der Greenpeace-Kampagne zur Einrichtung des ersten hessischen Nationalparks von Kindern als Symbol für die Einrichtung europäischer Schutzgebiete bemalt. Wir erlangten schließlich ein einstündiges Gespräch mit dem Konsul, sowie die offizielle Übergabe zweier Kellerwaldzwerge an die finnische Regierung. Eine Antwort steht noch immer aus. Dafür ging für mich persönlich vor zwei Wochen die Post ab – hier ins Camp nach Finnland.

Ich wünsche Dir eine gute Reise.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 08:50 | Kommentare (0)

13.03.05

Interview mit Oliver Salge, Aktivist bei Greenpeace

OlliInterviewKopie.jpg Seit dem 1. März leben wir im Finnland Camp und setzen uns mit den samischen Rentierzüchtern für die Urwälder in Lappland ein. Seitdem ist viel passiert und viele Web-Leser stellen uns immer wieder ein paar Fragen, zu den Themen, warum wir hier sind. Deshalb habe ich mit Oliver Salge, unserem Aktionisten aus Deutschland gesprochen, denn er kennt sich nicht nur im Wald besonders gut aus, sondern ist hier in Finnland von Anfang an dabei.

Was passiert hier in Inari? Warum ist Greenpeace vor Ort?
In der Region Inari sind einige der letzten Urwälder Finnlands. Obwohl diese für die nordfinnischen Sami Rentierhalter von entscheidender Bedeutung sind, wurden sie von der finnischen Regierung bisher nicht geschützt. Greenpeace setzt sich seit Jahren für den Schutz der letzten Urwälder Europas ein, auch der finnischen. Da der Einschlag hier in Inari trotz diverser Eingaben der Sami an die finnische Regierung stetig weiterging, hat Greenpeace die Urwaldschutzstation errichtet, um auf diesen Skandal aufmerksam zu machen.

Wie sind die samischen Rentierzüchter von der Abholzung beeinflusst?
Die Rentiere hier oben nutzten das ganze Land als Weidefläche. Im Sommer die etwas höher gelegenen Grasflächen, im Winter finden sie ihr Futter im Wald, besonders die Flechten in den Urwäldern sind hier wichtig. Werden die Urwälder zerstört, gibt es keine Flechten mehr, und ohne Flechten ist die traditionelle Rentierhaltung der Sami und damit ihre ganze Kultur bedroht.

Wie passt Stora Enso in die Geschichte?
Stora Enso hat sich zum führenden Papierhersteller der Welt entwickelt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Helsinki ist einer der größten Abnehmer des geschlagenen Holzes aus Inari und verarbeitet die Urwälder zu Zellstoff und Papier in finnischen wie auch in deutschen Papierwerken. Greenpeace hat daher Stora Enso aufgefordert, den Bezug von Holz aus den namentlich bekannten Urwaldgebieten und aus Wäldern mit besonderer Wichtigkeit für die Sami einzustellen. Das Unternehmen kann leicht seinen Holzbedarf aus den anderen Wäldern der Region decken.

Warum bist du von Greenpeace Deutschland vor Ort?
Ich bin Teil der internationalen Urwaldkampagne von Greenpeace. Gerade wir Deutschen beziehen einen Großteil unseres Papiers aus Finnland und sind mit 25 Prozent der Ausfuhren Finnlands wichtigster Kunde. Jede Woche kommen in Lübeck Schiffe an, die Papier geladen haben, dass aus dem Holz aus Nordfinnland gemacht wurde - auch aus den Urwäldern.

Wie gehen wir in Deutschland damit um?
Greenpeace hat in der Vergangenheit auch in Deutschland gegen die Zerstörung der finnischen Urwälder protestiert. Etwa in Lübeck, wo
Greenpeace Aktivisten gegen den Import des Papiers aus Urwaldzerstörung protestiert haben, als ein Schiff vollbeladen mit Papier aus Finnland eintraf. Wir kontaktieren Firmen, die Papier aus Finnland beziehen wie etwa Zeitschriftenverlage, informieren sie über die Lage in Finnland und fordern von ihnen, sich für den Schutz der Wälder in Finnland einzusetzen.

Was habt ihr bis jetzt erreicht?
Zum Ende 2003 hat das finnische Forstamt Metsähallitus erklärt, in 401 von 474 Urwaldgebieten vorübergehend den Einschlag einzustellen, so lange bis in Verhandlungen mit Umweltverbänden eine Einigung über die zukünftige Nutzung gefunden wird. Dies ist jetzt auch für Inari notwendig. Die Konflikte zwischen den Interessen der Forstwirtschaft und der Rentierhaltung der Sami können nicht auf dem Rücken der Sami entschieden werden. Sie sind komplex und benötigen einen fairen Prozess zur Lösungsfindung.

Was sind die nächsten Schritte in Finnland, nachdem Metsähallitus die Abholzung am Montag gestoppt hat?
Der letzten Montag von Metsähallitus verkündete Einschlagstopp im Gebiet Nellim muss auf die anderen Urwaldgebiete ausgeweitet werden und solange gültig sein, bis in fairen Verhandlungen eine Einigung über die künftige Höhe des Einschlags, als auch den zukünftigen Schutz der Wälder erzielt wurde. Solange dies nicht passiert ist, wird der jahrelange Konflikt sich nicht lösen lassen.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:28 | Kommentare (0)

12.03.05

"Was ist denn dann ein Ureinwohner?"

Gebiet-Sami.jpg Eigentlich eine komische Frage, denn das Wort Ureinwohner sagt doch im Grunde alles. Es sind Menschen, die als erstes einen Ort, ein Gebiet oder ein ganzes Land besiedeln, so wie Sami, Indianer, Aborigines, Maori oder Quechua. Dann kommen irgendwann ein paar andere und vertreiben die Eingeborenen oder versuchen ihnen zumindest die eigene Lebensweise aufzudrängen. DENKSTE. Ein Freund von mir fragte mich sogar, was denn die Sami von uns anderen Europäern unterscheidet. "Ich bin doch dann auch ein Ureinwohner, meine Familie stammt ursprünglich aus Deutschland, und ich lebe immer noch hier!" "Aber Du lebst nicht, wie ein Ureinwohner", gab ich als schlagendes Argument zurück. Worauf Dierk grinste: "Doch, ich trinke Bier und kümmere mich, wie jeder Mann ums Essen." Eben das simple Denken eines Unwissenden. Doch so wie Dierk ging es den meisten, denen ich erzählte, dass ich nach Finnland fahre, um dort mit den Sami für die Urwälder zu kämpfen.

Das machte mich neugierig...

Im Internet steht auf der UN-Seite eine ganze Abhandlung über indigene Völker und all die Kriterien, die diese Gruppen erfüllen müssen, damit sie als Ureinwohner anerkannt werden. Dazu gehört, das diese Gruppen tatsächlich als ziemlich die ersten an einem Ort gelebt haben. Außerdem sollten sie freiwillig ihre kulturellen Besonderheiten bewahren, was im Klartext heißt, sie müssen irgendwas immer noch so tun, wie schon immer. Ob Religion, Arbeits- und Lebensweisen oder spirituelle Werte, ganz egal. Die Überzeugung, ein indigenes Volk zu sein, ist ein weiteres Kriterium, ebenso wie es eine Gruppe sein muss. Ein paar Leutchen machen einen also nicht gleich zum Eingeborenen. Was heute nicht unbedingt mehr eingehalten werden muss, aber durchaus wichtig ist, ist die sogenannte "Erfahrung" von Unterdrückung, Ausbeutung oder sonstige Benachteiligung gegenüber anderer Gruppen.

MuseumKopie.jpg Doch jetzt Schluss mit trockenen UN-Regeln und zurück zur Frage, was die Sami zu Ureinwohnern macht? Hier in Inari gibt es das samische Siida Museum. Da bin ich heute mal hin.

