25.04.05

Bilder Galerie - Abbau des Camps

P4231701.jpg Alles ist sortiert und verstaut! Jetzt müssen die drei Container "nur noch" zu Jarmo auf's Grundstück gebracht werden. Das befindet sich in der Nähe von Inari.

So etwas ist allerdings nicht mal so eben getan. Es dauert ein paar Stunden, um nicht zu sagen, die ganze Nacht. Denn es kann immmer nur ein Container nach dem anderen auf den LKW geladen und aus dem Wald gefahren werden. Allein die Fahrt vom Camp nach Inari und zurück dauert mindestens zwei Stunden. Als wir das Urwaldschutzcamp Anfang März aufgebaut haben, brauchten wir für die ganze Aktion gute 18 Stunden.

Bin gespannt, wie lange wir heute Nacht auf den Beinen sind. Wir werden sehen, der erste Container ist bei Jarmo angekommen. Allerdings ist es auch schon halb zwei Uhr in der Früh. Wir haben für die Aktion also ungefähr vier Stunden gebraucht ... Auf jeden Fall gibt es schon mal ein paar Fotos, damit ihr euch das Ganze etwas besser vorstellen könnt. (Anisha)

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Veröffentlicht von Redaktion-HH um 01:16 | Kommentare (1)

24.04.05

Aufräumen, sauber machen, verstauen...

AufraemenKopie.jpg Wir packen zusammen. Gestern morgen haben wir angefangen alle Sachen wieder zu verstauen, denn heute holen wir die Container aus dem Wald.

Wenn es heute Abend zwischen acht und neun Uhr los geht, muss alles ordentlich sein: Übrig gebliebene Lebensmittel müssen in Kartons gepackt werden. Schlafsäcke und Iso-Matten müssen gelüftet sein. Aber vor allem müssen alle Sache sortiert werden, denn Schneeboots und Artic-Anzüge gehen beispielsweise zurück zu Greenpeace USA, Skier, Stöcke und ein Teil der Schlafsäcke bleibt in Finnland und das ganze Equipment für die Waldmarkierung geht nach Deutschland. Es gibt also alle Hände voll zu tun.



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Peteri hält mir eines der übrig gebliebenen Schilder entgegen, während Marc, unser Aktivist aus den Niederlande versucht Ordnung in unser Lager zu bringen, wo Schneeanzüge, Werkzeug und sonstiges Equipment aufbewahrt wurde. Auch die Schilder werden übrigens verstaut, damit wir sofort wieder Zugriff darauf haben, sollte das Forstamt Metsähallitus wieder in den Wäldern um Inari einschlagen.

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Theo und Janet bauen schon mal die Antenne ab. Eine wirklich heikle Angelegenheit, denn mit den kalten Fingern ist das Handtieren mit Stahldrähten nicht ganz ohne.

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Janet beaufsichtigt das Feuer. Dies sind die Reste von unserem ersten und zweiten Klo, die die Holzfäller zerstört haben. Das aktuelle wird erst verbrannt, wenn wir komplett abgebaut haben, denn noch brauchen wir es ja. Wichtig ist jedenfalls, dass keine Dinge, die nicht in den Wald gehören, hier bleiben. Deshalb wird auch unser Mist in Säcken mitgenommen.

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Nachdem die Skier und Anzüge sortiert und gelüftet sind, fängt Sini langsam an, sie in Säcke zu verstauen.

Während unserer gesamten Aufräumaktion blieb es übrigens sehr, sehr ruhig. Die Holzfäller aus dem Anti-Terror-Camp scheinen endlich Ruhe zu geben. Auch wenn wir an ihnen vorbei fahren, stoppen sie uns nicht mehr, sondern lassen uns tatsächlich einfach passieren. Hoffen wir, dass es heute Abend beim Abbau auch so bleibt.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:03 | Kommentare (0)

23.04.05

Die letzten Portraits

Oli.jpg Oli, 27, kommt aus Stuttgart und ist seit 1999 aktiv bei Greenpeace. Davor war er viele Jahre Fördermitglied.

Warum bist Du bei Greenpeace?
Weil Greenpeace eine gewaltfreie, politisch und finanziell unabhängige Umweltschutzorganisation ist, die sich weltweit für die Lebensgrundlagen einsetzt. Durch ein Gespräch am Infostand der Gruppe Dortmund habe ich den Zugang zur aktiven Arbeit bei Greenpeace gefunden.

Erzielte Erfolge der ehrenamtlichen Arbeit waren unter anderem die Auslistung von Urwaldhölzern einer großen Baumarktkette sowie die Forcierung des Nationalparks Kellerwald-Edersee, der Anfang 2004 ausgewiesen wurde. Mein Motto lautet: Taten statt Warten!

Warum bist Du in Finnland?
Weltweit existieren nur noch 20 Prozent der Urwälder - alle zwei Sekunden fällt die Fläche eines Fußballplatzes der Säge zum Opfer. Da es die letzten europäischen Urwälder nur noch in Nordfinnland gibt, gilt es, dieses außergewöhnliche natürliche und kulturelle Erbe für die nachfolgenden Generationen zu bewahren.

Welche Erwartungen hast Du an diesen Aufenthalt?
Beruflich beschäftige ich mich mit Großschutzmanagement und nachhaltigem Tourismus. Daher bin ich sehr interessiert, wie die Debatte um den Schutz der Wälder in Finnland geführt wird. Interessant ist vor allem, ob es gelingt, der lokalen finnischen Bevölkerung den Gedanken von Schützen und Nutzen zu vermitteln. Denn eines ist klar: die Unterstützung der Bevölkerung ist essentieller Garant für den Erfolg des Gebietes. Last but not least wünsche ich mir natürlich, dass die finnischen Urwälder unter Schutz gestellt werden und die Samikultur weiter existieren kann.

Leo.jpg Ich bin Leo Reinhardt, komme aus Flensburg, bin 25 Jahre alt und bin seit Anfang des Jahres bei Greenpeace Hamburg.

Was machst du dort?
Ich bin im Greenpeace-Aktionsmittellager für den handwerklichen Bereich zuständig.

Und warum bist du hier?
Natürlich um die letzten Urwälder in Europa zu schützen.

Was ist das wichtigste im Camp?
Die Nerven behalten, zumindest in den letzten Wochen. Und immer Ohrenstöpsel in den Taschen haben.

Was ist dein Bezug zu dieser Region?
Ich habe keinen wirklichen - außer, dass ich wie alle anderen die Wälder hier schützen möchte. Doch ich muss gestehn, es ist mir hier zu kalt und ein wenig zu ruhig, abgesehen von dem Holzfäller-Terror.


Hanno.jpg Hanno Buntrock, 25 Jahre alt, kommt aus Flensburg/Hamburg. Er ist seit 1999 bei Greenpeace, war jedoch nie Gruppenmitglied.

Was machst Du bei Greenpeace?
Ich verdiene mir meinen Lebensunterhalt mit einer sinnvollen Tätigkeit.

Warum bist Du in Finnland?
Da ich am Wald aufgewachsen bin und ich es unverschämt finde, Urwälder zu zerstören. Gerade bei so langsam wachsenen Wäldern, wie in Finnland.

Was erwartest Du von Deinem Aufenthalt?
Mir selbst ein Bild dieser Wälder zu machen und aktiv gegen die Abholzung vorzugehen.







Veröffentlicht von Redaktion-HH um 19:15 | Kommentare (1)

22.04.05

Hmmm lecker - Probiert das mal!

P4181604.jpg Wie wir ja gerade bekannt gegeben haben, bauen wir an diesem Wochenende unser Camp ab. Mit anderen Worten naht das Ende. Nur noch ein paar Tage und wir sind alle wieder zurück in unseren Heimatländern und in alle Himmelsrichtungen verstreut.

Dies ist vielleicht ein guter Anlass, mein Versprechen einzulösen, unserem Koch Rosanno noch ein Rezept abzuluchsen. Denn genau dies habe ich vor ein paar Tagen gemacht, als er sich tatsächlich mal auf die Finger hat schauen lassen. Lag wohl an der Übermüdung, an der wir hier alle leiden, auf Grund des Dauer-Terrors, den die Holzfäller vom Forstamt Metsähallitus jede Nacht hier veranstalten.

Es gab Rentier auf zweierlei Art, Kartoffelpüree und Kichererbsen á la Rosanno

Gekochtes Rentierfleisch auf Sami Art
Ein paar Scheiben Rentier (in Deutschland kann man natürlich auch anderes Fleisch nehmen) in einen Topf geben und mit etwas Wasser füllen. So viel Wasser zugeben, dass das Fleisch bedeckt ist. Etwas Salz und Pfeffer dazu geben. Das Ganze kochen bis es durch ist. Und das war es schon.

Rentierfleisch mit Salbei
Etwas Olivenöl in eine Pfanne geben und erhitzen. Das Rentierfleisch in die Pfanne geben und mit etwas Pfeffer, Salz, Salbei und Rosmarin anbraten. Fertig!

Kartoffelpüree
Kartoffeln in einen Topf geben und kochen. Wenn diese fertig sind, zu Mus stampfen und mit etwas Milch, Salz, Muskatnuss und Butter abschmecken.

Kichererbsen á la Rosanno
Kichererbsen eine Nacht einweichen. Dann in einen Topf geben und Salz, Lorbeerblätter, Tomatenpüree, Zwiebeln, Rosmarin und Salbei dazu geben. Alles zusammen kochen, bis die Kichererbsen gar sind.

Wer Lust hat, sollte dieses Rezept mal am Wochenende versuchen. Geht schnell und ist echt lecker!
(Anisha)

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Veröffentlicht von Redaktion-HH um 19:19 | Kommentare (0)

Einschlagstopp verlängert - Urwaldschutzstation wird abgebaut

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Der Einschlagstopp in den von Greenpeace, dem finnischem Naturschutzbund und den Sami kartierten potenziellen Urwäldern und Wäldern mit hohem Schuztwert wird verlängert. Dies ist das Ergebnis eines Treffens zwischen den Sami Rentierhaltergenossenschaften aus Inari mit dem staatlichen Forstamt Metsähallitus vom Mittwoch.


Die Urwaldschutzstation von Greenpeace wird daher in den kommenden Tagen abgebaut. Allerdings werden wir weiterhin mit einem kleinen Büro in Inari vertreten bleiben, um den laufenden Prozess zu begleiten.

Anfang März hatten aktivisten aus verschiedenen Greenpeace-Büros eine Urwaldschutzstation im Urwald in Inari errichtet, um gegen den Einschlag in den letzten Urwälder Europas zu protestieren. Zusammen mit den indigenen Sami sind darufhin die Urwälder und Wälder mit hohem Schutzwert mit Warnschildern markiert worden, da sie besonders wichtig für die Sami und ihre Rentierzucht sind.

Am 7. März wurde vom staatlichen Forstamt der Einschlag eingestellt und mitgeteilt, dass weitere Fällungen bis Anfang Mai eingestellt werden. Greenpeace begrüßt ebenfalls die jetzt getroffene Entscheidung den Einschlag auch weiter - bis Mitte Juni - auszusetzen und wird die Urwaldschutzstation abbauen.

Freitagmorgen haben wir auf einer Pressekonferenz in Helsinki unsere Entscheidung der Öffentlichkeit mitgeteilt. Der finnische Waldexperte von Greenpeace-Finnland, Matti Liimatainen, legte das Ergebnis des Treffens zwischen Sami und dem staatlichen Forstamt Metsähallitus dar und machte unseren Entschluss deutlich, die Urwaldschutzstation aufgrund des ausgeweiteten Einschlagstopps abzubauen.

Frau Kati Erikson vom Sami Council, die ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesend war, unterstützte die Sami von Inari und teilte mit, dass der Sami Council weitere rechtliche Schritte gegen die Waldzerstörung prüfen wird.

Die kommenden Tage werden davon geprägt sein, unsere Wohncontainer mit Hilfe eines Kranes auf einen LKW zu verladen und aus dem Wald zu bringen. Ein gutes Stück Arbeit. Mehr darüber in den kommenden Tagen. (Oli, Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:25 | Kommentare (1)

21.04.05

Einschlagstopp in Inari verlängert

Wald4Kopie.jpg Der Einschlagstopp in den von Greenpeace, den Sami und dem finnischen Naturschutzbund kartierten Urwäldern und Wäldern mit hohem Schutzwert in der nordfinnischen Region Inari wird bis Anfang Juni verlängert. Dies ist das wichtigste Ergebnis des gestrigen Treffens zwischen den Sami Rentierhaltern aus Inari und dem staatlichen Forstamt Metsähallitus. Es wurde zudem vereinbart am 9. Juni die Diskussion über die Zukunft der Wälder fortzusetzen.

Greenpeace begrüßt die Verlängerung des Einschlagstopps als ein wichtiges Zeichen zur Lösung des Konfliktes. Es ist zu hoffen, dass auch über den 9. Juni hinaus die Anfang März ausgesetzten Einschläge im Urwald in Inari eingestellt werden, bis in fairen und transparenten Verhandlungen zwischen den Sami und dem finnischen Staat eine Einigung über den weiteren Schutz der Urwälder wie der Wälder mit hohem Schutzwert erzielt wird.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:41 | Kommentare (0)

Wenn Holzfäller-Terror zum Alltag wird

MInaHolzfaellerKopie.jpg "Irgendwer hat die Musik aber sehr laut aufgedreht", denke ich im Halbschlaf. Dabei kann von Denken eigentlich noch keine Rede sein. Mein Fuß wippt zum Takt. Ein finnischer Song, recht poppig. Nicht mein Geschmack, aber extrem Ohrwurm gefährlich. Langsam schlage ich die Augen auf, denn ich glaube zu diesem Zeitpunkt noch, dass die Musik aus dem Container kommt. Scheint Zeit zum Aufstehen zu sein und das ist die "sanfte" Methode mir das mitzuteilen.

Ich schlage die Augen auf. Die drei anderen liegen ebenfalls noch im Bett, total erschöpft von der Nachtwache. Und da dämmert’s: Der Terror geht weiter. Die Musik ist nicht von uns, sondern von draußen. Die Holzfäller aus dem so genannten Anti-Terror-Camp haben sich mit einem Auto genau vor unserem Container aufgebaut. Die Türen sperrangelweit offen, lassen sie die Lautsprecher fast explodieren - so laut ist es. Der finnische Song in der Dauerschleife, wieder und wieder, über eine Stunde lang. Als ich durch die Vorhänge sehe, grinsen sie mich an. Ich denk nur: "Der Tag wird ja viel versprechend!"

Es ist schlimm. Und im Grunde meinen wir zu wissen, dass die Holzfäller uns nicht wirklich körperlich etwas anhaben können. Oder doch? Diese Ungewissheit zermürbt, auch wenn wir glauben, dass das staatliche Forstwirtschaftsunternehmen Metsähalitus einen Daumen auf die Aktivitäten ihrer Holzfäller hält. Aber man weiß ja nie, ob nicht doch mal einer die Kontrolle verliert. Oft ist einfach zu viel Alkohol im Spiel.

MotorschlittennahKopie.jpg Der Terror geht jetzt seit unserem Camp-Umzug in die Nähe von Nellim. Gute zwei Wochen also. Wenn wir in oder aus dem Camp fahren wollen, werden wir gestoppt. Manchmal nur kurz, manchmal für einen halbe Stunde. Man weiß es nie genau. Oder die Holzfäller fahren mit Schneemobilen mehrere Male am Tag an uns vorbei. Hautnah. Jean-Jack haben sie bereits angefahren.

Es hat den Fahrer einfach nicht interessiert, ob er da steht oder nicht. Gott sei Dank ist aber nichts passiert. Um sie daran zu hindern, dass sie so dicht um unsere Container fahren, haben wir eine Mauer aus Schnee gebaut. Wie ein Iglu. Aber hat es was genützt? Natürlich nicht. Ganze zwei Stunden stand das Ding, dann wurde sie zerstört - von Holzfällern mit dem Schneemobil.

Ein anderes Mittel, um uns zu terrorisieren sind Hupen und Sirenen. Ein bis fünf Männer kommen in regelmäßigen Abständen, etwa jede Stunde, zu uns hoch und hupen. Inzwischen können wir darüber nur noch den Kopf schütteln. Sie stehen vor den Fenstern der Container und hupen, hupen, hupen. Da wir immer rausgehen, um Fotos und Filme darüber zu machen, hupen sie uns direkt ins Gesicht, in die Kamera oder in die Ohren. Manche sind sogar so enthusiastisch, dass sie hinter uns her rennen.

Die ersten Male hatte ich noch echtes Herzklopfen. Jetzt frage ich mich nur noch, wie erwachsene Menschen sich so unglaublich peinlich verhalten können. Doch auch das ist ein Problem. Wir fangen an, diesen Terror als alltäglich anzusehen. Oft denke ich, dass sie sich doch bitte mal etwas Anderes überlegen sollen. Es wird langsam langweilig. Immer dieses Hupen. Doch trotzdem sind und bleiben die Holzfäller eine Bedrohung und wir laufen Gefahr, sie nicht mehr als diese wahrzunehmen. So sehr ist der Terror hier bereits Alltag geworden.

Aber wir werden immer wieder daran erinnert, dass sie nicht zu unterschätzen sind. Letzte Nacht kamen sie tatsächlich mit einer neuen Idee. Gegen drei Uhr, als Timo und Jean-Jack die Hälfte Ihrer Nachschicht rum hatten, kamen die Holzfäller und verteilten rund um die Container Hühnerscheiße. Appetitlich! Außerdem verwandelten sie den Weg zum Örtchen zur reinsten Stolperfalle. Auf den gut 70 Metern, die wir zur Toilette durch den Wald gehen müssen, waren überall Stricke gespannt.

Wird es jetzt doch körperlich gefährlich? In dieser Nacht haben sie auch unser Klo zerstört - es ist nur noch der reinste Trümmerhaufen. Wir können nur hoffen, dass es bei solchen Aktionen bleibt und die Holzfäller nicht eine ihrer vielen Drohungen gegen uns wahrmachen.... Wir wissen es nicht!

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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:10 | Kommentare (0)

20.04.05

Besucher im Camp

GreenpeacezeltKopie.jpg Das Greenpeace in den Wäldern von Inari Anfang März ein Protest Camp gegen die Abholzung des Urwaldes und den Schutz der Sami und deren Rentierherden aufgebaut hat, dass wissen die Einwohner dieser Region alle. Doch seit dem wir umgezogen sind und die Holzfäller ihr sogenanntes Anti-Terror-Camp aufgebaut haben, ist das Interesse an den Vorgängen im Wald mehr und mehr gestiegen.

Immer wieder kommen Menschen aus der Umgebung zu uns ins Camp. Laufen auf und ab, schauen neugierig. Um die vierzig sind es bereits, denen wir die Angst und oft auch eine große Portion Hass gegenüber Greenpeace in ihren Gesichtern ansehen. Der Grund sind Ängste, geschürt vor allem von den vielen Fehlinformationen, die die lokale Presse hier immer wieder verbreitet. Und deshalb nutzen wir die Chance, wenn uns mal eine Gruppe von Besucher ansteuert, mit ihnen zu reden.

Manche sind für die Möglichkeit dankbar, sie suchen förmlich das Gespräch, aber es gibt auch immer wieder Leute, die einfach nur kommen, um uns anzupöbeln. Sie wollen einfach glauben, was an Lügen verbreitet wird und zeigen keinerlei Willen, auch nur einen Millimeter von ihrem Standpunkt abzurücken. Das ist oft frustrierend, denn wir haben Verständnis für die Ängste. Aber wir wissen auch, dass viele dieser Ängste unbegründet sind. Das möchten wir unseren Besuchern natürlich gerne vermitteln. Aber gut, es bleibt uns nichts anderes übrig, als das erstmal hinzunehmen.

Aber wie gesagt, so sind nicht alle. Die Mehrzahl kommt sogar zu uns in die Container und wir können bei einer Tasse Tee miteinander reden. Wir hören uns die Sorgen und Bedenken an, stehen aber vor allem Rede und Antwort, um ihnen die Zweifel zu nehmen.

Die größte Sorge ist die Angst, um die Arbeitsplätze. "In Finnland ist die Arbeitslosigkeit sowieso schon so groß", beschweren sich einige, "da brauchen wir nicht auch noch Greenpeace, die uns die wichtigen Stellen in der Forstwirtschaft wegnehmen." Verständlich? Wir erklären dann, dass es uns nicht darum geht, Arbeitsplätze abzuschaffen, sondern den Wald zu schützen. Schließlich ist der Urwald eine sehr wichtige Ressource für das ökologische System und vor allem für die Existenz der samischen Kultur.

Wir berichten auch von unserem Report, den wir Metsähalitus und der finnischen Regierung vorgelegt haben. Dieser beinhaltet Vorschläge für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Forstindustrie. Bisher hat sich aber keiner der zuständigen Behörden dazu geäußert. Zudem ist es Sache der Regierung für Arbeitsplätze zu sorgen. Und das steht sogar im Gesetzt.

Ein anderer Vorwurf: Greenpeace schürt den Konflikt zwischen Sami und dem staatlichen Forstwirtschaftsunternehmen Metsähalitus absichtlich. Greenpeace benutze die Sami da wir sonst keine Gründe hätte, sich für die Wälder in Lappland einzusetzen. Das ist natürlich völliger Blödsinn, denn es gibt reichlich Gründe, warum wir uns für Urwälder weltweit einsetzen. Beispielsweise ein gesundes Ökosystem. Außerdem haben uns die Sami um unsere Unterstützung gebeten.

Mit jeder Abholzung verlieren viele Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum, was wiederum zum Aussterben vieler Arten führen kann. Und damit wären wir auch schon wieder bei den Sami. Auch sie brauchen die Urwälder, damit ihre Rentierherden im Winter nicht verhungern. Den Konflikt zwischen Ureinwohnern und finnischer Regierung gibt es bereits seit Jahrzehnten.

In diesem Sinne können wir auch gleich klarstellen, dass Greenpeace weder ein Unternehmen ist, welches Gewinne macht, noch eine Organisation für Tierrechte. Dies sind ebenfalls Behauptungen, die hier in Finnland verbreitet und von unseren Besuchern angesprochen werden. Es hieß sogar schon, dass Greenpeace eine Konflikt-Industrie schafft, damit es Gelder bekommt. Das ist natürlich Quatsch, denn wir versuchen lediglich, auf die vorherrschenden Probleme aufmerksam zu machen. Und wir setzen uns für sinnvolle und ökologische Lösungen ein.

Noch mal, Greenpeace ist nicht prinzipiell gegen Abholzung von Wäldern. Aber wir setzen uns gegen die Abholzung der letzten bestehenden Urwälder und anderer wichtiger Rentierwälder mit hohem Schutzwert ein. Nur diese Gebiete sollen geschützt werden. Und das hat nicht automatisch einen Arbeitsstellenverlust zur Folge.

Es gibt andere - staatliche und private - Wälder, die genutzt werden können. Zudem sollte bedacht werden, dass es zurzeit mehr Jobs durch Rentierhaltung gibt, als durch die Forstwirtschaft in den staatlichen Wäldern. Die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle Lapplands ist zudem der Tourismus.

Beim Stichwort Tourismus kommt auch gleich die nächste Angst. "Dürfen wir überhaupt noch in den Wald, wenn er geschützt ist?" Denn der Wald gehört hier zum täglichen Leben. Es wird in ihm gejagt, spazieren gegangen, Motorschlitten gefahren oder einfach nur zur Erholung genutzt.

Dazu können wir nur sagen: Was für eine Frage, natürlich, der Wald ist für alle da! Es geht nicht darum, ihn für irgendwen nicht mehr zugänglich zu machen. Alles was wir wollen ist ihn schützen, damit man auch noch in vielen, vielen Jahren etwas davon hat!

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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 13:33 | Kommentare (1)

19.04.05

Aktion in Helsinki – Aktivisten verhaftet

climbers,-Kopie.jpg Sechs unserer Aktivisten (vier Finnen, ein Niederländer und ein Deutscher) sind heute in Helsinki, direkt aus dem Gebäude des Forstwirtschaftsministeriums von der Polizei verhaftet worden. Der Grund: Sie und noch andere Aktivisten, insgesamt aus sechs verschiedenen Ländern, haben heute morgen um neun Uhr eine LKW-Ladung voller Abholzungsreste vor den Türen des Forstwirtschaftsministerium abgeladen. Während die einen in das Gebäude sind, um dort die Überbleibsel der Einschläge aus den Wäldern rund um Inari auf den Stufen zu verteilen, hat sich ein Kletterteam vom Dach des Gebäudes abgeseilt, um ein Banner mit der Aufforderung „ Vernichtet nicht den Sami Wald“ aufzuhängen.

Die Polizei reagierte sehr langsam auf das Geschehen. Erst nach einer Weile tauchte sie vor Ort auf, um die Situation zu begutachten und die Personalien aufzunehmen. Nach einigen Diskussionen der Polizei mit dem Ministerium, wurden sechs Aktivisten, die die Haupteingangstreppe mit den Abholzungsresten blockierten, in den Polizeiwagen gebracht und zum Präsidium gefahren. Alle anderen Aktivisten, die draußen auf dem Platz waren, wurden verschont und das Kletterteam kam eine Stunde später ebenfalls unbeschadet runter und wurde lediglich nach den persönlichen Daten befragt.

Währenddessen bleibt das Forstwirtschaftsministerium, obwohl verantwortlich für den ganzen Konflikt in Nord-Lappland, weiterhin schweigsam. Wie so oft in der jüngsten Vergangenheit. Die Regierung lässt beispielsweise das staatliche Forstwirtschaftsunternehmen Metsähalitus alle Gespräche alleine führen, mit der Begründung, dass es sich hier um ein lokales Problem handle. Das Forstwirtschaftsministerium ging sogar so weit, dass es nicht mal einen Brief der Rentierzüchter Kooperativen bezüglich der Konditionen für die Verhandlungen beantwortete. Ebenfalls unbeantwortet ist bis heute ein gemeinsamer Brief von Greenpeace, der Finnischen Association for Nature Conservation und dem WWF Finnland.....

....inzwischen sind unsere Aktivisten wieder auf freien Fuß.... Und der kleine Schock wird damit kräftig belohnt, dass das finnische Fernsehen bereits mehrfach über die Aktion berichtet hat... Well done!

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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 18:28 | Kommentare (2)

18.04.05

Im Freilichtmuseum

Gerichtshaus.jpg Ein wenig Kultur, das muss schon sein, dachten sich Hanno, Theo, Mina und Henry. Alle vier waren noch nicht in dem samischen Museum Siida in Inari und wollten da heute unbedingt mal hin. Ich selbst war da zwar schon, doch was ich nicht wusste, dass das Museum auch einen Freilichtbereich hat. Also bin ich noch mal mit gegangen, denn hinter dem Hauptgebäude findet man typische Wohnsitze der Fischer – und Rentiersamen, sowie lauter Fanggeräte. Insgesamt gibt es fast 50 Objekte zu besichtigen. Ein paar stammen direkt aus dem Dorf Tirro, das direkt am Ufer des Vaskojoki Fluss liegt. Da es 1960 noch keine Straße gab, wurden die Stämme dieser Hütten mit Rentieren nach Inari gebracht. Heute liegt das Dorf an der Straße nach Angeli, einer Stadt an der Grenze zu Norwegen.

Gleich am Anfang bestaunen wir ein altes Gerichtshäuschen. Eines der ersten Rechtswesen im hinteren Lappland, heißt es auf dem Infoschild. Das Gericht tagte bis genau vor 100 Jahren. Zum Zeitvertreib wurden Hunderte von Kerben in die Holzwände eingeritzt, ein Teil davon ist von Leuten, die auf ihr Urteil gewartet habe. Urteile waren entweder Gefängnis, Zwangsblock oder Peitschenschläge. Diese wurden gleich nach Verhandlung, direkt vor dem Häuschen am Eckbaum ausgeführt. Der Verurteilte hatte die Hände gefesselt und bekam, je nach Strafmaß, die Schläge auf den nackten Rücken. „Autsch“ jammerte Mina mitfühlend beim Lesen.

