Umweltfreundliche Ernährung

Eine umweltfreundliche Ernährung orientiert sich an vier Faktoren:

 

- ökologischer Anbau

- regionaler Anbau und Vertrieb

- saisonal verfügbare Nahrungsmittel

- überwiegend pflanzliche Nahrungsmittel

 

› bio + regional + saisonal + vegetal

 

Im besten Falle wird auch noch der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigt, d.h. durch faire Preise gewährleistet, dass die Produzenten ein ausreichendes Einkommen aus der Erzeugung der Nahrungsmittel beziehen.

 

Ernährung und Klimawandel

Wie die Tabelle unten zeigt, ist der wichtigste Faktor für die Klimafreundlichkeit eine größtenteils an pflanzlichen Nahrungsmitteln orientierte Ernährung. Vor allem sollte wenig Fleisch gegessen werden, denn die Fleischerzeugung hat gravierende Auswirkungen auf das Klima. Das liegt vor allem an der schlechten „Energieeffizienz“ von Fleisch: Die Tiere müssen natürlich mit Futter versorgt werden, bis sie geschlachtet werden. Für 1 kg Fleisch werden heute durchschnittlich 6 kg. Getreide und andere Futtermittel aufgewendet.

 

 

Kilogramm Treibhausgase pro Kilogramm Lebensmittel:

 

Milchprodukte

Butter

15,0

Käse/Quark

7,6

Joghurt/Rahm/Kaffeesahne

2,7

Milch

1,4

 

Fleisch, Eier

Rind/Kalb

19,6

Schwein

8,4

Geflügel

5,1

Eier

2,6

Fisch

3,1

 

Pflanzliche Produkte

Brot, Backwaren, Nudeln

1,2

Gemüse

0,5

Obst

0,5

Kartoffelprodukte

0,4

Margarine, pflanzliche Öle

1,6

Zucker, Süßwaren

2,5

Tofu

1,1

 

Getränke (trinkfertig)

Mineralwasser (Flasche)

0,5

Kaffee, Tee (schwarz, grün)

0,6

Erfrischungsgetränke, Säfte

0,5

Bier

0,7

Wein, Schaumwein

0,9

Spirituosen

1,1

 

Das Futter besteht in der konventionellen Erzeugung zu einem Großteil aus dem Schrot von Sojabohnen, die oft auf Flächen angebaut werden, auf denen zuvor tropischer Regenwald gerodet wurde. 2004-2005 fielen der Abholzung für den Anbau von Futtermitteln und Agrosprit und für Holz allein im Amazonas 12.000 Quadratkilometer Wald zum Opfer. Das ist eine Fläche so groß Sachsen-Anhalt ohne die nördlichen Landkreise (Börde, Altmark, Stendal). Diese Rodungen sind fatal für das Klima, da Regenwälder viel CO2 speichern können. Zur schlechten Klimabilanz von Fleisch trägt auch bei, dass die Tiere selbst viele Treibhausgase ausstoßen.

 

 

Aber auch tierische Produkte wie z.B. Butter haben einen hohen Treibhausgasausstoß, da für ein Stück Butter mehr als 20 Liter Milch benötigt werden und eine Kuh im Jahr 1,5 Millionen Liter CO2 und 100.000 Liter Methan (25mal klimaschädlicher als CO2) emittiert.

 

Die Welternährungsorganisation stellt in ihrer Studie (lifestocks long shadow) von 2006 fest, dass der Beitrag der gesamten Tierhaltung zur globalen Erwärmung mit 18% höher ist, als das weltweite Transportaufkommen. Andere Studien (World Watch Institute, 2009) gehen von mindestens 40% aus.

 

 

Saisonalität + Regionalität + Ökologischer Anbau

Pflanzliche Produkte, die in der Saison reif sind und aus regionalem, ökologischem Anbau stammen, haben am wenigsten schädliche Auswirkungen auf die Umwelt. Bei Bioprodukten liegt der größte Vorteil für Umwelt und Gesundheit daran, dass für den ökologischen Anbau nur bestimmte und wenige Pestizide zugelassen sind, die das Grundwasser und den Boden nicht in dem Maße belasten, wie der massive Pestizideinsatz im konventionellen Anbau.  