Wider Erwarten ist es recht groß mit drei Ausstellungsräumen, plus einen Diaraum. Grosse Wandtafeln mit vielen Zeichnungen, Wanderkarten und Grafiken zeigen mir, dass die Sami in Finnland, Schweden, Norwegen und Russland leben, und das schon seit fast 10.000 Jahren. Sprich, lange bevor die Germanen aus dem Süden nach Skandinavien kamen. Hier in Finnland gibt es circa 7000 Sami, mit die kleinste Population. Schöne Illustrationen zeigen wie die Sami sowohl früher, als auch heute vom Jagen, Fischen und Rentierzucht leben. Früher waren sie einmal nomadisch, zogen den Jahreszeiten entsprechend zu Sommer- und Winterweiden. Durch entstande Ländergrenzen und Konflikte mit Landbesitzern, sind diese traditionellen Frühjahrs- und Herbstwanderungen allerdings immer problematischer. Um ihre Kultur zu erhalten und Interessen zu vertreten, gründeten sie 1956 den Nordischen Sami-Rat, heute das Sami-Parlament.

An das Leben als "Nicht-Nomaden" angepasst, führen sie ihre Herde dennoch durch die Wälder, aber möglichst nur in ihren Genossenschaften. Dass die Abholzung der Wälder heute jedoch eine weitere und sogar viel größere Bedrohung ihrer Existenz ist, zeigen die Wandtafeln nicht. Durch die Abholzung finden die Rentiere nicht mehr genug Futter im Winter, was logischerweise negative Auswirkungen hat. Dafür bekommt man im nächsten Raum einen guten Eindruck in die Lebensweise der Rentierzüchter. Hierfür brauch ich allerdings kein Museum. Wie sie heute leben sehe ich jeden Tag, wenn wir mit den Sami in die Wälder fahren oder sie bei den so genannten Round-Ups besuchen.

Natürlich sind viele Dinge anders, als noch vor Jahrhunderten oder gar Jahrzehnten. Lange wurde die Sprache gar nicht, oder nur wenig gesprochen. Ein Ausschuss für die Wiedereinführung wurde 1971 ins Leben gerufen, doch es gibt so viele verschiedene Formen, dass die meisten sich doch auf Finnisch unterhalten. Besonders enttäuscht war ich, als die Museumsangestellte mir sagte, dass sie zwar Sami sei, doch sie selbst nur ein paar Brocken Samisch spreche, überhaupt lebe sie im Grunde finnisch. Was auch immer das bedeutet?

SChuheKopie.jpg Die Handy-Generation macht auch vor Ureinwohnern nicht Halt, somit hat jeder ein Telefon in der Tasche. Das herkömmlichste Fortbewegungsmittel ist neben dem Auto der Motorschlitten und die Kleidung ist mehr als westlich. Traditionelle Kleidung wird nur noch zu entsprechenden Anlässen angezogen. Nur die Schuhe, die im Winter besonders warm halten – ich habe das am eignen Leib erfahren – hat hier jeder an. Kein Wunder, unsere Gummischlappen sind ein echter Dreck dagegen. Trotz drei paar Socken und Alu-Einlegsohle hatte ich bei einer Motorschlittenfahrt nach zehn Minuten Frostbeulen an den Füßen. Auf dem Rückweg, mit Sami Schuhen an den Füßen, war alles in bester Ordnung und kuschelig warm - in Deutschland aber leider nicht gesellschaftsfähig.

Was geblieben ist, ist die Verbundenheit mit der Natur und bei der Rentierzüchtung ist man ebenfalls bei vielen alten Gewohnheiten wie beispielsweise dem Ohrmarkierungssystem der Rentiere geblieben. Doch davon ein andermal mehr....
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 09:50 | Kommentare (0)

11.03.05

Stora Enso schreibt an Greenpeace Deutschland - Unsere Antwort!

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Der Papierhersteller Stora Enso hat vor ein paar Tagen einen Brief an Greenpeace Deutschland geschickt. Darin geht Stora Enso auf einzelne Vorwürfe von Greenpeace ein. Die Äußerungen des Papierherstellers wollen wir natürlich nicht so im Raum stehen lassen, da sie falsch sind. Des weiteren haben wir auch einen Brief in einer E-Mail verfasst, den alle Web-User in den nächsten Tagen bekommen, die bisher auf unseren Seiten einen Kommentar hinterlassen haben. Der Grund dafür ist, dass Stora Enso eine Mail an alle unsere Web-Blogger schickt.

Und jetzt hier unsere Stellungnahme:

Greenpeace-Stellungnahme zum Schreiben von Herrn J. Koch, Stora Enso Deutschland an Greenpeace vom 08.03.2005

Stora Enso: "Stora Enso kauft kein Holz aus Urwäldern"

Diese Aussage ist falsch. Greenpeace-Recherchen belegen, dass Stora Enso auch diesen Winter Holz aus Urwaldgebieten und Wäldern mit hohem Schutzwert (siehe dritter Absatz) bezog. So wurde beispielsweise Holz aus dem Kessi-Urwald und dem Paadarskaidi-Gebiet zum Stora Enso Zellstoffwerk in Kemijärvi geliefert. Der Zellstoff aus Kemijärvi wird sowohl in Finnland, als auch in Deutschland von Stora Enso zur Papierherstellung eingesetzt.

Stora Enso: "In dem Dialogprozess zwischen Metsähallitus und den Umweltorganisationen wurde für das Gebiet in Ober-Lappland vereinbart, keine Wälder einzuschlagen, die vorher nicht forstwirtschaftlich genutzt wurden."

Ende 2003 hat Metsähallitus zwar mitgeteilt, in unberührten Urwäldern in Inari nicht mehr einzuschlagen, dieses Versprechen aber mit dem Einschlag im Kessi Urwald gebrochen.
Gebiete, wie der Kessi-Urwald, aus dem Stora Enso noch diesen Winter Holz bezog, sind in Karten verzeichnet, die von Greenpeace, dem finnischen Naturschutzbund (FANC) und den Sami erstellt wurden und welche die Basis für den sogenannten "Dialogprozess" bilden. Solange Metsähallitus in diesen kartierten Wäldern einschlägt, kann Stora Enso nicht sicher sein, kein Holz aus Urwaldzerstörung und Zerstörung von Wäldern mit hohem Schutzwert zu beziehen.

Stora Enso: "Stora Enso bezieht ausschließlich Holz aus forstwirtschaftlich genutzten Flächen in Oberlappland."

Es gibt Bereiche innerhalb der von Greenpeace, FANC und den Sami kartierten Gebiete, die vor Jahrzehnten selektiv eingeschlagen wurden. Diese Gebiete erfüllen nach wie vor ihre wichtigen ökologischen Funktionen und werden als Wälder mit hohem Schutzwert bezeichnet. Sie sind für die traditionelle Rentierwirtschaft von großer Bedeutung. Diese Flächen sind gemäß dem "Reindeer Act" (Gesetz zum Schutz der Rentierwirtschaft) geschützt und dürften daher nicht durch Kahlschlag so geschädigt werden, dass eine traditionelle Rentierwirtschaft unmöglich wird. Die Tatsache, dass in einzelnen Gebieten einzelne Bäume auf wenigen Hektar vor Jahrzehnten gefällt wurden, - also die forstwirtschaftliche Nutzung - rechtfertigt es also nicht, diese Wälder durch Kahlschlag zu zerstören.

Stora Enso: "In den letzten Jahrzehnten ist die Rentierpopulation um 150% gestiegen"

1980 gab es in Finnland 177 000 Rentiere. Ende der 80er Jahre brach der Markt für Rentierfleich aufgrund der Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl zusammen, so dass weniger Tiere geschlachtet wurden und 1990 eine Höchstzahl von 259 000 Tieren erreicht wurde. Die letzten Zahlen für 2003 geben eine Zahl von 201 000 Tieren an. Eine Steigerung der Anzahl der Tiere fand seit Tschernobyl weder für das Gesamtgebiet der Rentierhaltung noch in den einzelnen Kooperativen statt. Im Gegenteil, die Zahl der Tiere sinkt. Jeder Kooperative wird vom finnischen Staat die Haltung einer maximalen Anzahl von Rentieren zugestanden. Die Anzahl der "erlaubten" Rentiere richtet sich nach der vorhandenen Waldfläche. Da der Urwald schwindet, müssen die Sami die Herden kontinuierlich verkleinern. Viele Kooperativen in Lappland haben heute in etwa so viele Tiere wie in den 70er Jahren.

