Ölplattformen dürfen nach der erfolgreichen Brent Spar-Kampagne von Greenpeace vor zehn Jahren nicht im Nordost-Atlantik versenkt werden. Ihr Betrieb ist aber noch immer eine große Belastung für das Meer. Darüber informieren am heutigen Samstag acht Mitglieder Greenpeace-Jugendgruppe Göttingen. Um die Ölverschmutzung zu veranschaulichen haben die Jugendlichen zwei Ölplattformen gebaut. Eine aus Lego symbolisiert den Kampf um die Ölplattform, mit Schiffen, Kletterern und Protest-Banner. Die zweite Plattform ist als Dankeschön für alle Verbraucher gedacht, die die Protestwelle getragen haben: eine Bohrinsel zum Nachen in einem Meer aus Wackelpudding.
Doch die Jugendlichen schwelgen nicht nur in Nostalgie. "Das Meer ist noch nicht gerettet", sagt Rosa Pollter von der Greenpeace-Jugendgruppe Göttingen. "Die Ölindustrie hat auch nach Brent Spar nicht verstanden, wie sehr sie sich ändern muss. Das zeigen die alltägliche Verschmutzung durch die Ölförderung im Meer und die Ausbeutung weiterer unberührter Gebiete." Heute gibt es etwa 500 Ölplattformen in der Nordsee, von denen jährlich 14.000 Tonnen Öl ins Meer fließen. Das entspricht einem Tankerunfall pro Jahr. Greenpeace fordert großflächige Schutzgebiete, in denen die Ölförderung untersagt ist, damit das Meer sich erholen kann.
Stattdessen will die Ölindustrie noch in neue, unberührte Gebiete vordringen. Im Visier ist die ökologisch wertvolle Inselregion der Lofoten vor Norwegen. Bedroht sind Seeadler, Kormorane und Papageientaucher, die auf den Fischreichtum angewiesen sind. Für den Schutz der Lofoten sammeln die jungen Umweltaktivisten Unterschriften. "Der Protest von Verbrauchern hilft sehr dabei die Umwelt zu schützen," sagt Rosa Pollter.
Am 30. April 1995 besetzte Greenpeace die ausgemusterte Öl-Verladeplattform in der Nordsee. Der Shell-Konzern wollte den Stahlkoloss als erste Plattform in den Nordost-Atlantik schleppen und versenken. Nach heftigen Auseinandersetzungen, einer ungeahnten Protestwelle von Verbrauchern und breiter politischer Unterstützung gab Shell am 20. Juni auf. Die Brent Spar wurde zerlegt und für eine neue Kaianlage in Norwegen genutzt. 1998 konnte Greenpeace schließlich ein generelles Versenkungsverbot von Plattformen im Nordost-Atlantik und der Nordsee durchsetzen.
Das Versenkungsverbot für Plattformen war ein großer Schritt zum Schutz der Meere. Die alltägliche Verschmutzung der Nordsee aber hat zugenommen. Bei 4 von 17 überprüften Plattformen im Brent-Feld vor Großbritannien hat Greenpeace erhebliche Öleinleitungen dokumentiert.