« Circa 8 Unfälle pro Tag! | Home | Finnlands Urwälder sind in Gefahr - Helft mit, sie zu retten »
10.03.05
Lagebericht - Die ersten Reaktionen
Wie ihr ja schon wisst, hat das finnische Forstamt Metsähallitus am Montag die Abholzung in den von uns markierten Wäldern gestoppt. Das haben wir unseren Markierungs-Teams zu verdanken, die mehrere Tage in den Wäldern von Nellim verbrachten und finnische sowie englische Schilder an den Grenzen der Rentiertierzüchter Gebieten aufstellten.
Die Schilder sagen: „Kein Einschlag – wichtiger Rentierwald“ - in Anlehnung an das finnische Gesetz, dass für den Schutz der Gebiete sorgen soll.
Damit ist die Arbeit aber natürlich nicht vorbei...
Erst einmal werden wir auch die nächsten Tage noch genau prüfen, ob sie halten, was sie versprechen. Ausserdem hat Metsähallitus nur für fünf Gebiete zugesagt, nicht weiter abzuholzen. Die restlichen Gebiete sind nicht erwähnt. Unser Ziel ist es aber, für alle 73 ungeschützten, von uns auf Karten erfassten Wälder in Nordfinnland das Moratorium zu erreichen. Jetzt gibt es die ersten Stellungnahmen von verschiedenen Seiten.
Hier eine Zusammenfassung unterschiedlicher Reaktionen:
Der Finnische Agrar- und Waldminister Juha Korkeaoja sagt in einer Presseerklärung ...
„Das Forstamt Metsähallitus hat die Abholzung zum Schutz der Rentiere in den letzten 30 Jahren um 40 Prozent reduziert. Dagegen hat sich jedoch die Rentierpopulation in der gleichen Zeit verdoppelt. Die Reduzierung des Einschlags wird nicht die Probleme um die Existenz der Rentierzüchter lösen. Stattdessen wird die Arbeitslosigkeit erhöht, und der Druck auf die wichtigsten Holzabnehmer ist größer".
Weiter sagt Juha Korkeaoja „dass es möglich ist, eine zukunftsfähige Holzwirtschaft in Nordfinnland zu betreiben, auch unter Berücksichtigung von allen sozialen Aspekten. Der Natur-Ressourcen-Plan ist gerade in Kraft getreten und enthält gute Möglichkeiten, um beide Seiten zufrieden zu stellen".
Stora Ensa aus Deutschland schreibt einen Brief an Greenpeace Deutschland:
Stora Enso kauft kein Holz aus Urwäldern. In dem Dialogprozess zwischen Metsähallitus und den Umweltorganisationen wurde für das Gebiet in Ober-Lappland vereinbart, keine Wälder einzuschlagen, die vorher nicht forstwirtschaftlich genutzt wurden. Stora Enso bezieht ausschließlich Holz aus forstwirtschaftlich genutzten Flächen in Ober-Lappland. Die von Greenpeace behauptete Gefährdung der Rentierhaltung ist unrichtig. In den letzten Jahrzehnten ist die Rentierpopulation um 150% gestiegen. Zudem ist aus ökologischer Sicht die hohe Rentierpopulation eher problematisch. In Urwäldern gäbe es keine Rentierhaltung.
Einige Sami unterstützen die Greenpeace Kampagne, jedoch gibt es in der Region Stimmen, auch von den Sami Ureinwohnern, die die Kampagne von Greenpeace ablehnen. Die Gemeinde Inari hat nicht die Ressourcen, um eine ähnlich spektakuläre Gegenaktion zu starten. Dennoch haben sie jetzt eine Unterschriftenaktion gegen die Greenpeace-Aktion gestartet. Bedauerlicherweise wird in Lappland oftmals Greenpeace gleichgesetzt mit den Deutschen, die sich in innere Angelegenheiten einmischen, obwohl sie ihre eigenen Wälder so gut wie gar nicht unter Naturschutz stellen.