Stora Enso: "In Urwäldern gäbe es keine Rentierhaltung"

Zum Ende des Winters, wenn der Schnee hoch und hartgefroren ist, können die Rentiere die auf dem Waldboden zu findende Nahrung nicht mehr gut erreichen. Sie ernähren sich dann von Flechten die von den Ästen der Bäume herabhängen. Im Winter nach einem Sturm sieht man im Urwald überall kleine grüne Flechten auf dem weißen Schnee liegen. Nur in intakten Waldökosystemen wie den Urwäldern sind die Flechten in ausreichender Menge zu finden. Untersuchungen ergaben, dass in Urwäldern mehrere hundert Kilogramm Flechten pro Hektar wachsen. In bewirtschafteten Wäldern sind die Flechten nicht in ausreichender Menge zu finden. Wenn die Urwälder weiter abgeholzt werden, ist die traditionelle Rentierwirtschaft mit frei umherwandernden Tieren gefährdet, ein Stück finnischer Kultur ginge verloren.

Die Zerstörung der Urwälder und Wälder mit hohem Schutzwert verletzt, laut der UN, die Rechte der Sami. Das Menschenrechtskommittee der Vereinten Nationen hat in einem Länderbericht im November letzten Jahres die finnische Regierung aufgefordert, die verschiedenen Formen der Landnutzung – wie etwa den Einschlag in den Urwäldern – solange einzustellen, bis eine Klärung in der Frage der Landrechte stattgefunden hat. Dieser Aufforderung seitens der Vereinten Nationen ist die finnische Regierung bisher nicht nachgekommen. Durch den Kauf von Holz aus den Rentierwäldern trägt Stora Enso zur Verletzung der Menschenrechte der Sami bei.

Stora Enso: "Verwunderlich ist, dass Greenpeace das PEFC-Zertifizierungssystem als 'Industriezertifikat' in seiner Presseerklärung vom 7.März diffamiert, obwohl z.B.von den 27 Mio ha FSC-zertifizierten Wäldern in Europa (das FSC-Zertifikat wird von Greenpeace unterstützt) fast die Hälfte von schwedischen Industriekonzernen gehalten werden, u.a auch von Stora Enso, die an Bergvik AB zu ca. 40% beteiligt ist. Das PEFC-Zertifikat wird im Gegenteil von Kleinwaldbesitzern unterstützt."

Greenpeace ist nicht gegen Forstwirtschaft - auch nicht gegen industrielle Forstwirtschaft generell. Wenn man Wälder nutzt, dann müssen jedoch strenge ökologische und soziale Kriterien, wie sie der FSC vorschreibt, berücksichtigt werden. Die Nutzung der letzten Urwälder wäre nach den finnischen FSC Standards gar nicht erlaubt! Fakt ist, dass 98% der finnischen Wälder PEFC zertifiziert sind - auch die Urwälder. Dennoch werden sie unter dem Deckmantel der PEFC- Zertifizierung zerstört! Während der FSC von allen großen internationalen Umweltverbänden anerkannt ist, genießt der PEFC keine Glaubwürdigkeit. Der Titel "Industriezertifikat" beruft sich nicht darauf, wer den Wald nutzt, sondern wer das Zertifikat unterstützt und ins Leben gerufen hat.

Zitat aus der PEFC homepage: "Der PEFC-Prozess wurde im August 1998 von skandinavischen, französischen, österreichischen und deutschen Waldbesitzern zusammen mit Vertretern der Holzwirtschaft initiiert."

Noch heute ist es so, dass beim PEFC aufgrund seiner Struktur die Entscheidungen von Industrie, Forstwirtschaft und dem Waldbesitz getroffen werden.
Der FSC beruht dagegen auf drei Säulen. Vertreter der Wirtschaft, aus dem sozialen Bereich und der Umweltseite haben hier gleiches Mitspracherecht.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:48 | Kommentare (1)

Finnlands Urwälder sind in Gefahr - Helft mit, sie zu retten

wald.jpg Die letzten Urwälder Finnlands werden abgeholzt, um sie zu Papier zu verarbeiten. Schick eine E-Card an all deine Freunde und Bekannten, damit sie helfen, den Urwald zu retten!


Schreibt an den finnischen Außenminister Erkki Tuomioja und bittet die Regierung, dafür zu sorgen, dass der Wald stehen bleibt!


ecoquest3.jpg Spiel Eco Quest 3 - Die Rentierzüchter

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 09:47 | Kommentare (1)

10.03.05

Lagebericht - Die ersten Reaktionen

bagger.jpg Wie ihr ja schon wisst, hat das finnische Forstamt Metsähallitus am Montag die Abholzung in den von uns markierten Wäldern gestoppt. Das haben wir unseren Markierungs-Teams zu verdanken, die mehrere Tage in den Wäldern von Nellim verbrachten und finnische sowie englische Schilder an den Grenzen der Rentiertierzüchter Gebieten aufstellten.

Die Schilder sagen: „Kein Einschlag – wichtiger Rentierwald“ - in Anlehnung an das finnische Gesetz, dass für den Schutz der Gebiete sorgen soll.

Damit ist die Arbeit aber natürlich nicht vorbei...

Erst einmal werden wir auch die nächsten Tage noch genau prüfen, ob sie halten, was sie versprechen. Ausserdem hat Metsähallitus nur für fünf Gebiete zugesagt, nicht weiter abzuholzen. Die restlichen Gebiete sind nicht erwähnt. Unser Ziel ist es aber, für alle 73 ungeschützten, von uns auf Karten erfassten Wälder in Nordfinnland das Moratorium zu erreichen. Jetzt gibt es die ersten Stellungnahmen von verschiedenen Seiten.


Hier eine Zusammenfassung unterschiedlicher Reaktionen:


Der Finnische Agrar- und Waldminister Juha Korkeaoja sagt in einer Presseerklärung ...

„Das Forstamt Metsähallitus hat die Abholzung zum Schutz der Rentiere in den letzten 30 Jahren um 40 Prozent reduziert. Dagegen hat sich jedoch die Rentierpopulation in der gleichen Zeit verdoppelt. Die Reduzierung des Einschlags wird nicht die Probleme um die Existenz der Rentierzüchter lösen. Stattdessen wird die Arbeitslosigkeit erhöht, und der Druck auf die wichtigsten Holzabnehmer ist größer".

Weiter sagt Juha Korkeaoja „dass es möglich ist, eine zukunftsfähige Holzwirtschaft in Nordfinnland zu betreiben, auch unter Berücksichtigung von allen sozialen Aspekten. Der Natur-Ressourcen-Plan ist gerade in Kraft getreten und enthält gute Möglichkeiten, um beide Seiten zufrieden zu stellen".




Stora Ensa aus Deutschland schreibt einen Brief an Greenpeace Deutschland:

Stora Enso kauft kein Holz aus Urwäldern. In dem Dialogprozess zwischen Metsähallitus und den Umweltorganisationen wurde für das Gebiet in Ober-Lappland vereinbart, keine Wälder einzuschlagen, die vorher nicht forstwirtschaftlich genutzt wurden. Stora Enso bezieht ausschließlich Holz aus forstwirtschaftlich genutzten Flächen in Ober-Lappland. Die von Greenpeace behauptete Gefährdung der Rentierhaltung ist unrichtig. In den letzten Jahrzehnten ist die Rentierpopulation um 150% gestiegen. Zudem ist aus ökologischer Sicht die hohe Rentierpopulation eher problematisch. In Urwäldern gäbe es keine Rentierhaltung.

Einige Sami unterstützen die Greenpeace Kampagne, jedoch gibt es in der Region Stimmen, auch von den Sami Ureinwohnern, die die Kampagne von Greenpeace ablehnen. Die Gemeinde Inari hat nicht die Ressourcen, um eine ähnlich spektakuläre Gegenaktion zu starten. Dennoch haben sie jetzt eine Unterschriftenaktion gegen die Greenpeace-Aktion gestartet. Bedauerlicherweise wird in Lappland oftmals Greenpeace gleichgesetzt mit den Deutschen, die sich in innere Angelegenheiten einmischen, obwohl sie ihre eigenen Wälder so gut wie gar nicht unter Naturschutz stellen.

