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13.03.05
Interview mit Oliver Salge, Aktivist bei Greenpeace
Seit dem 1. März leben wir im Finnland Camp und setzen uns mit den samischen Rentierzüchtern für die Urwälder in Lappland ein. Seitdem ist viel passiert und viele Web-Leser stellen uns immer wieder ein paar Fragen, zu den Themen, warum wir hier sind. Deshalb habe ich mit Oliver Salge, unserem Aktionisten aus Deutschland gesprochen, denn er kennt sich nicht nur im Wald besonders gut aus, sondern ist hier in Finnland von Anfang an dabei.
Was passiert hier in Inari? Warum ist Greenpeace vor Ort?
In der Region Inari sind einige der letzten Urwälder Finnlands. Obwohl diese für die nordfinnischen Sami Rentierhalter von entscheidender Bedeutung sind, wurden sie von der finnischen Regierung bisher nicht geschützt. Greenpeace setzt sich seit Jahren für den Schutz der letzten Urwälder Europas ein, auch der finnischen. Da der Einschlag hier in Inari trotz diverser Eingaben der Sami an die finnische Regierung stetig weiterging, hat Greenpeace die Urwaldschutzstation errichtet, um auf diesen Skandal aufmerksam zu machen.
Wie sind die samischen Rentierzüchter von der Abholzung beeinflusst?
Die Rentiere hier oben nutzten das ganze Land als Weidefläche. Im Sommer die etwas höher gelegenen Grasflächen, im Winter finden sie ihr Futter im Wald, besonders die Flechten in den Urwäldern sind hier wichtig. Werden die Urwälder zerstört, gibt es keine Flechten mehr, und ohne Flechten ist die traditionelle Rentierhaltung der Sami und damit ihre ganze Kultur bedroht.
Wie passt Stora Enso in die Geschichte?
Stora Enso hat sich zum führenden Papierhersteller der Welt entwickelt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Helsinki ist einer der größten Abnehmer des geschlagenen Holzes aus Inari und verarbeitet die Urwälder zu Zellstoff und Papier in finnischen wie auch in deutschen Papierwerken. Greenpeace hat daher Stora Enso aufgefordert, den Bezug von Holz aus den namentlich bekannten Urwaldgebieten und aus Wäldern mit besonderer Wichtigkeit für die Sami einzustellen. Das Unternehmen kann leicht seinen Holzbedarf aus den anderen Wäldern der Region decken.
Warum bist du von Greenpeace Deutschland vor Ort?
Ich bin Teil der internationalen Urwaldkampagne von Greenpeace. Gerade wir Deutschen beziehen einen Großteil unseres Papiers aus Finnland und sind mit 25 Prozent der Ausfuhren Finnlands wichtigster Kunde. Jede Woche kommen in Lübeck Schiffe an, die Papier geladen haben, dass aus dem Holz aus Nordfinnland gemacht wurde - auch aus den Urwäldern.
Wie gehen wir in Deutschland damit um?
Greenpeace hat in der Vergangenheit auch in Deutschland gegen die Zerstörung der finnischen Urwälder protestiert. Etwa in Lübeck, wo
Greenpeace Aktivisten gegen den Import des Papiers aus Urwaldzerstörung protestiert haben, als ein Schiff vollbeladen mit Papier aus Finnland eintraf. Wir kontaktieren Firmen, die Papier aus Finnland beziehen wie etwa Zeitschriftenverlage, informieren sie über die Lage in Finnland und fordern von ihnen, sich für den Schutz der Wälder in Finnland einzusetzen.
Was habt ihr bis jetzt erreicht?
Zum Ende 2003 hat das finnische Forstamt Metsähallitus erklärt, in 401 von 474 Urwaldgebieten vorübergehend den Einschlag einzustellen, so lange bis in Verhandlungen mit Umweltverbänden eine Einigung über die zukünftige Nutzung gefunden wird. Dies ist jetzt auch für Inari notwendig. Die Konflikte zwischen den Interessen der Forstwirtschaft und der Rentierhaltung der Sami können nicht auf dem Rücken der Sami entschieden werden. Sie sind komplex und benötigen einen fairen Prozess zur Lösungsfindung.
Was sind die nächsten Schritte in Finnland, nachdem Metsähallitus die Abholzung am Montag gestoppt hat?
Der letzten Montag von Metsähallitus verkündete Einschlagstopp im Gebiet Nellim muss auf die anderen Urwaldgebiete ausgeweitet werden und solange gültig sein, bis in fairen Verhandlungen eine Einigung über die künftige Höhe des Einschlags, als auch den zukünftigen Schutz der Wälder erzielt wurde. Solange dies nicht passiert ist, wird der jahrelange Konflikt sich nicht lösen lassen.
(Anisha)
Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 13.03.05 10:28