Als nächstes kamen wir zu einer kleinen Ansammlung von Unterständen, die die Sami während der Rentierhütearbeit oder auf dem Jahrmarkt benutzten. Das Gerüst besteht meistens aus Birken- und Kiefernstämmen. Logisch, andere Bäume gibt es hier ja auch kaum. Das aufgebaute Gestell wurde dann mit Stoff überdeckt, welcher dünner ist, als der des Lappenzeltes. Die Feuerstelle war in der Mitte, was im Übrigen auch im bereits erwähnten Lappenzelt so ist. Diese benutzten die Sami jedoch, wenn sie länger irgendwo blieben. Deshalb besteht das Grundgestell aus gebogenen Holzstangen, an denen sogenannte Rippen befestigt wurden. Darauf legten sie im Winter Decken und im Sommer Torf oder Stoff.

SamiManiHuette.jpg Ob Zelt oder Hütte, was überall gleich ist, ist die Hausordnung erklärt uns Henry, als wir bei einer Torfhütte angekommen sind. Dabei scheut er nicht davor zurück in den Unterschlupf reinzukrabbeln und bittet uns mitzukommen. Nachdem er uns gezeigt hat, wie man sich in so einem Haus hinsetzt, erklärt er, dass die Feuerstelle beispielsweise immer in der Mitte ist. Dahinter kommt dann der Platz für die Kochgeräte, Essgeschirr und andere Geräte. „Dort darf niemals jemand sitzen oder stehen“, sagt er in einem recht strengen Ton, als ob irgendwer von uns drei Laien etwas heiliges entehrt hätte. Nachdem das geklärt ist, zeigt er uns, dass der Vater immer links hinter der Feuerstelle, die Mutter und die Kleinkinder auf der rechten Seite sitzen. Ältere Kinder, alte Leute und Angestellte waren näher beim Ausgang. Und wenn man die Hütte betrat, musste man erst einmal auf die Genehmigung warten, dass man sich auf den Rentierhäuten hinlümmeln durfte, ansonsten blieb man eben hocken.

Wieder draußen, sieht Mina eine weitere kleine Hütte und kriecht verzückt dort rein. Als wir später vor einem Fischaufbewahrungsspeicher stehen, in den mal locker 1000 Fische reinpassten, fragt sie: „Hat das Ding in dem ich gerade war den gleichen Zweck, wie dieser Raum“? „Nee“, sag ich, „das war ein Stall für Schafe, in dem sie im Winter untergebracht werden“ und kann mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Zur Antwort kam nur ein schlichtes: „Mir hat es da drin gefallen, vielleicht war ich auch mal ein Schaf in einem vorherigen Leben“. Wer weiß? Wir sind jedenfalls noch kurz weiter runter an den See, denn dort gab es ein paar Fischtrocknungsgestelle zu sehen. Ein Holzgerippe, wo ebenfalls 1000 Fische gleichzeitig getrocknet werden konnten, bevor sie dann in den Speicher oder in einer Torfhütte aufbewahrt wurden. Erst mal da drinnen, konnte sich die Familie einen ganzen Winter lang davon ernähren. Beeindruckt, wie die Sami mit den Resourcen der Natur ihr Leben organisieren, stapfen wir zurück zum Hauptgebäude. Und ich muss gestehen, der Freilichtbereich gefällt mir besser, als die Ausstellungsräume. Für meinen Geschmack ein wenig zu viel Theorie - bin eben doch eher der Typ für's Anschauliche.

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(Anisha)


Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:40 | Kommentare (3)

17.04.05

Weite Welten

WeiteweltenKopie.jpg Gestern war ich für unseren Fotografen Tim von Greenpeace International der Chauffeur. Er hat uns besucht, um unsere Kampagne zu dokumentieren. Dafür musste er natürlich von A nach B. Und da alle andere in den Wäldern rund um Inari beschäftigt waren, habe ich mich angeboten, ihm sowohl das alte, als auch das neue Camp zu zeigen. Wir waren Stunden unterwegs. Hin und her, wieder und wieder. Dabei ist mir erneut aufgefallen, wie unglaublich weit dieses Land ist. Kein Weg ist kürzer als eine halbe Stunde, wenn nicht sogar noch länger. Entschädigt für den ungeheuren Zeitaufwand wird man jedoch von einer wunderschönen Landschaft. Wenn man an den vielen Seen mit den glitzernden Schneemassen entlang fährt, kommt man sich vor, wie in einem Märchen von Hans Christian Andersen. Schade, dass wird gerade gestern immer wieder von kleinen Schneestürmen überrascht wurden. Doch auch so, kann man der Landschaft durchaus was abgewinnen.

Aber zurück zu den Weiten. Um mal eine Vorstellung zu geben, um welche Dimensionen es sich hier wirklich handelt, habe ich mal nachgeforscht. Finnland selbst hat beispielsweise eine Gesamtfläche von 337.030 km², dass ist zwar etwas kleiner als Deutschland mit seinen 357.026,55 km², doch man muss das ja auch auf die Einwohner pro Quadratkilometer beziehen. Bei uns sind das 230,86 Einwohner pro Quadratkilometer und in Finnland gerade mal 17,1 und in der Gemeinde Inari, wo wir unser Camp haben, ist es wie die Nadel im Heuhaufen: Gerade mal 0,42 Einwohner pro Quadratkilometer, dabei umfasst die Gesamte Gemeinde 17.321,32 Quadratkilometer. Kein Wunder also, dass man von einem Ort zum nächsten so endlos lange braucht. Doch jetzt Schluss mit den vielen Zahlen, zurück zur Wirklichkeit.

Wie sieht also so ein Leben in solchen menschenarmen Gegenden aus? Wir selbst können nur im Ansatz erahnen, was das bedeutet, schließlich sind wir nur für einen absehbaren Zeitraum hier. Trotzdem spüren wie die Distanzen schon bei der Anreise. Die meisten Aktivisten kommen mit Bus und Bahn, das heißt im Klartext sie sind locker zwei Tage unterwegs. Wir halten fest: Finnland ist nicht Australien, nicht das andere Ende der Welt und doch reist man ungefähr genau so lange, wie von Hamburg bis nach Sydney.

DistanzschildKopie.jpg Die Einheimischen sind da schlauer. Im Winter nutzen Sie beispielsweise den Inarisee für Abkürzungen. Braucht man von Nellim auf der Strasse gute anderthalb Stunden, ist man mit dem Motorschlitten bereits in 30 Minuten da. Das geht natürlich nicht immer, aber wenn die Möglichkeit besteht, hüpft beispielsweise unser samischer Freund Kalevi schnell mal auf seine Maschine und ist im Hand umdrehen auf der anderen Seite des Sees. Und da er nicht der einzige ist, der diese Gelegenheit nutzt, stehen in regelmäßigen Abständen Verkehrzeichen und Distanzschilder mitten auf dem Eis. VerkehrsschildKopie.jpg

So leicht wie die Erwachsenen haben es die Kinder wiederum nicht. Beschweren sich in Deutschland Eltern immer wieder über lange Schulwege? Da kann ich nur sagen: Kommt mal hierher. Hier werden Kinder erst von den Eltern mit dem Auto zur Schulbusstation, dann vom Bus in die Stadt und dort meistens noch von der Haltestelle mit dem Taxi zur Schule gebracht. Und keiner meckert, so ist das eben, wenn man am fast nördlichsten Punkt Europas lebt.

StaubsagerladenKopie.jpg Sehr beeindruckt hat mich vor allem ein fahrender Staubsauger-Laden. Was man sich darunter vorstellen soll? Ganz einfach. Man nehme einen ausrangierten Postwagen, den mit der Klappe an der Seite. Packt statt lauter Päckchen, vom Staubsauger über Staubsaugerbeutel bis zu den kleinsten Zubehörteilen alles in den Wagen und fährt durch ganz Nordfinnland. Die Begründung ist ganz simpel. Die richtigen Läden können schließlich nicht alles unterbringen, deshalb gibt es ein paar Menschen, die eben von Ort zu Ort fahren, mit solchen Sachen, die andere Geschäfte nicht haben. In diesem Fall eben Staubsaugerzeugs. Und gekauft wird tatsächlich, es scheint sich also zu lohnen.

Was sich in Inari wiederum nicht lohnt und deshalb kurz vor der Schließung war, ist der einzige EC-Automat. Letztes Jahr wollte die Bank ihn eigentlich abschaffen, da er zu wenig benutzt wurde. Allerdings haben sie sich dann doch noch um entschieden, denn der nächste ist erst wieder in Invalo. Und das sind immerhin 38 Kilometer. Eine ganz schöne Strecke nur um mal eben ein wenig Geld abzuheben. Dies erklärt aber, warum so viele Finnen selbst die kleinsten Kleckerbeträge mit der EC oder Kreditkarte bezahlen. Ich jedenfalls bin froh, dass es das Ding hier gibt, denn die Auslandsabbuchungsgeböhren würden doch den Rahmen sprengen, wenn man für jede Cola mit Karte zahlen würde.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 14:13 | Kommentare (0)

16.04.05

Leben auf engsten Raum mit den Holzfällern

HenkersstrickKopie.jpg Seit gestern Nacht heißt es Leben auf engsten Raum. Nach Stunden langen rumsitzen, wurden die Holzfäller in ihrem Camp ganz plötzlich sehr aktiv. Scheinbar haben sie nur darauf gewartet, dass es dunkel wird, denn kurz vor 23 Uhr fingen sie an ihre Zelte abzubauen.

Mit Baggern, Lastwagen und Kran kamen sie den kurzen Weg zu uns rauf. Oder soll ich eher sagen, sie machten sich den Weg frei? Wir hatten extra noch eines unserer Fahrzeuge auf den Zufahrtsweg gestellt, weil wir Angst hatten, das sie uns den aufreißen und wir nicht mehr an unser Camp kommen. Versorgungstechnisch wäre das äußerst ungünstig.

Doch wir haben uns verschätzt. Statt die Zufahrt unpassierbar zu machen, setzen sie ihre Schikane weiter fort. Nachdem die Holzfäller sich mit ihren Fahrzeugen den Weg einfach am Rand frei gemacht haben, platzierten sie ihre Zelte jetzt genau neben unseren Containern. Doch damit nicht genug. Unsere Nacht war begleitet von obszönen Rufen, Kettensägen, Handyklingeltönen, Hupen und jede Menge Fuck Fingern – bis morgens früh um fünf Uhr konnte keiner auch nur ein Auge zu tun.

Ausserdem fällten und verbrannten sie Bäume, stellten sich genau an unsere Fenster und schauten uns für lange Zeit direkt in die Betten. Vom wahren der persönlichen Privatsphäre hat man in Finnland anscheinend noch nicht so viel gehört. Der Gipfel des Ganzen ist allerdings ein Henkersstrick, der nun genau vor unserer Haustür an einem Baum hängt. Die Botschaft ist wohl mehr als deutlich. Da fragt man sich, ob man hier eigentlich im kultivierten Europa ist, oder doch im Amazonas.

Wir jedenfalls versuchen Ruhe zu bewahren, den Lärm möglichst zu ignorieren, wobei das jetzt doch reichlich schwer fällt, und immer wieder freundlich auf die Holzfäller zu zugehen. Aber an einer friedlichen, konstruktiven Auseinandersetzung ist bis jetzt nicht zu denken. Jeder Versuch von unseren finnischen Aktivisten ist kläglich gescheitert. Und was sollen wir noch mehr tun, als freundlich die Hand reichen und zum Gespräch einladen? Versuchen werden wir es auf jeden Fall immer wieder....

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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 21:20 | Kommentare (0)

Rad der Zeit!

HelsinkiDomKopie.jpg Es ist soweit, mein Urlaub ist vorbei. Mit frischen Tatendrang geht es wieder ran an die Tasten. Ich war gespannt, wie es sein wird, wenn ich wieder da bin. Ich kenn ja schon alles, weiß wie der Tag so abläuft, alltägliche Routine eben. Doch weiß ich es wirklich? Irgendwie auch wieder nicht. Schliesslich steht das Camp jetzt an einem ganz anderen Ort. Wie wohl der tägliche Ablauf aussieht, denn der Weg zwischen Büro und Camp ist auf einmal doppelt so lang. Und welche Leute sind dort? Ein paar kenne ich wohl noch. Doch es ist komisch, war ich doch echt urlaubsreif, habe ich den ganzen Haufen doch sehr vermisst. Wäre schön, wenn sich nicht allzu viel verändert hat, denn ich hatte mich so schön eingewöhnt. Aber darauf kann ich mich garantiert nicht verlassen. Besonders nicht in einem Camp wie unserem, wo jeden Tag etwas Neues passiert und vor allem aber auch immer neue Leute dazu kommen, während die anderen gehen. Flexibilität ist hier GROSS geschrieben, denn das Rad dreht sich eben immer weiter. Und das ist im Grunde auch gut so...

Und so sah mein Wiederkommen nun tatsächlich aus:
Also mein Tag fängt mit etwas Verspätung auf dem Hamburger Flughafen an, aber was macht das schon. Ich habe eh einen stunden langen Aufenthalt in Helsinki und alles in allem setzte ich gerade mal eine halbe Stunde später meinen Fuß auf finnischen Boden, als geplant. Und nu? Vier Stunden auf dem Flughafen rum lungern? Nein Danke. Kurzentschlossen nehme ich den nächsten Bus in die City, denn die soll angeblich nicht sehr weit weg sein.

40 Minuten später stehe ich mitten im Zentrum, vor dem Hauptbahnhof. Dort halten die Busse, ein Direktservice vom Flughafen. Ebenfalls am Flughafen ergattert, blicke ich in die Straßenkarte. Beate aus der Redaktion erzählte mir, dass der Dom ganz nett ist. Und zu meinem Glück, ist auch der nicht ganz so weit entfernt. 15 Minuten Fußmarsch – höchstens. Dort angekommen, heißt es erst mal Treppchen steigen, denn er liegt wunderschön auf einem kleinen Hügel von dem man ein wenig auf die Stadt schauen kann. Idyllisch, denn es sitzen überall Einheimische sowie Touristen rum, die die ersten Sonnenstrahlen genießen. Der Dom selbst ist für meinen Geschmack von Innen eher simpel und nicht weiter erwähnenswert, von außen jedoch sehr imposant. Ich hab mich demnach mit meinem Buch hier hingesetzt und bin nach zwei Stunden zurück zum Airport. Helsinki, kurz und schmerzlos. Immerhin hatte ich einen kleinen Einblick, wie die Hauptstadt so aussieht und etwas Sonne. Was man von hier oben nicht behaupten kann. Waren es im Süden noch gute 12 Grad plus, schneit es hier und alles ist grau in grau. Diesbezüglich ist also nicht so viel anders. Im Gegensatz zum Camp.

GreenterrorKopie.jpg Ich war gespannt, denn ich hatte schließlich schon eine Menge gehört und Rick hat mich im Auto auch noch mal auf den neuesten Stand gebracht. Doch so hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. In der Einfahrt zum Camp haben sich ein ganzer Haufen Holzfäller positioniert. Ebenfalls mit Zelt, selbstgebauten Unterschlupft und einem Lagerfeuer. Doch am meisten stechen die Banner ins Auge: Von Greenterror – was wir ja schon kennen – über El Quaida und Greenpeace Nazis, um nur die heftigsten zu nennen. Nachbarn wie man sie sich wünscht. Besser noch sind die Sirenen, die sie alle halbe Stunde einsetzen, um uns zu stören. Als ich diese das erste mal höre, muss ich jedoch etwas schmunzeln, denn wir hören sie, zumindest im Container, sehr gedämpft. Den Krach, den sie allerdings bei den Holzfällern selbst anrichten, den möchte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen. Kein Wunder, dass dort alle mit Ohrenschutz rum laufen. Bleibt die Frage, ob die sich nicht selbst verrückt machen? Aber das ist nicht unser Problem.

Im Camp selbst hat sich nur in soweit etwas verändert, dass es natürlich viele neue Gesichter gibt. Sage und schreibe kenn ich da gerade mal noch einen: Timo. Der nimmt mich auch gleich herzlich in die Arme und meint nur verschmitz: „Willkommen zurück. Ist komisch nach dem Urlaub wieder zu kommen, nicht? Alles so anders und auch doch wieder nicht“. Aber er tröstet mich auch gleich, da er meint dass er sich schnell wieder eingelebt hat. Ansonsten gibt es jetzt einen Koch. Einen italienischen. Aber angeblich gibt es nicht nur Pasta, wenn allerdings, dann selbstgemachte. Hhhmmm. Wirklich beneidenswert. Vielleicht kann ich Ihm ja ein paar Rezepte entlocken.

Sonst ist im Großen und Ganzen alles beim Alten. Und was die tägliche Routine so anbelangt, kann ich noch gar nicht viel sagen, denn es ist bereits spät Abends und wir krümeln uns bald alle in die Schlafsäcke. Beim Stichwort schlafen gehen, fällt mir allerdings noch etwas auf. Es ist sogar entscheidend anders. Es ist immer noch hell! Dabei ist es schon nach 22 Uhr. Unglaublich. Dabei ist es noch keine drei Wochen her, dass ich abgereist bin und da war es Punkt sieben Uhr stockdunkel. Bin gespannt, was ich mit der Zeit noch so entdecke. Aber für das erste bin ich jetzt erst mal angekommen und freu mich auf meine nächsten paar Wochen...

(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 19:13 | Kommentare (0)

15.04.05

Auf Wiedersehen - Nähdään - Báhcet dearvan

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Morgen reise ich heim. Nach drei schönen Wochen mit viel Spannung und viel Spaß muss ich mich jetzt wieder an meine Abschlussarbeit setzen. Das freut zwar meinen Dozenten, mich jedoch eher nicht so. Die Urwaldschutzstation bleibt aber stehen; unsere Aktivisten markieren weiterhin die finnischen Urwälder, um sie vor der Abholzung zu schützen. Ab jetzt wird Anisha wieder das Weblog schreiben. Für meinen nächsten Besuch hoffe ich, einen netteren Anlass zu haben, als mich gegen die Zerstörung unserer letzten Urwälder in Europa einsetzen zu müssen;-) Auf Wiedersehen - Nähdään - Báhcet dearvan! (Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:58 | Kommentare (0)

Eisfischer-Wettbewerb "Inarin Pilkki"

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Heute sitzen etwa zweihundert Fischer für vier Stunden auf einem der vielen Seen hier. Sie nehmen an dem alljährlichen Eisfischer-Wettbewerb "Inarin Pilkki" teil. Das Eis sei zur Zeit knapp 80 Zentimeter dick, informiert ein Schild am Seeufer. Erlaubt ist jeder Fisch, der anbeißt - am Ende zählt nur das Gewicht. Der Fangrekord aus dem letzten Jahr liegt bei rund 2,5 Kilo. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als könnten diese vier Stunden lang werden, kann es so langweilig nicht sein: Bei meiner Ankunft fuhr ein Krankenwagen mit einem älteren Mann ab, der vor lauter Aufregung einen Herzinfarkt erlitten habe, wie mir ein Aufseher in neongelber Kleidung erzählt. Morgen findet nahe bei Ivalo die Endrunde im Eisfischen statt, wofür mehr als eintausend Fischer angemeldet sind. Doch auch so viele Fischer könnten die Seen hier nicht leerfischen, versichert der Aufseher. (Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:24 | Kommentare (0)

Gespräch mit dem Autor Niccolò Ammaniti

portrait_niccolo.jpgWeshalb unterstützt du die Greenpeace-Initiative "Autoren für den Urwald"?
Mir ist nicht nur wichtig, was ich schreibe, sondern auch, wo das Papier herkommt, auf dem ich schreibe - deswegen bin ich hierher gereist.

Welche Möglichkeit siehst du für dich als Schriftsteller, dieses Unheil zu verhindern?
Ich fühle mich versucht zu denken: Mehr Bücher gleich mehr gefällte Bäume. Also keine Bücher gleich keine gefällten Bäume (lacht). Aber ich bin Autor, ich möchte meine Bücher veröffentlichen. Deswegen lasse ich sie auf Recyclingpapier drucken, und damit meine Leser das wissen, schreibe ich das vorne ins Buch hinein.

Was halten deine Leser davon, und was denken deine Kollegen darüber?
Ich schätze, dass meine Leser das gut finden. Immerhin kaufen genug Leute meine Bücher. Meine Kollegen sagen eher, dass ich ja die Zeit hätte. Mein Verlag würde mich wohl zur Hölle schicken, wenn ich keinen Erfolg hätte. So aber sind sie auf meine Forderung eingegangen.

Waren dir die Probleme der Samis vorher bewusst?
Nein, überhaupt nicht. In Italien wissen wir wohl alle nichts darüber. Samische Musik allerdings habe ich schon öfter gehört, vor allem Marie Boine.

Welche Botschaft nimmst du von dieser Reise mit?
Es scheint mir schwierig, eine Lösung zu finden. Uns allen sollte aber bewusst werden, dass wir mit jedem Buch auf Frischfaserpapier zur Urwaldzerstörung beitragen - und dass wir mit Recyclingpapier oder FSC-Papier die Urwälder schützen können. Zur Zeit sind wir zwanzig Autoren in Italien, die diese Initiative unterstützen, und ich hoffe, dass es noch mehr werden.

Das Gespräch führte Monika Dörhage.

NICCOLO AMMANITI aus Italien
Sein bisher größter Erfolg erschien 2001 ("Ich fürchte mich nicht" - "Io Non Ho Paura"). Mit 34 Jahren ist Niccolò Ammaniti der bislang jüngste Autor, der mit dem begehrten Viareggio-Rèpaci-Preis belohnt wurde. Das Buch wurde verfilmt von Gabriele Salvatores, der einen "Mediterraneo"-Academy-Award erhalten hat. Bei den Berliner Filmfestspielen im Februar 2003 wurde der Film uraufgeführt, und war bald ein Erfolg in Italien.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:28 | Kommentare (0)

Pressekonferenz der "Autoren für den Urwald" und Greenpeace

javier_pc.jpgZum Abschluss ihrer Reise luden die Autoren und Greenpeace zu einer Pressekonferenz im samischen Museum Siida. Der spanische Journalist und Schriftsteller Javier Moro berichtete, dass ihn besonders die Situation der samischen Minderheit überrascht habe. Robin Valtiala aus Finnland zeigte sich besorgt darüber, dass in einer Demokratie wie der finnischen der friedliche Protest von Greenpeace zum Schutz der Urwälder gleichgesetzt werde mit Terrorismus. Der flämische Autor Karel Verleyen appellierte an den staatlichen Holzkonzern Metsähallitus und an die anwesenden Holzfäller, nicht mehr in den Urwäldern einzuschlagen, sondern auf Plantagen umzusteigen. Finnland dürfe nicht den gleichen Fehler begehen, den schon andere europäische Länder begangen hatten. Noch sei es nicht zu spät, noch stehen Teile der wunderbaren letzten Urwälder Europas.

Als die Runde für Fragen eröffnet wurde, nutzte Ari Vatanen, Mitglied des Europäischen Parlaments, die Gelegenheit, Greenpeace zu beschimpfen, und wiederholt zu fragen, was Greenpeace dazu berechtige, sich in die Angelegenheiten Finnlands und der Samis einzumischen. Mikael Sjövall, Pressesprecher von Greenpeace Finnland, wiederholte, dass es die samischen Rentierzüchter waren, die Greenpeace um Hilfe gebeten hatten.

Auch die französische Autorin und Delegierte der französischen Grünen Partei, Aurélie Filipetti, wies darauf hin, dass es gerade die Aufgabe von Nichtregierungsorganisationen sei, sich einzumischen wenn etwas falsch laufe. Bei der Abholzung der finnischen Urwälder, die die Lebensweise der samischen Rentierzüchter bedrohe, handele es sich sehr wohl um ein Problem auf europäischer Ebene. Wenn der Einschlag wie bisher weitergehe, müssten sich die Holzfäller innerhalb der nächsten Jahre sowieso nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen - sie dazu zu drängen, weiterzumachen wie bisher, sei unverantwortlich.

karel_pc.jpgAuch die Behauptung, dass die Autoren von Greenpeace falsch informiert worden seien und missbraucht würden, ließ Karel Verleyen nicht gelten. Eine Gehirnwäsche habe nicht stattgefunden. Sie seien freiwillig auf Einladung von Greenpeace und den samischen Rentierzüchtern hierhergereist, um mit allen Seiten zu reden. Doch Stora Enso habe das Gespräch in letzter Minute abgesagt.

(Monika)

Lest mehr über die Initiative "Autoren für den Urwald".

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 13:38 | Kommentare (0)

14.04.05

Gespräch mit dem Autor Javier Moro aus Spanien

portrait_javier.jpgWeshalb unterstützt du die Initiative "Autoren für den Urwald"?
Mein Buch Freiheit zur Mitternacht handelt von den Regenwäldern am Amazonas, dort habe ich Greenpeace zum ersten Mal getroffen. Seitdem habe ich mit Greenpeace zusammengearbeitet, wann immer es möglich war.

Wie versuchst du, deinen Einfluss als Schriftsteller zu nutzen?
Ich habe mich an meinen Verlag gewendet, ein großer spanischer Verlag, und ich habe von ihren gefordert, dass meine Bücher auf Recycling- oder FSC-Papier gedruckt werden. Leider war es für mein letztes Buch zu spät: Sie sagten, dass sie das Papier auf vier Jahre im Voraus kaufen... Für mein nächstes Buch werde ich das als Bedingung in den Vertrag schreiben.

Ehrlich gesagt, habe ich das schon 1992 bei meinem allerersten Buch verlangt; immerhin handelte es von den Regenwäldern am Amazonas. Damals war ich aber noch nicht so erfolgreich, dass ich es hätte durchsetzen können. Die haben mich für verrückt erklärt.

Hattest du vorher schon von den Samis und den samischen Rentierzüchtern gehört?
Nicht wirklich. Ich habe mal mit den Inuits in Nordkanada gelebt. Deren Probleme ähneln denen der Samis.

Warst du schon einmal in einem Wald wie diesem?
Nein, in einem borealen Nadelwald war ich noch nie. Die Bäume sehen zwar völlig anders aus als diejenigen, die ich aus Regenwald kenne, sie sind viel dünner! Und doch ist es hier wunderschön. Wir waren gestern lange im Wald. Diese Wälder abzuholzen haben wir einfach nicht nötig.

Welchen Zusammenhang siehst du zwischen diesen verschiedenen Urwäldern?
Die Probleme dort sind diesen, die ich hier erlebe, sehr ähnlich. Abgesehen davon, dass es dort noch beängstigender ist: Wenn sie dort sagen, dass sie einen umbringen, dann machen die das auch. Während hier, wenn sie einen bedrohen, jeder lacht. Doch das Thema Landbesitz ist sehr ähnlich überall auf der Welt. Deswegen sind wir hier. Wenn man hier, in diesem hochentwickelten und technisierten Land es nicht schafft, auf Frischfaserpapier zu verzichten, dann läuft etwas grundsätzlich falsch. Wir sind hier im Nokia-Land! Ich finde es lächerlich und sinnlos, diese Urwälder abzuholzen.

Es fällt mir schwer zu verstehen, dass in einem Land wie Finnland noch immer diese alten Konflikte herrschen mit indigenen Völkern wie den Samis. Das hat mich überrascht. Von einem Land wie Finnland hätte ich erwartet, dass sie diese Konflikte auf zivilisierte Weise lösen.

Die Fragen stellte Monika Dörhage.

JAVIER MORO aus Spanien
Geboren 1995 in Madrid. Arbeitet als Schriftsteller, Journalist, Kinofilmproduzent und Drehbuchautor. Javier Moros Buch Fünf nach zwölf in Bhopal beschreibt eines der schlimmsten Chemieunglücke. Auch seine anderen Bücher haben einen starken sozialen oder umweltrechtlichen Bezug, zum Beispiel die Geschichte über den ermordeten brasilianischen Umweltschützer Chico Mendes, die er zusammen mit seinem Onkel geschrieben hat (Freiheit zur Mitternacht).

