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28.03.05

Sami-Konzert

concert.jpgDas angekündigte Sami-Konzert fand für einige von uns leider nicht statt. Denn der Abend begann mit ein paar Jugendlichen, die gemütlich Jazz spielten. Jazz ist zwar nett, doch was das mit Sami-Musik zu tun haben sollte, war mir nicht klar - auch ich ging gegen Mitternacht schlafen. Erst heute Morgen ist mir klargeworden, wen ich verpasst habe: Ulla Pirttijärvi! Das zumindest erzählen diejenigen, die bis zum Ende durchgehalten haben. Die haben dieses verwackelte Bild geschossen.

Ulla Pirttijärvi ist eine bekannte samische Joikerin. Joik? Sprecht es einfach so aus, wie es geschrieben wird.

Joik heißt soviel wie "samischer Gesang", überliefert aus früheren Zeiten. Im Unterschied zu anderen Volksweisen trällert man keine Liebesgeschichte, oder erzählt ein Märchen über moralisches Verhalten. Stattdessen weckt man ein Gefühl, zum Beispiel das Wesen der Liebe. Deswegen muss ein Joik nicht mal Text enthalten, es reicht der Klang der Stimme.

Der Joik gehört zum schamanischen Glauben dazu. Dabei ist es entscheidend, nicht ÜBER etwas zu joiken, sondern etwas selbst zu joiken. Das Joiken ruft die Natur als Wesenheit herbei - den Neuschnee, ein bestimmtes Tier oder einen Schluck Wasser.

Joiks lassen sich übrigens nicht erfinden, oder gar erzwingen. Man sagt, dass sie kommen, wenn sie wollen. Zum Beispiel beim Wandern, Arbeiten, Essen - oder beim Langweilen. Mein Langeweile-Joik von gestern, als ich drei Stunden am Flughafen warten musste, ging etwa so: mmm... LAAA! mmm... LAAA! Immer wechselnd zwischen erzwungener Ruhe und einem innerlichen Aufschrei.

Ulla Pirttijärvi sagte einmal, dass man mit einem Joik die Natur nicht nur anschaut und sie schön, oder gar überwältigend findet, sondern das Wesen des Windes, eines Sees spürt. Vielleicht kann uns der samische Joik einen Zugang zur Natur zeigen. Sicher gibt es auch bei anderen naturverbundenen Völkern traditionelle Gesänge. Die Samis sind immerhin nicht so weit von uns entfernt - aber in ihrer Lebensform genauso bedroht wie andere Ureinwohner.

So. Und meine einzige Rechtfertigung, die gestrigen Joiks verpasst zu haben, liegt in diesen beiden Beweisfotos. So gelangweilt und einschläfernd, wie unsere Aktivisten da noch aussehen - hättet Ihr mit noch mehr Spannung gerechnet? Wohl kaum.
(Monika)

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Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 28.03.05 11:52

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