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21.04.05
Wenn Holzfäller-Terror zum Alltag wird
"Irgendwer hat die Musik aber sehr laut aufgedreht", denke ich im Halbschlaf. Dabei kann von Denken eigentlich noch keine Rede sein. Mein Fuß wippt zum Takt. Ein finnischer Song, recht poppig. Nicht mein Geschmack, aber extrem Ohrwurm gefährlich. Langsam schlage ich die Augen auf, denn ich glaube zu diesem Zeitpunkt noch, dass die Musik aus dem Container kommt. Scheint Zeit zum Aufstehen zu sein und das ist die "sanfte" Methode mir das mitzuteilen.
Ich schlage die Augen auf. Die drei anderen liegen ebenfalls noch im Bett, total erschöpft von der Nachtwache. Und da dämmert’s: Der Terror geht weiter. Die Musik ist nicht von uns, sondern von draußen. Die Holzfäller aus dem so genannten Anti-Terror-Camp haben sich mit einem Auto genau vor unserem Container aufgebaut. Die Türen sperrangelweit offen, lassen sie die Lautsprecher fast explodieren - so laut ist es. Der finnische Song in der Dauerschleife, wieder und wieder, über eine Stunde lang. Als ich durch die Vorhänge sehe, grinsen sie mich an. Ich denk nur: "Der Tag wird ja viel versprechend!"
Es ist schlimm. Und im Grunde meinen wir zu wissen, dass die Holzfäller uns nicht wirklich körperlich etwas anhaben können. Oder doch? Diese Ungewissheit zermürbt, auch wenn wir glauben, dass das staatliche Forstwirtschaftsunternehmen Metsähalitus einen Daumen auf die Aktivitäten ihrer Holzfäller hält. Aber man weiß ja nie, ob nicht doch mal einer die Kontrolle verliert. Oft ist einfach zu viel Alkohol im Spiel.
Der Terror geht jetzt seit unserem Camp-Umzug in die Nähe von Nellim. Gute zwei Wochen also. Wenn wir in oder aus dem Camp fahren wollen, werden wir gestoppt. Manchmal nur kurz, manchmal für einen halbe Stunde. Man weiß es nie genau. Oder die Holzfäller fahren mit Schneemobilen mehrere Male am Tag an uns vorbei. Hautnah. Jean-Jack haben sie bereits angefahren.
Es hat den Fahrer einfach nicht interessiert, ob er da steht oder nicht. Gott sei Dank ist aber nichts passiert. Um sie daran zu hindern, dass sie so dicht um unsere Container fahren, haben wir eine Mauer aus Schnee gebaut. Wie ein Iglu. Aber hat es was genützt? Natürlich nicht. Ganze zwei Stunden stand das Ding, dann wurde sie zerstört - von Holzfällern mit dem Schneemobil.
Ein anderes Mittel, um uns zu terrorisieren sind Hupen und Sirenen. Ein bis fünf Männer kommen in regelmäßigen Abständen, etwa jede Stunde, zu uns hoch und hupen. Inzwischen können wir darüber nur noch den Kopf schütteln. Sie stehen vor den Fenstern der Container und hupen, hupen, hupen. Da wir immer rausgehen, um Fotos und Filme darüber zu machen, hupen sie uns direkt ins Gesicht, in die Kamera oder in die Ohren. Manche sind sogar so enthusiastisch, dass sie hinter uns her rennen.
Die ersten Male hatte ich noch echtes Herzklopfen. Jetzt frage ich mich nur noch, wie erwachsene Menschen sich so unglaublich peinlich verhalten können. Doch auch das ist ein Problem. Wir fangen an, diesen Terror als alltäglich anzusehen. Oft denke ich, dass sie sich doch bitte mal etwas Anderes überlegen sollen. Es wird langsam langweilig. Immer dieses Hupen. Doch trotzdem sind und bleiben die Holzfäller eine Bedrohung und wir laufen Gefahr, sie nicht mehr als diese wahrzunehmen. So sehr ist der Terror hier bereits Alltag geworden.
Aber wir werden immer wieder daran erinnert, dass sie nicht zu unterschätzen sind. Letzte Nacht kamen sie tatsächlich mit einer neuen Idee. Gegen drei Uhr, als Timo und Jean-Jack die Hälfte Ihrer Nachschicht rum hatten, kamen die Holzfäller und verteilten rund um die Container Hühnerscheiße. Appetitlich! Außerdem verwandelten sie den Weg zum Örtchen zur reinsten Stolperfalle. Auf den gut 70 Metern, die wir zur Toilette durch den Wald gehen müssen, waren überall Stricke gespannt.
Wird es jetzt doch körperlich gefährlich? In dieser Nacht haben sie auch unser Klo zerstört - es ist nur noch der reinste Trümmerhaufen. Wir können nur hoffen, dass es bei solchen Aktionen bleibt und die Holzfäller nicht eine ihrer vielen Drohungen gegen uns wahrmachen.... Wir wissen es nicht!
















(Anisha)
Ver�ffentlicht von Redaktion-HH um 21.04.05 12:10