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 19:33 | Kommentare (0)

Gespräch mit dem Autor Ken Finn aus Großbritannien

portrait_ken.jpgWelchen Zusammenhang siehst du zwischen dem Regenwald, über den du in deinem Buch schreibst, und den finnischen Urwäldern?

In Kambodscha sind es Gartenmöbel und Bauholz, hier ist es Papier, wofür die Urwälder geopfert weren. Und es sind auch die gleichen Menschen, nämlich westliche Verbraucher, die mitverantwortlich sind für den falschen Umgang mit den Urwäldern. Diese Menschen aber leben nicht im Wald, bewohnen ihn nicht, und können deswegen nicht vernünftig über den Wald entscheiden.

Die indigenen Völker in Kambodscha bohren kleine Löcher in die Bäume und entzünden darin ein kleines schnelles Feuer. Das stimuliert den Harzfluss. Das Harz sammeln sie in einem Behälter. Und den nehmen sie als Ersatz für Kleber, und dichten damit ihre Boote ab.

Das schadet den Bäumen nicht?
Nein, das schadet den Bäumen überhaupt nicht. Sie hängen ja von den Bäumen ab, das heißt, das sie sie sorgsam behandeln. Die Holzfäller aber fällen gerade die alten, großen Bäume. Weil der Bedarf an Holz steigt, nehmen sie damit den Ureinwohnern ihre Lebensweise. Genau das gleiche geschieht hier: Die Samis nutzen die Bäume nachhaltig, und ihre Lebensweise hängt von den Bäumen ab. Das heißt auch, dass sie sorgsam mit ihnen umgehen.

Du wendest dich also nicht nur an die Holzfäller, sondern auch an die Verbraucher.
Ja. In den letzten dreißig Jahren haben wir unglaublich viel verloren an den Schätzen der Natur. Auf der einen Seite wächst zwar das öffentliche Bewusstsein, dass wir handeln müssen. Auf der anderen Seite aber steigt der Verbrauch unkontrolliert an. Dabei sind es bisher nur wir westlichen Länder, die das tun. Wenn wir uns nun anschauen, wie sich entwickelnde Länder wie China, Indien und andere verhalten werden, frage ich mich, wie lange wir die letzten Wälder noch vor dem Verbrauch schützen können.

Die Einstellung muss sich grunsätzlich ändern. Schließlich können wir nicht in jedem einzelnen Wald eine Urwaldschutzstation aufbauen (lacht).

Wie kann die Initiative "Autoren für den Urwald" diesen Wandel herbeiführen?
Wenn man zu lange herumpuzzelt und wartet, dann ändert sich gar nichts. Viele Menschen werden tagtäglich bombardiert mit schlechten Nachrichten. Wenn sie darin versinken, können sie keine Entscheidungen mehr treffen. Ironischerweise sind es also kleine Dinge, wie die Reise der Autoren, die Menschen dabei helfen können, einfache Entscheidungen zu treffen. Sie können zum Beispiel ihren Lieblingsautoren bitten, sein nächstes Buch auf FSC- oder Recyclingpapier zu drucken. Und das ist dann schon entscheidend.

Als Greenpeace veröffentlicht hat, wieviel Wald gerettet wurde, weil Harry Potter nicht auf Frischfasern gedruckt wurde - das fand ich beeindruckend, und andere Menschen sicher auch. Jeder kann mit seiner Kaufentscheidung zum Guten beitragen. Jeder Schritt zählt.

ken_book.jpgEs ist also möglich, mit dem Kauf eines Produkts etwas Gutes zu tun.
Genau, es ist ja nicht so, dass ich mein Buch gar nicht verkaufe. Ich bitte aber im Vorwort darum, dass meine Leser das Buch mit Anderen teilen. Nach dem Lesen können sie es an Freunde weitergeben, oder an öffentliche Bibliotheken. Mir ist es wichtiger, dass möglichst viele Menschen das Buch lesen.

Du hast dein Buch nicht geschrieben, um es zu verkaufen?
Nein. Während ich es geschrieben habe, musste ich in Gedanken immer wieder zu meiner Reise zurückkehren. Dann habe ich gespürt, dass das Buch davon handelt, was wir den Urwäldern antun, und das wollte ich erzählen.

Auf dem Bucheinband sehe ich, dass dein Buch auf FSC-Papier gedruckt ist.
Das war mir von Anfang an wichtig. Die einzige Möglichkeit, Möbel aus gutem Holz zu kaufen, geht über das FSC-Siegel. Damit meine Leser das Siegel überall erkennen, wollte ich es auch auf dem Bucheinband. Leider war es noch nicht möglich, hundertprozentiges FSC-Papier für Bücher zu bekommen, deswegen musste ich den Kompromiss von 30 Prozent eingehen. Ich hoffe, dass möglichst viele Autoren mitziehen, so dass es zukünftig leichter ist, an FSC-Papier zu kommen.

Das Gespräch führte Monika Dörhage.

KEN FINN
Ken Finn wuchs auf in dem 60er-Jahre Vorort Walton-on-Thames. Mit 15 verließ er ohne Abschluss die Schule und folgte dem Ruf der angesagten Modeszene des Londoner New Wave. Als erfolgreicher Friseur konnte er sich bald alle materiellen Wünsche erfüllen. Doch er ließ sich nicht lange von diesem Schein blenden. Stattdessen brennt er vor Leidenschaft für unsere Welt, deren Wildheit und Unberührtheit.

Vor kurzem hat Ken Finn sein erstes Buch veröffentlicht (Meine Reise mit einem besonderen Baum), das seine Suche nach den fabelhaften spirituellen Bäumen Kambodschas dokumentiert. Er ist darin Zeuge, wie die spirituellen Bäume, die Tausende von Jahren alt sind, illegal gefällt werden. Er folgt dem Baum auf seinem Weg vom Wald in das Sägewerk bis zum Geschäft, in dem wir es dann als Gartenmöbel kaufen.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 19:26 | Kommentare (0)

13.04.05

Europäische Autoren besuchen das Sami-Heimatland

aothors.jpgSieben Schriftsteller aus verschiedenen europäischen Ländern haben sich gestern abend in der Nähe unserer Urwaldschutzstation mit samischen Vertretern getroffen. Die Autoren Lydia Rood, Javier Moro, Ken Finn, Robin Valtiala, Karel Verleyen, Aurélie Filipetti und Niccolo Ammaniti möchten hier im Sami-Heimatland mehr erfahren über die Bedrohung der letzten Urwälder, und damit der Lebensweise der samischen Rentierzüchter. Der norwegische Sami Niillas Somby und Maria Sofia Aikio (Mitglied des Sami-Parlaments) berichteten über die Rechte der samischen Fischer und der Rentierzüchter.

"Ich habe meine Inspiration beim Schreiben schon immer von der Natur und den Wäldern erhalten", erzählt der finnische Autor Robin Valtiala. "Es bereitet mir Sorgen, zu sehen wie die Urwälder im Sami-Heimatland zerstört werden. Wenn die restlichen Urwälder um Inari herum auch noch abgeholzt werden, bedroht das auch die Kultur, die mit der Natur hier aufs Engste verbunden ist", warnt Valtiala.

niillas.jpgZur Begrüßung sang Niillas Somby einen Joik, und erzählte, dass dieser Gesang zwar einst mächtig gewesen sei. Mittlerweile aber sei er oftmals verpönt, gelte selbst unter vielen Samis als barbarisch, denn zu lange war es den Samis verboten, zu joiken.

maria_sofia_aikio.jpgTeilweise haben die Samis besondere Rechte erhalten, die ihre Lebensweise schützen sollen, wie das Gesetz über die Rentierhaltung, erzählt Maria Sofia Aikio. Doch wenn der Urwald weiterhin industriell genutzt werde, sei dieses Gesetz wertlos. Denn die Rentiere fressen im Winter, wenn sie im tiefen Schnee kein anderes Futter finden, die Moose und Flechten, die an den uralten Bäumen wachsen. Sind keine oder nur junge Bäume da, überleben die Rentiere den Winter nicht.

Wissbegierig fragten die Autoren nach der Lebensweise der Samis, nach ihrer Religion. Aus der Sicht eines Schriftstellers sei besonders der Schatz an traditionellen Geschichten interessant, und Niillas berichtete von einer Geschichte, die ihm sein Vater auf dem Sterbebett erzählt hatte.

tree1_randy.jpgHintergrund für den Besuch: Greenpeace setzt sich auf mehreren Ebenen für die letzten verbliebenen Urwälder ein: Vor Ort markieren wir täglich von unserer Urwaldschutzstation aus den Urwald. Um auch den internationalen Buchmarkt zu bewegen, hat Greenpeace zusammen mit Autorinnen und Autorinnen eine Initiative für die Errichtung von Schutzgebieten gegründet. Weitere bekannte Autoren wie Isabell Allende und Günter Grass verstehen sich ebenfalls als Botschafter für den Schutz der Urwälder.

Um den enormen Papierverbrauch der Menschen zu decken, scheint es einfach, sich durch Abholzung an den Urwäldern zu bedienen. Auch für die Herstellung von Büchern und Zeitschriften wird viel Papier benötigt. Doch viele Verlage tun sich bisher schwer, auf Recyclingpapier oder Papier mit FSC-Siegel umzusteigen.

Die Schriftsteller, die sich an dem Greenpeace-Projekt beteiligen, möchten daher ihren Teil zum Urwaldschutz beitragen: Ihre nächsten Bücher sollen auf urwaldfreundlichem Papier gedrucken werden.

Das könnt Ihr tun
Verbraucht weniger Papier, und verwendet Recyclingpapier.

Fragt nach dem FSC-Siegel, wenn ihr Produkte aus Holz kauft.

Fordert von den Zeitschriften und Magazine, die ihr lest, dass sie entweder ganz oder zumindest mit einem hohen Anteil aus Recyclingpapier hergestellt werden.
(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 14:13 | Kommentare (0)

11.04.05

Samischer Aktivist im Camp

henry_malaa1.jpgHenry kommt aus dem kleinen Dorf Malå im schwedischen Teil des Sami-Heimatlandes

Was machst du hier im hohen Norden? Welche Beziehung hast du zu dieser Gegend?

Ich lebe im Norden (lacht)! Ich bin ein Kulturarbeiter, habe Rentierzucht studiert, die samische Sprache und traditionelles samisches Handwerk. Wie zum Beispiel die Tunika, und die Messer, die ich bei mir trage. Nebenbei arbeite ich auch auf politischer Ebene, nämlich in der lokalen Gruppe der Grünen Partei.

Was führt dich in die Urwaldschutzstation?
Ich bin hier, um die Urwälder für die Rentiere und für die Rentierzüchter zu retten. Als Nordsami habe ich mit Greenpeace schon an ähnlichen Problemen gearbeitet. Wir haben den Wald in Norrbotten und in Vesterbotten markiert, und die Provinzregierung auf das Problem aufmerksam gemacht. Mittlerweile stehen Rentierzüchtern nicht mehr genügend Wälder zur Verfügung - wenn der Urwald heute geschlagen wird, gibt es morgen keinen Wald mehr, vor allem keinen, von dem Rentiere leben können.

Was bedeuten dir als Sami die Urwälder?
In den letzten zwölf Jahren habe ich mich mit Rentierzucht und der samischen Kultur beschäftigt. Ich bin zwar in der Stadt aufgewachsen, aber das hatte mit samischer Kultur nichts zu tun: Sami-Kultur ohne Urwald geht nicht, diese beiden sind untrennbar.

Welche Werkzeuge brauchst du für dein Leben als Sami?
Ein gutes Messer, und die Möglichkeit, ein Feuer zu machen. Das reicht zum Überleben!

(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:15 | Kommentare (0)

Bringt der Unglückshäher wirklich Unglück?

sibirian_jay1.jpg
Im Volksglauben ranken sich verschiedene Erzählungen um den Unglückshäher – mal bringt er Glück und mal Unglück. Sein lateinischer Name ist "Perisoreus Infaustus", dabei bedeutet infaustus etwa unheilbringend. Doch wie kommt der Unglückshäher zu diesem Namen, und was steckt hinter den sich widersprechenden Legenden?






sibirian_jay2.jpgDer Unglückshäher wohnt eigentlich hier oben im Norden. Wenn er jedoch in zu strengen Wintern nicht genügend Futter findet, wandert er bis nach Mitteleuropa. Im Mittelalter sah man den nur unregelmäßig auftauchenden Vogel als ein Vorzeichen, dass Unheil wie Krieg, Pest oder andere Not drohe. Nach diesem Aberglauben wurde er dann benannt.


Die Samis hingegen betrachten ihn als Glücksvogel. Denn sie glauben, dass überall dort, wo sich der Unglückshäher aufhält, keine gefährlichen Tiere wie Bären oder Greifvögel in der Nähe sind.


Tatsächlich befindet sich der Unglückshäher selbst im Unglück: Von den ursprünglichen Urwäldern Finnlands stehen nur noch knapp fünf Prozent, das sind etwas über eine Million Hektar. Alle anderen Wälder sind meist Forstplantagen, in der die Bäume gleichaltrig sind. Das bedeutet, dass wenig bis gar kein Altholz anfällt.


feuerhoehle-mit-kaltem-rand.jpgDer Unglückshäher aber ist auf eben dieses Altholz angewiesen: Dort findet er am besten Nahrung. Da auch die finnischen Urwälder im industriellen Maßstab geschlagen wurden, ist die Zahl der Unglückshäher in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen.


Was kann man tun?
Greenpeace fordert: Die industrielle Abholzung in den letzten noch verbliebenen Urwäldern Finnlands muss dauerhaft eingestellt werden.

Die deutschen Papier-Abnehmer wie Zeitschriften-Verlage und Papierhändler müssen sicher stellen, dass das von ihnen gekaufte Papier nicht aus Urwaldzerstörung stammt.

Alternative zum Kahlschlag: Eine Waldnutzung, die ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt. Weltweit glaubwürdig ist zum Beispiel das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council).

Das könnt Ihr tun
Verbraucht weniger Papier, und verwendet Recyclingpapier.

Fragt nach dem FSC-Siegel, wenn ihr Produkte aus Holz kauft.

Fordert von den Zeitschriften und Magazine, die ihr lest, dass sie entweder ganz oder zumindest mit einem hohen Anteil aus Recyclingpapier hergestellt werden.
(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 09:07 | Kommentare (0)

10.04.05

Einblicke in die Urwaldschutzstation

running-up-the-flag-klein.jpgSeit einer Woche wohnen wir mit unserer Urwaldschutzstation östlich vom Inarisee. Mittlerweile haben wir es uns gemütlich gemacht an unserem neuen Standort, von dem aus wir zusammen mit den samischen Rentierzüchtern den finnischen Urwald markieren. Auch wenn es zur Zeit um unser Camp herum nicht friedlich ist, setzen wir unsere Arbeit fort. Wenn Ihr erfahren möchtet, wie unser Leben aussieht, kommt mit auf einen kurzen Rundgang durch unser Camp.








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Bevor wir losziehen, um die Schilder an den Bäumen anzubringen, räumen wir jeden Morgen unsere Container auf. Platz ist Mangelware, deswegen müssen wir uns bei jedem Gegenstand entscheiden: Brauche ich ihn oft, selten oder nie? Danach sortieren wir, was wir an welchem Ort verstauen. Jeder Aktivist hat ungefähr eine Schublade, und unter den Betten haben wir auch Stauraum. Schätzungsweise zwölf Quadratmeter pro Container teilen sich jeweils vier Aktivisten. Unsere Betten sind immerhin zwei Meter lang, doch nur einen knappen halben Meter breit - bisher ist aber noch keiner von uns rausgefallen.



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Bei soviel Enge im Container lohnt es sich, draußen zu schlafen. Dick eingemummelt in einen normalen Schlafsack, und in einen extra warmen, der einen bei bis zu minus 40 Grad nicht frieren lässt. Dazu reichen gewöhnliche Schlafsachen und eine warme Mütze.

Unsere Aktivisten Huck, Christian, Tuomas und Sigurd jedenfalls sind unsere Dauerdraußenschläfer. Letzte Nacht habe auch ich draußen geschlafen, zum ersten Mal, und ich bereue, mich nicht schon früher getraut zu haben! Zwar ist die Luft in den frühen Morgenstunden kalt. Das heißt aber auch, dass die berühmt-berüchtigten finnischen Mücken noch nicht unterwegs sind.

Als ich heute morgen die Augen aufschlug, sah ich neben meinem Schlafplatz diesen Baum stehen, der wohl schon seit einigen Hundert Jahren tot ist. Davor mag er ein paar Hundert Jahre lang gelebt haben, und vielleicht erst in einigen weiteren Hundert Jahren ist von ihm nichts mehr übrig. Ich staune über diesen wunderbaren Winterwald.


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Linkes Bild: Am Tisch wird gegessen, geschrieben, diskutiert, getippt, telefoniert, gelesen und gemalt. Bild rechts: Hier gehen wir hin, wenn wir mal für kleine Aktivistinnen oder Aktivisten müssen. Wind- und schneegeschützt, und doch an der frischen Luft, braucht man sicher nicht einmal ein nettes Buch, um die Welt um sich herum zu vergessen - die schöne Aussicht genügt.

(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:53 | Kommentare (1)

09.04.05

Erhöhte Wachsamkeit nach Morddrohung gegen Greenpeace-Mitarbeiter

finnland.jpgNachdem ein Greenpeace-Mitarbeiter am Mittwochabend eine telefonische Morddrohung erhalten hat, haben wir die Wachsamkeit und Sicherheitsvorkehrungen, sowohl in der Urwaldschutzstation als auch in unserem Büro in Inari, erhöht und die Polizei eingeschaltet. Grund für die Morddrohung gegen Greenpeace ist offenbar unser Engagement für den Schutz der letzten Urwälder in Finnland.

Ein Holzfäller hatte einen der finnischen Waldexperten von Greenpeace angerufen und ihm mitgeteilt, dass er der Erste sein werde, der umgebracht wird, wenn das Urwald-Camp nicht innerhalb von zwei Tagen abgebaut sei. Greenpeace konnte den Anrufer identifizieren. Der Holzfäller arbeitet teilweise für das staatliche Forstamt Metsähallitus, das auch für die Fällungen im Urwald verantwortlich ist. Greenpeace erstattete Anzeige bei der Polizei und forderte die finnischen Sicherheitskräfte und Behörden auf, für die Sicherheit der Greenpeace-Aktivisten zu sorgen und den verantwortlichen Holzfäller zur Verantwortung zu ziehen.

Die Holzfäller, die seit Donnerstag in unmittelbarer Nähe von der Urwaldschuztstation einige Zelte als so genanntes "Anti Terror Info Camp" errichtet haben, versuchen immer wieder, uns zu provozieren. Am Tage begrüßen sie uns mit Schmährufen. In tiefer Nacht werfen sie ihre Kettensägen an oder fahren mit Schneemobilen durch den Wald - offenbar mit dem Ziel, uns durch Ohren betäubenden Lärm den Schlaf zu rauben.

Wir markieren in der Region Nellim weiterhin - zusammen mit den örtlichen Sami - die Urwälder und die Wälder mit hohem Schutzwert mit Metallschildern, um vor dem Einschlag zu warnen. Leider sind einige Schilder, die wir in den vergangenen Tagen angebracht haben, bereits spurlos verschwunden. Doch davon lassen wir uns nicht beirren: Unser Einsatz für den Schutz des Waldes geht weiter.

Veröffentlicht von Beate um 14:22 | Kommentare (4)

08.04.05

Neue Aktivisten in der Urwaldschutzstation

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Maija aus Finnland

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Als ich neun Jahre alt war, erzählte ich einfach meiner Mutter, dass ich bei Greenpeace mitmachen will. Ich arbeite ehrenamtlich bei Greenpeace, und habe dort schon ein paar Praktika gemacht. Was Greenpeace macht, finde ich wichtig.

Was machst du in der Urwaldschutzstation? Welche Beziehung hast du zu den Samis?
Ich bin hier als Aktivistin. Gleichzeitig untersuche ich im Rahmen meines Studiums, wie junge Samis mit der Situation hier umgehen, und was sie von ihren samischen, aber auch finnischen Traditonen halten.

Was ist dein wichtigstes Überlebenswerkzeug?
Viel brauche ich nicht - aber Lippenbalsam!

Was möchtest du mit deinem Aufenthalt erreichen?
Am meisten hoffe ich natürlich, dass wir alle zu einer Lösung finden, damit die Wälder gerettet werden!




jean-jacques_deutschland.jpgJean-Jacques aus Deutschland

Was machst du bei Greenpeace, und was hat dich in diesen hohen Norden getrieben?
Ich löse Huck ab, und organisiere ab jetzt das tägliche Leben im Camp. Aufräumen, Essen zubereiten, wer macht wann was.

Wie hast du dich auf diese Temperaturen eingestellt?
Ich habe einerseits viel zu viele Sachen hier hoch geschleppt. Andererseits kann ich noch nicht genau einschätzen, was ich am besten trage.

Traust du dich, draußen zu schlafen?
Noch bin ich ja erst einen Tag hier. Aber vielleicht in den nächsten Nächten...




mads-christensen_denmark.jpgMads aus Dänemark

Warum arbeitest du bei Greenpeace?
Ich habe gesehen, dass es der Welt besser geht mit den Kampagnen, die Greenpeace durchführt. Der globale Bann für ozonschädliche Chemikalien und Gase, der Kampf gegen den Klimawandel, und jetzt die Rettung der letzten großartigen Wälder, das sind Kämpfe, um die zu kämpfen sich lohnt.

Hast du eine besondere Beziehung zu den Samis?
Ich finde, die letzten indigenen Völker unserer Welt sollten nicht von Regierungen oder von der Industrie ausgenutzt werden. Dagegen habe ich schon mit grönländischen Inuits gearbeitet, und dagegen arbeite ich nun zusammen mit den samischen Rentierzüchtern.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt in der Urwaldschutzstation?
Ich möchte das Bewusstsein um die Bedrohung dieser großartigen Wälder mit in mein Heimatland nehmen: Dänemark.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 05:58 | Kommentare (2)

07.04.05

Holzfäller errichten eigenes Camp - Update

anticamp2.jpgHeute mittag haben einige Holzfäller 100 Meter von unserem Camp entfernt ein eigenes Camp aufgebaut. Unter dem Namen "Antiterror Informationszentrum" wollen sie dort gegen unsere Arbeit protestieren. Sie sorgen sich um ihren Arbeitsplatz bei dem staatlichen Holzfällerkonzern Metsähallitus. Auf den ersten Blick klingt das verständlich: Immerhin fordern wir zusammen mit den samischen Rentierzüchtern, dass die finnischen Urwälder nicht länger industriell abgeholzt werden. In den Ohren einiger Waldarbeiter klingt das zunächst so, als wollten wir ihnen den Arbeitsplatz wegnehmen. Doch der Einschlagstopp, den wir fordern, schließt die Jobs der Holzfäller keineswegs aus. Langfristig geht es um die Existenz der letzten europäischen Urwälder, und damit um die Lebensweise der Samis.

forest_nellim.jpgNun könnte man meinen, dass abgeholzter Urwald einfach wieder aufgeforstet werden kann. Doch Wald ist nicht gleich Urwald: Während hier oben in einem kommerziell genutzten Wald nur bis zu 5 Kubikmeter Totholz pro Hektar anfallen, sind es in einem Urwald 30 bis 50 Kubikmeter. Eben dieses Totholz ist der Lebensraum für viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. In einem eintönigen Wald mit seinem veränderten Mikroklima können sie nicht überleben. Allein weil die Urwälder in Finnland abgeholzt werden, stehen bereits 564 dieser Arten auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten.

Urwälder spielen auch für die Lebensräume der Erde eine wichtige Rolle. Sie regulieren das Klima, indem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Sie bremsen Winde und extremes Wetter wie Hitze, Frost, Trockenheit und Sturm. Außerdem filtern sie natürlich die Luft, speichern und reinigen Wasser und verhindern, dass der Boden weggeweht oder weggewaschen wird.

Und: Urwälder bieten Heimat und Lebensräume für Ureinwohner, sowie für ganze Tier und Pflanzenwelten. Die Urwälder, die wir jetzt noch haben, tragen neben dem eigenen, unschätzbaren Wert also entscheidend zur Stabilisierung des Lebens bei.

lottaandbadboy.jpgDoch dieser Wert scheint noch nicht allen Menschen bewusst zu sein. Die Holzfäller argumentieren, dass wir ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Dabei macht Greenpeace zusammen mit den Samis auf das Problem aufmerksam, und bietet dafür Lösungen an. Allerdings liegt es an Metsähallitus als Arbeitgeber und an der finnischen Regierung, diese Lösungen umzusetzen.

Unser finnischer Waldexperte Matti Liimatainen schlägt vor, dass erstens Metsähallitus deren Profitziel reduziert. Dann stünden nicht länger der Gewinn der Firma, sondern der Erhalt der Arbeitsplätze im Vordergrund. Zweitens könnte Metsähallitus darauf verzichten, teilweise mit einer Erntemaschine Bäume fällen zu lassen: Denn eine Maschine nimmt gleich bis zu 15 Holzfällern den Job.

Auch unser Waldexperte aus Deutschland, Oliver Salge, kommentiert die Frage nach den Arbeitsplätzen: "Greenpeace ist nicht grundsätzlich gegen Forstwirtschaft, aber gegen die Abholzung der letzten bestehenden Urwälder und anderer wichtiger Rentierwälder mit einem hohen Schutzwert."

Nur weil diese Gebiete geschützt werden sollen, bedeute das nicht gleich, dass Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Denn es gebe andere staatliche und private Wälder, die man nutzen könne, so wie bereits in der Vergangenheit geschehen. Oliver fügt hinzu: "Zur Zeit gibt es mehr Jobs durch Rentierhaltung als durch Abholzung in den staatlichen Wäldern. Und die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle Lapplands ist der Tourismus".


henna-down-there.jpg

mets-and-police.jpg

Hier seht Ihr Bilder von dem Camp der Holzfäller. Leider waren sie bisher noch nicht offiziell zu einem Gespräch mit uns bereit - die Informationen, die sie veröffentlichen wollten, seien "nur für ihre Gäste" bestimmt. Einige der Holzfäller sprachen jedoch mit unseren Aktivisten, und sagten, dass sie nur gekommen seien, weil in dieser Gegend nunmal jeder jeden kenne, und ihre Abwesenheit ihnen hätte schaden können. (Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 23:12 | Kommentare (0)

Holzfäller versammeln sich vor der Urwaldschutzstation!

hf-und-gp.jpg
Einige Holzfäller sind schon da, weitere wollen ab 13 Uhr an unserem neuen Camp eintreffen: Sie bangen um ihren Arbeitsplatz bei Metsähallitus. Ein ausführlicher Bericht folgt. (Monika)







Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:13 | Kommentare (1)

05.04.05

Wieder neue Aktivisten im Camp

marc_espanha.jpgMarc aus Barcelona in Spanien ist gestern abend nach langer Fahrt mit dem Bus angekommen.

Was treibt dich in den hohen Norden?

Ich bin hierher gekommen, um Papa Noel zu treffen (letztes Weihnnachten ging ich leer aus). Aber ich habe schnell mitbekommen, dass sein Heimatland in Gefahr ist, weil die letzten Urwälder in Europa von dem finnischen staatlichen Holzfällerkonzern Metsähallitus abgeholzt werden. Das bedeutet nicht nur, dass viele Arten aussterben, sondern es bedroht auch die Lebensweise der samischen Rentierzüchter, die nunmal die Identität des samischen Volkes ausmacht.

Insofern verstehe ich, dass Papa Noel am Rande eines Nervenzusammenbruchs steht, und dass er mich deswegen vergessen hat. Schon in Ordnung, Pap. Also will ich seinem Land helfen, und hier bin ich. Unsere Botschaft ist, dass die Nutzung von Holz einhergehen kann mit dem Schutz der natürlichen und kulturellen Werte (unserem Erbe!). Außerdem finde ich es wichtig, dass uns bewusst wird, dass das meiste von diesem Holz als Papier in den europäischen Ländern verkauft wird. Wir verbrauchen Massen an Papier. Deshalb können wir die Papierfirmen dazu bringen, kein Papier zu kaufen, das aus Wäldern stammt, die nicht nachhaltig bewirtschaftet werden.

