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07.04.05

Holzfäller errichten eigenes Camp - Update

anticamp2.jpgHeute mittag haben einige Holzfäller 100 Meter von unserem Camp entfernt ein eigenes Camp aufgebaut. Unter dem Namen "Antiterror Informationszentrum" wollen sie dort gegen unsere Arbeit protestieren. Sie sorgen sich um ihren Arbeitsplatz bei dem staatlichen Holzfällerkonzern Metsähallitus. Auf den ersten Blick klingt das verständlich: Immerhin fordern wir zusammen mit den samischen Rentierzüchtern, dass die finnischen Urwälder nicht länger industriell abgeholzt werden. In den Ohren einiger Waldarbeiter klingt das zunächst so, als wollten wir ihnen den Arbeitsplatz wegnehmen. Doch der Einschlagstopp, den wir fordern, schließt die Jobs der Holzfäller keineswegs aus. Langfristig geht es um die Existenz der letzten europäischen Urwälder, und damit um die Lebensweise der Samis.

forest_nellim.jpgNun könnte man meinen, dass abgeholzter Urwald einfach wieder aufgeforstet werden kann. Doch Wald ist nicht gleich Urwald: Während hier oben in einem kommerziell genutzten Wald nur bis zu 5 Kubikmeter Totholz pro Hektar anfallen, sind es in einem Urwald 30 bis 50 Kubikmeter. Eben dieses Totholz ist der Lebensraum für viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. In einem eintönigen Wald mit seinem veränderten Mikroklima können sie nicht überleben. Allein weil die Urwälder in Finnland abgeholzt werden, stehen bereits 564 dieser Arten auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten.

Urwälder spielen auch für die Lebensräume der Erde eine wichtige Rolle. Sie regulieren das Klima, indem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Sie bremsen Winde und extremes Wetter wie Hitze, Frost, Trockenheit und Sturm. Außerdem filtern sie natürlich die Luft, speichern und reinigen Wasser und verhindern, dass der Boden weggeweht oder weggewaschen wird.

Und: Urwälder bieten Heimat und Lebensräume für Ureinwohner, sowie für ganze Tier und Pflanzenwelten. Die Urwälder, die wir jetzt noch haben, tragen neben dem eigenen, unschätzbaren Wert also entscheidend zur Stabilisierung des Lebens bei.

lottaandbadboy.jpgDoch dieser Wert scheint noch nicht allen Menschen bewusst zu sein. Die Holzfäller argumentieren, dass wir ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Dabei macht Greenpeace zusammen mit den Samis auf das Problem aufmerksam, und bietet dafür Lösungen an. Allerdings liegt es an Metsähallitus als Arbeitgeber und an der finnischen Regierung, diese Lösungen umzusetzen.

Unser finnischer Waldexperte Matti Liimatainen schlägt vor, dass erstens Metsähallitus deren Profitziel reduziert. Dann stünden nicht länger der Gewinn der Firma, sondern der Erhalt der Arbeitsplätze im Vordergrund. Zweitens könnte Metsähallitus darauf verzichten, teilweise mit einer Erntemaschine Bäume fällen zu lassen: Denn eine Maschine nimmt gleich bis zu 15 Holzfällern den Job.

Auch unser Waldexperte aus Deutschland, Oliver Salge, kommentiert die Frage nach den Arbeitsplätzen: "Greenpeace ist nicht grundsätzlich gegen Forstwirtschaft, aber gegen die Abholzung der letzten bestehenden Urwälder und anderer wichtiger Rentierwälder mit einem hohen Schutzwert."

Nur weil diese Gebiete geschützt werden sollen, bedeute das nicht gleich, dass Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Denn es gebe andere staatliche und private Wälder, die man nutzen könne, so wie bereits in der Vergangenheit geschehen. Oliver fügt hinzu: "Zur Zeit gibt es mehr Jobs durch Rentierhaltung als durch Abholzung in den staatlichen Wäldern. Und die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle Lapplands ist der Tourismus".


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Hier seht Ihr Bilder von dem Camp der Holzfäller. Leider waren sie bisher noch nicht offiziell zu einem Gespräch mit uns bereit - die Informationen, die sie veröffentlichen wollten, seien "nur für ihre Gäste" bestimmt. Einige der Holzfäller sprachen jedoch mit unseren Aktivisten, und sagten, dass sie nur gekommen seien, weil in dieser Gegend nunmal jeder jeden kenne, und ihre Abwesenheit ihnen hätte schaden können. (Monika)

Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 07.04.05 23:12

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