Verwunderlich ist, dass Greenpeace das PEFC-Zertifizierungssystem als 'Industriezertifikat' in seiner Presseerklärung vom 7.März diffamiert, obwohl z.B. von den 27 Millionen Hektar FSC-zertifizierten Wäldern in Europa (das FSC-Zertifikat wird von Greenpeace unterstützt) fast die Hälfte von schwedischen Industriekonzernen gehalten werden, u.a auch von Stora Enso, die an Bergvik AB zu ca. 40% beteiligt ist. Das PEFC-Zertifikat wird im Gegenteil von Kleinwaldbesitzern unterstützt."


Ausserdem....

.... hat die Inari Gemeinde angefangen, Unterschriften für eine Petition gegen Greenpeace Aktivitäten in Nordfinnland zu sammeln. Die Gemeinde Inari ist der Auffassung, dass der Konflikt zwischen den Rentierzüchtern und der Forstwirtschaft künstlich herbei geführt ist. Er würde die Forstwirtschaft stoppen und die Zukunft des Kemijärvi Zellstoffwerks gefährden. "Jedesmal wenn Greenpeace nach hierher kommt, müssten die Menschen hier, um ihre Existenz bangen", sagt der Vorsitzende der Inari Gemeinde Terho Kinisjärvi.

.... Stora Enso Finnland hat einen runden Tisch mit allen Diskussionsparteien einberufen und fordert Hannele Pokka, die Gouverneurin von Lappland auf, mit dabei zu sein....


...und zum Abschluss noch ein paar Kommentare unserer Blogger!

Hallo an alle die hier das Engagement loben!
Ich finde, wir sollten uns zuerst mal an die eigene Nase fassen. Wo kommt denn der Bedarf an Urwaldholz her? RICHTIG. Weil WIR Holz und Papier(!) aus den Urwäldern kaufen! In den meisten Druckern und Kopierern steckt weißes, Nicht-Recyclingpapier. Und eben dieses kommt zum großen Teil aus dem Urwald. Wir sollten uns also auch mal Gedanken machen, warum dieses Urwald Camp überhaupt nötig ist. Jan Martin

Liebe Greenpeace-Aktivisten,
ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer ´eisigen´ Aktion. Ich finde es toll. Das ist viel mehr wert, als wenn z.B. ein Fussball-Verein gewinnt, denn ihr setzt euch für die Zukunft aller ein. Wollige Grüße aus dem Süden

Hallo liebes Greenpeace-Team,
ich bewundere Eure Energie, Kraft und den Willen mit dem Ihr Euch einsetzt! Macht weiter so! Ich bin Fördermitglied und Cyberaktivistin bei Greenpeace und wie schon in den anderen Kommentaren zu lesen ist, würde ich Euch auch gerne Unterstützen, indem ich einen Brief an die Verantwortlichen schicke. Also, wenn Ihr eine Adresse habt stellt sie doch ins Internet. Ich war als Kind einmal über Weihnachten in Finnland und kann mich daran erinnern wie schön der schneebedeckte Wald dort war. Und wie faszinierend diese unglaubliche Stille auf mich gewirkt hat. Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft! Viele Grüße, Molly

(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:55 | Kommentare (3)

09.03.05

Circa 8 Unfälle pro Tag!

zucht.jpg In unserem Büro in Inari ist heute Full House. Seit Montag ist die Abholzung von dem finnischen Forstamt Metsähallitus im umstrittenen Gebiet tatsächlich gestoppt. Deshalb checken jetzt ein paar von uns, zusammen mit den Sami, ob dieser kurzfristige Stopp für die Wälder rund um Nellim wirklich eingehalten wird. Und um die Verhandlungen für das Moratorium voran zu treiben, beraten unsere Aktivisten, welche Schritte die nächsten sind.

Dave, unser irischer Web-Reporter und ich sind deshalb mal für ein paar Stunden raus ins Camp, um dem Computer und der Hektik zu entfliehen und etwas Aktionsluft zu schnuppern. Dave fährt. Gott sei Dank. Obwohl er es gewöhnt ist, auf der linken Fahrbahnseite zu fahren - er kommt halt aus Irland - lege ich doch die Verantwortung für den Wagen lieber in seine Hände. Ich bin sicherlich keine schlechte Fahrerin, auch wenn manch einer der Meinung ist, dass ich immer zu sehr auffahre, doch hier bei den vereisten Straßen sitz ich lieber auf der sicheren Seite und lass mich chauffieren. Zu Recht, denn kaum kommt die erste Abbiegung, gerät das Auto bei leichten Bremsen ganz schön ins Schlittern. Eine starke Bremsung ist also nicht zu empfehlen. Was erklärt, warum die Rentierzüchter-Genossenschaftsseite im Internet sogar auf einer ganzen Seite über Rentiere im Strassenverkehr referiert. Freiwild! Vorsicht ist geboten!

Anfänglich musste ich darüber schmunzeln und hab die Ernsthaftigkeit klar unterschätzt. Zwar passieren jährlich circa 3000 Unfälle – circa 8 pro Tag – doch die meisten in der Zeit von November bis Januar und von Juli bis August, da im Winter durch eine dicke Schneeschicht und das Eis auf den Weidenflächen sowie im Sommer durch die Insektenplage die Rentiere auf offene Flächen und Straßengebiete fliehen. Ein anderes Problem ist, dass die Fahrbahnen die Weidegebiete unterbrechen, zudem die Straßen durch das Streusalz und Sand den Bedarf von Spurenelementen decken, was die Anziehungskraft auf die Tiere nur noch erhöht.

RentierSTrasseKopie.jpg Es ist März, also fühle ich mich in absoluter Sicherheit. Jedoch keine 15 Minuten später – was in Finnland übrigens keine große Distanz ausmacht – steht rund 600 Meter vor uns eine ganze Herde mitten auf der Strasse. Seelenruhig, einfach zuckersüss. „Autos stören die Rentiere nicht, aber Menschen“, sagt Dave und nimmt schnell den Fuss vom Gas, damit wir sie nicht sofort vertreiben. Wir versuchen so dicht wie möglich mit dem Auto ran zu kommen, damit wir gute Fotos machen können. Unser „Gestank“ würde sie schliesslich sofort vertreiben.

Die Fotos im Kasten fahren wir heil und happy weiter. Die statistischen dreitausend Pechvögel haben nicht so viel Glück und müssen sich dann auch noch mit Versicherungsklauseln rumschlagen. Denn die besagen verrückterweise, dass man schon ein Rentier richtig anfahren muss, damit die Versicherung zahlt. Die Schäden von Ausweichmanövern muss der Fahrer selber blechen. Es sei denn man hat die nötige Zusatzversicherung nicht vergessen... (Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 20:52 | Kommentare (1)

08.03.05

Die Sonne oder "Beaivi" auf samisch

sonne.jpg Ich dachte immer, im Winter ist es in Finnland den ganzen Tag stockdunkel, oder zumindest nur ein paar Stunden dämmrig. Stimmt nicht. Als ich heute morgen um 8 Uhr aus meinem Schlafsack krabbelte, konnte ich sogar schon einen riesigen Ball am Himmel sehen.

Unsere finnischen Aktivisten haben mir erklärt, dass es nur im Dezember fast den ganzen Tag dunkel bleibt. Jetzt im März ist es im Grunde schon genauso hell, wie im restlichen Europa.

Ab jetzt geht es hier nur sehr viel schneller, dass die Tage wieder länger werden. Von Tag zu Tag steht die Sonne fast ganze 10 Minuten mehr am Himmel als zuvor. Kein Wunder, in ein paar Monaten ist hier Mitternachtssonne, bis dahin muss sie immerhin volle 24 Stunden zu sehen sein.

InariSonneWaldKopie.jpgWährend die einen noch schlafen und die anderen schon zur ersten Lagebesprechung zusammen sitzen, um zu diskutieren, wie wir auf den Stopp der Abholzung reagieren, schleich ich mich raus und mache einen ausgedehnten Guten-Morgen-Spaziergang. Es ist eine beruhigende Stille, nur meine Fussstapfen sind im Schnee zu hören. Einfach herrlich. Wäre es doch nur nicht so kalt!

Am Inarisee bleibe ich eine Weile stehen und lass mich ein wenig von der Sonne wärmen. Bei einer solchen Kälte lernt man die Kraft der Strahlen wirklich zu schätzen.