Warst du schon mal im Wald? Wie ist es dir dort ergangen?

Katalonien, meine Region, ist hauptsächlich mit Wald bedeckt. Aber das sind keine so großen Wälder wie hier. Und dort gehe ich normalerweise in den Wald. Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, im Wald verloren zu gehen. Das könnte ich hier auch mal machen!

Welchem Tier fühlst du dich am meisten verbunden?

Einem einfachen räudigen Straßenköter. Ich lauf gern herum, schnuppere neue Geschichten, leg mich für ein Sonnenbad hin und lasse mich so sanft wie möglich kratzen.

Was brauchst du zum Überleben?

Meine Freunde... Und wenn die grad nicht da sind, suche ich mir neue.

Das arktische Finnland: Zu kalt, ein bisschen kalt, warm, oder verdammt heiß?

Arktisch heißt arktisch, nicht wahr? "Y que le voy a hacer si yo naci en el Mediterraneo."




lotta_finland.jpgLotta aus Lahti in Südfinnland

Weshalb bist du bei Greenpeace?
Greenpeace unternimmt wirklich etwas, um den Menschen klarzumachen, dass sich die Welt nachhaltig entwickeln muss. Sonst bleibt nichts für kommende Generationen.

Warum bist du in der Greenpeace Urwaldschutzstation?
Ich bin hier, um die traditionelle freie Rentierhaltung zu unterstützen. Rentiere brauchen die Wälder und Wälder brauchen Schutz, bevor es zu spät ist.

Was möchtest du mit deinem Aufenthalt erreichen?
Ich hoffe, dass alle Seiten zu einer befriedigenden Lösung finden.

(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 23:41 | Kommentare (0)

Besuch von der Polizei

police.jpgWährend wir die neue Urwaldschutzstation auf öffentlichem Boden an der Ostseite des Inarisees aufbauen, erhielten wir gestern vormittag plötzlich Besuch: Die örtliche Polizei schaute nach dem Rechten. Dazu nahmen die Polizisten die Personalien aller Anwesenden auf, befragten sie kurz, und überreichten ihnen anschließend eine Vorladung zum ausführlichen Verhör. Deswegen waren heute und gestern insgesamt acht unserer Aktivisten auf der Polizeiwache. Sie mussten dabei Fragen etwa folgender Art beantworten: Wie sie hergekommen seien, was sie hier vorhätten, wer ihnen aufgetragen habe, dieses und jenes zu tun. Außerdem wurden sie fotografiert und mussten Fingerabdrücke abgeben.

Der Holzfällerkonzern Metsähallitus hat die Polizei gerufen, damit sie untersuchen, ob wir vielleicht Landfriedensbruch begehen... In Finnland stehen auf Landfriedensbruch Geldstrafen oder bis zu drei Monate Gefängnis - allerdings abhängig von der Schwere des Verbrechens. Da wir aber nicht gekommen sind, um zu stören oder gar zu zerstören, sondern um die finnischen Urwälder vor dem Kahlschlag zu retten, hoffen wir, unsere Arbeit fortsetzen zu können.

people2_camera.jpgNebenbei tauchten noch vier Holzfäller von Metsähallitus auf, und fanden ein Holzstück, das wir zum Feuermachen hatten nehmen wollen. Aus Versehen hatten wir ein falsches Stück erwischt, das durch Metsähallitus abgeholzt worden war. Angeblich richtig gutes Bauholz. Deswegen muss jetzt einer von uns nicht nur das Holz bezahlen - was wir für richtig halten, sondern auch eine Geldstrafe für den "Diebstahl".

Die heutige Ausgabe einer südfinnischen Boulevardzeitung und die Lokalzeitung fanden das Ereignis immerhin erwähnenswert. Wenn dieses eine Holzstück nun wichtig erscheint im Vergleich mit den 90.000 Hektar finnischen Urwalds, um die es den samischen Rentierhaltern geht: Bleibt zu hoffen, dass Metsähallitus einen ähnlich großen Eifer an den Tag legt, die Abholzung eines Baumes durch Holzfäller während des Einschlagstopps aufzuklären!

Der Regionalleiter von Metsähallitus, Pertti Veijola, sagte gestern in einem Interview mit Radio YLE Lapland, dass sie versuchen wollen, uns loszuwerden. "Durch den Umzug des Camps bekommt Greenpeace bloß noch mehr Aufmerksamkeit. Sie haben uns nicht um Erlaubnis gebeten, und diese Erlaubnis werden sie auch nicht erhalten. Offensichtlich ist ihnen klar, dass das illegal ist. Wir werden versuchen, sie loszuwerden, auch wenn das einige Zeit dauert. Der Umzug des Camps verlangsamt es, wir machen es trotzdem".

Ach. Herrn Veijola scheint nicht bewusst zu sein, dass wir absichtlich die Öffentlichkeit informieren, um zu verhindern, dass seine Firma Metsähallitus den finnischen Urwald abholzt.

(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 13:10 | Kommentare (2)

03.04.05

Wir ziehen um

campmoving.jpgHeute sind wir mit unserem Camp umgezogen. Deswegen mussten wir um viertel nach fünf aufstehen, weil wir die Straßen später am Tag nicht mehr hätten befahren können. Zum Glück aber taut es nicht mehr - im Gegenteil, wir hatten heute morgen minus acht Grad. Hier haben wir so gut wie den gesamten Wald markiert. Das neue Camp liegt mitten in dem Gebiet, das wir ab jetzt markieren: An der Ostseite des Inarisees. Für den Fall, dass Ihr mal vorbeischauen möchtet;-) (Monika)



Veröffentlicht von Redaktion-HH um 13:48 | Kommentare (0)

02.04.05

Wer ist neu in der Urwaldschutzstation?

ulrike_tuebingen.jpgSeit vorgestern lebt Ulrike aus Tübingen im Camp.

Wie bist Du zu Greenpeace gekommen?
"Greenpeace - die tun was", habe ich immer wieder durch Zeitung und Fernsehen mitbekommen. Leider sah ich in meinem Heimatdorf keine Möglichkeit, mitzumachen*. Doch seit ich umgezogen bin, arbeite ich in der Tübinger Greenpeace-Gruppe.

Weshalb sind dir die finnischen Urwälder so wichtig, dass du dich in deinem Jahresurlaub für ihren Erhalt einsetzt?
Wälder fand ich schon immer spannend. Vor zwei Jahren habe ich dann bei Greenpeace in der Waldkampagne gearbeitet, und ich habe an einigen Aktionen für finnische, aber auch für afrikanische Wälder teilgenommen.

Was möchtest Du mit deinem Aufenthalt hier erreichen?
Zwar haben wir schon einen kurzfristigen Einschlagstopp erreicht - aber die Wälder müssen auch nachhaltig geschützt werden. Und ich hoffe, dass uns in Deutschland bewusst wird, dass Papier ein Wertstoff ist, mit dem wir sparsam umgehen müssen. Dabei hilft dieses Weblog sicher, öffentlich zu machen, was wir hier tun.

(* Zum Glück gibt es mittlerweile die Cyberaktivisten bei Greenpeace - mitmachen per Internet.)




christian_schweiz.jpgAuch aus der Schweiz ist ein Aktivist angereist - Christian aus Uster bei Zürich.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
In der umweltpolitischen Szene war ich schon länger aktiv. An Greenpeace hat mich dann besonders die Gewaltfreiheit interessiert.
Seit einem Klettertraining arbeite ich bei Greenpeace in der Schweiz.

Weshalb liegen dir als Schweizer die finnischen Urwälder am Herzen?
Auch in der Schweiz wird viel Papier aus finnischen Urwäldern verbraucht. Der schweizer Verlag Ringier ist einer der zehn größten Abnehmer. Deswegen finde ich es sinnvoll, hier zu sein. (Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 11:48 | Kommentare (0)

01.04.05

Noch nichts los beim Rentierrennen

rentierrennen-nix-los.jpgSamstag und Sonntag rennen hier auf dem Inarisee die Ren(n)tiere um die Wette. Seit dem Roundup sind sie auf Diät, und sobald das Wetter es zulässt, werden sie trainiert. Im Frühjahr findet jedes Wochenende ein Rentierrennen in Lappland statt. Höhepunkt: Das "Inari Rentier Meisterschaftsrennen", organisiert vom Verein der Rentierzucht-Kooperativen. Um heute bei den Vorbereitungen zuzuschauen, habe ich mich an die Rennbahn herangeschlichen. Doch außer drei gemütlich vor sich hin mampfenden Rentieren habe ich nichts entdeckt. Auch Wetten werden erst ab morgen früh angenommen. Lassen wir ihnen also noch ein wenig ihre Ruhe. (Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 13:05 | Kommentare (0)

Neue Aktivisten im Camp

matthias_kiel.jpgHeute ist Matthias aus Kiel eingetroffen.

Warum ist der Wald für Dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Ich finde es haarsträubend, dass die 200 bis 500 Jahre alten Bäume hier einfach abgeholzt und zu Papier verarbeitet werden, das dann nach einem Durchgang durch den Kopierer weggeworfen wird. Das macht auch die Rentierhaltung unmöglich, die ein wichtiges Element der samischen Kultur ist.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Greenpeace hat mich schon immer interessiert, deswegen habe ich eines Tages einfach die Telefonnummer der Kieler Greenpeace-Gruppe aus dem Telefonbuch herausgesucht.

Warum bist du in Finnland? Gibt es für dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Ich habe einige samische Bekannte und spreche selbst samisch, daher fühle ich mich den Sámi natürlich verbunden.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Dass die letzten Urwälder Europas nicht zu Kopierpapier verarbeitet werden!




randy_norway.jpgRandy aus Oslo, Norwegen, wird uns heute wieder verlassen.

Was hat dich zu Greenpeace geführt?
Ich war schon immer sehr naturverbunden. Und jetzt braucht die Natur Hilfe. Die Lösungen, die Greenpeace aufzeigt, finde ich gut.

Warum warst du in Finnland? Gibt es für dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Alle Wälder bedeuten mir viel. Ich finde, dass wir Menschen als Wahrer der Schöpfung handeln sollten. Dabei erfülle ich nur meinen Teil.

Was nimmst du von deiner Reise mit?
Es war eine tolle Erfahrung, Leute aus verschiedenen Ecken der Welt kennezulernen und gemeinsam für den Erhalt der finnischen Urwälder zu kämpfen.




niila_finland.jpg Niila aus Helsinki in Finnland.

Was hat dich zu Greenpeace geführt?
Vor sechs Jahren wurde mir klar, dass die Welt einfach in die falsche Richtung läuft - und dass die Abwärtspirale schneller und schneller wird. Seit dem habe arbeite ich bei Greenpeace. Am meisten sorge ich mich wegen Atomkraft, Verschmutzung der Ostsee und um die Urwälder. Und ich finde, dass jeder Finne sich Gedanken darum machen sollte.

Welchen Bezug hast du als Finne zu den Urwälder im Norden deines Landes?
Als kleiner Junge war ich oft mit meinen Eltern in Lappland. Hier haben sie sich damals kennengelernt. Sie lehrten mich, die finnische Natur zu lieben und zu achten. Ich habe in meinem Leben schon viel Zeit in Lappland verbracht und will nicht, dass die Natur hier zerstört wird. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, eine Lösung zu finden die für alle Beteiligten gut ist. Und ich wünsche mir für meine dreijährige Tochter, dass auch sie Lappland erleben kann.

Was bedeutet dir deine Zeit im Camp?
Ganz viel Arbeit, viele Gespräche, viel von der wunderschönen Natur und viele neue Erfahrungen.
(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:04 | Kommentare (1)

31.03.05

Wie markiert man eigentlich einen ganzen Wald?

tree1_randy.jpgGute Frage. Immerhin kann man nicht an jeden einzelnen Baum ein Schild hängen, oder gar überall Zäune aufstellen. Das wäre auch nicht Sinn der Sache, schließlich sollen die Rentiere und ebenso alle anderen Waldbewohner sich frei bewegen können. Da wir den Wald markieren, um Menschen vom industriellen Abholzen abzuhalten, hängen wir also Schilder an gut sichtbaren Stellen auf. Ursprünglich haben wir sie in Augenhöhe angebracht. Leider verschwanden einige Schilder auf wundersame Weise, und tauchten teilweise an obskuren Orten wieder auf. Deswegen gingen wir dazu über, sie mit Hilfe einer Leiter in einer Höhe zwischen zwei und sechs Metern aufzuhängen. Da wir aber oft mit Schiern unterwegs sind, können wir keine Leiter mitnehmen.

Umso besser, dass unsere Aktivisten auch einfach die Bäume hochklettern können. Dort befestigen sie die Schilder mit einem dünnen Draht. Der wird zumindest solange halten, bis die Urwälder langfristig geschützt sind.

demarkation-skies-climbing.jpg

Meine Sorge war übrigens, dass der Draht innnerhalb kurzer Zeit den Baum einengen würde. Doch Christian kann mich beruhigen: "So fest ziehen wir den Draht nicht", und Sigurd fügt hinzu, dass hier die Jahresringe sowieso nur 0,4 bis 1 Millimeter pro Jahr wachsen, und damit etwa 300 Jahre brauchen, bis sie ausgewachsen sind.

Nebenbei bemerkt: Eben deswegen ist es umso wichtiger, dass sie nicht im großen Stil abgeholzt werden.
(Monika)

















Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:26 | Kommentare (4)

Und noch mehr Schilder

demarkation3_chrisgurd.jpgAllein heute haben unsere Aktivisten Christian und Sigurd weitere 300 Hektar abgesteckt. Gut, dass die beiden schwindelfrei sind. Christians Freizeitbeschäftigung ist übrigens Alpinklettern. Macht ja auch Sinn, wenn man Schweizer ist.

P.S.: Eben flüstert mir Christian noch zu, dass sie bloß zu faul waren, die Leiter mitzunehmen. Ich glaube aber, dass sie einfach gerne klettern. (Monika)





Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:31 | Kommentare (2)

Wie versprochen: Weitere Schilder

climbing-2.jpgAuch gestern haben unsere Aktivisten wieder Schilder an den Bäumen angebracht. Hier seht Ihr Sigurd, wie er mutig den Baum hochklettert. Zum Glück liefen uns dieses Mal keine Holzfäller über den Weg, die unsere Schilder hätten klauen können;-) Dafür haben wir uns nett mit einigen Eisfischern unterhalten. Zum Abschied meinte der eine freundlich, dass er uns erschießen würde, falls wir in seinem Wald Schilder aufhängen würden. Das sollten wir allerdings nicht wörtlich nehmen, fügte er hinzu. Und obwohl er unsere Arbeit sinnlos findet, wünschte er uns Viel Glück.

Übrigens: In ihrem Netz hatten sie nur zwei kleine Fische. Wir sind gespannt auf den Eisfischerwettbewerb am übernächsten Wochenende. 3000 Eisfischer sind angekündigt - es wird also voll hier, denn Inrai selbst hat nur 550 Einwohner.

Isadora, unsere schwedische Aktivistin, übt noch ein wenig. Bis dahin sieht sie reichlich komisch aus. Stand da nicht irgendwas von "gute Skikenntnisse vorausgesetzt" in den Teilnahmebedingungen?
(Monika)

isadora.jpg

on-lake.jpg












































Veröffentlicht von Redaktion-HH um 13:12 | Kommentare (0)

Der Hase ist ein Rentier

rabbit-reindeer-with-bird.jpgAls es neulich ein wenig taute, kam ein "kleines Häschen" in unserem Camp zum Vorschein. Zwischendurch fiel Schnee, und wir hatten das gute Stück fast vergessen. Seit gestern aber taut es wieder. Also, entweder leben hier ziemlich große Hasen, oder der Hase ist ein Rentier. Wie auch immer, wir lassen Euch gern an dem schönen Anblick teilhaben. Man beachte das Vögelchen links oben im linken Bild. Hoffentlich schneit es bald wieder! Ansonsten werden wir das tote Tier bei Gelegenheit ordentlich vergraben müssen - bevor es anfängt zu stinken. (Monika)



Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:44 | Kommentare (0)

30.03.05

Sigurd geht baden...

sigurd.jpg... ebenso einer unserer finnischen Jungs. Um Sigurd, unseren deutschen Aktivisten ins Loch hopsen zu sehen, kam ich leider nicht mehr rechtzeitig. Sorry, Mädels. Wobei er mir versprochen hat, sich bei Gelegenheit nochmal in die Fluten unseres Bächleins zu stürzen. Um sicherzugehen, dass die beiden von keiner Strömung mitgerissen werden, waren sie beide mit einem Seil gesichert. Immerhin ist der Bach so tief, dass man von Kopf bis Fuß untertauchen kann.

Hier seht Ihr unseren finnischen Aktivisten. Er ist ebenfalls reingesprungen und sofort wieder raus. Ist halt kalt hier. Und: "Das Wasser stinkt ziemlich übel!"
(Monika)


finn.jpg
finn2.jpg

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 14:20 | Kommentare (1)

28.03.05

Sami-Konzert

concert.jpgDas angekündigte Sami-Konzert fand für einige von uns leider nicht statt. Denn der Abend begann mit ein paar Jugendlichen, die gemütlich Jazz spielten. Jazz ist zwar nett, doch was das mit Sami-Musik zu tun haben sollte, war mir nicht klar - auch ich ging gegen Mitternacht schlafen. Erst heute Morgen ist mir klargeworden, wen ich verpasst habe: Ulla Pirttijärvi! Das zumindest erzählen diejenigen, die bis zum Ende durchgehalten haben. Die haben dieses verwackelte Bild geschossen.

Ulla Pirttijärvi ist eine bekannte samische Joikerin. Joik? Sprecht es einfach so aus, wie es geschrieben wird.

Joik heißt soviel wie "samischer Gesang", überliefert aus früheren Zeiten. Im Unterschied zu anderen Volksweisen trällert man keine Liebesgeschichte, oder erzählt ein Märchen über moralisches Verhalten. Stattdessen weckt man ein Gefühl, zum Beispiel das Wesen der Liebe. Deswegen muss ein Joik nicht mal Text enthalten, es reicht der Klang der Stimme.

Der Joik gehört zum schamanischen Glauben dazu. Dabei ist es entscheidend, nicht ÜBER etwas zu joiken, sondern etwas selbst zu joiken. Das Joiken ruft die Natur als Wesenheit herbei - den Neuschnee, ein bestimmtes Tier oder einen Schluck Wasser.

Joiks lassen sich übrigens nicht erfinden, oder gar erzwingen. Man sagt, dass sie kommen, wenn sie wollen. Zum Beispiel beim Wandern, Arbeiten, Essen - oder beim Langweilen. Mein Langeweile-Joik von gestern, als ich drei Stunden am Flughafen warten musste, ging etwa so: mmm... LAAA! mmm... LAAA! Immer wechselnd zwischen erzwungener Ruhe und einem innerlichen Aufschrei.

Ulla Pirttijärvi sagte einmal, dass man mit einem Joik die Natur nicht nur anschaut und sie schön, oder gar überwältigend findet, sondern das Wesen des Windes, eines Sees spürt. Vielleicht kann uns der samische Joik einen Zugang zur Natur zeigen. Sicher gibt es auch bei anderen naturverbundenen Völkern traditionelle Gesänge. Die Samis sind immerhin nicht so weit von uns entfernt - aber in ihrer Lebensform genauso bedroht wie andere Ureinwohner.

So. Und meine einzige Rechtfertigung, die gestrigen Joiks verpasst zu haben, liegt in diesen beiden Beweisfotos. So gelangweilt und einschläfernd, wie unsere Aktivisten da noch aussehen - hättet Ihr mit noch mehr Spannung gerechnet? Wohl kaum.
(Monika)

people.jpg wandbild.jpg

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 11:52 | Kommentare (0)

27.03.05

Neues Gesicht - neue Handschrift

monika.jpgWie meine Vorgängerin angekündigt hat, schreibe ich ab heute das Weblog zur Forest-Rescue-Station von Greenpeace. Als mich Beate aus der Internet-Redaktion von Greenpeace Deutschland Anfang Februar anrief, um zu fragen, ob ich mal eben für zwei Monate nach Finnland fliegen möchte, habe ich mit einem entschiedenen Jein geantwortet. Klar wollte ich! Aber ich stecke mitten im letzten Semester, muss meine Abschlussarbeit bald abgeben... Wenig später rief sie erneut an und fragte, ob ich zumindest für drei Wochen könnte? Und hier bin ich.

Damit Ihr wisst, wer da für Euch schreibt, folgt nun ein gestelltes Interview (Fragende und Befragte sind identisch;-)

Warum ist der Wald für Dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Weil ich es schrecklich finde, wenn guter Wald zu Klopapier verramscht wird. Oder zu ähnlichen Alltagsdingen, die genausogut aus Recycling-Papier sein könnten.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Ein herkömmlicher Infostand, der war zumindest der Auslöser. Und ursächlich: "Die Welt ist so schlecht - irgendwer müsste doch mal irgendwas tun..." - das kann jeder sagen! Wieso warten, bis "die anderen" was tun? Ich will handeln. Und so kümmere ich mich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Flensburger Greenpeace-Gruppe. Dort haben wir übrigens zur Zeit ein Projekt zur Umstellung auf Recycling-Papier.

Warum bist du in Finnland? Gibt es für dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Ja, meine dänische Herkunft, und mein Studium - ich bin angehende Kultur- und Sprachmittlerin mit Dänisch und Englisch. In Finnland komme ich mit Dänisch ziemlich weit: Fast alles ist neben Finnisch zusätzlich in Schwedisch beschriftet. Und zum Retten der finnischen Urwälder halte ich die Forest-Rescue-Station für einen geeigneten Ort.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Für den Wald, die Sami und ihre Rentiere: Dass der Einschlagstopp eingehalten wird. Für mich ist ein Wunsch schon in Erfüllung gegangen: Massenweise Schnee. Der macht sich bei uns ja mittlerweile rar.

P.S.: Mein Dozent weiß übrigens gar nicht, von wo aus ich meine Abschlussarbeit schreibe... Gelobt sei das Internet. Und wehe, Ihr petzt!

(Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 15:17 | Kommentare (5)

Frohe Ostern - Hyvää Pääsiäistä

osterei.jpg Der Osterhase war so nett, mir mein Osterei auf das Gepäckband zu bringen. Ansonsten hatte ich bisher einen mäßig spannenden Morgen: Von acht bis elf Uhr habe ich am Flughafen in Ivalo darauf gewartet, abgeholt zu werden. Die Stille Post von Flensburg nach hier oben im Greenpeace-Camp hat leider bewirkt, dass aus acht Uhr morgens acht Uhr abends wurde. Bei dieser Kälte und leichtem Schlafentzug macht das doch einen Unterschied. Zum Glück habe ich endlich jemanden im Camp erreicht, der zu dieser unchristlichen Zeit schon wach war - und jetzt bin ich in Inari!

Apropos Ostern... Wie feiern eigentlich die Samis das Osterfest? Seit im 17. Jahrhundert auch hier das Christentum ankam, unterscheiden sich die Rituale nicht wirklich von unseren - Ostergras, bunt angemalte Hennen, Ostereier. Wobei zumindest hier oben im finnischen Norden kein Osterfeuer angezündet wird - "wir haben dafür Feuer im Mittsommer", erzählt mir eine Finnin. Bei den Samis auf der norwegischen Seite scheint es an Ostern richtig abzugehen, verspricht zumindest die Stiftung Samisches Musikfestival.

Und Ihr da draußen, ist der Osterhase auch zu Euch gekommen? Ich hoffe mal, dass die Osterrituale nicht überall gleich sind. Sonst könnte ich Euch jetzt nicht fragen, wie Ihr den heutigen Tag verbringt!

Übrigens, hier in Inari steigt heute Abend eine Party mit echter Sami-Musik... (Monika)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 14:34 | Kommentare (0)

26.03.05

Schichtwechsel

ZeltKopie.jpg Es ist so weit. Ich reiche das Ruder für die nächsten 2 1/2 Wochen an Monika weiter. Und wenn ich auch neben viel Arbeit, sehr viel Spaß hatte, so freue ich mich auf meinen Schatz, das warme Wetter und vor allem wieder auf ein normales Bett - mit Decke und Kopfkissen. Schlafsack adieu! Zumindest bis Mitte April, denn dann geht es für mich hier weiter. Und während ich mich in den Flieger setze, könnt ihr noch ein wenig in meinen Erinnerungen der ersten Etappe schwelgen... Hier ein paar Fotos für den Blick hinter die Kulissen... Viel Spaß und bis ganz bald...






Zelt1Kopie.jpg

HuskiKopie.jpg















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RickComputerKopie.jpg


















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JarmoPhilKopie.jpg


















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Reindeer_forest2-Kopie.jpg

PhilComputerKopie.jpg



















(Anisha)


Veröffentlicht von Redaktion-HH um 08:53 | Kommentare (3)

25.03.05

Frühlingserwachen?

anisha2-Kopie.jpgHamburg 15, London 10, Amsterdam 9, Paris 18 Grad! Seit 4 Tagen ist offiziell Frühling. Hmm... . Bei uns? Nun denn, das Thermometer zeigt heute morgen ganze Null Grad. Doch ist das besser, als die Kälte der letzten Wochen? Wenn man mich fragt, nein. Auch wenn wir uns immer tüchtig einmummeln mussten, sobald wir einen Schritt vor die Tür machten, so schien doch wenigstens die Sonne. Und ganz ehrlich, wenn die Sonne scheint, die Kälte trocken ist und man durch die schneeweiße Landschaft wandert, dann sind minus 25 Grad tatsächlich ganz angenehm. Ist es aber draußen grau, windig und es taut, dann geht einem das durch Mark und Bein. Während unsere Greenpeace Kollegen in Hamburg, London, Amsterdam oder Paris nette Bildchen aus der Mittagspause schicken, wie sie dort den wohlverdienten Snack ohne Jacke, Schal und Pudelmütze sitzen, müssen wir bei jedem Schritt aufpassen, dass wir auf den glitschigen Strassen uns nicht der Länge nach hinlegen. Von Frühlingsgefühlen kann also keine Rede sein.

Doch nicht nur, dass dieses Wetter echt widerlich ist, es stellt uns früher oder später auch vor ernsthafte Probleme. Sollte es weiter so tauen, müssen wir uns Gedanken machen, wie es mit dem Camp weiter geht. Denn fängt erst mal die Zufahrtsstrasse an, sich in einen Schmelztiegel zu verwandeln, kommen wir weder raus, noch rein. Die Container selbst fangen langsam an, ein Eigenleben zu entwickeln. Noch spürt man es zwar nicht, aber wenn der Boden erst mal anfängt richtig aufzutauen, dann sackt uns unser “Zuhause auf Zeit“ unter den Beinen weg. Aber so weit ist es Gott sei Dank noch nicht. Bis dahin, müssen wir uns um die eher kleineren Probleme kümmern.

Huck, unser Aktivist aus Deutschland, hat sich auf dem Weg zum Klo bereits seinen ersten „Nassen“ geholt. Knick, knack und schwups war er weg – im Fluss eingebrochen. Dumm gelaufen. Doch damit das nicht ständig passiert, muss das Klo wohl von seiner ursprünglichen Stelle auf die andere Straßenseite verlegt werden. Nasse Füße sind schließlich auch bei Null Grad unangenehm. Und das Schlafen im Zelt ist zur Zeit eine echt feuchte Angelegenheit. Der Boden ist matschig, die Wände sind klamm, von erholender Nachtruhe kann da eigentlich keine Rede sein. Die ersten Erkältungsfälle lassen wohl nicht mehr lange auf sich warten.