Verwunderlich ist, dass Greenpeace das PEFC-Zertifizierungssystem als 'Industriezertifikat' in seiner Presseerklärung vom 7.März diffamiert, obwohl z.B. von den 27 Millionen Hektar FSC-zertifizierten Wäldern in Europa (das FSC-Zertifikat wird von Greenpeace unterstützt) fast die Hälfte von schwedischen Industriekonzernen gehalten werden, u.a auch von Stora Enso, die an Bergvik AB zu ca. 40% beteiligt ist. Das PEFC-Zertifikat wird im Gegenteil von Kleinwaldbesitzern unterstützt."
Ausserdem....
.... hat die Inari Gemeinde angefangen, Unterschriften für eine Petition gegen Greenpeace Aktivitäten in Nordfinnland zu sammeln. Die Gemeinde Inari ist der Auffassung, dass der Konflikt zwischen den Rentierzüchtern und der Forstwirtschaft künstlich herbei geführt ist. Er würde die Forstwirtschaft stoppen und die Zukunft des Kemijärvi Zellstoffwerks gefährden. "Jedesmal wenn Greenpeace nach hierher kommt, müssten die Menschen hier, um ihre Existenz bangen", sagt der Vorsitzende der Inari Gemeinde Terho Kinisjärvi.
.... Stora Enso Finnland hat einen runden Tisch mit allen Diskussionsparteien einberufen und fordert Hannele Pokka, die Gouverneurin von Lappland auf, mit dabei zu sein....
...und zum Abschluss noch ein paar Kommentare unserer Blogger!
Hallo an alle die hier das Engagement loben!
Ich finde, wir sollten uns zuerst mal an die eigene Nase fassen. Wo kommt denn der Bedarf an Urwaldholz her? RICHTIG. Weil WIR Holz und Papier(!) aus den Urwäldern kaufen! In den meisten Druckern und Kopierern steckt weißes, Nicht-Recyclingpapier. Und eben dieses kommt zum großen Teil aus dem Urwald. Wir sollten uns also auch mal Gedanken machen, warum dieses Urwald Camp überhaupt nötig ist. Jan Martin
Liebe Greenpeace-Aktivisten,
ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer ´eisigen´ Aktion. Ich finde es toll. Das ist viel mehr wert, als wenn z.B. ein Fussball-Verein gewinnt, denn ihr setzt euch für die Zukunft aller ein. Wollige Grüße aus dem Süden
Hallo liebes Greenpeace-Team,
ich bewundere Eure Energie, Kraft und den Willen mit dem Ihr Euch einsetzt! Macht weiter so! Ich bin Fördermitglied und Cyberaktivistin bei Greenpeace und wie schon in den anderen Kommentaren zu lesen ist, würde ich Euch auch gerne Unterstützen, indem ich einen Brief an die Verantwortlichen schicke. Also, wenn Ihr eine Adresse habt stellt sie doch ins Internet. Ich war als Kind einmal über Weihnachten in Finnland und kann mich daran erinnern wie schön der schneebedeckte Wald dort war. Und wie faszinierend diese unglaubliche Stille auf mich gewirkt hat. Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft! Viele Grüße, Molly
(Anisha)
Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 10.03.05 10:55
Kommentare:
Danke!!
Ich konnte die Aktion leider nicht vollständig verfolgen.
Ich freue mich aber über den Erfolg!!
Ver�ffentlicht von: Stefan Bangert at 10.03.05 22:37
Liebe Greenpeacer,
zuerstmal freue ich mich über jeden auch noch so kleinen Erfolg in Puncto Umweltschutz.
Offentsichtlich ist den "Volksvertretern" und "Wirtschaftsgrößen" dieser Welt der Ernst der Lage (unser aller Lage) noch nicht ganz klar geworden. Eigentlich ganz schön traurig, wenn man munter an dem Ast sägt auf dem man sitzt und das noch nichtmal erkennt. Man sagt ja immer Liebe mache blind - aber ich glaube es ist eher die Geld-(Macht)gier die den Blick vernebelt.
Viele liebe Grüße
Uwe
Ver�ffentlicht von: Uwe Hülshorst at 11.03.05 10:58
Liebe Frierende,
hier in Deutschland bricht der Frühling aus, doch jede Frostbeule, die Ihr Aktivisten euch holt, soll durch unsere warmen Gedanken an euch vergolten werden. Wünsche stets heissen Tee + Widerstandskraft!
Ver�ffentlicht von: Viktor at 17.03.05 13:11