InariSeeSonneKopie.jpg Aber nicht nur ich, für die Sami, die finnischen Ureinwohner mit denen wir hier gegen die Abholzung der Urwälder eintreten, gehört Beaivi (Sonne auf samisch) zu den wichtigsten Göttern, die sie verehren. In manchen Überlieferungen wird sie sogar als die Mutter von Natur, Tier und Mensch beschrieben. Um sie zu ehren, wurde deshalb in früheren Zeiten ein Kuchen aus Mehl und Rentierblut gebacken. Am Ende des Winters befestigten die Sami das Gebäck dann als Opfergabe an ihren Häuserwänden. Eine Spende, damit die Sonne möglichst viel scheint und sowohl die Wanderer in den Bergen, als auch die Seefahrer auf der See und die Rentierzüchter bei der Suche nach verlorenen Tieren unterstützt. (Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:34 | Kommentare (1)

07.03.05

Urwälder markiert - Einschlag gestoppt?

ResizeofDSC00638.JPG Heute morgen sind wir trotz klirrender Kälte wieder in den Wald aufgebrochen. Eingemummelt in dicken Boots und warmen Hosen, fahren wir los, um weitere Markierungen des Urwaldes in der Nähe von Nellim anzubringen. Der Grund: Diese Abschnitte sollen vor weiteren, bereits geplanten Einschlägen geschützt werden - ein wichtiger Bestandteil unserer gemeinsamen Aktion mit den Sami, denn die Gebiete, die hier abgeholzt werden sollen, brauchen die Rentierzüchter, um den Erhalt der Tiere als Einkommensquelle und ihrer damit verbundenen kulturellen Identität zu sichern.

Kaum zu glauben, aber um zu dem von den Sami ausgesuchten Gebiet zu kommen, müssen wir eine riesige Schleife fahren, dabei sind die zu markierenden Stellen nur circa 5 Kilometer Luftlinie von unserer Basis entfernt. Kein Seltenheitswert übrigens: In diesem Teil Finnlands gibt es nur wenige ausgebaute Straßen, von der Bevölkerungsdichte mal ganz zu schweigen. Etwa 7000 Menschen leben in der Region rund um Inari, davon circa 2000 Sami. Wir brauchen also eine gute Stunde für einen Weg, der normalerweise sogar zu Fuß kürzer ist. Zudem müssen wir auch noch stark aufpassen, dass wir nicht von der Straße abkommen und in einer Schneewehe landen, denn die Fahrbahn ist vom Neuschnee ziemlich rutschig und vor allem kaum zu sehen.

ResizeofDSC00618.JPG Endlich an Ort und Stelle angekommen, haben wir uns in zwei Teams aufgeteilt. Zwei unserer Aktivisten sind so unerschrocken und schnallten sich ohne zu zögern ein paar Skier an, denn nur mit denen kann man in bestimmte Teile der Wäldern vordringen.

Wir anderen, weniger heldenhaft, bleiben am Straßenrand und suchen nach geeigneten Stellen, um die grell gelb-roten Schilder, mit der Aufforderung, die Abholzung dieser Wälder zu stoppen, gut sichtbar anzubringen. Dies gelingt, nachdem wir uns durch hüfthohlen Schnee mühsam von der Stelle kämpfen. Doch der Einsatz hat sich gelohnt, nun hängt ein Schild sogar an einer sehr eindrucksvollen circa 500 Jahre alten Kiefer - einem Stück echten Urwalds.

Resizeofschilder.jpg Nachdem wir alle wichtigen Stellen markiert haben, geht es endlich wieder zurück in Richtung Basis. Hat doch länger gedauert, als ich dachte. Ich habe inzwischen Eisfüße und blaue Finger, und vor allem Durst. Dave, unserem Aktivist aus Irland, geht's genauso. Ganz nach dem Motto „selbst ist der Mann“ greift er einmal in den Schnee und leckt an dem kühlen Nass. Ich kann mich dafür jedoch nicht erwärmen. Der Schnee ist unerwartet trocken und befriedigt nicht im geringsten mein inzwischen dringendes Bedürfnis, etwas zu trinken.

Unseren Augen kaum trauend, kommen uns auf dem Rückweg auf einmal ein paar LKWs des Forstamts Metsähallitus entgegen. Offensichtlich holen sie ihre Geräte und das Holz von den Sammelplätzen wieder ab. Scheint also doch etwas an den Gerüchten dran zu sein. Heute morgen berichtete die finnische Presse, dass die Abholzung im Gebiet Nellim gestoppt werden soll. Wir warten jedoch erst einmal ab, ob sich das tatsächlich bestätigt. Doch wenn es stimmt, ist das großartig. Und ein erster Erfolg für uns!
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 23:02 | Kommentare (4)

06.03.05

Rentierfleisch - gut essen und die Sami-Rentierhalter unterstützen

Nachdem wir unsere Arbeit für den Vormittag erledigt hatten, meldete ich mich freiwillig zum Kochen. Gerade in dem Moment kam Petteri vorbei. Er brachte uns Rentierfleisch ins Camp. Super, so konnte ich endlich mein Lieblingsessen aus Finnland kochen und genießen. Rentierfleisch ist wirklich köstlich!

Dieses Fleich von den frei im Urwald umherziehenden Rentieren, kann man nur als echtes Bio-Fleisch bezeichnen. Die Tiere leben frei im Wald und auf den höher gelegenen Grasflächen und werden nur dann mit Flechten aus dem Urwald oder mit Heu gefüttert, wenn sie zusammengetrieben werden. Trotzdem bekommt das Fleisch kein Bio-Siegel.

Die EU-Vorschriften erschweren die Bio-Zertifizierung für das Rentierfleisch. Bio-Fleisch unterliegt richtigerweise strengen Kontrollen. Aber dass es für das Rentierfleisch der Sami kein Zertifikat gibt, erscheint doch etwas absurd. Da die Tiere frei im Wald leben, bekommt ein Kontrolleur die Tiere meist erst gar nicht zu Gesicht und kann deren "Haltung" nicht kontrollieren. Also gibt es für das Rentierfleisch der Sami kein Bio-Zertifikat.

Vor einiger Zeit bekam ich eine Einführung in die Sami-Küche im finnischen Lappland. Umso mehr freute ich mich, jetzt für die Aktivisten ein Superessen zuzubereiten. Es gab Rentierfleisch mit zerstampften Kartoffeln und Preiselbeeren.

Rentier schmeckt nach Wild, nur zarter, wenn es sich im Wald von den Früchten des Waldes ernährt hat. Wird ein Rentier mit Heu gefüttert, schmeckt das Fleich ganz anders. Unser Fleisch jedoch bekamen wir von Rentierhaltern der Mutkatunturi Rentiercooperative und deren Tiere leben in der Wildnis. Aber auch die Vegetarier unter uns erhielten ein leckers Essen: Gemüsetopf. Also verhungen muss hier keiner. Mal sehen was als Nächstes gekocht wird, vielleicht überrascht uns ja einer mit einer Spezialität aus seiner Heimatstadt.

Und hier noch schnell das Rezept:
Es ist einfach und schnell. Man nehme Rentierfleisch und schneide dies in dünne feine Scheiben. Das geht übrigens am Besten, wenn es noch leicht gefroren ist. Das Fleisch kann direkt nach dem Zerkleinern in einen Topf, in dem vorher Butter zerlassen wurde. Das Fleisch dann langsam anbraten (rund 20 Minuten). Nach und nach das ganze Fleisch kleinschneiden und in den Topf geben. Salzen, ein bisschen Pfeffer, eine Kloblauchzehe zerstampften und zufügen. Nun ein wenig Bier angießen und weitere 15 Minuten köcheln lassen (Gemüsebrühe dazugeben ist auch nicht schlecht). Und schon ist es fertig. Mit Salzkartoffeln und Preisselbeeren servieren. Dazu gibt es in Finnland immer das typische braune Brot mit Butter. Und wer noch mehr Rezepte will, die gibt es unter Rentierzucht in Inari (Englisch)

Veröffentlicht von Beate um 17:33 | Kommentare (4)

05.03.05

Bewegte Bilder/Webfilme rund um das Camp

Auf dieser Seite sammeln wir unsere Webfilme zum Camp, zur Abholzung in Finnland und zeigen, was sonst im Norden Finnlands so passiert ...