Nullgrad2Kopie.jpg Neu sind auch ein paar Besucher, die hin und wieder ins Camp kommen. Vögel. Interesse haben die allerdings weniger an uns, als an dem totem Hasen, der circa 5 Meter hinter unserem Zelt im Schnee liegt. Aasfresser also. Wunder schön, wie Melanie unsere Jüngste im Team meint, doch leider super scheu. Doch davon lässt sie sich nicht abschrecken. Voller Tatendrang will sie sich später so lange in den Schnee setzten, bis sie endlich ein gutes Foto im Kasten hat. Ich kann dazu nur sagen: Viel glück, und zieh dich warm an. Wir anderen harren der Weil der Dinge, was uns das Frühlingserwachen sonst noch für Überraschungen beschert.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:53 | Kommentare (0)

24.03.05

Erste Gespräche - Und wie geht es jetzt weiter?

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Nachdem Greenpeace Anfang März eine Urwaldschutzstation im nordfinnischen Urwald errichtet hatte und mit den Sami aus Nordfinnland zusammen begonnen hat, die Urwälder und die für die Sami wichtigen Rentier-Wälder mit Warnschildern zu markieren, hat das Forstamt Metsähallitus auf Bitten des größten Holzabnehmers, dem Papiergiganten Stora Enso, den Einschlag in einem Waldgebiet ausgesetzt.

Stora Enso setzte sich dafür ein, dass unter der Leitung der Gouverneurin von Lappland, Frau Hannele Pokka, am 23. März ein Gespräch zwischen den beteiligten Parteien (den Sami, dem Forstamt Metsähallitus, Greenpeace, Stora Enso, den Holzfällern) stattfand.

Ziel dieses Treffens war es, erste Schritte zu einer Lösung des Interessenkonfliktes zwischen der Forstwirtschaft auf der einen und den Interessen der Sami und der Umweltverbände auf der anderen Seite zu finden. Dabei war völlig unverständlich, dass die Presse während des gesamten Treffens anwesend sein konnte.

Völlig überraschend stellte sich zu Beginn des Meetings heraus, dass Stora Enso, die das Treffen initiiert hatten, gar nicht teilnahm. Ein merkwürdiges Mannöver, denn Stora Enso entscheidet als größter Holzabnehmer des staatlichen Forstamtes unter anderem darüber, ob weiter eingeschlagen wird oder nicht. Zudem ist das Unternehmen seit Jahren mitverantwortlich für die Zerstörung der letzten Urwälder in Finnland.

Für die Sami sprach auf dem Treffen der Präsident des Sami-Parlamentes Pekka Aikio. Er forderte die verbindliche Aussetzung der Einschläge in den 73 ausgewiesenen und kartierten Gebieten und faire Verhanglungen unter Beteiligung der Sami.

Greenpeace unterstützt die Forderungen nach einem zeitweiligen Einschlagsmoratorium in den kartierten Urwäldern und machte deutlich, dass das Moratorium eine Grundvoraussetzung für faire und akzeptable Verhandlungen ist.

Nach Darlegung der verschiedenen Positionen beendete die Gouverneurin völlig abrupt das Gespräch. Nach einer kurzen Zusammenfassung des Treffens, bemühte sie sich noch nicht einmal darum, einen gemeinsamen Konsens der Beteiligten zu erstellen. Am Ende blieb uns gänzlich unklar, ob die bisherige Hinhaltetaktik von Stora Enso und dem finnischen Staat nun weiter geht oder tatsächlich ein Moratorium für die 73 Gebiete beschlossen wird.

Wir halten eine Klärung über die gemachten Aussagen seitens der Regierung von Finnland und Metsähallitus über die Dauer der Aussetzung weiterer Einschläge und die davon betroffenen Waldgebiete für notwendig! Wir bleiben dran und werden diese Klärung einfordern.

(Olli)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:29 | Kommentare (1)

23.03.05

Luft schnappen!

LemmiParkKopie.jpg Die Bude ist wieder mal brechend voll. Viele sind aus dem Camp rüber ins Büro gekommen, um an den Lagebesprechungen teilzunehmen. Circa 15 Mann beraten sich angeregt in unserem 30 Quadratmeter großen Büro. Zeit, um mal frische Luft zu schnappen, denn bei so viel Lärm, bekomm ich nicht eine vernünftige Zeile zustande. Auch Beate und Olli wollen mal für ein, zwei Stunden raus und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Wir schnappen uns also unser so genanntes deutsches Auto, und fahren in Richtung Lemmenjoki Nationalpark. Er liegt 45 Kilometer, bei hiesigen Verhältnissen eine gute Stunde Autofahrt von Inari entfernt, in der Nähe der norwegischen Grenze im Gebiet Kittilä. Olli fährt, Beate schaut verträumt aus dem Fenster und ich falle bereits nach drei Minuten in einen entspannten Mittagsschlaf. Nur am Rande hör ich Olli noch sagen, das ich die schöne Landschaft verpasse. Doch das ist mir jetzt egal, denn ich bin auf einmal unsagbar müde, und den Rückweg gibt es schließlich auch noch.

Auf einer Gesamtfläche von 2855 Quadratkilometer liegt der Lemminjoki Nationalpark, und ist damit der größte in ganz Finnland. Dieser Abschnitt gehört genauso wie die, die wir markieren, zu den letzten Urwälder Europas, was so viel bedeutet, dass er naturbelassen ist. Mit anderen Worten findet keine Forstwirtschaft statt und auch sonstige menschliche Einflüsse sind nicht vorhanden. Ein Wald der einfach so wächst wie es ihm beliebt, und das seit mehr als tausend Jahren.

Finnland ist das waldreichste Land der Europäischen Union. Von der ursprünglichen Waldfläche sind jedoch nur noch fünf Prozent erhalten, etwas über eine Millionen Hektar. Etwas, was ich mir gar nicht vorstellen kann, wenn man von so viel Wald umgeben ist. Doch das Bild trügt, die übrigen Wälder sind meist artenarme Forstplantagen mit gleichaltrigen Bäumen. 500 Jahre alte Exemplare, wie man sie im Lemmenjoki Nationalpark findet, gibt es dort nicht. Und auch wenn die borealen Nadelwälder, zu dieser Gruppe gehört er nämlich, recht dünn besiedelt sind, gibt es indigene Völker, wie die Sami, die in den Wäldern leben und ihn als Nahrungsquelle nutzen - auch heute noch. Deshalb haben es die samischen Rentierzüchter, aus dem Nationalpark auch etwas leichter, als die aus dem Gebiet Siuttajoki, denn in einem Nationalpark bleiben sie vom Einschlag verschont.

GeirKopie.jpg Als Olli gerade auf dem Parkplatz des Dorfes Njurgulahti, dem Ausgangspunkt für Wanderer einfährt, wache ich auf. Bis auf einen kleinen Jungen ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Beim Aussteigen ruft der Kleine in englisch: „Sprichst Du finnisch“? „Nein, aber Englisch“. Woraufhin er mir stolz erklärt, dass seine Eltern hier arbeiten, seine Mutter ihm Englisch beigebracht hat und das der Nationalpark geschlossen ist. Komisch, ich dachte, dass gerade im Winter hier Hochbetrieb ist. „Wie heißt Du“, wollte ich noch von ihm wissen. „Geir“ antwortet er und malt ohne zu zögern seinen Namen in den Schnee.

Gleich hinter einem Haus geht es runter zum Lemmijoki See, den ich zielstrebig ansteuere. Der Anblick ist atemberaubend. Rund um den See liegt der Wald und auf dem Eis, ganz weit hinten, überqueren drei Rentiere in aller Seelenruhe die verschneite Oberfläche. Langsam versuche ich näher zu kommen. Mist – ich bin noch keine drei Schritte weiter und schon haben sie mich entdeckt. Kein Wunder, jeder Schritt ist so laut, wie ein ganzer Schuppen schnarchender Holzfäller. Und da laufen sie auch schon. Ich denk, ich bin pfiffig und versuche ihnen den Weg abzuschneiden. Am Liebsten würden ich richtig los laufen, doch dann rennen sie gleich um ihr Leben, so haben sie nur einen Zahn zu gelegt. Also nähere ich mich Schritt für Schritt, immer schräg auf sie zu. Doch schwup - sie sind um eine Biegung verschwunden.

LemmiSeeRenKopie.jpg Olli und Beate holen auf. Olli kramt hektisch in seiner Fototasche und will versuchen doch noch ein paar Fotos von den drei Ausreißern zu schießen. Denn als wir um die Ecke biegen, stehen die drei gemütlich mitten auf dem See und schnuppern nach was Essbaren. Endlich ist die Kamera zusammen gebaut, was bei der Kälte und blanken Finger immer wieder das Äußerste von einem fordert. Fertig. Nichts passiert. Die Batterien. Super Olli, so wird das nie was mit den Bildern. Inzwischen haben die Rentiere uns natürlich wieder entdeckt und machen sich schnell aus dem Staub. Nach endlosen herum getüddel, ist Olli endlich fertig. Setzt die Kamera an. Weg. Wieder mal typisch. Das war’s dann mit den Fotos.

Auf einmal schreit jemand wild mit den Armen fuchtelnd: „Kein Eis - Runter da“. Verwundert schauen wir drei uns um. „Kann doch gar nicht sein, das Eis ist doch Meter dick hier“, meint Olli. Beate stimmt zu und es beginnt eine unsinnige Diskussion, was das Ganze nun zu bedeuten hat. Ich für meinen Teil, nehme einfach nur meine Beine in die Hand und verlasse schnellstens die Eisfläche. Ein Eisbad mag was für Saunagänger sein, aber ganz sicher nichts für mich.

BirkeKopie.jpg Nicht von weglaufenden Rentieren abgelenkt, sehe ich mir die Umgebung genauer an. Märchenhaft. Hohe, dicke Bäume stehen bis zur Uferböschung. „Was sind das hier für Bäume“? frage ich, während wir zurück zum Ufer gehen. „Überwiegend Birken und Kiefern. Fichten gibt es erst wieder weiter südlich“, erklärt mir Olli. Er muss es wissen, denn er ist der Experte. „Und was ist jetzt der wesentliche Unterschied zwischen den ursprünglichen und den angebauten Wäldern“? bohre ich weiter: „Viele der Tier- und Pflanzenarten können in den Plantagen aufgrund der Eintönigkeit nicht überleben. Siehst Du den toten Baum dort? Diese brauchen viele Tiere für Nahrung, Schutz oder zum Nisten. Solche gibt es aber kaum in kommerziell genutzten Wäldern“.

Am Ufer angekommen, erwartet uns die Verwalterin des Nationalparks. Sie erklärt uns, dass an der Stelle, wo wir waren ein paar Stellen in der Eisschicht offen sind, man sie aber wegen des Schnees nicht erkennen kann. „Es ist einfach zu gefährlich“. Wir nutzen die Chance und fragen, warum denn der Park im Winter geschlossen ist. Worauf sie bedauernd erklärt, dass leider nicht mehr so viele Menschen Interesse an Ruhe und Abgeschiedenheit haben. Die meisten fahren lieber in die Touristenorte, wo mehr los ist. Aber nächstes Wochenende startet auch bei uns die Saison wieder. Da kann man dann in einem der 54 Betten in gemütlichen Holzhäuschen wieder Ruhe und die Natur pur erleben. „Gut zu wissen“, sagen wir fast aus einem Munde. „Wir kommen auf jeden Fall noch mal wieder“, setzen uns dabei ins Auto und auf geht's Richtung Heimat. Diesmal bleib ich jedoch wach und genieße die Landschaft in vollen Zügen...
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:21 | Kommentare (0)

22.03.05

Die Job Frage

Reindeer_forest5-Kopie.jpgWarum wir hier sind ist klar. Wir fordern zusammen mit den Sami Rentierzüchtern den Einschlagstop in den finnischen Urwälder. Das macht den Arbeitern des Forstamtes Metsähallitus und der Gemeinde von Inari Angst. Sie sehen nicht die langfristigen Folgen einer Abholzung der letzten europäischen Urwälder, sondern haben lediglich Angst um ihre Arbeitsplätze. Verständlich. Denn auch sie müssen von irgendwas leben. Dennoch ist es sehr kurzsichtig gedacht. Im Grunde geht es hier nicht nur um die Existenz der einzigen und letzten Ureinwohner Europas, sondern die Zukunft von uns allen.

Wald ist nicht gleich Wald. Urwälder spielen für die Lebensräume der Erde eine elementare Rolle. Sie regulieren das Klima, in dem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Sie bremsen Winde und extreme Klimaverhältnisse wie Hitze, Frost, Trockenheit und Sturm. Außerdem filtern sie natürlich die Luft, speichern und reinigen Wasser und verhindern Erosion. Urwälder geben Heimat und Lebensräume für Ureinwohner, so wie ganzen Tier und Pflanzenwelten. Allein durch die Abholzung der Urwälder in Finnland stehen bereits 564 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten auf der roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten. Viele dieser Tiere und Pflanzen können in den kommerziell genutzten Wäldern Finnlands aufgrund von Eintönigkeit und des veränderten Mikroklimas der Wirtschaftswälder nicht überleben. Das heißt beispielsweise auch, dass zahlreiche Pflanzen verschwinden, die für medizinische Stoffe genutzt werden könnten. Neben dem eigenen, unschätzbaren Wert tragen die verbliebenen Urwälder also entscheidend zur Stabilisierung des Lebens bei.

Und trotzdem. Es wird weiter abgeholzt. Wie auch hier in Finnland. Ein besonderes Problem ist, dass in polaren Regionen wie hier, relativ kurze Sommer herrschen. Deshalb dauert das Aufwachsen neuer Vegetationen Jahre, der ursprüngliche Zustand wird kaum erreicht. Aber das interessiert die Arbeiter nicht. Sie denken, wie schon gesagt nur an ihren Job. Greenpeace nimmt ihnen die Arbeitsplätze weg, heißt es immer wieder. Doch das ist nicht wahr. Greenpeace macht auf das Problem aufmerksam und bietet Lösungen an, doch die Umsetzung liegt dann in der Hand der Arbeitgeben und der Regierung.

Doch nicht nur die Arbeiter von Metsähallitus, auch unsere Leser fragen immer wieder nach der Jobsituation. Matti, unser Waldexperte aus Finnland hat dazu schon des öfteren Stellung genommen. Hier sind noch mal ein paar seiner Kommentare:

„Wir haben bereits viele konkrete Vorschläge, Lösungen und Wege vorgeschlagen:

1. Das bestehende Profitziel von Metsähallitus muss reduziert werden, so dass der Erhalt der Jobs und nicht der Gewinn des staatlichen Unternhemens im Vordergrund steht.

2. Ein Teil der Wälder wird mit einer Erntemaschine gefällt, diese sogenannter Havester wird von einem einzigen Mann per Joystick bedient und erledigt die Arbeit von circa 15 Holzfällern. Würde die Maschine hier weniger eingesetzt, könnten 15 Waldarbeiter stattdessen ihren Job behalten.

2. Wiedergutmachung durch den wirtschaftlich gesunden finnischen Staat. Der selbe Staat, der den Sami die Waldrechte aberkennt, muss jetzt Verantwortung übernehmen. Es ist Sache der Regierung, finanzielle Mittel und Wege zu finden. Allein wenn sie ein einziges F-18 Flugzeug weniger kaufen würden, hätten sie genug Geld, um die Löhne zu zahlen.

Ebenso könnte die Forstwirtschaft, die Milliarden von Euros pro Jahr erzielt, einen Beitrag für eine Lösung leisten".

Und unser Waldexperte Olli von Greenpeace Deutschland sagt:

„Greenpeace ist nicht grundsätzlich gegen Forstwirtschaft, aber gegen die Abholzung der letzten bestehenden Urwälder und anderer wichtige Rentierwälder mit einem hohen Schutzwert. Nur weil diese Gebiete geschützt werden sollen, bedeutet das nicht gleich einen Arbeitsplatzverlust. Es gibt andere staatliche und private Wälder, die man nutzen kann, wie auch in der Vergangenheit.

Es ist keine einfache Lösung, doch das Problem zu leugnen, führ erst Recht zu keiner Langzeitlösung dieser wichtigen Frage.

Zur Zeit gibt es mehr Jobs durch Rentierhaltung als durch Abholzung in den staatlichen Wäldern. Und die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle Lapplands ist der Tourismus“.

(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:20 | Kommentare (3)

21.03.05

Pressekonferenz in Helsinki

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Heute morgen haben wir zusammen mit dem finnischen Naturschutzbund und einigen Sami-Rentierhaltern aus Lappland in Helsinki einen neuen Report veröffentlicht. Der Report zeigt, welche besondere ökologische, soziale und ökonomische Bedeutung die Urwälder im Sami-Gebiet für die Sami Rentierhaltung haben.



Anhand einiger Beispiele wird dargestellt, dass der Interessenkonflikt zwischen der Holzwirtschaft und den Sami-Rentierhaltern nicht neu ist. Die Sami haben bereits vor Jahrzehnten vom finnischen Staat gefordert, die Holzwirtschaft in einzelnen Gebieten zu reduzieren.

Der Report stellt Möglichkeiten dar, den langjährigen Konflikt zu lösen. Es ist wichtig eine Lösung zu finden, die sowohl die per Gesetz geschützte Sami-Rentierhaltung garantiert, als auch die Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft erhält: etwa die Reduzierung des finanziellen Umsatzzieles des staatlichen Forstunternehmens Metsähallitus. Wird der erwartete Gewinn des staatlichen Unternehmens reduziert, kann der Erhalt der Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft in den Vordergrund gestellt werden, und nicht der Profit des Staates. Das hauptsächliche Fällen durch Holzfäller, anstatt der Einsatz einer hocheffizienten und von einem Mann allein zu bedienenden Erntemaschine, die die Arbeit von knapp 15 Holzfällern ersetzt, würde dem Erhalt der Arbeitsplätze in Inari ebenfalls zugute kommen.

Die wichtigste Periode sind die kommenden 30 Jahre. Bis dahin wird es dauern, bis die bereits gefällten Wälder nachgewachsen sind und ein weiteres mal gefällt werden können. In dieser Zeit muss der Einschlag reduziert werden, wenn nicht die letzten Urwälder, wie wichtige Rentierwälder abgeholzt werden sollen.
(Oliver/Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:31 | Kommentare (0)

20.03.05

De nohká! – Botschaft auf Eis!

RiverArt1.jpg Ich komme gerade vom Juuntua Fluss, circa vier Kilometer außerhalb von Inari. Meine Wangen glühen noch, die Schultern tun weh. Der Aufstieg durch den tiefen Schnee war echt anstrengend. Zumal ich einen Teil unseres Equipments wieder mit nach oben geschleppt habe. Doch es hat sich gelohnt. Der Blick von der Straße runter auf dem Fluss lässt alle Mühe vergessen, denn durch die Kiefern schimmert ein großes Rentier umrahmt mit den englischen und samischen Wort "Genug" auf dem Eis.

"Mit diesem Kunstwerk wollen wir zusammen mit den Sami auf die Urwaldzerstörung aufmerksam machen", erklärt Matti Liimatainen unser Waldexperte von Greenpeace Finnland. Und Inka Saara Arttijeff fügt bekräftigend hinzu: "Wir jungen Sami sind beunruhigt über die Wald-Einschläge und wir wollen gemeinsam mit Greenpeace gegen die Waldzerstörung angehen. Die Rentierhaltung ist ein wichtiger Teil unserer Kultur und wichtig für unsere Identität. Wir sind junge Rentierhalter und wir kämpfen für unsere Rechte. Rentierhaltung ist nicht nur ein Beruf, es ist ein Teil unseres Lebens."

Vor vier Tagen haben Jeske, Huck und Sigurd angefangen, das 50 mal 50 Meter große Bild vorzubereiten. Bepackt mit Schnüren, Schaufeln, Schneeschuhen und jeder Menge Proviant sind die drei los und haben die Stelle am Juunta Fluss, wo das Bild entstehen sollte, genau abgesteckt. Dafür haben sie die ursprüngliche Zeichnung in ein Raster eingeteilt. Acht gleich große Quadrate quer und sieben Quadrate längs. Drei Zentimeter auf dem Blatt Papier, sind sechs Meter im Schnee.

Um das Bild genau hinzukriegen, mussten die drei das gleiche Raster in den Schnee machen – nur etwa 200 mal so groß. Mit Schnüren wurde als erstes ein großes Quadrat von je 50 Meter Seitenlänge abgesteckt. Danach wurden dann ein paar Bahnen in einem Abstand von 6,25 Metern gezogen. Das Raster ist fertig, es konnte losgehen!

RiverArt5.jpg Mit Schneeschuhen an den Füßen und dem Muster in der Hand, bahnte sich immer einer seinen Weg durch das Raster. Ein Blick auf das Muster, ein Blick in den Schnee. Einen Schritt vorwärts. Dann wieder ein Blick auf das Muster, ein Blick in den Schnee. Einen Schritt vorwärts. Und das unzählbar oft. Immer wieder mussten sie genau überprüfen, ob sie auch exakt an dem richtigen Kreuz oder der richtigen Linie den entsprechenden Weg einschlagen. "Am Besten man schaltet den Kopf aus, und geht nach Gefühl, sonst hat man keine Chance", gibt Jeske zu. Doch damit nicht genug. Kaum hatten sie eine Strecke fertig, mussten sie anfangen, zu graben.

Nun kam der letzte Schliff. Heute Morgen ging’s deshalb wieder zum Fluss. Diesmal bepackt mit 70 Kilo Holzkohle. Diese hatten ein paar andere Aktivisten in den letzten Tagen mühsam in Kochtöpfen und Suppenschüsseln mit einem Hammer kleingehackt. Eine Schweiß treibende Arbeit, trotz nordischer Kälte. Nach drei Stunden war es dann endlich fertig. Unser Ren! Und Jeske, Timo, Huck und Sigurd hatten im wahrsten Sinnes des Wortes "Genug"!
(Anisha)

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Veröffentlicht von Redaktion-HH um 19:03 | Kommentare (0)

19.03.05

Abschalten!

OfficeUeberfuellungKopie.jpg 16 Tage hier. Seitdem habe ich 24 Stunden Dauerbeschallung. Ich wache morgens auf, um mich herum Menschen. Ich gehe abends ins Bett, um mich herum Menschen. Die Anzahl variiert zwischen eins und 17. Dabei spielt es keine Rolle, ob man im Büro ist, oder im Camp. Überall Menschen. Und in der Zwischenzeit kommen und gehen sie, wie die Fliegen, denn irgendwas muss einfach immer erledigt werden. Und so wie mir, geht es natürlich jedem. All denen die jetzt länger als eine Woche da sind, merkt man langsam an, dass eine kleine Auszeit willkommen wäre. Mich eingeschlossen. Wen wundert’s? 24 Stunden, sieben Tage die Woche immer präsent sein, immer an die Sache denken... . Sich für die Sache einsetzen ist schön und gut, doch jeder braucht einfach mal eine Auszeit! Das ist ganz normal.

Doch wie holt man sich die nötige Ruhe, um Kraft zu tanken? Eine Frage mit der ich mich jetzt nun schon seit ein paar Tagen beschäftige. Und nach einigen Feldbeobachtungen muß ich sagen: Jeder hat seine eigene Strategie. Vor Thomas, einem der Finnen, ziehe ich beispielsweise meinen Hut. Er meditiert. Egal ob 17 Leute drum herum sind, oder nicht. Er liegt ruhig da und schaut ins Nichts. Bewundernswert. Der hat im wahrsten Sinne des Wortes die Ruhe weg. Sicherlich ein Resultat seiner langen Reise durch Indien.

Dave hingegen war gestern auf Mini-Urlaub, wie er meinte. Auf einmal packte er abends um halb zwölf seine Sachen. Na ja, um genau zu sein, stopfte er Zahnbürste, Zahnpasta, frische Unterwäsche und ein paar Socken in eine Plastiktüte und zog sich seine Jacke an. "Tschüs bis morgen – ich mach jetzt Ferien." Matti, unser finnischer Fotograf, und ich waren doch leicht verdutzt. "Ich muss einfach mal ausschlafen, und wenn immer so viel Leute über mich steigen, kann ich das nicht," meinte Dave, schwang fröhlich seine Tüte und ging. Ich kann’s verstehen. Würde ich nicht abends mit meinem Schatz in Hamburg skypen (Internettelefon) wollen, hätte ich schon längst Reißaus genommen. Nun denn, immerhin eine Schnarchnase weniger heute Nacht. Das hat durchaus Vorteile. - Heute morgen kam er dann strahlend wie ein Honigkuchenpferd und verkündete: "Jetzt bin ich ein neuer Mann."

Die Hotelnummer ist jedoch nicht neu. Peterie und Anna haben das auch schon ein, zwei Mal gemacht. Zum Glück ist das Hotel sehr günstig und gleich gegenüber, so dass es zum Büro nur ein paar Katzensprünge sind. Die im Camp haben es da schon schwerer. Wenn man dort seine Ruhe haben möchte, muss man in den sauren Apfel beißen und ins Zelt. Doch manchmal sind wohl ungeahnte Minusgrade besser als ein paar Menschen in einem Container, der so heiß ist wie eine Sauna. Denn heizen tut hier jeder gern. Frischluftfanatiker wie ich haben es da schwer. Kaum reiße ich mal die Tür auf, wird auch schon gemosert. Sauerstoff braucht hier scheinbar keiner.

Beim Thema Wärme kommen wir auch gleich zur nächsten Möglichkeit, mal etwas abzuschalten. Die Sauna. In Finnland ist sie ja Gott sei Dank, an jeder Ecke zu finden. So auch im besagten Hotel auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Die Nutzung kostet ganze 2,50 Euro. Da können Saunaliebhaber in Deutschland nur von träumen. Einer unserer Saunagänger ist Olli. Oder er versucht es zumindest. Seitdem ich hier bin, und das sind jetzt wie gesagt 16 Tage, will er in die Sauna. Einmal hat er es geschafft. Die anderen 10 Anläufe sind wegen Besprechungen oder sonstigen Vorkommnissen ausgefallen. Und seine enttäuschte Miene wird immer länger.

Wer jedoch weder Sauna mag, noch draußen im Schnee schlafen möchte und auch nicht das Meditieren gelernt hat, für den bleibt nur eins: Spazieren gehen. Was bei dieser Landschaft sicher nicht zu den schlechtesten Möglichkeiten gehört, für eine Weile seine Ruhe zu haben. Die frische, kühle Luft bläst einem so richtig schön den Kopf frei und man kommt etwas relaxter wieder. Oder auch nicht! Mein Versuch, einmal in Ruhe ein paar Schritte zu gehen, ist nämlich kläglich gescheitert. Ich zog mir gerade meine Sachen an, als Matti mich fragte: "Kann ich mitgehen?" Was soll man da sagen? Er ist schließlich gerade erst angekommen, da kann er noch nicht wissen, wie heilig solche fünf Minuten sein können. Etwas zerknirscht nicke ich und gemeinsam drehen wir eine kurze Runde. Von der gewünschten Erholung kann keine Rede sein. Aber vielleicht hab ich ja das nächste Mal Glück, setz mich wieder an meinen Computer und rufe in Hamburg an.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 17:32 | Kommentare (0)

18.03.05

Dampf ablassen - Demo in Inari

DemoKopie.jpg Gestern war es nun so weit. Eine Busladung voller Holzarbeiter des Forstamtes Metsähallitus erschien kurz nach ein Uhr bei uns im Büro in Inari, um gegen Greenpeace zu demonstrieren. Bereits seit Sonntag kursierten viele Gerüchte, dass wir diesen Besuch bekommen sollten. Angeblich wollten am Montag bis zu 200 Arbeiter des Forstamtes gegen das Camp demonstrieren. Doch es passierte nichts. Dann hieß es, es könnte auch Dienstag oder Mittwoch passieren. Doch es passierte wieder nichts. Nachdem wir dann bei der Polizei in Ivalo angerufen haben, haben wir erfahren, dass es nun tatsächlich am Donnerstag frühen Nachmittag los gehen soll.

