Greenpeace Göttingen:
Aktionsjahr 2001
Das neue Jahrtausend ist für Greenpeace erfolgreich gestartet: International, in Deutschland und hier in Göttingen konnten wir viele Ziele erreichen.
Im Sommer haben einige unser engagiertesten Mitgliedern die Gruppe und die Stadt verlassen. Diesen Verlust konnten wir bis zum Jahresende schon abschwächen, auch wenn wir weiterhin aktive Leute suchen.
Am 15. September 1971 brachen einige mutige Leute von Kanada in Richtung Südpazifik auf, um gegen Atomtests zu protestieren - Greenpeace war geboren. Die in New York geplante 30-Jahr-Feier am 15. 9. 2001 wurde Aufgrund der Anschläge vom 11. September abgesagt. Ausgefallen ist auch eine Kinder-Urwald-Demo an diesem Tag in Hannover.

Castor stoppen- Atomkraft beenden
In diesem Jahr sind erstmals seit dem Transportstopp Mitte 1998 wieder Castorbehälter durch Deutschland gefahren. An der Sicherheit hat sich aber ebenso wenig geändert wie an der ungelösten Entsorgungsfrage. Die beiden Atomtransporte aus Frankreich nach Gorleben haben aufgrund zu starker Proteste in Göttingen lieber einen Umweg genommen. Lediglich am 15. Mai passierte ein Atommülltransport den bewachten Bahnhof. Wir informierten vor dem Bahnhof Passanten und BGS-Beamte über die Gefahren, die von dem Strahlenmüll ausgehen. Ähnliche Aktionen führten wir an vielen anderen Transporttagen durch, auch wenn Göttingen nicht betroffen war.
Ende des Jahres wurde die Atomgesetznovelle vom Bundestag verabschiedet. Bereits im September haben wir an alle Bundestagsabgeordnete aus Göttingen und den umliegenden Wahlkreisen geschrieben und sie gebeten, gegen diese Gesetz zu stimmen, welches in unseren Augen keine Verbesserung darstellt.
Für eine bessere Landwirtschaft
Die konventionelle Landwirtschaft hat in diesem Jahr mit BSE und MKS wieder mal bewiesen, dass sie nicht in der Lage ist, eine gesunde Lebensmittelproduktion zu garantieren. Im August startete Greenpeace die Landwirtschaftskampagne. Wir fordern vor allem von der Massentierhaltung, dass hier auf den vorbeugenden Einsatz von Antibiotika, Gentechnik, Tiermehl und -fett und sonstigen ekligen Sachen im Tierfutter verzichtet wird. Anstatt die Tiere mit Medikamenten mühsam die Mastzeit durchhalten zu lassen, sollen die Hygienebedingungen verbessert werden, z.B. indem einfach mehr Platz geboten wird.
Am 27. September konnten wir beweisen, dass bei in Göttingen gekauften Putenschenkeln der Firma Heidemark massiv Antibiotika eingesetzt wurde. In fünf von sieben Stichproben ließen sich mit Laboruntersuchungen Medikamentenreste in den Knochen nachweisen.
Am 20. Oktober informierten wir KundInnen über die Haltungsbedingungen von Puten, die zu Du Darfst Wurst verarbeitet werden. Und zwar direkt dort, wo diese Produkte verkauft werden - in den Supermärkten!
Am 30. November veranstalteten wir auf der 48-Stunden-Uni ein "Subversives Picknick" bei dem wir neben kostenlosem Ökoessen viele Informationen zu unseren Landwirtschaftsthemen gegeben haben.
Jugendliche bei Greenpeace
Seit dem 13. März gibt es in Göttingen eine Greenpeace Jugend AG, genannt JAG. Mittlerweile kämpfen acht Jugendliche mit einfallsreichen Aktionen für den Umweltschutz.
So fotografierten sie am 12. Mai viele GöttingerInnen vor einem selbstgebastelten "Banapfel", um gegen Gentechnik in Lebensmitteln zu protestieren.
Am 14. Juli (kurz vor dem Klimagipfel in Bonn) demonstrierten sie zusammen mit einigen Erwachsenen für Klimaschutz. "Save the Climate - Act Now" forderte ein Pinguin auf einer Rettungsinsel. Daneben stand der SmILE - ein Auto mit dem Greenpeace bereits 1996 bewiesen hat, das halber Verbrauch bei gleicher Leistung, Komfort und Sicherheit möglich ist.
Am 20. September, bastelten sie beim Fest zum Weltkindertag eine Urwaldschlange.
Auf dem Weihnachtsmarkt forderten sie mit den bekannten Schreckensbildern aus der Massentierhaltung Besucher auf, Fleisch aus nutztiergerechter Tierhaltung zu kaufen.
Nationalpark Kellerwald jetzt
Bis Mitte des Jahres beschäftigen wir uns hauptsächlich mit dem Kellerwald in Nordhessen. Auf 5700 Hektar stehen hier Jahrhunderte alte Buchen. Der Wald wurde in der Vergangenheit fast nur als Jagdgebiet genutzt, weswegen er nahezu unberührt und nur durch wenige Straßen und Siedlungen zerschnitten ist. Bei mehreren Infoständen und Vorträgen informierten wir über unser Ziel, diesen Wald zum Naturschutzgebiet zu erklären. Viele Menschen unterstützen uns mit einer Unterschrift.
Am 30. April haben Kinder über 100 Zwerge bemalt, die in den darauffolgenden Wochen im Göttinger Einzelnhandel zu sehen waren und so für unser Anliegen warben.
Am 2. Juni erklärte Hessens Umweltminister Diezel endlich: Mindestens in den nächsten zwei Jahren werden keine weiteren Laubbäume mehr gefällt.
Schützt die letzten Urwälder
Bereits 80% der ursprünglichen Urwälder weltweit sind zerstört. Die Weichen für den Erhalt des letzten Fünftels könnten auf dem internationalen Urwaldgipfel im April 2002 in Den Haag gestellt werden. Seit September baut Greenpeace öffentlichen Druck auf, damit die Verantwortlichen zu einer Lösung kommen. Besonders gefragt sind Schulen, die ein Vorbild für Behörden darstellen könnten. An der Kampagne "Schule für den Urwald" beteiligen sich sieben Göttinger Schulen, die in Zukunft darauf achten wollen, kein Urwaldholz für Papier, Möbel, Fenster, Stifte, Turngeräte usw. zu verwenden.
Ökonomie und Ökologie
Mit zwei öffentlichen Vorträgen haben wir die Verbindung zwischen Handel und Umwelt beleuchtet. Am 17.Mai diskutierten vier Experten über "Nachhaltiges Wirtschaften", am 23. Oktober erläuterte Greenpeace Welthandelsexperte Jürgen Knirsch die Bedeutung der WTO für die Umwelt. Beim WTO-Gipfel in Doha (Katar) im November gab es für den Umweltschutz leider nur blumigen Worten und Absichtserklärungen. Umweltvorsorge darf weiterhin den Welthandel nicht beeinträchtigen.
Rettet die Wale
Dieses langjährige Greenpeacethema hat uns auch 2001 beschäftigt. Im Februar zeigten wir in der Uni die große Waleausstellung. Am 7. Oktober beteiligten wir uns mit einem riesigen Aufblas-Wal und einem Infostand am Tag der offenen Tür des Zoologischen Museums. Hier kann man jeden Sonntag zwischen 10 und 13 Uhr ein echtes Pottwalskelett bestaunen.
|