Greenpeace Göttingen

Pressemitteilung vom 6. April 2002

Russisches Urwaldholz im Baumarkt verramscht

Greenpeace protestiert bei Bahr gegen den Verkauf von Urwaldholz

Um gegen die Abholzung der letzten Urwälder zu protestieren, haben Aktivisten von Greenpeace Göttingen im Baumarkt Bahr Holz gekennzeichnet. Das Fichtenholz stammt aus einem einzigartigen Wald in Russland und wird nun für den Dachausbau verwendet. Mit Aufklebern und rot-weißem Absperrband markierten die Umweltschützer ihren Fund. Die Aufkleber zeigten eine roten Hand und den Text "Finger Weg - Urwaldzerstörung". Vor und in dem Baumarkt informierten die Greenpeace-Aktivisten Kunden sowie die Marktleitung.

"Dieses Holz kommt aus einem der letzten Urwälder Europas", sagt Johannes Rienau, von Greenpeace Göttingen. "Es ist in Jahrhunderten gewachsen und endet hier bei uns als billiges Bauholz, das darf nicht sein. Wer dieses Holz verkauft ist mitverantwortlich an der Zerstörung der Urwälder. In Zukunft sollte nur noch FSC-zertifiziertes Holz angeboten werden, das garantiert nicht aus Urwaldzerstörung stammt." FSC-Holz stammt aus nachhaltiger Bewirtschaftung und erfüllt ökologische und soziale Kriterien, die international anerkannt sind. Der Filialleiter reagierte grundsätzlich positiv auf die Forderung, sein Angebot umzustellen. Er wird sich bei der Geschäftsführung von Max Bahr Deutschland für eine veränderte Einkaufspolitik einsetzen.

An einem Aufdruck auf dem Holz kann man erkennen, dass das Holz aus der Region Archangelsk am Weißen Meer in Russland stammt. Dort befindet sich einer der letzten großen Urwälder Europas, der Dvinsky-Urwald. Dieser 1,5 Mio. Hektar großen Wald ist das letzte große Rückzugsgebiet für seltene Tiere wie den Braunbären oder das Gleithörnchen in Russland. Weltweit sind die "Fantastischen Sieben" - die letzten sieben noch existierenden großen Urwaldregionen - akut von Abholzung bedroht. Außer den Urwäldern im Norden Europas gehören dazu die nordischen Urwälder in Sibirien und Kanada, die tropischen Regenwälder am Amazonas, in Zentralafrika und in Südostasien sowie die Bergwälder Chiles. Jährlich verschwinden 150.000 Quadratkilometer Urwald - alle zwei Sekunden ein Fußballfeld.

"Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie sich für den Schutz der Urwälder einsetzt. Beim Urwaldgipfel der Vereinten Nationen, hat sie die Chance ein Zeichen zu setzen" so Johannes Rienau. Ab Sonntag dem 7. April treffen sich in Den Haag die Regierungen der Welt auf dem UN-Urwaldgipfel. Die Minister der Vertragsstaaten der Konvention für biologische Vielfalt (COP6-CBD) werden dort einen zehnjährigen Aktionsplan für die Urwälder erarbeiten. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich in Den Haag für einen sofortigen Abholzungsstopp in Urwäldern einzusetzen.



© phlo 2001/02 Greenpeace-Gruppe Göttingen