Webfilm zur Abholzung in Finnisch-Lappland, 6.52 Min. (Englisch)

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Webfilm zum Aufbau der Urwadschutzstation, 2.08 Min. (ohne Ton)

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Veröffentlicht von Beate um 22:58 | Kommentare (2)

Bilder vom Leben im Camp

Es kann ja so schön sein, obwohl es so kalt ist!

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Veröffentlicht von Beate um 22:30 | Kommentare (4)

Schlafen im "traditionellen" Tipi-Zelt

Die Bauart des roten Tipi, das bei uns im Camp steht, ist gleich jenen, die in den Rentierkooperativen in Lappland zu finden sind. Hier werden sie meistens bei den Gatterplätzen im Urwald verwendet. Dort treiben die Sami die Rentiere zusammen, um sie zuzuordnen und zu separieren.

tipi.jpgUnser Tipi besteht aus dünnen entrindeten Holzstämmen, die im Kreis aufgebaut und zur Mitte geneigt zusammengebunden wurden. Die äußere Schicht bildet roter Stoff der den Wind abhält und die Wärme des Feuers ein wenig im Zelt hält. Das Holz bekamen wir von einem Bekannten hier aus der Region, der Stoff wurde von einer ortsansässigen Näherin gefertigt.

Der Aufbau ist denkbar einfach und dauert nicht lange - wenn man es kann. Okay, wir brauchten ein wenig länger, dass stimmt. Aber unser Kollege aus Inari wusste immerhin wie es geht. Das Zelt dient uns zum Schlafen und als Treffpunkt, wenn es mal nicht ganz so kalt ist. Hier können wir alle zusammen um das Feuer sitzen und den Abend im Urwald in Lappland genießen.

Heute morgen bin ich allerdings im Wohncontainer aufgewacht. Auch dort war nur um die fünf bis acht Grad plus. Abends als wir das Licht ausmachten, warfen wir noch den letzten Scheit Holz in den Ofen, aber der ist in der Nacht ausgegangen. Und so konnte sich die Kälte langsam auch im Wohncontainer breit machen. Die Isolierung ist gut und hält die Wärme im Container, aber ohne Ofen wird es nach einigen Stunden doch kalt. Wir mussten erstmal jemanden ernennen, der als Erster in die kalten Schuhe stieg und Feuerholz holte und den Ofen anwirft. Hagen war so nett das zu übernehmen. Sehr löblich!

Beim Frühstück erzählten uns dann Jouko aus Rauma, Dave aus Irland, Irina aus Schweden und Hembo aus Estland wie ihre Nacht war. Sie hatten in superdicken Schlafsäcken im Tipi geschlafen. Unter die Schlafsäcke, die bis zu minus 40 Grad warm halten sollen, hatten sie Rentierfelle gelegt.

Morgens war der Schlafsack mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, die Hosen und Jacken gefroren. Aber sie waren total munter und freuten sich, im Tipi - mit entsprechendem Equipment ausgerüstet - gut geschlafen zu haben. Dagegen war meine Nacht im "warmen" Container keine große Sache. Eins zu Null gegen mich. (Olli)

Veröffentlicht von Beate um 13:07 | Kommentare (1)

04.03.05

Wer ist denn da im Camp? Portraits!

Nach und nach stellen wir euch hier Greenpeace-Aktivisten aus dem Camp vor. Einige Portraits könnt ihr schon lesen. Viel Spaß!

Ole.jpg Ole Eiteljörge, 27, aus Hamburg, ist seit dem 28. Februar in Inari. Er ist einer der deutschen Greenpeace Aktivisten in der Urwaldschutzstation. Ole kommt ursprünglich aus Bremen, studiert aber seit 5 Jahren Umweltwissenschaften in Lüneburg und wohnt deshalb in Hamburg.

Ole, warum bist du bei Greenpeace?
Ich erfuhr von einer Bekannten das Greenpeace immer tatkräftige Unterstützung gebrauchen kann. Es ging darum, ein großes Banner zum Thema Klimaerwärmung zu malen. Ich hatte Zeit und Lust und begleitete sie. Das war mein Einstieg bei Greenpeace.

Warum bist du im Greenpeace-Camp in Finnland?
Mich hat die Idee mit einem dauerhaften Camp im Urwald auf die Urwaldzerstörung aufmerksam zu machen gleich begeistert. Ich wollte einfach dabei sein. Ich sehe das als Herausforderung für mich. So kam es, dass ich nach Finnland gekommen und hier im Camp bin.

Was erwartest du von Deinem Aufenthalt?
Ich denke das ich einen Beitrag für den Erhalt der Urwälder leisten kann. Wenn ich dann später höre, dass die Wäder nicht mehr eingeschlagen werden, war dies super gut investierte Zeit.
Und wer kommt schon mit Greenpeace für ein paar Wochen nach Nordfinnland zu den Sami.

Olli.jpg Oliver Salge, 34, aus Hamburg ist Waldexperte bei Greenpeace in Hamburg. In den letzten Jahren hat er sich für den Schutz der borealen Urwälder engagiert. Die Notwendigkeit des Schutzes der Urwälder hat ihn bisher neben Finnland vor allem nach Russland geführt.

Warum bist Du in der Urwaldschutzstation?
Ganz einfach, um die weitere Zerstörung der Urwälder hier oben im Norden Finnlands aufzuhalten. Es ist schlicht ein Verbrechen, dass in siebenhundert Jahren gewachsene Bäume bei uns als Wochenmagazin wiederzufinden sind, das gerade einmal sieben Tage auf unseren Wohnzimmertischen liegt.

Wenn man hier im Urwald ist, wird einem schnell klar, dass ein Urwald wirklich etwas besonderes sind. Auch die vielen Rentiere, die sich in der Nähe der Urwaldschutzstation aufhalten um Flechten zu fressen machen deutlich wie wichtig dieser Wald für die Sami-Bevölkerung ist.

Die Gespräche die ich in den letzten Tagen mit Sami-Rentierhaltern gehabt habe, kommen alle zum gleichen Schluss: Die finnische Regierung muss hier oben in vielen Waldgebieten den Einschlag aussetzen. Alles andere wäre eine Mißachtung der Sami-Rechte und ein Verschwinden ihrer Kultur wäre vorprogrammiert.


Achim4-Kopie.jpg Achim Gresser, 32, aus Marburg.
Achim ist Schriftsteller und arbeitet derzeit an einem Buch über seine Wanderung durch die USA.
2001 gründete er das Greenpeace Urwaldpostamt der „Fantastischen Sieben“, zum Schutz der letzten sieben grossen Urwaldgebiete der Erde.

Warum bist du bei Greenpeace ?
Ganz einfach, weil es Greenpeace gibt. Und weil die Menschen, die dabei sind, dies auch leben. Für mich selbst habe ich es leider erst vor etwa fünf Jahren so gesehen. Aber jetzt bin ich dabei.

Woher kommt Dein Einsatz für Finnlands Urwälder ?
Für mich liegt es nahe. Deutschland ist weltweit größter Abnehmer von finnischem Zellstoff und ein Teil des Rohstoffs stammt aus Urwaldzerstörung. Hunderte von Jahren alter Bäume finden scheinbar mühelos ihren Weg als Hochglanzmagazine in die Hände deutscher Verbraucher. Ich will helfen, dass dies in Zukunft nicht mehr geschieht – daher bin ich hier in der Urwaldschutzstation.

Was erwartest Du von Deinem Aufenthalt in Finnland ?
Ich habe mich in den letzen Monaten von Marburg aus intensiv für den Schutz der letzten finnischen Urwälder eingesetzt, und hoffe das mein Aufenthalt hier in Finnland dazu beiträgt die Einschläge schnell zu stoppen und den Lebensraum der Sami langfristig zu sichern, dann kann ich mich endlich wieder daran machen mein Buch fertig zu schreiben.

AnishaPortraitKopie.jpg Anisha Blinckmann, 30, aus Hamburg arbeitet als freie Web-Autorin für Greenpeace und ist seit dem 6. März vor Ort. Mit ihren kleinen Geschichten über alle spannenden Erlebnisse halten wir Euch über das Leben im Camp auf dem Laufenden.

Warum ist der Wald für Dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Asche auf mein Haupt, doch ich engagier mich leider nicht aktiv für den Urwaldschutz in meiner Freizeit. Was ich stattdessen tue: Ich liege auf dem Sofa und lese einen Roman nach dem anderen.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Meine Freundin Beate aus der Internetredaktion.

