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14.04.05
Gespräch mit dem Autor Ken Finn aus Großbritannien
Welchen Zusammenhang siehst du zwischen dem Regenwald, über den du in deinem Buch schreibst, und den finnischen Urwäldern?
In Kambodscha sind es Gartenmöbel und Bauholz, hier ist es Papier, wofür die Urwälder geopfert weren. Und es sind auch die gleichen Menschen, nämlich westliche Verbraucher, die mitverantwortlich sind für den falschen Umgang mit den Urwäldern. Diese Menschen aber leben nicht im Wald, bewohnen ihn nicht, und können deswegen nicht vernünftig über den Wald entscheiden.
Die indigenen Völker in Kambodscha bohren kleine Löcher in die Bäume und entzünden darin ein kleines schnelles Feuer. Das stimuliert den Harzfluss. Das Harz sammeln sie in einem Behälter. Und den nehmen sie als Ersatz für Kleber, und dichten damit ihre Boote ab.
Das schadet den Bäumen nicht?
Nein, das schadet den Bäumen überhaupt nicht. Sie hängen ja von den Bäumen ab, das heißt, das sie sie sorgsam behandeln. Die Holzfäller aber fällen gerade die alten, großen Bäume. Weil der Bedarf an Holz steigt, nehmen sie damit den Ureinwohnern ihre Lebensweise. Genau das gleiche geschieht hier: Die Samis nutzen die Bäume nachhaltig, und ihre Lebensweise hängt von den Bäumen ab. Das heißt auch, dass sie sorgsam mit ihnen umgehen.
Du wendest dich also nicht nur an die Holzfäller, sondern auch an die Verbraucher.
Ja. In den letzten dreißig Jahren haben wir unglaublich viel verloren an den Schätzen der Natur. Auf der einen Seite wächst zwar das öffentliche Bewusstsein, dass wir handeln müssen. Auf der anderen Seite aber steigt der Verbrauch unkontrolliert an. Dabei sind es bisher nur wir westlichen Länder, die das tun. Wenn wir uns nun anschauen, wie sich entwickelnde Länder wie China, Indien und andere verhalten werden, frage ich mich, wie lange wir die letzten Wälder noch vor dem Verbrauch schützen können.
Die Einstellung muss sich grunsätzlich ändern. Schließlich können wir nicht in jedem einzelnen Wald eine Urwaldschutzstation aufbauen (lacht).
Wie kann die Initiative "Autoren für den Urwald" diesen Wandel herbeiführen?
Wenn man zu lange herumpuzzelt und wartet, dann ändert sich gar nichts. Viele Menschen werden tagtäglich bombardiert mit schlechten Nachrichten. Wenn sie darin versinken, können sie keine Entscheidungen mehr treffen. Ironischerweise sind es also kleine Dinge, wie die Reise der Autoren, die Menschen dabei helfen können, einfache Entscheidungen zu treffen. Sie können zum Beispiel ihren Lieblingsautoren bitten, sein nächstes Buch auf FSC- oder Recyclingpapier zu drucken. Und das ist dann schon entscheidend.
Als Greenpeace veröffentlicht hat, wieviel Wald gerettet wurde, weil Harry Potter nicht auf Frischfasern gedruckt wurde - das fand ich beeindruckend, und andere Menschen sicher auch. Jeder kann mit seiner Kaufentscheidung zum Guten beitragen. Jeder Schritt zählt.
Es ist also möglich, mit dem Kauf eines Produkts etwas Gutes zu tun.
Genau, es ist ja nicht so, dass ich mein Buch gar nicht verkaufe. Ich bitte aber im Vorwort darum, dass meine Leser das Buch mit Anderen teilen. Nach dem Lesen können sie es an Freunde weitergeben, oder an öffentliche Bibliotheken. Mir ist es wichtiger, dass möglichst viele Menschen das Buch lesen.
Du hast dein Buch nicht geschrieben, um es zu verkaufen?
Nein. Während ich es geschrieben habe, musste ich in Gedanken immer wieder zu meiner Reise zurückkehren. Dann habe ich gespürt, dass das Buch davon handelt, was wir den Urwäldern antun, und das wollte ich erzählen.
Auf dem Bucheinband sehe ich, dass dein Buch auf FSC-Papier gedruckt ist.
Das war mir von Anfang an wichtig. Die einzige Möglichkeit, Möbel aus gutem Holz zu kaufen, geht über das FSC-Siegel. Damit meine Leser das Siegel überall erkennen, wollte ich es auch auf dem Bucheinband. Leider war es noch nicht möglich, hundertprozentiges FSC-Papier für Bücher zu bekommen, deswegen musste ich den Kompromiss von 30 Prozent eingehen. Ich hoffe, dass möglichst viele Autoren mitziehen, so dass es zukünftig leichter ist, an FSC-Papier zu kommen.
Das Gespräch führte Monika Dörhage.
KEN FINN
Ken Finn wuchs auf in dem 60er-Jahre Vorort Walton-on-Thames. Mit 15 verließ er ohne Abschluss die Schule und folgte dem Ruf der angesagten Modeszene des Londoner New Wave. Als erfolgreicher Friseur konnte er sich bald alle materiellen Wünsche erfüllen. Doch er ließ sich nicht lange von diesem Schein blenden. Stattdessen brennt er vor Leidenschaft für unsere Welt, deren Wildheit und Unberührtheit.
Vor kurzem hat Ken Finn sein erstes Buch veröffentlicht (Meine Reise mit einem besonderen Baum), das seine Suche nach den fabelhaften spirituellen Bäumen Kambodschas dokumentiert. Er ist darin Zeuge, wie die spirituellen Bäume, die Tausende von Jahren alt sind, illegal gefällt werden. Er folgt dem Baum auf seinem Weg vom Wald in das Sägewerk bis zum Geschäft, in dem wir es dann als Gartenmöbel kaufen.
Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 14.04.05 19:26