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11.03.05

Stora Enso schreibt an Greenpeace Deutschland - Unsere Antwort!

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Der Papierhersteller Stora Enso hat vor ein paar Tagen einen Brief an Greenpeace Deutschland geschickt. Darin geht Stora Enso auf einzelne Vorwürfe von Greenpeace ein. Die Äußerungen des Papierherstellers wollen wir natürlich nicht so im Raum stehen lassen, da sie falsch sind. Des weiteren haben wir auch einen Brief in einer E-Mail verfasst, den alle Web-User in den nächsten Tagen bekommen, die bisher auf unseren Seiten einen Kommentar hinterlassen haben. Der Grund dafür ist, dass Stora Enso eine Mail an alle unsere Web-Blogger schickt.

Und jetzt hier unsere Stellungnahme:

Greenpeace-Stellungnahme zum Schreiben von Herrn J. Koch, Stora Enso Deutschland an Greenpeace vom 08.03.2005

Stora Enso: "Stora Enso kauft kein Holz aus Urwäldern"

Diese Aussage ist falsch. Greenpeace-Recherchen belegen, dass Stora Enso auch diesen Winter Holz aus Urwaldgebieten und Wäldern mit hohem Schutzwert (siehe dritter Absatz) bezog. So wurde beispielsweise Holz aus dem Kessi-Urwald und dem Paadarskaidi-Gebiet zum Stora Enso Zellstoffwerk in Kemijärvi geliefert. Der Zellstoff aus Kemijärvi wird sowohl in Finnland, als auch in Deutschland von Stora Enso zur Papierherstellung eingesetzt.

Stora Enso: "In dem Dialogprozess zwischen Metsähallitus und den Umweltorganisationen wurde für das Gebiet in Ober-Lappland vereinbart, keine Wälder einzuschlagen, die vorher nicht forstwirtschaftlich genutzt wurden."

Ende 2003 hat Metsähallitus zwar mitgeteilt, in unberührten Urwäldern in Inari nicht mehr einzuschlagen, dieses Versprechen aber mit dem Einschlag im Kessi Urwald gebrochen.
Gebiete, wie der Kessi-Urwald, aus dem Stora Enso noch diesen Winter Holz bezog, sind in Karten verzeichnet, die von Greenpeace, dem finnischen Naturschutzbund (FANC) und den Sami erstellt wurden und welche die Basis für den sogenannten "Dialogprozess" bilden. Solange Metsähallitus in diesen kartierten Wäldern einschlägt, kann Stora Enso nicht sicher sein, kein Holz aus Urwaldzerstörung und Zerstörung von Wäldern mit hohem Schutzwert zu beziehen.

Stora Enso: "Stora Enso bezieht ausschließlich Holz aus forstwirtschaftlich genutzten Flächen in Oberlappland."

Es gibt Bereiche innerhalb der von Greenpeace, FANC und den Sami kartierten Gebiete, die vor Jahrzehnten selektiv eingeschlagen wurden. Diese Gebiete erfüllen nach wie vor ihre wichtigen ökologischen Funktionen und werden als Wälder mit hohem Schutzwert bezeichnet. Sie sind für die traditionelle Rentierwirtschaft von großer Bedeutung. Diese Flächen sind gemäß dem "Reindeer Act" (Gesetz zum Schutz der Rentierwirtschaft) geschützt und dürften daher nicht durch Kahlschlag so geschädigt werden, dass eine traditionelle Rentierwirtschaft unmöglich wird. Die Tatsache, dass in einzelnen Gebieten einzelne Bäume auf wenigen Hektar vor Jahrzehnten gefällt wurden, - also die forstwirtschaftliche Nutzung - rechtfertigt es also nicht, diese Wälder durch Kahlschlag zu zerstören.

Stora Enso: "In den letzten Jahrzehnten ist die Rentierpopulation um 150% gestiegen"

1980 gab es in Finnland 177 000 Rentiere. Ende der 80er Jahre brach der Markt für Rentierfleich aufgrund der Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl zusammen, so dass weniger Tiere geschlachtet wurden und 1990 eine Höchstzahl von 259 000 Tieren erreicht wurde. Die letzten Zahlen für 2003 geben eine Zahl von 201 000 Tieren an. Eine Steigerung der Anzahl der Tiere fand seit Tschernobyl weder für das Gesamtgebiet der Rentierhaltung noch in den einzelnen Kooperativen statt. Im Gegenteil, die Zahl der Tiere sinkt. Jeder Kooperative wird vom finnischen Staat die Haltung einer maximalen Anzahl von Rentieren zugestanden. Die Anzahl der "erlaubten" Rentiere richtet sich nach der vorhandenen Waldfläche. Da der Urwald schwindet, müssen die Sami die Herden kontinuierlich verkleinern. Viele Kooperativen in Lappland haben heute in etwa so viele Tiere wie in den 70er Jahren.

