Greenpeace Göttingen    

Sonja

 

Pressemitteilung vom 11. April 2003

Urwaldzerstörung im Umschlag

Protest gegen Briefumschläge aus finnischem Urwaldholz

Sieben Mitglieder der Greenpeace-Gruppe Göttingen haben am Freitag an der Postfiliale am Bahnhof gegen Urwaldzerstörung protestiert. Die Umweltaktivisten kennzeichneten Briefumschläge mit Aufklebern mit der Aufschrift "Finger weg – Urwaldzerstörung!" An Postkunden wurden Sonderbriefmarken verteilt, mit denen sie gegen Urwaldzerstörung protestieren können. Der Filialleiter war leider nicht bereit ein Schreiben entgegenzunehmen oder mit sich auch nur die Argumente der Umweltschützer anzuhören, sondern drohte sofort mit der Polizei.

Die Deutsche Post profitiert von der Zerstörung einiger der letzten Urwälder Europas. Die Briefumschläge der Eigenmarke "Deutsche Post" werden von der Firma Herlitz hergestellt, einem der größten deutschen Briefumschlaghersteller. Herlitz bezieht das Papier zur Herstellung der Umschläge u.a. von der Firma Stora Enso, dem größten Papierhersteller Europas. In den finnischen Papierfabriken von Stora Enso werden die letzten Urwälder Finnlands zu Papier und Zellstoff verarbeitet.

"Wer diese Postumschläge verschickt, verschickt die letzten Urwälder Finnlands gleich mit", sagt Florian Noto, Pressesprecher der Greenpeace-Gruppe Göttingen. "Der finnische Urwald ist in Jahrhunderten gewachsen und wird nun für Briefumschläge der Deutschen Post kahl geschlagen. Wir fordern, dass die Post den Verkauf dieser Briefumschläge einstellt, solange dafür Urwälder zerstört werden. Sie kann problemlos zu Umschlägen aus Recyclingpapier wechseln." Postfilialleiter Koch erwiderte lediglich: "Unsere Kunden brauchen nicht informiert zu werden."

Heute existieren nur noch wenige Reste der einstmals großen Urwälder in Finnland. Knapp fünf Prozent, etwa eine Million Hektar, sind bisher verschont geblieben. Doch auch in diesen Resten wird jetzt eingeschlagen. Die Urwälder sind Lebensraum einer Fülle von Tieren und Pflanzen, alleine über 500 Arten sind durch die Abholzung der Urwälder in Finnland bedroht. Auch die traditionellen Einwohner Nord-Finnlands, die Samen, sind auf die Urwälder angewiesen. Ihre Rentiere fressen im Winter die Flechten von den alten Bäumen, wenn die großen Sommerwiesen zugeschneit sind. Ohne Urwälder können die Samen die traditionelle Rentierzucht nicht mehr betreiben.

Vom 28. -30. April treffen sich in Wien die europäischen Forstminister zur "Konferenz für den Schutz der Urwälder in Europa (MCPFE)". "Auf dieser Konferenz hat die Bundesregierung die Chance, ein Zeichen für den Urwaldschutz in Europa zu setzen, indem sie einen Stopp der Urwaldzerstörung in Finnland fordert – die Post könnte mit gutem Beispiel voran gehen und den Verkauf von Briefumschlägen aus Urwaldzerstörung einstellen", so Florian Noto.


Sonja

"Gehe nicht auf geraden Wegen, geh Wege die noch niemand ging. Damit du Spuren hinterläßt und nicht nur Staub."
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