Und so war es auch. Gegen halb acht Uhr morgens fahren also, wie bereits am Montag, alle ins Camp, nur Dave und ich bleiben wie gewohnt an Ort und Stelle, um die Stellung zu halten. Ungefähr um halb zwölf klingelt das erste Mal mein Handy. Peterie, einer unserer finnischen Aktivisten ist am Apparat: "Ihr werdet gegen kurz nach ein Uhr Besuch bekommen", informiert er mich. "Und was sollen wir dann tun?" wollte ich wissen. Tuuuuuuut – weg ist er. Super, immer diese Funklöcher. Kurze Zeit später klingelt es erneut. "Peterie noch mal, bleibt bitte im Büro, die Holzfäller kommen erst zu Euch, bevor sie zum Camp aufbrechen. Es ist zwar nur ein Gerücht, aber wir behandeln es, als wäre es eine Tatsache. Wir schicken Euch auf jeden Fall Satu rüber, damit ihr jemanden habt, der finnisch spricht", sagt er und legt auf. Dave hat das meiste mit gehört und fängt an, die Vorhänge zuzuziehen. "Besser wenn sie uns nicht so ins Büro gucken können."

Auf einmal steht ein Mann mitten in unserem Büro: "Ich wollte Ihnen mitteilen, dass die Holzarbeiter auf dem Weg zu Ihnen sind. Sie wollen ein paar Flugblätter bei Ihnen an die Hauswand nageln. Nur damit sie vorbereitet sind", erklärt er und verschwindet. Da kommen auch schon Satu und Joe. Keinen Moment zu früh, denn kurze Zeit später fährt ein Polizeiwagen und die ersten Presseautos vor. Kaum positioniert, parken auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein paar VW Busse. Holzfäller, unter anderem in traditioneller Sami Kleidung steigen aus. Selbst Rentiere haben sie dabei. Und dann kommt ein ganzer Bus. Circa 60 Leute steigen aus und stellen sich mitsamt ihren Bannern in einem Halbkreis auf dem Parkplatz vor unserem Büro auf. Alles geht friedlich ab. Die Banner sind jedoch weniger freundlich. Von "Rest in Peace - Greenpeace", "Green Mafia", "Wir essen keine Bäume" und "Green Terror" ist alles dabei. Ein paar der Banner haben sie sogar schon mal vor zwei Jahren bei einer Demonstration gegen uns verwendet, erzählt mir Dave später.

DemoSatuTalkKopie.jpg Nachdem die versammelten Journalisten ihre Fotos und Filme gemacht haben, geht ein Sprecher auf Satu und Joe zu. Die beiden halten wacker die Stellung und hören sich geduldig an, was er zu sagen hat. Satu übersetzt dabei für Joe vom Finnischen ins Englische. Auf einem Zettel, den der Sprecher vorliest, steht, dass die Bürger und Arbeiter gegen die Anwesenheit und Aktivitäten von Greenpeace, der finnischen Naturschutzorganisation und des finnischen WWF seien. Die Aktivitäten von Greenpeace zerstörten die Arbeitsplätze und die Existenz der Bewohner von Lappland. Wenn Greenpeace behaupte, dass die Bevölkerung hinter uns stehe, sei das eine Lüge. Innerhalb einer Woche hätten mehr als 2000 Menschen eine Petition gegen die Anwesenheit von Greenpeace in Inari unterschrieben. Joe versucht, dem Sprecher zu vermitteln, dass wir nicht allgemein gegen Fortwirtschaft sind, uns jedoch für eine bessere einsetzen und schon gar keine Arbeitsplätze vernichten wollen.

Als alles gesagt war, gehen ein paar von den Leute in die Mitte und stellen weiße Kerzen auf den Boden. Nachdem sie die Kerzen angezündet haben, rollen plötzlich alle wieder ihre Banner zusammen und machen sich auf dem Weg ins Camp. Nach einem schnellen Anruf im Camp fahren Satu und Joe dem Trupp hinterher. Je mehr Leute im Camp sind, desto besser. Dave und ich bleiben zurück. Froh, dass der Spuk nun endlich vorbei ist. Zumindest hier bei uns. Aber wie läuft es im Camp?

Auf die Antwort mussten wir circa drei Stunden warten. Gegen vier Uhr kamen die ersten aus dem Camp zurück. Sofort bombardierten wie sie natürlich mit Fragen. "Es war alles ganz friedlich. Sie haben die Tiere gefüttert, die Banner ausgebreitet, ein Sprecher hat ein paar Sachen per Lautsprecher verkündet und vereinzelt haben sich auch welche mit uns unterhalten. Es war, Gott sei Dank, ruhiger als erwartet. Und es war gut, das die Holzfäller mal ein wenig Dampf ablassen konnten", erzählt Joe, der auch wieder mit zurück kam. Und auch uns merkt man die Erleichterung an. Es hätte schließlich alles ganz anders kommen können. Und auch wenn wir natürlich noch keine Lösung haben, die beide Seiten zu Frieden stellt, ist eine ruhige Auseinandersetzung besser als gar keine.

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(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:20 | Kommentare (1)

Und noch mehr neue Gesichter!

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In dieser Woche sind weitere Deutsche Aktivisten zu uns ins Finnland Camp gekommen. Näheres über die drei und ihre finnischen und französischen Kolleginnen gibt es hier....










Melanieneu.jpg Melanie Münch, 19, kommt aus Oftersheim und ist seit einem Jahr bei Greenpeace und seit 4 Monaten Praktikantin.

Warum bist du bei Greenpeace?
Ich kann gar nicht genau sagen, warum ich dabei bin, zu viele Dinge haben dazu beigetragen. Ich bin sehr naturverbunden aufgewachsen und denke das dies mit ein Grund ist, warum ich heute bei Greenpeace bin. Wenn ich früher die Bilder von Greenpeace in der Zeitung gesehen habe, habe ich mir immer gewünscht, dabei zu sein, zu helfen, das zu schützen, worauf und wovon wir leben.

Was machst du in Finnland?
In Finnland/Lappland bin ich zum einem, um neue Erfahrungen, neue Menschen und andere Lebensweisen kennen zu lernen. Und natürlich um zu helfen, die Wälder Finnlands zu schützen.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Finnland soll aufhören seine eigene Schönheit zu zerstören.

SigurdKopie.jpg Sigurd Hafen, 21, kommt aus Herbrechtingen-Bissingen und ist seit 2001 in der Gruppe Ulm aktiv.

Warum bist du bei Greenpeace?
Ich bin von der Idee der gewaltfreien Aktion überzeugt. Greenpeace bietet mir die Möglichkeit mich in dieser Form für den Umweltschutz einzusetzen.

Warum bist du in Finnland?
Da mir der Schutz der letzten Urwälder auch in Europa besonders wichtig ist. Außerdem weiß ich als Forstwirt, dass der Artenreichtum eines Urwaldes in einem Wirtschaftswald nie erreicht werden kann und wie wichtig eben dieser Artenreichtum für das Ökosystem Wald ist. Ebenfalls beeindruckt mich die Schönheit der Landschaft und die Kälte hier.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Interessante Begegnungen mit den Sami, eine gute internationale Gemeinschaft und natürlich, dass der Holzeinschlag im Urwald gestoppt wird.

AmelyKopie.jpg Emilie Abrias, 27, aus Marseille in Frankreich. Sie ist seit 4 Jahren aktiv bei Greenpeace.

Warum bist du bei Greenpeace?
Ich bin bei Greenpeace, weil ich schon in meiner Kindheit an Greenpeace Aktivitäten teilgenommen habe. Ich denke, dass das die effizienteste Umweltorganisation ist, die sich für die Belange der Welt einsetzt. Für mich ist wichtig, wenn man lokale und globale Bedürfnisse kombiniert und sich dafür gemeinsam einsetzt.

Warum bist du in Finnland?
Ich bin besonders in diese Waldkampagne involviert, denn ich arbeite seit 2 Jahren mit Greenpeace International an einem Projekt. Ich habe einen Verband gegründet, der für die Förderung und Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten, wie beispielsweise Papier, arbeitet. Hier in Finnland lerne ich viel über die Forstwirtschaft und die Rentierzucht, und das kann ich dann in meiner Heimatstadt an die Leute weiter geben. In Frankreich wollen wir die Verlage und Autoren davon überzeugen, dass sie umweltfreundliches Papier benutzen.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Es ist eine wichtige Zeit für uns, denn während ich in Finnland bin, fängt die Buchmesse in Paris an. Ich versuche eine Verbindung zwischen unseren Aktivitäten hier vor Ort und dem "Tagebuch" auf der Buchmesse zu schaffen.

SatuKopie.jpg Satu Pitkänen, 29, aus Finnland.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Unser Land und seine Probleme liegen mir am Herzen, seit die Katastrophe mit Tchernobyl 1986 passiert ist. Ich selbst unterstütze Greenpeace seit 1994, aktiv arbeitet ich allerdings erst seit 2000.

Warum bist du in Finnland?
Ich lebe, wie gesagt, in Finnland und habe 2004 angefangen aktiv für finnischen Umweltschutz zu arbeiten. Lappland und seine Umwelt ist für mich besonders wichtig, weil ich mit meiner Familie hier immer Urlaub gemacht habe, als ich noch ein Kind war.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Eine meiner Kindheitserinnerungen sind die kahl geschlagenen Flächen neben dem UKK Nationalpark und die leer stehenden Sami Dörfer. Heute weiss ich über all die Gründe und Probleme, die die Sami Kooperativen mit der übermäßigen Waldeinschlag der Forstwirtschaft haben. Da ist es nur normal, dass man aktiv wird. Ich hoffe, dass wir das Moratorium erreichen, damit sich die Probleme hier wieder regulieren.

(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:54 | Kommentare (0)

17.03.05

Inari und der Rest der Welt

SupermarktFlyerKopie.jpg Obwohl die Abholzung von dem Forstamt Metsähallitus zeitweise im Gebiet Nellim gestoppt wurde, haben wir in den letzten Tagen weitere Urwaldgebiete in der Region Inari markiert. Da nicht sicher ist, wie lange der Einschlagstopp eingehalten wird und es keine offizielle Bestätigung gibt, werden wir auch weiterhin die Gebiete markieren.


Mit Motorschlitten und Skiern waren unsere Aktivisten viele Stunden unterwegs und haben pro Tag circa 10 bis 20 Kilometer des Gebietes der samischen Genossenschaft Muotkatunturi in Angeli mit unseren Schildern gekennzeichnet. Außerdem verteilen ein paar Aktivisten vor den Supermärkten in Inari und dem samischen Siida Museum Informationsmaterial an die Einwohner, um Interessierte genauestens zu informieren, was Greenpeace hier vor Ort macht und was wir erreichen wollen: "Greenpeace ist nicht gegen Forstwirtschaft, sondern wir setzen uns für eine bessere Fortwirtschaft ein!"

Doch nicht nur in Inari, sondern auch Greenpeace Aktivisten in Genf und Rom setzen sich für die Urwälder in Finnland und die Sami ein. Vor dem UN Gebäude in Genf wurden am Dienstag Info-Flyer an die Delegierten der 61. Sitzung des Menschensrechtskomitees verteilt, bei der der finnischen Außenminister eine 10-minütige Rede hielt.

Und am Mittwoch rollten die römischen Aktivisten vom Dach der Welternährungsorganisation (FAO) ein Banner mit der Aufschrift "Stoppt die Zerstörung der finnischen Rentierwälder!" Der Grund ist der Besuch des finnischen Premierministers anlässlich einer Ausstellungseröffnung zum Thema "Finnische Wälder". Zusätzlich haben sie eine Ladung Holzspäne vor dem Gebäude positioniert, um darauf aufmerksam zu machen, dass die finnische Regierung ihren Wald für Papier und Zellstoff zerschreddert.

Wir hier in Inari warten außerdem weiterhin gespannt, ob die angesagte Demonstration der finnischen Forstarbeiter Union heute tatsächlich bei uns im Camp einzieht..... Bisher wissen wir es nicht... Es bleibt also weiterhin spannend.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:09 | Kommentare (0)

16.03.05

Neue Gesichter - Und wer ist jetzt im Camp?

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Vor Zwei Wochen haben wir das Finnland-Camp in den Urwäldern von Inari aufgebaut. Die ersten Aktivisten sind bereits wieder abgefahren, dafür sind viele neue gekommen, um das Camp und die Arbeit zum Schutz der Urwälder in der Region um Inari zu unterstützen. Viel Spaß beim Lesen!







NikoPortraitKopie.jpg Niko Humalisto, 25, aus Turku, einer Stadt an der Südwestküste Finnlands. Er ist Aktionist bei Greenpeace Finnland.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Greenpeace macht einen guten Job wenn es darum geht, auf die Probleme unserer Umwelt aufmerksam zu machen und hoffentlich wird das auch in der Zukunft immer so sein. Mir gefällt das und das ist auch der Grund, warum ich für Greenpeace arbeite.

Warum bist du in Finnland?
Daran sind meine Eltern Schuld :-)! Nein im Ernst, Ich bin hier in Lappland, weil ich etwas verändern möchte, und die Probleme der Rentierzüchter und der Urwälder gehen mich als Finnen natürlich auch etwas an.

Was erwartetst du von deinem Aufenthalt hier?
In Lappland braucht alles seine Zeit, deshalb erwarte ich nicht, dass sich bereits während meines Aufenthaltes etwas verändert. Das wird dauern, aber ich hoffe, dass sich langfristig natürlich die Dinge so entwickeln, wie wir das wollen. Was ich jedoch hoffe ist, dass die Menschen hier aufwachen und sich mehr für die Umwelt interessieren.


JetskePortraitKopie.jpg Jetske Magtglas, 31, aus Alkmaar aus den Niederlande. Sie ist Aktivistin seit 1998.

Warum arbeitest du bei Greenpeace?
Für Greenpeace zu arbeiten gibt mir die Möglichkeit, tatsächlich etwas auf dieser Welt zu ändern, und zwar zum Positiven. Und das macht das Leben für alle besser.

Warum bist du in Finnland?
Ich möchte hier die letzten Urwälder schützen. Denn wenn uns das gelingt, dann erhalten wir den Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, die ohne ihn nicht überleben könnten. Wenn ich hier bin, kann ich jedem zeigen, wie wichtig er ist.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Ich denke, die Kälte wird uns das ein oder andere Mal herausfordern, doch hoffentlich kann ich trotzdem den Rentierzüchtern helfen. Ohne diese Wälder würden sie sonst ihre traditionelle Lebensweise verlieren.



BeatePortraitKopie.jpg Beate Steffens, 44, aus Hamburg, geboren ist sie jedoch in Eschwege. Sie leitet die Internetredaktion und schaut mir eine Woche auf die Finger. Nein, natürlich nicht. Sie ist eine Woche hier mit im Camp und unterstützt uns ganz fleißig. Die Greenpeace Jacke wollte sie jedoch nicht anziehen, legte dafür aber besonders viel Wert auf ihren Schal.

Warum ist der Wald für dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Ich bin Naturfan, liebe Wälder, Berge, Schnee und Eis. Ich war 2003/2004 das erste Mal am Polarkreis. Diese knackige, trockene Kälte hat mich schwer begeistert. Natürlich erhaltene Wälder bedeuten für mich Lebensqualität, für andere ist es notwendiger Lebensraum. Ich finde, Urwälder sind überall auf der Welt schützenswert. Diese Schätze unserer Erde müssen auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben. Ganz besonders in einer Gegend, in der die Bäume nur so langsam wachsen wie hier.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Der Zufall. Ich bin ein Mensch, der sich seit vielen Jahren engagiert. Für Menschenrechte, für Frauenrechte, für ein besseres Leben hier und jetzt. Im Sommer 2000 bekam ich die Chance, für einige Monate bei Greenpeace in der Pressestelle zu arbeiten. Mittlerweile sind aus Monaten Jahre geworden.

Warum bist du Finnland? Gibt es für Dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Ich habe gerade Urlaub und daher die Gelegenheit ergriffen, das Greenpeace-Camp zu besuchen. In meinem Urlaub mache ich auch gerne was Sinnvolles. Außerdem gibt es ein Camp zum Schutze unsere Urwälder nicht alle Tage. Und wie gesagt, ich liebe Eis und Schnee. Und davon gibt es, im Gegensatz zu Hamburg, hier eine ganze Menge.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Neue Eindrücke, neue Erfahrungen, neue Sichtweisen.

Mit wem würdest du dir am liebsten den Container teilen?
Mit vielen Menschen, die sich für den Schutz der Urwälder einsetzen ;-)


IMG_3254_joe500.jpg Geoffroy Mewrée, 31, aus Belgien.

Warum arbeitest du für Greenpeace?
Ganz simpel, weil ich ein geborener Umweltschützer bin.

Warum bist du in Finnland?
Weil man in Finnland einen der letzten europäischen Urwälder findet, ein Schatz, den man unbedingt schützen muss.

Was erwartest du von deinem Aufenthalt?
Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, um den Wald zu schützen und den samischen Lebensstil zu erhalten. Sie sollte aber auch den Forstarbeitern gerecht werden, beziehungsweise auch die zufrieden stellen. Ich glaube daran, dass man das mit Gesprächen und Verhandlungen erreichen kann.


AnishaPortraitKopie.jpg Anisha Blinckmann, 30, aus Hamburg arbeitet als freie Web-Autorin für Greenpeace und ist seit dem 6. März vor Ort. Mit ihren kleinen Geschichten über alle spannenden Erlebnisse halten wir Euch über das Leben im Camp auf dem Laufenden.

Warum ist der Wald für Dich so wichtig, dass du dich in deiner Freizeit aktiv für den Urwaldschutz engagierst?
Asche auf mein Haupt, doch ich engagier mich leider nicht aktiv für den Urwaldschutz in meiner Freizeit. Was ich stattdessen tue: Ich liege auf dem Sofa und lese einen Roman nach dem anderen.

Was hat dich zu Greenpeace gebracht?
Meine Freundin Beate aus der Internetredaktion.

Warum fährst du nach Finnland?
Wie gesagt, ich bin mit der Leiterin der Internetredaktion von Greenpeace Deutschland befreundet. Sie erzählte mir an einem Sonntag bei einem Cafe Latte (den man hier übrigens nicht bekommt) von dem Greenpeace Finnland-Camp. Ich fand die Idee super, worauf sie mich sofort fragte, ob ich nicht den Webblog übernehmen wollte. Und da konnte ich auf keinen Fall nein sagen.

Gibt es für dich einen speziellen Bezug zum Norden Europas?
Überhaupt nicht. Ich komme jedoch mit extremer Kälte besser klar als mit extremer Hitze, obwohl ich normalerweise lieber in die Sonne fahre. Aber es ist doch angenehmer im Zwiebellook rumzulaufen, als von einer schwülen Wärme erdrückt zu werden.

Was versprichst du dir von deiner Reise?
Ich weiss, dass wir uns hier eigentlich für die Rentiere und die ungeschützten Wälder einsetzen, doch ich bin seit Jahren auf der verzweifelten Suche nach einem echten, lebendigen Elch. Immer wenn ich in Regionen fahre, wo es angeblich diese Tiere geben soll, habe ich noch nie einen gesehen. In Finnland sind die Rentiere zwar in der Überzahl, doch ein paar vereinzelte Elche soll es auch geben. Vielleicht ist das Glück ja auf meiner Seite.

Mit wem würdest du dir am liebsten den Container teilen?
Vielleicht nicht unbedingt gleich den Container teilen, aber wie ja schon gesagt, wenn morgens ein Elch vor der Tür steht, wäre das großartig.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 12:52 | Kommentare (1)

15.03.05

Von Rentieren, Frostbeulen und Muskelkater

SChlittenKopie.jpg Muskelkater. Ich kann’s kaum glauben. Schon jetzt auf dem Rückweg. Wir kommen doch gerade erst von unserem Besuch bei der Sami Genossenschaft in Siuttajoki, nördlich von Inari, wo Dave und ich beim sogenannten Rentier Round Up zusehen durften. Um dorthin zu kommen, muss man zu dieser Jahreszeit eine dreiviertel Stunde mit dem Motorschlitten fahren. Und ich muss sagen: "Es sieht romantisch aus, ist aber die reinste Hölle", zumindest für meine Muskeln.

Sechs paar Hosen, drei T-Shirts, zwei Pullis, zwei Jacken und drei paar dicken Strümpfe habe ich an. Dazu kommt noch der Motorradhelm, darunter eine Gesichtsmaske und drum herum sind zwei Schals gewickelt. Ich fühle mich, wie ein Michelin-Männchen. Von Bewegungsfreiheit kann keine Rede sein. So dick und rund setze ich mich auf den Schlittenanhänger. Dave sitzt hinter mir. Unser Fahrer ist Jarmo. Er soll uns zum Round Up bringen, wo wir uns ansehen, wie die Sami ihre Rentierherden auseinander teilen.

RentierPortraitKopie.jpg Die Rentierzüchtung richtet sich nach den Jahreszeiten. Früher wanderten die Sami von Sommer- zu Winterweiden und umgekehrt. Das geschieht wegen der Ländergrenzen heute nicht mehr. Die Arbeitsweise der Züchter jedoch ist immer noch von den Jahreszeiten bestimmt. Die Tiere laufen meistens frei in den Wäldern herum, nur zu bestimmten Anlässen wie Schlachten, Ohrmarkierung oder Zählung werden sie zusammengetrieben und beaufsichtigt. Jetzt im Frühling beispielsweise, damit die Weibchen in Ruhe kalben können.

Es gibt einen großen Ruck, und der Schlitten fährt los. An mir vorbei saust die wunderschöne, weiße Landschaft – doch anstatt diese genießen zu können, versuche ich krampfhaft mein Gleichgewicht zu halten. Festhalten geht einfach nicht, dann frieren mir, trotz dicker Handschuhe, die Finger ein. Der Fahrtwind ist einfach zu bissig. Meine Füße sind schon die reinsten Eiszapfen. Hoffentlich ist das gleich vorbei!

Erst 30 Minuten später wird mein Gebet erhört. Auf dem letzten Stück fahren wir an ein paar Koppeln mit mehreren 100 Rentieren vorbei. Sie würdigen uns keines Blickes. Siuttajoki selbst ist eine kleine Anhäufung von Blockhütten. Es ist kein Dorf, sondern der Arbeitsplatz der Muddusjärvi Genossenschaft. Jarmo parkt den Schlitten vor Anttis Hütte, einem der Rentierzüchter, der rund 22 Familien, die zu dieser Gemeinde gehören. In seiner Hütte wärm ich mir erst mal die Füße, denn in der Zwischenzeit ist der stechende Schmerz in absolute Taubheit übergegangen.

Mit wiederbelebten Füßen stapfen wir dann durch kniehohen Schnee zum Round Up, wo die Familien gerade dabei sind, ihre Tiere zu trennen, nachdem sie den Winter über zusammen in den Wäldern frei herum liefen. Wir schieben eine grobe, schwere Holztür zur Seite und schlüpfen in die Einzäunung. Dort stehen Männer, Frauen, jung und alt, eingemummelt in dicken Overalls und warten auf die nächste Runde Rentiere. Dave tippt mich kurz an, zeigt auf die Schuhe. Alle, bis auf einen tragen die traditionellen Sami Fellschuhe. Ein lustiger Anblick.

RentiereEinlaufKopie.jpg Da öffnet sich auch schon das gegenüber liegende Gatter und eine ganze Horde aufgebrachter Rentiere rast in das Round Up, direkt auf uns zu. Hinter ihnen ein struppiger brauner Hund, dessen Aufgabe es ist, die Rentiere zusammen zu treiben. Was ihm auch bestens gelingt. Für einen kurzen Augenblick möchte ich am liebsten auf die umliegenden Zäune fliehen, denn mich umzingeln auf einmal mehrere, vor Angst schnaubende Rentiere. "Sie überrennen dich nicht, kannst also hier unten stehen bleiben", beruhigt mich Jarmo. Auf die Frage warum, zuckt er nur mit den Schultern. "Das ist einfach so".

Die Züchter fangen an, die Menge genau abzusuchen. Wenn sie eins finden, dann packen sie es am Geweih oder was auch immer ihnen gerade in die Finger kommt. "Wie erkennt man denn sein eigenes Tier?", frage ich. "Die Ohren haben verschiedene Einschnitte. Jede Familie hat ihre eigene Marke. Ich schau mir die Ohren an, denn daran sehe ich, welches Tier mir gehört", erzählt Antti, während ihm schon wieder eins entwischt. Ich kann da nicht den kleinsten Unterschied ausmachen! "Wie kannst du sie auseinander halten, alle Ohren sehen gleich aus?" Er grinst: "Das ist für uns kein Problem, obwohl es circa 1600 verschiede Muster gibt. Das liegt uns im Blut." Jetzt hat er Glück. Am Fell packt, schiebt er ein zappelndes, grunzendes Etwas durch das Gatter, hinter dem die bereits eingefangene Herde auf den Neuankömmling wartet. Und auch die anderen Züchter wurden in der Zwischenzeit fündig. Jeder hat seine Tiere eingefangen. Das Round Up ist also leer, bis auf Menschen. Manch einer nutzt die kurze Pause bis die nächsten Rentiere kommen für einen kleinen Plausch oder um eine zu rauchen. Dann kommen die nächsten, bis endlich alle Tiere getrennt sind. Doch das kann dauern. Ungefährt 2000 Stück müssen Antti und die anderen heute noch auseinander bringen.

RentierfangenKopie.jpg Nachdem wir uns das noch drei, vier Mal angesehen haben, gehen wir zurück zur Hütte. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn meine Füße zeigen schon wieder die ersten Anzeichen von totaler Unterkühlung. Antti grinst schon wieder. "Du solltest unsere Schuhe tragen, dann musst du nicht ständig jammern", und kramt dabei ein paar flauschige Sami Schuhe unter seinem Bett hervor. "Setz Dich", befiehlt er. "Für den Rückweg borg ich Dir meine," und zieht mir auch schon seine Schuhe an. Alles um mich herum schmunzelt. Skeptisch betrachte ich sein Werk. Sie fühlen sich weich und flauschig an, wie Hausschuhe. Das die warm halten sollen, wage ich aber zu bezweifeln, denn ich habe nichts als bloße Rentierhaut an meinen Füßen.

Nach einem warmen Kaffee mit einem Schuss Vodka zur Stärkung, machen wir uns auf den Rückweg. Diesmal sitzt Dave vorne und ich lass mir den Schnee von dem Motorschlitten um die Ohren blasen. Zum Glück haben wir ein Fell dabei. Und noch während ich das um mich drapiere, fährt Jarmo auch schon los. Antti winkt noch zum Abschied, und dann verschwinden wir in der Nacht.

30 Minuten später kommen wir am Auto an. Mir tut erneut jeder Muskel weh, aber ich habe immerhin fast warme Füße. Frostbeulen bleiben mir also erspart, doch morgen früh werd' ich mich vor Muskelkater nicht bewegen können. Autsch!
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 11:06 | Kommentare (3)

14.03.05

Eine gute Reise, Achim!

AchimSkierKopie.jpg Zwei Wochen sind rum. Das heißt für Achim Gresser, ehrenamtlicher Aktivist bei Greenpeace und Schriftsteller in Marburg, dass es wieder Richtung Heimat geht. Dort wartet seine Freundin und eine Menge Arbeit, denn Achim schreibt gerade an seinem Buch über seine USA-Durchquerung zu Fuß! Doch bevor er heute in den Bus steigt, hab ich ihm noch ein paar Löcher über seine Zeit im Greenpeace Finnland Camp, in den Bauch gefragt. Und er hat geduldig geantwortet....

Du warst jetzt zwei Wochen hier im Camp! Wie sieht deine Rückfahrt aus?
Es wird ein Erlebnis für sich werden. Um von den letzten intakten Urwäldern Europas zurück nach Marburg, in die Nähe des Nationalparks Kellerwald-Edersee – einem Urwald von morgen – zu gelangen, werde ich mit Bus, Zug und Schiff gut und gerne 45 Stunden unterwegs sein. Eigentlich ganz schön, als Abschluss nochmals die Zeit zu haben, die zwei Wochen im Camp Revue passieren zu lassen.

Was war der beeindruckendste Moment?
Der beeindruckendste war für mich gleichzeitig auch der ernüchterndste Moment. Plötzlich einmal selbst in einem vom Holzeinschlag gezeichneten Urwaldgebiet zu stehen. Hunderte von Baumstämme entlang einer kürzlich erst angelegten Forststrasse, die mich direkt ins Zentrum des Einschlags führte. Ein Anblick, der mich daran zweifeln ließ, tatsächlich im Jahre 2005 im zivilisierten Europa zu sein.