Warum fährst du nach Finnland?
Wie gesagt, ich bin mit der Leiterin der Internetredaktion von Greenpeace Deutschland befreundet. Sie erzählte mir an einem Sonntag bei einem Cafe Latte (den man hier übrigens nicht bekommt) von dem Greenpeace Finnland-Camp. Ich fand die Idee super, worauf sie mich sofort fragte, ob ich nicht den Webblog übernehmen wollte. Und da konnte ich auf keinen Fall nein sagen.

Gibt es für dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Überhaupt nicht. Ich komme jedoch mit extremer Kälte besser klar als mit extremer Hitze, obwohl ich normalerweise lieber in die Sonne fahre. Aber es ist doch angenehmer im Zwiebellook rumzulaufen, als von einer schwülen Wärme erdrückt zu werden.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Ich weiss, dass wir uns hier eigentlich für die Rentiere und die ungeschützten Wälder einsetzen, doch ich bin seit Jahren auf der verzweifelten Suche nach einem echten, lebendigen Elch. Immer wenn ich in Regionen fahre, wo es angeblich diese Tiere geben soll, habe ich noch nie einen gesehen. In Finnland sind die Rentiere zwar in der Überzahl, doch ein paar vereinzelte Elche soll es auch geben. Vielleicht ist das Glück ja auf meiner Seite.

Mit wem würdest du dir am liebsten den Container teilen?
Vielleicht nicht unbedingt gleich den Container teilen, aber wie ja schon gesagt, wenn morgens ein Elch vor der Tür steht, wäre das großartig.

NikoPortraitKopie.jpg Niko Humalisto, 25, aus Turku, einer Stadt an der Südwestküste Finnlands. Er ist Aktionist bei Greenpeace Finnland.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Greenpeace macht einen guten Job wenn es darum geht, auf die Probleme unserer Umwelt aufmerksam zu machen und hoffentlich wird das auch in der Zukunft immer so sein. Mir gefällt das und das ist auch der Grund, warum ich für Greenpeace arbeite.

Warum bist du in Finnland?
Daran sind meine Eltern Schuld :-)! Nein im Ernst, Ich bin hier in Lappland, weil ich etwas verändern möchte, und die Probleme der Rentierzüchter und der Urwälder gehen mich als Finnen natürlich auch etwas an.

Was erwartetst du von deinem Aufenthalt hier?
In Lappland braucht alles seine Zeit, deshalb erwarte ich nicht, dass sich bereits während meines Aufenthaltes etwas verändert. Das wird dauern, aber ich hoffe, dass sich langfristig natürlich die Dinge so entwickeln, wie wir das wollen. Was ich jedoch hoffe ist, dass die Menschen hier aufwachen und sich mehr für die Umwelt interessieren.


JetskePortraitKopie.jpg Jetske Magtlas, 31, aus Alkmaar aus den Niederlande. Sie ist Aktivistin seit 1998.

Warum arbeitest du bei Greenpeace?
Für Greenpeace zu arbeiten gibt mir die Möglichkeit, tatsächlich etwas auf dieser Welt zu ändern, und zwar zum Positiven. Und das macht das Leben für alle besser.

Warum bist du in Finnland?
Ich möchte hier die letzten Urwälder schützen. Denn wenn uns das gelingt, dann erhalten wir den Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, die ohne ihn nicht überleben könnten. Wenn ich hier bin, kann ich jedem zeigen, wie wichtig er ist.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Ich denke, die Kälte wird uns das ein oder andere Mal herausfordern, doch hoffentlich kann ich trotzdem den Rentierzüchtern helfen. Ohne diese Wälder würden sie sonst ihre traditionelle Lebensweise verlieren.



BeatePortraitKopie.jpg Beate Steffens, 44, aus Hamburg, geboren ist sie jedoch in Eschwege. Sie leitet die Internetredaktion und schaut mir eine Woche auf die Finger. Nein, natürlich nicht. Sie ist eine Woche hier mit im Camp und unterstützt uns ganz fleißig. Die Greenpeace Jacke wollte sie jedoch nicht anziehen, legte dafür aber besonders viel Wert auf ihren Schal.

Warum ist der Wald für dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Ich bin Naturfan, liebe Wälder, Berge, Schnee und Eis. Ich war 2003/2004 das erste Mal am Polarkreis. Diese knackige, trockene Kälte hat mich schwer begeistert. Natürlich erhaltene Wälder bedeuten für mich Lebensqualität, für andere ist es notwendiger Lebensraum. Ich finde, Urwälder sind überall auf der Welt schützenswert. Diese Schätze unserer Erde müssen auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben. Ganz besonders in einer Gegend, in der die Bäume nur so langsam wachsen wie hier.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Der Zufall. Ich bin ein Mensch, der sich seit vielen Jahren engagiert. Für Menschenrechte, für Frauenrechte, für ein besseres Leben hier und jetzt. Im Sommer 2000 bekam ich die Chance, für einige Monate bei Greenpeace in der Pressestelle zu arbeiten. Mittlerweile sind aus Monaten Jahre geworden.

Warum bist du Finnland? Gibt es für Dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Ich habe gerade Urlaub und daher die Gelegenheit ergriffen, das Greenpeace-Camp zu besuchen. In meinem Urlaub mache ich auch gerne was Sinnvolles. Außerdem gibt es ein Camp zum Schutze unsere Urwälder nicht alle Tage. Und wie gesagt, ich liebe Eis und Schnee. Und davon gibt es, im Gegensatz zu Hamburg, hier eine ganze Menge.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Neue Eindrücke, neue Erfahrungen, neue Sichtweisen.

Mit wem würdest du dir am liebsten den Container teilen?
Mit vielen Menschen, die sich für den Schutz der Urwälder einsetzen ;-)


IMG_3254_joe500.jpg Geoffroy Mewrée, 31, aus Belgien.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Ganz simpel, weil ich ein geborener Umweltschützer bin.

Warum bist du in Finnland?
Weil man in Finnland einen der letzten europäischen Urwälder findet, ein Schatz, den man unbedingt schützen muss.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, um den Wald zu schützen und den samischen Lebensstil zu erhalten. Sie sollte aber auch den Forstarbeitern gerecht werden, beziehungsweise auch die zufrieden stellen. Ich glaube daran, dass man das mit Gesprächen und Verhandlungen erreichen kann.

Veröffentlicht von Beate um 17:31 | Kommentare (17)

Wie fühlen sich minus 22 Grad an?

Bevor ich in die Urwaldschutzstation gekommen bin, habe ich mir immer wieder versucht vorzustellen, wie kalt minus 20 oder 30 Grad eigentlich sind. Als ich dann meine Winterkleidung einpackte, fragte ich mich abermals ob meine Kleidung ausreichen würde.

22.jpgIn Norddeutschland ist es selten über längere Zeit kalt, so dass richtige Winterkleidung in den letzten Jahren "dank" der Klimaerwärmung aus vielen Kleiderschränken verschwunden ist. Auch ich bin eher für bis minus 10 Grad ausgerüstet, denn für minus 20 Grad.

Heute morgen wurde mir beim Fotografieren klar, was minus 22 Grad bedeuten. Zum Fotografieren muss ich die Handschuhe ausziehen, sonst treffe ich die kleinen Sensoren nicht. Und ohne Handschuhe wird es ein kurzes Vergnügen. Nach drei, vier Bildern friert der Atem an der Kamera und der kleine Finger fängt an einzufrieren und unbeweglich zu werden. Nach zwei weiteren Bildern kommt der Ringfinger, dann ... und zuletzt der Zeigefinger. Brrrrrrrrrr!

Kurz nachdem ich das Foto des Thermometers gemacht habe - 22 Grad minus - war auch Schluss. Nicht nur meine Finger, auch die Digitalkamera wollte nicht mehr. Ich verschwand rasch in einen der Wohncontainer des Camps, dort lief der Ofen und heizte den Raum schön warm auf.

Doch der schnelle Wechsel von Kalt nach Warm brachte meinen Fingern für kurze Zeit starke Schmerzen. Es fühlte sich an, als ob ich meine eingefrorenen Finger direkt unter heißes Wasser halten würde. Kennt bestimmt jeder. Vor lauter Schmerz merkte ich, wie sich mein Gesicht verzog. Aber nach ein paar Minuten war alles wieder gut und ich konnte wieder raus, um weitere Bilder vom Urwald zu machen. (Olli)

Veröffentlicht von Beate um 14:23 | Kommentare (14)

03.03.05

Alles läuft rund!