 

Im Winter sollte bei lagerfähigen Produkten (z.B. Äpfeln, Kürbis etc.) auf regionale Produkte aus ökologischer Herstellung zurück gegriffen werden. Frisches Gemüse wie z.B. Salat dagegen empfiehlt sich eher aus unbeheizten Folientunneln in Spanien als aus beheizten Gewächshäusern in Deutschland.

 

Keine Massentierhaltung

Die Fleischerzeugung in Deutschland bzw. Europa ist oft mit schlimmen Zuständen der Tierhaltung verbunden. Durch nicht artgerechte Haltung und die Überzüchtung der Tiere erkranken sie häufig, was zu einem hohen Medikamenteneinsatz führt. Dieser kann Resistenzen von Erregern hervorrufen. Resistenzen können sich durch den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten auf für den Menschen gefährliche Krankheitserreger übertragen. Antibiotika können so wirkungslos werden. Durch eine Reduktion des Fleischkonsums, wäre es möglich nur so viele Tiere zu halten, wie von der Fläche der Höfe ernährt werden können.

 

Auch Futtermittel sollten biologisch angebaut werden, da damit sicher gestellt wird, dass diese nicht gentechnisch manipuliert sind. Heute sind die meisten GVO-Pflanzen lediglich so manipuliert, dass sie gewissen Pestiziden standhalten. Durch Resistenzen des „Unkrauts“ werden zudem immer stärkere Pestizide eingesetzt, die für Wasser- und Bodenorganismen, Tiere und Mensch schädlich sind. Abgesehen davon kann die Auskreuzung von GVO-Pflanzen unkontrollierbare Folgen für das umliegende Ökosystem haben.

 

Verteilungsgerechtigkeit und Fairer Handel

Weniger Fleischverzehr bedeutet auch einen Beitrag zur Entspannung der globalen Getreidemärkte, da die Abnahme von Getreide als Futtermittel zurückgeht. Jeder Rückgang der Getreidepreise bedeutet eine Existenzsicherung für die Ärmsten der Welt, die dann nicht chronischem Hunger und Unterernährung preisgegeben wären.

 

 

Deshalb fordert Greenpeace Halle die Einführung eines wöchentlichen vegetarischen Tages in allen Kantinen, Mensen etc. in Halle und Umgebung. Machen Sie mit und essen Sie klimafreundliche und umweltgerechtere Gerichte!

 

 

Weitere Infos

Studien

Eating Up the Amazon, Greenpeace 2006
Slaughtering the Amazon, Greenpeace 2009

Livestock’s long shadow, FAO 2006
Livestock and Climate Change, World Watch Institute 2009
Ökologische Optimierung regional erzeugter Lebensmittel. Energie- und Klimagasbilanzen, Institut für Energie- und Umweltforschung, 2009

Filme

Meat the truth, Niederlande, 2009, 72 min
Pig Business, USA/Polen 2009, 76 min
Earthlings, USA 2005, 95 min
Taste the Waste, D 2011
Unser täglich Brot, D, 2005
We feed the World, Österreich, 2005

Bücher

Schlatzer (2011): Tierproduktion und Klimawandel
Von Körber, Männle, Leitzmann (2004): Vollwert-Ernährung

Internetseiten

Überblicksinformationen: www.vebu.de/umwelt/probleme-der-viehwirtschaft

aktuelle Fakten: www.nutrition-impacts.org

 

Initiativen und Veranstaltungen von Greenpeace Halle zum Thema Ernährung und Landwirtschaft


Ein Aufstrichzirkel ist ein Kreis von Menschen, die kulinarisch Neues ausprobieren wollen, um sich bewusster zu ernähren. Das heißt sich mit Zutaten, sowie der Lebensmittelherstellung näher auseinander setzen, und einfach leckere Rezepte mit anderen teilen.

 

 

vergangene Veranstaltungen:

Bildungsarbeit Landwirtschaft Allgemein

Pestizide im Essen

Gentechnik in der Landwirtschaft


    20. 05. 2012.       Druckversion