Hat Dich dein Finnland-Aufenthalt verändert?
Ich denke, das kann ich so nicht sagen. Es war auf jeden Fall eine intensive Zeit für mich in der Natur, im Thema und letztlich auch innerhalb der Greenpeace-Organisation. Auf jeden Fall wurde für mich nochmals deutlich, dass die Urwälder für uns Menschen einen unverzichtbaren Teil der Zivilisation darstellen und wir diese für uns nutzen sollten, ohne sie gleich zu zerstören. Aus meiner Erfahrung kann ich jedem, der sich für Urwälder interessiert und sich für deren Schutz aktiv einsetzen möchte, nur empfehlen, bei der nächstliegenden Greenpeace Gruppe vorbeizuschauen, und wie ich einfach mitzumachen. Dann könnte sich für uns alle mehr verändern.

Was wirst du jetzt in Deutschland als erstes tun?
Zunächst einmal meine Freundin in den Arm nehmen. Dann meinen dicken Wollpulli durch eine Badehose austauschen und für ein paar Tage zu einer Familienfeier nach Italien fahren. Und natürlich überall und jedem von den finnischen Urwäldern erzählen.

Wie wirkt sich dein Aufenthalt jetzt auf deine Arbeit bei Greenpeace in Deutschland aus?
Ich werde ganz klar dort weitermachen, wo ich zuvor aufgehört habe. Das Verhalten der Verbraucher in Deutschland wird entscheidend für den Erhalt dieser letzten Urwälder Europas sein. Die letzten Monate hinweg mobilisierte ich über Aktivitäten des Greenpeace Urwaldpostamtes www.urwaldpostamt.de bereits mehr als 1.300 Verbraucher für den Schutz der letzten finnischen Urwälder. Diese richteten selbst verfasste Protestbriefe an die Adresse der finnischen Regierung, mit der Forderung die Einschläge in den Rentier-Urwäldern der Sami zu stoppen. Als der zuständige Vertreter der finnischen Regierung in Deutschland, Forstattaché Kari Vitie, gegenüber den Mitmachern des Urwaldpostamtes leugnete, dass der staatseigene finnische Forstbetrieb in den Urwäldern abholzt, startete ich im Dezember gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Aktivisten aus den Greenpeace Gruppen Marburg und Frankfurt vom Nationalpark Kellerwald-Edersee ausgehend die "Rentour". Als Zeichen des öffentlichen Protests zogen wir in Rentierkostümen verkleidet einen 200 Kilogramm schweren Rentierschlitten zu Fuß bis zum 160 Kilometer entfernten finnischen Honorarkonsulat nach Frankfurt. Mit an Bord der achttägigen Tour waren auch 474 hölzerne Kellerwaldzwerge. Jeder Kellerwaldzwerg trug jeweils den Namen eines der 474 von Greenpeace, FANC und den Sami-Rentierkooperativen kartierten Urwaldgebiete in Finnland. Die Zwerge selbst wurden 2001 während der Greenpeace-Kampagne zur Einrichtung des ersten hessischen Nationalparks von Kindern als Symbol für die Einrichtung europäischer Schutzgebiete bemalt. Wir erlangten schließlich ein einstündiges Gespräch mit dem Konsul, sowie die offizielle Übergabe zweier Kellerwaldzwerge an die finnische Regierung. Eine Antwort steht noch immer aus. Dafür ging für mich persönlich vor zwei Wochen die Post ab – hier ins Camp nach Finnland.

Ich wünsche Dir eine gute Reise.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 08:50 | Kommentare (0)

13.03.05

Interview mit Oliver Salge, Aktivist bei Greenpeace

OlliInterviewKopie.jpg Seit dem 1. März leben wir im Finnland Camp und setzen uns mit den samischen Rentierzüchtern für die Urwälder in Lappland ein. Seitdem ist viel passiert und viele Web-Leser stellen uns immer wieder ein paar Fragen, zu den Themen, warum wir hier sind. Deshalb habe ich mit Oliver Salge, unserem Aktionisten aus Deutschland gesprochen, denn er kennt sich nicht nur im Wald besonders gut aus, sondern ist hier in Finnland von Anfang an dabei.

Was passiert hier in Inari? Warum ist Greenpeace vor Ort?
In der Region Inari sind einige der letzten Urwälder Finnlands. Obwohl diese für die nordfinnischen Sami Rentierhalter von entscheidender Bedeutung sind, wurden sie von der finnischen Regierung bisher nicht geschützt. Greenpeace setzt sich seit Jahren für den Schutz der letzten Urwälder Europas ein, auch der finnischen. Da der Einschlag hier in Inari trotz diverser Eingaben der Sami an die finnische Regierung stetig weiterging, hat Greenpeace die Urwaldschutzstation errichtet, um auf diesen Skandal aufmerksam zu machen.

Wie sind die samischen Rentierzüchter von der Abholzung beeinflusst?
Die Rentiere hier oben nutzten das ganze Land als Weidefläche. Im Sommer die etwas höher gelegenen Grasflächen, im Winter finden sie ihr Futter im Wald, besonders die Flechten in den Urwäldern sind hier wichtig. Werden die Urwälder zerstört, gibt es keine Flechten mehr, und ohne Flechten ist die traditionelle Rentierhaltung der Sami und damit ihre ganze Kultur bedroht.

Wie passt Stora Enso in die Geschichte?
Stora Enso hat sich zum führenden Papierhersteller der Welt entwickelt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Helsinki ist einer der größten Abnehmer des geschlagenen Holzes aus Inari und verarbeitet die Urwälder zu Zellstoff und Papier in finnischen wie auch in deutschen Papierwerken. Greenpeace hat daher Stora Enso aufgefordert, den Bezug von Holz aus den namentlich bekannten Urwaldgebieten und aus Wäldern mit besonderer Wichtigkeit für die Sami einzustellen. Das Unternehmen kann leicht seinen Holzbedarf aus den anderen Wäldern der Region decken.

Warum bist du von Greenpeace Deutschland vor Ort?
Ich bin Teil der internationalen Urwaldkampagne von Greenpeace. Gerade wir Deutschen beziehen einen Großteil unseres Papiers aus Finnland und sind mit 25 Prozent der Ausfuhren Finnlands wichtigster Kunde. Jede Woche kommen in Lübeck Schiffe an, die Papier geladen haben, dass aus dem Holz aus Nordfinnland gemacht wurde - auch aus den Urwäldern.

Wie gehen wir in Deutschland damit um?
Greenpeace hat in der Vergangenheit auch in Deutschland gegen die Zerstörung der finnischen Urwälder protestiert. Etwa in Lübeck, wo
Greenpeace Aktivisten gegen den Import des Papiers aus Urwaldzerstörung protestiert haben, als ein Schiff vollbeladen mit Papier aus Finnland eintraf. Wir kontaktieren Firmen, die Papier aus Finnland beziehen wie etwa Zeitschriftenverlage, informieren sie über die Lage in Finnland und fordern von ihnen, sich für den Schutz der Wälder in Finnland einzusetzen.

Was habt ihr bis jetzt erreicht?
Zum Ende 2003 hat das finnische Forstamt Metsähallitus erklärt, in 401 von 474 Urwaldgebieten vorübergehend den Einschlag einzustellen, so lange bis in Verhandlungen mit Umweltverbänden eine Einigung über die zukünftige Nutzung gefunden wird. Dies ist jetzt auch für Inari notwendig. Die Konflikte zwischen den Interessen der Forstwirtschaft und der Rentierhaltung der Sami können nicht auf dem Rücken der Sami entschieden werden. Sie sind komplex und benötigen einen fairen Prozess zur Lösungsfindung.

Was sind die nächsten Schritte in Finnland, nachdem Metsähallitus die Abholzung am Montag gestoppt hat?
Der letzten Montag von Metsähallitus verkündete Einschlagstopp im Gebiet Nellim muss auf die anderen Urwaldgebiete ausgeweitet werden und solange gültig sein, bis in fairen Verhandlungen eine Einigung über die künftige Höhe des Einschlags, als auch den zukünftigen Schutz der Wälder erzielt wurde. Solange dies nicht passiert ist, wird der jahrelange Konflikt sich nicht lösen lassen.
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:28 | Kommentare (0)

12.03.05

"Was ist denn dann ein Ureinwohner?"

Gebiet-Sami.jpg Eigentlich eine komische Frage, denn das Wort Ureinwohner sagt doch im Grunde alles. Es sind Menschen, die als erstes einen Ort, ein Gebiet oder ein ganzes Land besiedeln, so wie Sami, Indianer, Aborigines, Maori oder Quechua. Dann kommen irgendwann ein paar andere und vertreiben die Eingeborenen oder versuchen ihnen zumindest die eigene Lebensweise aufzudrängen. DENKSTE. Ein Freund von mir fragte mich sogar, was denn die Sami von uns anderen Europäern unterscheidet. "Ich bin doch dann auch ein Ureinwohner, meine Familie stammt ursprünglich aus Deutschland, und ich lebe immer noch hier!" "Aber Du lebst nicht, wie ein Ureinwohner", gab ich als schlagendes Argument zurück. Worauf Dierk grinste: "Doch, ich trinke Bier und kümmere mich, wie jeder Mann ums Essen." Eben das simple Denken eines Unwissenden. Doch so wie Dierk ging es den meisten, denen ich erzählte, dass ich nach Finnland fahre, um dort mit den Sami für die Urwälder zu kämpfen.

Das machte mich neugierig...

Im Internet steht auf der UN-Seite eine ganze Abhandlung über indigene Völker und all die Kriterien, die diese Gruppen erfüllen müssen, damit sie als Ureinwohner anerkannt werden. Dazu gehört, das diese Gruppen tatsächlich als ziemlich die ersten an einem Ort gelebt haben. Außerdem sollten sie freiwillig ihre kulturellen Besonderheiten bewahren, was im Klartext heißt, sie müssen irgendwas immer noch so tun, wie schon immer. Ob Religion, Arbeits- und Lebensweisen oder spirituelle Werte, ganz egal. Die Überzeugung, ein indigenes Volk zu sein, ist ein weiteres Kriterium, ebenso wie es eine Gruppe sein muss. Ein paar Leutchen machen einen also nicht gleich zum Eingeborenen. Was heute nicht unbedingt mehr eingehalten werden muss, aber durchaus wichtig ist, ist die sogenannte "Erfahrung" von Unterdrückung, Ausbeutung oder sonstige Benachteiligung gegenüber anderer Gruppen.

MuseumKopie.jpg Doch jetzt Schluss mit trockenen UN-Regeln und zurück zur Frage, was die Sami zu Ureinwohnern macht? Hier in Inari gibt es das samische Siida Museum. Da bin ich heute mal hin.

Wider Erwarten ist es recht groß mit drei Ausstellungsräumen, plus einen Diaraum. Grosse Wandtafeln mit vielen Zeichnungen, Wanderkarten und Grafiken zeigen mir, dass die Sami in Finnland, Schweden, Norwegen und Russland leben, und das schon seit fast 10.000 Jahren. Sprich, lange bevor die Germanen aus dem Süden nach Skandinavien kamen. Hier in Finnland gibt es circa 7000 Sami, mit die kleinste Population. Schöne Illustrationen zeigen wie die Sami sowohl früher, als auch heute vom Jagen, Fischen und Rentierzucht leben. Früher waren sie einmal nomadisch, zogen den Jahreszeiten entsprechend zu Sommer- und Winterweiden. Durch entstande Ländergrenzen und Konflikte mit Landbesitzern, sind diese traditionellen Frühjahrs- und Herbstwanderungen allerdings immer problematischer. Um ihre Kultur zu erhalten und Interessen zu vertreten, gründeten sie 1956 den Nordischen Sami-Rat, heute das Sami-Parlament.

An das Leben als "Nicht-Nomaden" angepasst, führen sie ihre Herde dennoch durch die Wälder, aber möglichst nur in ihren Genossenschaften. Dass die Abholzung der Wälder heute jedoch eine weitere und sogar viel größere Bedrohung ihrer Existenz ist, zeigen die Wandtafeln nicht. Durch die Abholzung finden die Rentiere nicht mehr genug Futter im Winter, was logischerweise negative Auswirkungen hat. Dafür bekommt man im nächsten Raum einen guten Eindruck in die Lebensweise der Rentierzüchter. Hierfür brauch ich allerdings kein Museum. Wie sie heute leben sehe ich jeden Tag, wenn wir mit den Sami in die Wälder fahren oder sie bei den so genannten Round-Ups besuchen.

Natürlich sind viele Dinge anders, als noch vor Jahrhunderten oder gar Jahrzehnten. Lange wurde die Sprache gar nicht, oder nur wenig gesprochen. Ein Ausschuss für die Wiedereinführung wurde 1971 ins Leben gerufen, doch es gibt so viele verschiedene Formen, dass die meisten sich doch auf Finnisch unterhalten. Besonders enttäuscht war ich, als die Museumsangestellte mir sagte, dass sie zwar Sami sei, doch sie selbst nur ein paar Brocken Samisch spreche, überhaupt lebe sie im Grunde finnisch. Was auch immer das bedeutet?

SChuheKopie.jpg Die Handy-Generation macht auch vor Ureinwohnern nicht Halt, somit hat jeder ein Telefon in der Tasche. Das herkömmlichste Fortbewegungsmittel ist neben dem Auto der Motorschlitten und die Kleidung ist mehr als westlich. Traditionelle Kleidung wird nur noch zu entsprechenden Anlässen angezogen. Nur die Schuhe, die im Winter besonders warm halten – ich habe das am eignen Leib erfahren – hat hier jeder an. Kein Wunder, unsere Gummischlappen sind ein echter Dreck dagegen. Trotz drei paar Socken und Alu-Einlegsohle hatte ich bei einer Motorschlittenfahrt nach zehn Minuten Frostbeulen an den Füßen. Auf dem Rückweg, mit Sami Schuhen an den Füßen, war alles in bester Ordnung und kuschelig warm - in Deutschland aber leider nicht gesellschaftsfähig.

Was geblieben ist, ist die Verbundenheit mit der Natur und bei der Rentierzüchtung ist man ebenfalls bei vielen alten Gewohnheiten wie beispielsweise dem Ohrmarkierungssystem der Rentiere geblieben. Doch davon ein andermal mehr....
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 09:50 | Kommentare (0)

11.03.05

Stora Enso schreibt an Greenpeace Deutschland - Unsere Antwort!

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Der Papierhersteller Stora Enso hat vor ein paar Tagen einen Brief an Greenpeace Deutschland geschickt. Darin geht Stora Enso auf einzelne Vorwürfe von Greenpeace ein. Die Äußerungen des Papierherstellers wollen wir natürlich nicht so im Raum stehen lassen, da sie falsch sind. Des weiteren haben wir auch einen Brief in einer E-Mail verfasst, den alle Web-User in den nächsten Tagen bekommen, die bisher auf unseren Seiten einen Kommentar hinterlassen haben. Der Grund dafür ist, dass Stora Enso eine Mail an alle unsere Web-Blogger schickt.

Und jetzt hier unsere Stellungnahme:

Greenpeace-Stellungnahme zum Schreiben von Herrn J. Koch, Stora Enso Deutschland an Greenpeace vom 08.03.2005

Stora Enso: "Stora Enso kauft kein Holz aus Urwäldern"

Diese Aussage ist falsch. Greenpeace-Recherchen belegen, dass Stora Enso auch diesen Winter Holz aus Urwaldgebieten und Wäldern mit hohem Schutzwert (siehe dritter Absatz) bezog. So wurde beispielsweise Holz aus dem Kessi-Urwald und dem Paadarskaidi-Gebiet zum Stora Enso Zellstoffwerk in Kemijärvi geliefert. Der Zellstoff aus Kemijärvi wird sowohl in Finnland, als auch in Deutschland von Stora Enso zur Papierherstellung eingesetzt.

Stora Enso: "In dem Dialogprozess zwischen Metsähallitus und den Umweltorganisationen wurde für das Gebiet in Ober-Lappland vereinbart, keine Wälder einzuschlagen, die vorher nicht forstwirtschaftlich genutzt wurden."

Ende 2003 hat Metsähallitus zwar mitgeteilt, in unberührten Urwäldern in Inari nicht mehr einzuschlagen, dieses Versprechen aber mit dem Einschlag im Kessi Urwald gebrochen.
Gebiete, wie der Kessi-Urwald, aus dem Stora Enso noch diesen Winter Holz bezog, sind in Karten verzeichnet, die von Greenpeace, dem finnischen Naturschutzbund (FANC) und den Sami erstellt wurden und welche die Basis für den sogenannten "Dialogprozess" bilden. Solange Metsähallitus in diesen kartierten Wäldern einschlägt, kann Stora Enso nicht sicher sein, kein Holz aus Urwaldzerstörung und Zerstörung von Wäldern mit hohem Schutzwert zu beziehen.

Stora Enso: "Stora Enso bezieht ausschließlich Holz aus forstwirtschaftlich genutzten Flächen in Oberlappland."

Es gibt Bereiche innerhalb der von Greenpeace, FANC und den Sami kartierten Gebiete, die vor Jahrzehnten selektiv eingeschlagen wurden. Diese Gebiete erfüllen nach wie vor ihre wichtigen ökologischen Funktionen und werden als Wälder mit hohem Schutzwert bezeichnet. Sie sind für die traditionelle Rentierwirtschaft von großer Bedeutung. Diese Flächen sind gemäß dem "Reindeer Act" (Gesetz zum Schutz der Rentierwirtschaft) geschützt und dürften daher nicht durch Kahlschlag so geschädigt werden, dass eine traditionelle Rentierwirtschaft unmöglich wird. Die Tatsache, dass in einzelnen Gebieten einzelne Bäume auf wenigen Hektar vor Jahrzehnten gefällt wurden, - also die forstwirtschaftliche Nutzung - rechtfertigt es also nicht, diese Wälder durch Kahlschlag zu zerstören.

Stora Enso: "In den letzten Jahrzehnten ist die Rentierpopulation um 150% gestiegen"

1980 gab es in Finnland 177 000 Rentiere. Ende der 80er Jahre brach der Markt für Rentierfleich aufgrund der Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl zusammen, so dass weniger Tiere geschlachtet wurden und 1990 eine Höchstzahl von 259 000 Tieren erreicht wurde. Die letzten Zahlen für 2003 geben eine Zahl von 201 000 Tieren an. Eine Steigerung der Anzahl der Tiere fand seit Tschernobyl weder für das Gesamtgebiet der Rentierhaltung noch in den einzelnen Kooperativen statt. Im Gegenteil, die Zahl der Tiere sinkt. Jeder Kooperative wird vom finnischen Staat die Haltung einer maximalen Anzahl von Rentieren zugestanden. Die Anzahl der "erlaubten" Rentiere richtet sich nach der vorhandenen Waldfläche. Da der Urwald schwindet, müssen die Sami die Herden kontinuierlich verkleinern. Viele Kooperativen in Lappland haben heute in etwa so viele Tiere wie in den 70er Jahren.

Stora Enso: "In Urwäldern gäbe es keine Rentierhaltung"

Zum Ende des Winters, wenn der Schnee hoch und hartgefroren ist, können die Rentiere die auf dem Waldboden zu findende Nahrung nicht mehr gut erreichen. Sie ernähren sich dann von Flechten die von den Ästen der Bäume herabhängen. Im Winter nach einem Sturm sieht man im Urwald überall kleine grüne Flechten auf dem weißen Schnee liegen. Nur in intakten Waldökosystemen wie den Urwäldern sind die Flechten in ausreichender Menge zu finden. Untersuchungen ergaben, dass in Urwäldern mehrere hundert Kilogramm Flechten pro Hektar wachsen. In bewirtschafteten Wäldern sind die Flechten nicht in ausreichender Menge zu finden. Wenn die Urwälder weiter abgeholzt werden, ist die traditionelle Rentierwirtschaft mit frei umherwandernden Tieren gefährdet, ein Stück finnischer Kultur ginge verloren.

Die Zerstörung der Urwälder und Wälder mit hohem Schutzwert verletzt, laut der UN, die Rechte der Sami. Das Menschenrechtskommittee der Vereinten Nationen hat in einem Länderbericht im November letzten Jahres die finnische Regierung aufgefordert, die verschiedenen Formen der Landnutzung – wie etwa den Einschlag in den Urwäldern – solange einzustellen, bis eine Klärung in der Frage der Landrechte stattgefunden hat. Dieser Aufforderung seitens der Vereinten Nationen ist die finnische Regierung bisher nicht nachgekommen. Durch den Kauf von Holz aus den Rentierwäldern trägt Stora Enso zur Verletzung der Menschenrechte der Sami bei.

Stora Enso: "Verwunderlich ist, dass Greenpeace das PEFC-Zertifizierungssystem als 'Industriezertifikat' in seiner Presseerklärung vom 7.März diffamiert, obwohl z.B.von den 27 Mio ha FSC-zertifizierten Wäldern in Europa (das FSC-Zertifikat wird von Greenpeace unterstützt) fast die Hälfte von schwedischen Industriekonzernen gehalten werden, u.a auch von Stora Enso, die an Bergvik AB zu ca. 40% beteiligt ist. Das PEFC-Zertifikat wird im Gegenteil von Kleinwaldbesitzern unterstützt."

Greenpeace ist nicht gegen Forstwirtschaft - auch nicht gegen industrielle Forstwirtschaft generell. Wenn man Wälder nutzt, dann müssen jedoch strenge ökologische und soziale Kriterien, wie sie der FSC vorschreibt, berücksichtigt werden. Die Nutzung der letzten Urwälder wäre nach den finnischen FSC Standards gar nicht erlaubt! Fakt ist, dass 98% der finnischen Wälder PEFC zertifiziert sind - auch die Urwälder. Dennoch werden sie unter dem Deckmantel der PEFC- Zertifizierung zerstört! Während der FSC von allen großen internationalen Umweltverbänden anerkannt ist, genießt der PEFC keine Glaubwürdigkeit. Der Titel "Industriezertifikat" beruft sich nicht darauf, wer den Wald nutzt, sondern wer das Zertifikat unterstützt und ins Leben gerufen hat.

Zitat aus der PEFC homepage: "Der PEFC-Prozess wurde im August 1998 von skandinavischen, französischen, österreichischen und deutschen Waldbesitzern zusammen mit Vertretern der Holzwirtschaft initiiert."

Noch heute ist es so, dass beim PEFC aufgrund seiner Struktur die Entscheidungen von Industrie, Forstwirtschaft und dem Waldbesitz getroffen werden.
Der FSC beruht dagegen auf drei Säulen. Vertreter der Wirtschaft, aus dem sozialen Bereich und der Umweltseite haben hier gleiches Mitspracherecht.

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:48 | Kommentare (1)

Finnlands Urwälder sind in Gefahr - Helft mit, sie zu retten

wald.jpg Die letzten Urwälder Finnlands werden abgeholzt, um sie zu Papier zu verarbeiten. Schick eine E-Card an all deine Freunde und Bekannten, damit sie helfen, den Urwald zu retten!


Schreibt an den finnischen Außenminister Erkki Tuomioja und bittet die Regierung, dafür zu sorgen, dass der Wald stehen bleibt!


ecoquest3.jpg Spiel Eco Quest 3 - Die Rentierzüchter

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 09:47 | Kommentare (1)

10.03.05

Lagebericht - Die ersten Reaktionen

bagger.jpg Wie ihr ja schon wisst, hat das finnische Forstamt Metsähallitus am Montag die Abholzung in den von uns markierten Wäldern gestoppt. Das haben wir unseren Markierungs-Teams zu verdanken, die mehrere Tage in den Wäldern von Nellim verbrachten und finnische sowie englische Schilder an den Grenzen der Rentiertierzüchter Gebieten aufstellten.

Die Schilder sagen: „Kein Einschlag – wichtiger Rentierwald“ - in Anlehnung an das finnische Gesetz, dass für den Schutz der Gebiete sorgen soll.

Damit ist die Arbeit aber natürlich nicht vorbei...

Erst einmal werden wir auch die nächsten Tage noch genau prüfen, ob sie halten, was sie versprechen. Ausserdem hat Metsähallitus nur für fünf Gebiete zugesagt, nicht weiter abzuholzen. Die restlichen Gebiete sind nicht erwähnt. Unser Ziel ist es aber, für alle 73 ungeschützten, von uns auf Karten erfassten Wälder in Nordfinnland das Moratorium zu erreichen. Jetzt gibt es die ersten Stellungnahmen von verschiedenen Seiten.


Hier eine Zusammenfassung unterschiedlicher Reaktionen:


Der Finnische Agrar- und Waldminister Juha Korkeaoja sagt in einer Presseerklärung ...

„Das Forstamt Metsähallitus hat die Abholzung zum Schutz der Rentiere in den letzten 30 Jahren um 40 Prozent reduziert. Dagegen hat sich jedoch die Rentierpopulation in der gleichen Zeit verdoppelt. Die Reduzierung des Einschlags wird nicht die Probleme um die Existenz der Rentierzüchter lösen. Stattdessen wird die Arbeitslosigkeit erhöht, und der Druck auf die wichtigsten Holzabnehmer ist größer".

Weiter sagt Juha Korkeaoja „dass es möglich ist, eine zukunftsfähige Holzwirtschaft in Nordfinnland zu betreiben, auch unter Berücksichtigung von allen sozialen Aspekten. Der Natur-Ressourcen-Plan ist gerade in Kraft getreten und enthält gute Möglichkeiten, um beide Seiten zufrieden zu stellen".




Stora Ensa aus Deutschland schreibt einen Brief an Greenpeace Deutschland:

Stora Enso kauft kein Holz aus Urwäldern. In dem Dialogprozess zwischen Metsähallitus und den Umweltorganisationen wurde für das Gebiet in Ober-Lappland vereinbart, keine Wälder einzuschlagen, die vorher nicht forstwirtschaftlich genutzt wurden. Stora Enso bezieht ausschließlich Holz aus forstwirtschaftlich genutzten Flächen in Ober-Lappland. Die von Greenpeace behauptete Gefährdung der Rentierhaltung ist unrichtig. In den letzten Jahrzehnten ist die Rentierpopulation um 150% gestiegen. Zudem ist aus ökologischer Sicht die hohe Rentierpopulation eher problematisch. In Urwäldern gäbe es keine Rentierhaltung.

Einige Sami unterstützen die Greenpeace Kampagne, jedoch gibt es in der Region Stimmen, auch von den Sami Ureinwohnern, die die Kampagne von Greenpeace ablehnen. Die Gemeinde Inari hat nicht die Ressourcen, um eine ähnlich spektakuläre Gegenaktion zu starten. Dennoch haben sie jetzt eine Unterschriftenaktion gegen die Greenpeace-Aktion gestartet. Bedauerlicherweise wird in Lappland oftmals Greenpeace gleichgesetzt mit den Deutschen, die sich in innere Angelegenheiten einmischen, obwohl sie ihre eigenen Wälder so gut wie gar nicht unter Naturschutz stellen.

Verwunderlich ist, dass Greenpeace das PEFC-Zertifizierungssystem als 'Industriezertifikat' in seiner Presseerklärung vom 7.März diffamiert, obwohl z.B. von den 27 Millionen Hektar FSC-zertifizierten Wäldern in Europa (das FSC-Zertifikat wird von Greenpeace unterstützt) fast die Hälfte von schwedischen Industriekonzernen gehalten werden, u.a auch von Stora Enso, die an Bergvik AB zu ca. 40% beteiligt ist. Das PEFC-Zertifikat wird im Gegenteil von Kleinwaldbesitzern unterstützt."


Ausserdem....

.... hat die Inari Gemeinde angefangen, Unterschriften für eine Petition gegen Greenpeace Aktivitäten in Nordfinnland zu sammeln. Die Gemeinde Inari ist der Auffassung, dass der Konflikt zwischen den Rentierzüchtern und der Forstwirtschaft künstlich herbei geführt ist. Er würde die Forstwirtschaft stoppen und die Zukunft des Kemijärvi Zellstoffwerks gefährden. "Jedesmal wenn Greenpeace nach hierher kommt, müssten die Menschen hier, um ihre Existenz bangen", sagt der Vorsitzende der Inari Gemeinde Terho Kinisjärvi.