Die Greenpeace-Urwaldschutzstation im finnischen Urwald ist aufgebaut. Zwei rote Wohncontainer und ein traditionelles Tipi sind in Position gebracht. Unsere knallroten Wohncontainer stehen im Schnee und fallen gut auf. Der erste Tag hat uns gezeigt, alles funktioniert einwandfrei. Die Heizung arbeitet und die reichlich vorhandene Elektronik hat sowohl den Transport als auch die Kälte gut überstanden.

tipi.jpgDer Blick aus dem Fenster ist wunderschön. Eine weiße vollkommen verscheite Landschaft, mitten im Wald. So etwas bekommen wir selten zu Gesicht. Kiefern sind neben Birken die vorherrschenden Bäume. Fichten wachsen hier nicht mehr. Wird sind zu weit nörlich.

Viele Kiefern sind uralt. Das sieht man ihnen auf den ersten Blick nicht gleich an. Sie sind häufig dünn und gar nicht so hoch gewachsen. Das rührt von den extremen klimatischen Bedingungen her. Der lange Winter, der die Landschaft von Oktober bis Mai mit einer dicken Schneeschicht im Griff hat, lässt in den Sommermonaten nur spärliches Wachstum zu.

Die Sami, Rentierhalter der Mutkatunturi Kooperative, erzählen uns beim ersten Tee des heutigen Tages von der Bedeutung der Rentiere für ihre Kultur und traditionelle Lebensweise. Sie berichten von den Wanderwegen der Rentiere und das sie auf den Paadarskaidi Wald angewiesen sind. Außerdem berichten sie uns von den letzten Abholzungen. Erst im Dezember 2004 wurde nicht weit von unserer Schutzstation zuletzt eingeschlagen. Und neue Einschläge sind bereits geplant. (Olli)


Veröffentlicht von Beate um 20:15 | Kommentare (4)

02.03.05

Urwaldschutzstation fertig aufgebaut

Die Urwaldschuztstation ist fertig aufgebaut. Alles steht nun am richtigen Platz. Acht bis zehn Greenpace Aktivisten aus verschiedenen Ländern werden ab jetzt permanent vor Ort sein. Ziel ist es, die Urwaldzerstörung zu beenden und den Sami-Rentierhaltern bei der Kontrolle der Wälder zu helfen.

Über den Tag mussten die Container noch einmal gerichtet werden. Sie standen ein wenig schief. Im Tipi-Zelt haben wir zum Wärmen und Kochen sogar eine Feuerstelle eingerichtet. Jetzt können wir dort heizen und wenn wir wollen sogar kochen. Zudem haben wir einen neun Meter hohen Mast errichtet: Unser Funkmast.

Besuch_im_Camp.jpgHeute haben diverse Journalisten die Urwaldschutzstation besucht, Interviews mit Greenpeace-Aktivisten und einigen Sami-Rentierhaltern geführt. Vorher haben wir im Siida Museum, dem Sami-Museum in Inari, eine Pressekonferenz abgehalten. Dort haben wir die finnischen Journalisten über unsere Urwaldschutzstation, die Zusammenarbeit mit Sami-Rentierhaltern und über unsere Forderung nach Beendigung der Einschläge im Urwald informiert.

Einige Journalisten besuchten daraufhin das Camp. Zu Mittag gab es eine vorzügliche Rentiersuppe. Als Vegetarier hat man es hier allerdings schwer, sind wir doch quasi durch die Zusammenarbeit mit den Sami an der Rentierfleisch-Quelle. Das Fleisch der sich im Wald frei bewegenden Rentiere ist echtes Biofleisch. Die Tiere essen nur Früchte des Waldes, Flechten, Pilze, Gras. Trotzdem darf das Fleisch nicht als Biofleich gekennzeichnet werden.

Der Tag begann heute übrigens mit einem Eisklotz. Wir hatten gestern einen Kanister mit Wasser im Auto vergessen. Der war nun richtig durchgefroren. Die Kälte, der Frost halt. Um Tee und Kaffee zu kochen, schippten wir also erstmal Schnee. Schmeckte vorzüglich, denn hier in Lappland ist die Luft rein, das Wasser der Flüsse trinkbar und so natürlich auch der Schnee "trinkbar". An Wassermangel werden wir also nicht leiden.

Jetzt hoffen wir nur noch auf Neuschnee, damit wir so schön eingeschneit werden, wie es derzeit in Deutschland vielerorts passiert. (Olli)

Veröffentlicht von Beate um 20:55 | Kommentare (3)

Camp-Aufbau im finnischen Urwald

Greenpeace-Aktivisten aus mehreren Ländern haben am Mittwoch nahe der Stadt Inari, im Norden von Finnland, eine Urwaldschutzstation errichtet. Auch rund 300 Kilometer nördlich des Polarkreises sind Urwälder durch den Kahlschlag der Papierindustrie bedroht.

Ankunft des zweiten Wohncontainers im Urwald:

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Veröffentlicht von Beate um 20:05 | Kommentare (1)

Leben der Sami

Für viele Sami in Nordfinnland ist die traditionelle Rentierhaltung mit frei umherziehenden Herden die wichtigste Lebensgrundlage und Teil ihrer kulturellen Identität. Ein paar Bilder aus ihrem Leben.

Sami treiben ihre Rentiere in eine Koppel zusammen. Dort werden sie unter anderem gezählt.

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Sami beraten über ihre Rentiere.

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Einige Tiere werden mit dem Lasso eingefangen.

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Sonnenuntergang hinter dem Polarkreis

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Huskys gehören auch zum Alltag.

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Eingefangene Rentiere.

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Veröffentlicht von Beate um 19:43 | Kommentare (0)

Standort der Urwaldschutzstation

Hier gibt es zwei Karten, die zeigen wo sich das Camp in Lappland befindet.

Ja, so weit oben im Norden haben wir das Camp aufgebaut.

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Und hier nochmal das Gebiet der Sami in Finnland im Überblick:

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Veröffentlicht von Beate um 16:45 | Kommentare (0)

Aufbau der Urwaldschutzstation

Die wichtigsten Dinge, die wir hier benötigen, um im Urwald für langere Zeit überleben zu können, sind nun endlich vollständig eingetroffen. Der zweite Wohncontainer ist am Dienstag nach langer Fahrt in Inari angekommen.

Die Fahrt aus Deutschland hat länger gedauert als gedacht, denn die Kälte macht einem hier oben im Norden oft einen Strich durch die Rechnung. Bei Temperaturen von Minus 30 Grad in der Nacht wollten nicht alle elektronischen Teile des Greenpeace-LKWs so wie wir wollten, er sprang schon in Schweden einfach nicht mehr an. Hilfe eines zweiten LKW war nötig, um weiterfahren zu können.

Unser "Zuhause" werden nun diese beiden roten Wohncontainer sein. Sie sind für die klimatischen Bedingungen in Finnland speziell ausgerüstet und besonders gut gedämmt worden. Geheizt werden die Container mit Holz und Strom. Ein Generator und Windkraft werden Strom liefern und die Batterien stetig aufladen, so dass Computer, Fotoapparate und andere elektronische Geräte funktionsfähig bleiben.

Die Container werden im Paadarskaidi-Urwald zusammen mit traditionellen Sami-Zelten (Tipis) die Greenpeace-Urwaldschutzstation bilden. Der Wald liegt zwischen dem Ort Inari und der finnisch-norwegischen Grenze. Hoch im Norden Finnlands und knapp 300 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Der Erhalt des Waldes hat für die Sami-Rentierkooperative von Mutkantunturi besondere Bedeutung: Hier finden die Rentiere im späten Winter, wenn der Schnee hoch liegt und sehr hart ist, Baumflechten. Das ist ihre wichtigste Nahrung zu dieser Zeit im Jahr. Wie zur Bestätigung oder zur Begrüßung sahen wir links an der Straße eine kleine Gruppe Rentiere, als wir die kleine Straße in den Wald hineinfuhren.

Veröffentlicht von Beate um 13:14 | Kommentare (4)