Stora Enso: "In Urwäldern gäbe es keine Rentierhaltung"

Zum Ende des Winters, wenn der Schnee hoch und hartgefroren ist, können die Rentiere die auf dem Waldboden zu findende Nahrung nicht mehr gut erreichen. Sie ernähren sich dann von Flechten die von den Ästen der Bäume herabhängen. Im Winter nach einem Sturm sieht man im Urwald überall kleine grüne Flechten auf dem weißen Schnee liegen. Nur in intakten Waldökosystemen wie den Urwäldern sind die Flechten in ausreichender Menge zu finden. Untersuchungen ergaben, dass in Urwäldern mehrere hundert Kilogramm Flechten pro Hektar wachsen. In bewirtschafteten Wäldern sind die Flechten nicht in ausreichender Menge zu finden. Wenn die Urwälder weiter abgeholzt werden, ist die traditionelle Rentierwirtschaft mit frei umherwandernden Tieren gefährdet, ein Stück finnischer Kultur ginge verloren.

Die Zerstörung der Urwälder und Wälder mit hohem Schutzwert verletzt, laut der UN, die Rechte der Sami. Das Menschenrechtskommittee der Vereinten Nationen hat in einem Länderbericht im November letzten Jahres die finnische Regierung aufgefordert, die verschiedenen Formen der Landnutzung – wie etwa den Einschlag in den Urwäldern – solange einzustellen, bis eine Klärung in der Frage der Landrechte stattgefunden hat. Dieser Aufforderung seitens der Vereinten Nationen ist die finnische Regierung bisher nicht nachgekommen. Durch den Kauf von Holz aus den Rentierwäldern trägt Stora Enso zur Verletzung der Menschenrechte der Sami bei.

Stora Enso: "Verwunderlich ist, dass Greenpeace das PEFC-Zertifizierungssystem als 'Industriezertifikat' in seiner Presseerklärung vom 7.März diffamiert, obwohl z.B.von den 27 Mio ha FSC-zertifizierten Wäldern in Europa (das FSC-Zertifikat wird von Greenpeace unterstützt) fast die Hälfte von schwedischen Industriekonzernen gehalten werden, u.a auch von Stora Enso, die an Bergvik AB zu ca. 40% beteiligt ist. Das PEFC-Zertifikat wird im Gegenteil von Kleinwaldbesitzern unterstützt."

Greenpeace ist nicht gegen Forstwirtschaft - auch nicht gegen industrielle Forstwirtschaft generell. Wenn man Wälder nutzt, dann müssen jedoch strenge ökologische und soziale Kriterien, wie sie der FSC vorschreibt, berücksichtigt werden. Die Nutzung der letzten Urwälder wäre nach den finnischen FSC Standards gar nicht erlaubt! Fakt ist, dass 98% der finnischen Wälder PEFC zertifiziert sind - auch die Urwälder. Dennoch werden sie unter dem Deckmantel der PEFC- Zertifizierung zerstört! Während der FSC von allen großen internationalen Umweltverbänden anerkannt ist, genießt der PEFC keine Glaubwürdigkeit. Der Titel "Industriezertifikat" beruft sich nicht darauf, wer den Wald nutzt, sondern wer das Zertifikat unterstützt und ins Leben gerufen hat.

Zitat aus der PEFC homepage: "Der PEFC-Prozess wurde im August 1998 von skandinavischen, französischen, österreichischen und deutschen Waldbesitzern zusammen mit Vertretern der Holzwirtschaft initiiert."

Noch heute ist es so, dass beim PEFC aufgrund seiner Struktur die Entscheidungen von Industrie, Forstwirtschaft und dem Waldbesitz getroffen werden.
Der FSC beruht dagegen auf drei Säulen. Vertreter der Wirtschaft, aus dem sozialen Bereich und der Umweltseite haben hier gleiches Mitspracherecht.

Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 11.03.05 16:48

Kommentare:

Hallo Leute, ich verfolge die Aktion mit großem Interesse und habe auch schon die Briefe an das finnische Konsulat und die finnische Botschaft geschrieben. Ich würde den Greenpeace-Brief an Stora Enso auch gerne erhalten, deshalb mein Kommentar.

Ich habe große Bewunderung für Euren Einsatz für die Sami! Da weiß man doch gleich wieder, warum man seit Jahren Fördermitglied ist, auch wenn ich persönlich meine warmen Füße lieber unter den Schreibtisch als in Schneeschuhe stecke...

Alles Gute für das Team und die "Homefront",
Katrin

Ver�ffentlicht von: Katrin Bosse at 15.03.05 01:03

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