.... Stora Enso Finnland hat einen runden Tisch mit allen Diskussionsparteien einberufen und fordert Hannele Pokka, die Gouverneurin von Lappland auf, mit dabei zu sein....


...und zum Abschluss noch ein paar Kommentare unserer Blogger!

Hallo an alle die hier das Engagement loben!
Ich finde, wir sollten uns zuerst mal an die eigene Nase fassen. Wo kommt denn der Bedarf an Urwaldholz her? RICHTIG. Weil WIR Holz und Papier(!) aus den Urwäldern kaufen! In den meisten Druckern und Kopierern steckt weißes, Nicht-Recyclingpapier. Und eben dieses kommt zum großen Teil aus dem Urwald. Wir sollten uns also auch mal Gedanken machen, warum dieses Urwald Camp überhaupt nötig ist. Jan Martin

Liebe Greenpeace-Aktivisten,
ich wünsche euch viel Erfolg bei eurer ´eisigen´ Aktion. Ich finde es toll. Das ist viel mehr wert, als wenn z.B. ein Fussball-Verein gewinnt, denn ihr setzt euch für die Zukunft aller ein. Wollige Grüße aus dem Süden

Hallo liebes Greenpeace-Team,
ich bewundere Eure Energie, Kraft und den Willen mit dem Ihr Euch einsetzt! Macht weiter so! Ich bin Fördermitglied und Cyberaktivistin bei Greenpeace und wie schon in den anderen Kommentaren zu lesen ist, würde ich Euch auch gerne Unterstützen, indem ich einen Brief an die Verantwortlichen schicke. Also, wenn Ihr eine Adresse habt stellt sie doch ins Internet. Ich war als Kind einmal über Weihnachten in Finnland und kann mich daran erinnern wie schön der schneebedeckte Wald dort war. Und wie faszinierend diese unglaubliche Stille auf mich gewirkt hat. Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft! Viele Grüße, Molly

(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 10:55 | Kommentare (3)

09.03.05

Circa 8 Unfälle pro Tag!

zucht.jpg In unserem Büro in Inari ist heute Full House. Seit Montag ist die Abholzung von dem finnischen Forstamt Metsähallitus im umstrittenen Gebiet tatsächlich gestoppt. Deshalb checken jetzt ein paar von uns, zusammen mit den Sami, ob dieser kurzfristige Stopp für die Wälder rund um Nellim wirklich eingehalten wird. Und um die Verhandlungen für das Moratorium voran zu treiben, beraten unsere Aktivisten, welche Schritte die nächsten sind.

Dave, unser irischer Web-Reporter und ich sind deshalb mal für ein paar Stunden raus ins Camp, um dem Computer und der Hektik zu entfliehen und etwas Aktionsluft zu schnuppern. Dave fährt. Gott sei Dank. Obwohl er es gewöhnt ist, auf der linken Fahrbahnseite zu fahren - er kommt halt aus Irland - lege ich doch die Verantwortung für den Wagen lieber in seine Hände. Ich bin sicherlich keine schlechte Fahrerin, auch wenn manch einer der Meinung ist, dass ich immer zu sehr auffahre, doch hier bei den vereisten Straßen sitz ich lieber auf der sicheren Seite und lass mich chauffieren. Zu Recht, denn kaum kommt die erste Abbiegung, gerät das Auto bei leichten Bremsen ganz schön ins Schlittern. Eine starke Bremsung ist also nicht zu empfehlen. Was erklärt, warum die Rentierzüchter-Genossenschaftsseite im Internet sogar auf einer ganzen Seite über Rentiere im Strassenverkehr referiert. Freiwild! Vorsicht ist geboten!

Anfänglich musste ich darüber schmunzeln und hab die Ernsthaftigkeit klar unterschätzt. Zwar passieren jährlich circa 3000 Unfälle – circa 8 pro Tag – doch die meisten in der Zeit von November bis Januar und von Juli bis August, da im Winter durch eine dicke Schneeschicht und das Eis auf den Weidenflächen sowie im Sommer durch die Insektenplage die Rentiere auf offene Flächen und Straßengebiete fliehen. Ein anderes Problem ist, dass die Fahrbahnen die Weidegebiete unterbrechen, zudem die Straßen durch das Streusalz und Sand den Bedarf von Spurenelementen decken, was die Anziehungskraft auf die Tiere nur noch erhöht.

RentierSTrasseKopie.jpg Es ist März, also fühle ich mich in absoluter Sicherheit. Jedoch keine 15 Minuten später – was in Finnland übrigens keine große Distanz ausmacht – steht rund 600 Meter vor uns eine ganze Herde mitten auf der Strasse. Seelenruhig, einfach zuckersüss. „Autos stören die Rentiere nicht, aber Menschen“, sagt Dave und nimmt schnell den Fuss vom Gas, damit wir sie nicht sofort vertreiben. Wir versuchen so dicht wie möglich mit dem Auto ran zu kommen, damit wir gute Fotos machen können. Unser „Gestank“ würde sie schliesslich sofort vertreiben.

Die Fotos im Kasten fahren wir heil und happy weiter. Die statistischen dreitausend Pechvögel haben nicht so viel Glück und müssen sich dann auch noch mit Versicherungsklauseln rumschlagen. Denn die besagen verrückterweise, dass man schon ein Rentier richtig anfahren muss, damit die Versicherung zahlt. Die Schäden von Ausweichmanövern muss der Fahrer selber blechen. Es sei denn man hat die nötige Zusatzversicherung nicht vergessen... (Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 20:52 | Kommentare (1)

08.03.05

Die Sonne oder "Beaivi" auf samisch

sonne.jpg Ich dachte immer, im Winter ist es in Finnland den ganzen Tag stockdunkel, oder zumindest nur ein paar Stunden dämmrig. Stimmt nicht. Als ich heute morgen um 8 Uhr aus meinem Schlafsack krabbelte, konnte ich sogar schon einen riesigen Ball am Himmel sehen.

Unsere finnischen Aktivisten haben mir erklärt, dass es nur im Dezember fast den ganzen Tag dunkel bleibt. Jetzt im März ist es im Grunde schon genauso hell, wie im restlichen Europa.

Ab jetzt geht es hier nur sehr viel schneller, dass die Tage wieder länger werden. Von Tag zu Tag steht die Sonne fast ganze 10 Minuten mehr am Himmel als zuvor. Kein Wunder, in ein paar Monaten ist hier Mitternachtssonne, bis dahin muss sie immerhin volle 24 Stunden zu sehen sein.

InariSonneWaldKopie.jpgWährend die einen noch schlafen und die anderen schon zur ersten Lagebesprechung zusammen sitzen, um zu diskutieren, wie wir auf den Stopp der Abholzung reagieren, schleich ich mich raus und mache einen ausgedehnten Guten-Morgen-Spaziergang. Es ist eine beruhigende Stille, nur meine Fussstapfen sind im Schnee zu hören. Einfach herrlich. Wäre es doch nur nicht so kalt!

Am Inarisee bleibe ich eine Weile stehen und lass mich ein wenig von der Sonne wärmen. Bei einer solchen Kälte lernt man die Kraft der Strahlen wirklich zu schätzen.

InariSeeSonneKopie.jpg Aber nicht nur ich, für die Sami, die finnischen Ureinwohner mit denen wir hier gegen die Abholzung der Urwälder eintreten, gehört Beaivi (Sonne auf samisch) zu den wichtigsten Göttern, die sie verehren. In manchen Überlieferungen wird sie sogar als die Mutter von Natur, Tier und Mensch beschrieben. Um sie zu ehren, wurde deshalb in früheren Zeiten ein Kuchen aus Mehl und Rentierblut gebacken. Am Ende des Winters befestigten die Sami das Gebäck dann als Opfergabe an ihren Häuserwänden. Eine Spende, damit die Sonne möglichst viel scheint und sowohl die Wanderer in den Bergen, als auch die Seefahrer auf der See und die Rentierzüchter bei der Suche nach verlorenen Tieren unterstützt. (Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 16:34 | Kommentare (1)

07.03.05

Urwälder markiert - Einschlag gestoppt?

ResizeofDSC00638.JPG Heute morgen sind wir trotz klirrender Kälte wieder in den Wald aufgebrochen. Eingemummelt in dicken Boots und warmen Hosen, fahren wir los, um weitere Markierungen des Urwaldes in der Nähe von Nellim anzubringen. Der Grund: Diese Abschnitte sollen vor weiteren, bereits geplanten Einschlägen geschützt werden - ein wichtiger Bestandteil unserer gemeinsamen Aktion mit den Sami, denn die Gebiete, die hier abgeholzt werden sollen, brauchen die Rentierzüchter, um den Erhalt der Tiere als Einkommensquelle und ihrer damit verbundenen kulturellen Identität zu sichern.

Kaum zu glauben, aber um zu dem von den Sami ausgesuchten Gebiet zu kommen, müssen wir eine riesige Schleife fahren, dabei sind die zu markierenden Stellen nur circa 5 Kilometer Luftlinie von unserer Basis entfernt. Kein Seltenheitswert übrigens: In diesem Teil Finnlands gibt es nur wenige ausgebaute Straßen, von der Bevölkerungsdichte mal ganz zu schweigen. Etwa 7000 Menschen leben in der Region rund um Inari, davon circa 2000 Sami. Wir brauchen also eine gute Stunde für einen Weg, der normalerweise sogar zu Fuß kürzer ist. Zudem müssen wir auch noch stark aufpassen, dass wir nicht von der Straße abkommen und in einer Schneewehe landen, denn die Fahrbahn ist vom Neuschnee ziemlich rutschig und vor allem kaum zu sehen.

ResizeofDSC00618.JPG Endlich an Ort und Stelle angekommen, haben wir uns in zwei Teams aufgeteilt. Zwei unserer Aktivisten sind so unerschrocken und schnallten sich ohne zu zögern ein paar Skier an, denn nur mit denen kann man in bestimmte Teile der Wäldern vordringen.

Wir anderen, weniger heldenhaft, bleiben am Straßenrand und suchen nach geeigneten Stellen, um die grell gelb-roten Schilder, mit der Aufforderung, die Abholzung dieser Wälder zu stoppen, gut sichtbar anzubringen. Dies gelingt, nachdem wir uns durch hüfthohlen Schnee mühsam von der Stelle kämpfen. Doch der Einsatz hat sich gelohnt, nun hängt ein Schild sogar an einer sehr eindrucksvollen circa 500 Jahre alten Kiefer - einem Stück echten Urwalds.

Resizeofschilder.jpg Nachdem wir alle wichtigen Stellen markiert haben, geht es endlich wieder zurück in Richtung Basis. Hat doch länger gedauert, als ich dachte. Ich habe inzwischen Eisfüße und blaue Finger, und vor allem Durst. Dave, unserem Aktivist aus Irland, geht's genauso. Ganz nach dem Motto „selbst ist der Mann“ greift er einmal in den Schnee und leckt an dem kühlen Nass. Ich kann mich dafür jedoch nicht erwärmen. Der Schnee ist unerwartet trocken und befriedigt nicht im geringsten mein inzwischen dringendes Bedürfnis, etwas zu trinken.

Unseren Augen kaum trauend, kommen uns auf dem Rückweg auf einmal ein paar LKWs des Forstamts Metsähallitus entgegen. Offensichtlich holen sie ihre Geräte und das Holz von den Sammelplätzen wieder ab. Scheint also doch etwas an den Gerüchten dran zu sein. Heute morgen berichtete die finnische Presse, dass die Abholzung im Gebiet Nellim gestoppt werden soll. Wir warten jedoch erst einmal ab, ob sich das tatsächlich bestätigt. Doch wenn es stimmt, ist das großartig. Und ein erster Erfolg für uns!
(Anisha)

Veröffentlicht von Redaktion-HH um 23:02 | Kommentare (4)

06.03.05

Rentierfleisch - gut essen und die Sami-Rentierhalter unterstützen

Nachdem wir unsere Arbeit für den Vormittag erledigt hatten, meldete ich mich freiwillig zum Kochen. Gerade in dem Moment kam Petteri vorbei. Er brachte uns Rentierfleisch ins Camp. Super, so konnte ich endlich mein Lieblingsessen aus Finnland kochen und genießen. Rentierfleisch ist wirklich köstlich!

Dieses Fleich von den frei im Urwald umherziehenden Rentieren, kann man nur als echtes Bio-Fleisch bezeichnen. Die Tiere leben frei im Wald und auf den höher gelegenen Grasflächen und werden nur dann mit Flechten aus dem Urwald oder mit Heu gefüttert, wenn sie zusammengetrieben werden. Trotzdem bekommt das Fleisch kein Bio-Siegel.

Die EU-Vorschriften erschweren die Bio-Zertifizierung für das Rentierfleisch. Bio-Fleisch unterliegt richtigerweise strengen Kontrollen. Aber dass es für das Rentierfleisch der Sami kein Zertifikat gibt, erscheint doch etwas absurd. Da die Tiere frei im Wald leben, bekommt ein Kontrolleur die Tiere meist erst gar nicht zu Gesicht und kann deren "Haltung" nicht kontrollieren. Also gibt es für das Rentierfleisch der Sami kein Bio-Zertifikat.

Vor einiger Zeit bekam ich eine Einführung in die Sami-Küche im finnischen Lappland. Umso mehr freute ich mich, jetzt für die Aktivisten ein Superessen zuzubereiten. Es gab Rentierfleisch mit zerstampften Kartoffeln und Preiselbeeren.

Rentier schmeckt nach Wild, nur zarter, wenn es sich im Wald von den Früchten des Waldes ernährt hat. Wird ein Rentier mit Heu gefüttert, schmeckt das Fleich ganz anders. Unser Fleisch jedoch bekamen wir von Rentierhaltern der Mutkatunturi Rentiercooperative und deren Tiere leben in der Wildnis. Aber auch die Vegetarier unter uns erhielten ein leckers Essen: Gemüsetopf. Also verhungen muss hier keiner. Mal sehen was als Nächstes gekocht wird, vielleicht überrascht uns ja einer mit einer Spezialität aus seiner Heimatstadt.

Und hier noch schnell das Rezept:
Es ist einfach und schnell. Man nehme Rentierfleisch und schneide dies in dünne feine Scheiben. Das geht übrigens am Besten, wenn es noch leicht gefroren ist. Das Fleisch kann direkt nach dem Zerkleinern in einen Topf, in dem vorher Butter zerlassen wurde. Das Fleisch dann langsam anbraten (rund 20 Minuten). Nach und nach das ganze Fleisch kleinschneiden und in den Topf geben. Salzen, ein bisschen Pfeffer, eine Kloblauchzehe zerstampften und zufügen. Nun ein wenig Bier angießen und weitere 15 Minuten köcheln lassen (Gemüsebrühe dazugeben ist auch nicht schlecht). Und schon ist es fertig. Mit Salzkartoffeln und Preisselbeeren servieren. Dazu gibt es in Finnland immer das typische braune Brot mit Butter. Und wer noch mehr Rezepte will, die gibt es unter Rentierzucht in Inari (Englisch)

Veröffentlicht von Beate um 17:33 | Kommentare (4)

05.03.05

Bilder vom Leben im Camp

Es kann ja so schön sein, obwohl es so kalt ist!

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Veröffentlicht von Beate um 22:30 | Kommentare (4)

04.03.05

Wie fühlen sich minus 22 Grad an?

Bevor ich in die Urwaldschutzstation gekommen bin, habe ich mir immer wieder versucht vorzustellen, wie kalt minus 20 oder 30 Grad eigentlich sind. Als ich dann meine Winterkleidung einpackte, fragte ich mich abermals ob meine Kleidung ausreichen würde.

22.jpgIn Norddeutschland ist es selten über längere Zeit kalt, so dass richtige Winterkleidung in den letzten Jahren "dank" der Klimaerwärmung aus vielen Kleiderschränken verschwunden ist. Auch ich bin eher für bis minus 10 Grad ausgerüstet, denn für minus 20 Grad.

Heute morgen wurde mir beim Fotografieren klar, was minus 22 Grad bedeuten. Zum Fotografieren muss ich die Handschuhe ausziehen, sonst treffe ich die kleinen Sensoren nicht. Und ohne Handschuhe wird es ein kurzes Vergnügen. Nach drei, vier Bildern friert der Atem an der Kamera und der kleine Finger fängt an einzufrieren und unbeweglich zu werden. Nach zwei weiteren Bildern kommt der Ringfinger, dann ... und zuletzt der Zeigefinger. Brrrrrrrrrr!

Kurz nachdem ich das Foto des Thermometers gemacht habe - 22 Grad minus - war auch Schluss. Nicht nur meine Finger, auch die Digitalkamera wollte nicht mehr. Ich verschwand rasch in einen der Wohncontainer des Camps, dort lief der Ofen und heizte den Raum schön warm auf.

Doch der schnelle Wechsel von Kalt nach Warm brachte meinen Fingern für kurze Zeit starke Schmerzen. Es fühlte sich an, als ob ich meine eingefrorenen Finger direkt unter heißes Wasser halten würde. Kennt bestimmt jeder. Vor lauter Schmerz merkte ich, wie sich mein Gesicht verzog. Aber nach ein paar Minuten war alles wieder gut und ich konnte wieder raus, um weitere Bilder vom Urwald zu machen. (Olli)

Veröffentlicht von Beate um 14:23 | Kommentare (14)

03.03.05

Alles läuft rund!

Die Greenpeace-Urwaldschutzstation im finnischen Urwald ist aufgebaut. Zwei rote Wohncontainer und ein traditionelles Tipi sind in Position gebracht. Unsere knallroten Wohncontainer stehen im Schnee und fallen gut auf. Der erste Tag hat uns gezeigt, alles funktioniert einwandfrei. Die Heizung arbeitet und die reichlich vorhandene Elektronik hat sowohl den Transport als auch die Kälte gut überstanden.

tipi.jpgDer Blick aus dem Fenster ist wunderschön. Eine weiße vollkommen verscheite Landschaft, mitten im Wald. So etwas bekommen wir selten zu Gesicht. Kiefern sind neben Birken die vorherrschenden Bäume. Fichten wachsen hier nicht mehr. Wird sind zu weit nörlich.

Viele Kiefern sind uralt. Das sieht man ihnen auf den ersten Blick nicht gleich an. Sie sind häufig dünn und gar nicht so hoch gewachsen. Das rührt von den extremen klimatischen Bedingungen her. Der lange Winter, der die Landschaft von Oktober bis Mai mit einer dicken Schneeschicht im Griff hat, lässt in den Sommermonaten nur spärliches Wachstum zu.

Die Sami, Rentierhalter der Mutkatunturi Kooperative, erzählen uns beim ersten Tee des heutigen Tages von der Bedeutung der Rentiere für ihre Kultur und traditionelle Lebensweise. Sie berichten von den Wanderwegen der Rentiere und das sie auf den Paadarskaidi Wald angewiesen sind. Außerdem berichten sie uns von den letzten Abholzungen. Erst im Dezember 2004 wurde nicht weit von unserer Schutzstation zuletzt eingeschlagen. Und neue Einschläge sind bereits geplant. (Olli)


Veröffentlicht von Beate um 20:15 | Kommentare (4)

02.03.05

Urwaldschutzstation fertig aufgebaut

Die Urwaldschuztstation ist fertig aufgebaut. Alles steht nun am richtigen Platz. Acht bis zehn Greenpace Aktivisten aus verschiedenen Ländern werden ab jetzt permanent vor Ort sein. Ziel ist es, die Urwaldzerstörung zu beenden und den Sami-Rentierhaltern bei der Kontrolle der Wälder zu helfen.

Über den Tag mussten die Container noch einmal gerichtet werden. Sie standen ein wenig schief. Im Tipi-Zelt haben wir zum Wärmen und Kochen sogar eine Feuerstelle eingerichtet. Jetzt können wir dort heizen und wenn wir wollen sogar kochen. Zudem haben wir einen neun Meter hohen Mast errichtet: Unser Funkmast.

Besuch_im_Camp.jpgHeute haben diverse Journalisten die Urwaldschutzstation besucht, Interviews mit Greenpeace-Aktivisten und einigen Sami-Rentierhaltern geführt. Vorher haben wir im Siida Museum, dem Sami-Museum in Inari, eine Pressekonferenz abgehalten. Dort haben wir die finnischen Journalisten über unsere Urwaldschutzstation, die Zusammenarbeit mit Sami-Rentierhaltern und über unsere Forderung nach Beendigung der Einschläge im Urwald informiert.

Einige Journalisten besuchten daraufhin das Camp. Zu Mittag gab es eine vorzügliche Rentiersuppe. Als Vegetarier hat man es hier allerdings schwer, sind wir doch quasi durch die Zusammenarbeit mit den Sami an der Rentierfleisch-Quelle. Das Fleisch der sich im Wald frei bewegenden Rentiere ist echtes Biofleisch. Die Tiere essen nur Früchte des Waldes, Flechten, Pilze, Gras. Trotzdem darf das Fleisch nicht als Biofleich gekennzeichnet werden.

Der Tag begann heute übrigens mit einem Eisklotz. Wir hatten gestern einen Kanister mit Wasser im Auto vergessen. Der war nun richtig durchgefroren. Die Kälte, der Frost halt. Um Tee und Kaffee zu kochen, schippten wir also erstmal Schnee. Schmeckte vorzüglich, denn hier in Lappland ist die Luft rein, das Wasser der Flüsse trinkbar und so natürlich auch der Schnee "trinkbar". An Wassermangel werden wir also nicht leiden.

Jetzt hoffen wir nur noch auf Neuschnee, damit wir so schön eingeschneit werden, wie es derzeit in Deutschland vielerorts passiert. (Olli)

Veröffentlicht von Beate um 20:55 | Kommentare (3)

Leben der Sami

Für viele Sami in Nordfinnland ist die traditionelle Rentierhaltung mit frei umherziehenden Herden die wichtigste Lebensgrundlage und Teil ihrer kulturellen Identität. Ein paar Bilder aus ihrem Leben.

Sami treiben ihre Rentiere in eine Koppel zusammen. Dort werden sie unter anderem gezählt.

sami1.jpg

Sami beraten über ihre Rentiere.

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Einige Tiere werden mit dem Lasso eingefangen.

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Sonnenuntergang hinter dem Polarkreis

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Huskys gehören auch zum Alltag.

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Eingefangene Rentiere.

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Veröffentlicht von Beate um 19:43 | Kommentare (0)

Standort der Urwaldschutzstation

Hier gibt es zwei Karten, die zeigen wo sich das Camp in Lappland befindet.

Ja, so weit oben im Norden haben wir das Camp aufgebaut.

grafik1.jpg

Und hier nochmal das Gebiet der Sami in Finnland im Überblick:

grafik2.jpg

Veröffentlicht von Beate um 16:45 | Kommentare (0)

Aufbau der Urwaldschutzstation

Die wichtigsten Dinge, die wir hier benötigen, um im Urwald für langere Zeit überleben zu können, sind nun endlich vollständig eingetroffen. Der zweite Wohncontainer ist am Dienstag nach langer Fahrt in Inari angekommen.

Die Fahrt aus Deutschland hat länger gedauert als gedacht, denn die Kälte macht einem hier oben im Norden oft einen Strich durch die Rechnung. Bei Temperaturen von Minus 30 Grad in der Nacht wollten nicht alle elektronischen Teile des Greenpeace-LKWs so wie wir wollten, er sprang schon in Schweden einfach nicht mehr an. Hilfe eines zweiten LKW war nötig, um weiterfahren zu können.

Unser "Zuhause" werden nun diese beiden roten Wohncontainer sein. Sie sind für die klimatischen Bedingungen in Finnland speziell ausgerüstet und besonders gut gedämmt worden. Geheizt werden die Container mit Holz und Strom. Ein Generator und Windkraft werden Strom liefern und die Batterien stetig aufladen, so dass Computer, Fotoapparate und andere elektronische Geräte funktionsfähig bleiben.

Die Container werden im Paadarskaidi-Urwald zusammen mit traditionellen Sami-Zelten (Tipis) die Greenpeace-Urwaldschutzstation bilden. Der Wald liegt zwischen dem Ort Inari und der finnisch-norwegischen Grenze. Hoch im Norden Finnlands und knapp 300 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Der Erhalt des Waldes hat für die Sami-Rentierkooperative von Mutkantunturi besondere Bedeutung: Hier finden die Rentiere im späten Winter, wenn der Schnee hoch liegt und sehr hart ist, Baumflechten. Das ist ihre wichtigste Nahrung zu dieser Zeit im Jahr. Wie zur Bestätigung oder zur Begrüßung sahen wir links an der Straße eine kleine Gruppe Rentiere, als wir die kleine Straße in den Wald hineinfuhren.

Veröffentlicht von Beate um 13:14 | Kommentare (4)

28.02.05

Von Hamburg nach Inari: Montag, 28. Februar 2005

Freitag bin ich gestartet von Hamburg nach Inari. Mein Ziel: die Urwälder Nordfinnlands, die noch immer vom finnischen Staat nicht ausreichend geschützt sind. Nach etwa 2000 Kilometer langer Fahrt über Dänemark und Schweden haben wir die die Grenze nach Finnland bei Kemi überquert. Das ist am nördlichsten Ende der Ostsee. Dies ist die Stadt, aus der das Papier kommt, für das die letzten Urwälder gefällt werden.

Von Kemi geht es weiter Richtung Norden, vorbei an Rovaniemi - der Stadt des finnischen Weihnachstmannes - über den Polarkreis bis nach Inari. Inari íst in fast jedem Atlas zu finden, obwohl dort nur knapp 700 Menschen leben. Rund um Inari liegen einige der letzten Urwälder Europas.

Die gesamte Fahrt links und rechts der Straße sehe ich nichts anderes als Wälder. Fichtenwälder, angepflanzt um nach 80 Jahren wieder gefällt zu werden. Manche sind gerade ein paar Jahre alt. Am Horizont fallen einzelne größere Bäume in einem Meer kleinerer auf. Es sind ältere Bäume, die mir zeigen wie klein die meisten der Bäume noch sind. Wo ist der Urwald - unser Ziel? Bin ich schon dicht dran, oder gar gerade dran vorbeigefahren?

In Inari heißen uns Greenpeace-Aktivisten aus verschiedenen Ländern willkommen. Sie waren beriets Sonnabend und Sonntag eingetroffen. Wir sind spät dran. Und auch die Sami der örtlichen Rentierkooperative begrüßen uns herzlich. Ich fühle mich gleich gut aufgenommen. Aber es ist eiskalt. Wir stehen draußen im Schnee, bei minus 17 Grad. Ich muss mich noch an die klirrende Kälte gewöhnen.

Die Vorbereitungen zur Errichtung der Greenpeace-Urwaldschutzstation sind in vollem Gange. Die traditionellen Sami Zelte (Tipi) werden aufgebaut. Auch sie werden in der Urwaldschutzstation aufgestellt. Gerade ist ein roter Wohncontainer eingetroffen. Er wird dafür sorgen, das uns im Urwald nicht allzu kalt wird.

Der Wald in dem wir die Schutzstation errichten hat tiefe Wunden. In den letzten Monaten wurden vom staatlichen Forstamt immer Bäume gefällt. Knapp zwei Kilometer von unserem Camp kann man die Spuren der Holzindustire deutlich sehen. Im Dezember wurde hier zuletzt gefällt: ein mehrere Hektar großer Kahlschlag. Kaum ein Baum steht noch.

Ich frage mich, wie hier, bei den extremen klimatischen Bedingungen, jemals wieder ein Wald wachsen soll? Ich frage mich wo die Tiere des Waldes jetzt sind? Wo sind die Rentiere der Sami? Hier liegt nur noch eine öde Landaschaft vor meinen Füßen. Grüße aus dem kalten Norden Olli

Veröffentlicht von Beate um 09:15 | Kommentare (2)