Einleitung

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) hat ein Problem: Sie muss Emissionszertifikate kaufen, also für ihren immensen Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 zahlen, seit die kostenfreie Zuteilung der Zertifikate 2008 eingestellt wurde. Damit wird der Betrieb ihrer drei kleinen und ineffizienten Kraftwerke unwirtschaftlich. Ganz im Interesse des Klimaschutzes. Ein neues, effizienteres Kraftwerk muss her, so die Überlegung der MIBRAG. Das neue Braunkohlekraftwerk soll nach Möglichkeit 2015 ans Netz gehen. Die Braunkohle dafür soll aus einem neuen Tagebau im Raum Lützen stammen.

Geplanter Tagebau bei Lützen

Es war im Februar 2006 als die ersten Anwohner im Gebiet des geplanten Tagebaus Nachricht von der MIBRAG erhielten, was ihnen und ihren Dörfern bevorsteht. Schweßwitz, Michlitz, Röcken, Sössen, Bothfeld, Gostau, Kölzen, Stößwitz und Ellerbach sind die Ortschaften, die wohl den Baggern weichen werden müssen.

Trotz massiver Proteste der Bewohner und ihrer Bürgerinitiative bleibt die Braunkohle im Besitz des Staates. Nach dem deutschen Bergrecht, das seinen Ursprung noch im Mittelalter hat, darf dieser das Schürfrecht an Dritte abgeben und stellt ihnen damit einen Freibrief zur Vertreibung aus. Vorbei an den Interessen des Grundeigentümers. So mussten in Deutschland in den letzten 50 Jahren über 30.000 Menschen ihre Heimat für die Braunkohleförderung aufgeben. Sollte der neue Tagebau erschlossen werden, kämen mindestens tausend weitere hinzu. Zudem wäre eine spätere Erweiterung der Tagebaugrenzen zu erwarten.

 

Unser Flyer an die Region:

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Tagebaue der MIBRAG

Bisher betreibt die MIBRAG zwei Tagebaue südlich von Leipzig: Den Tagebau "Vereinigtes Schleenhain", dem unlängst Heuersdorf zum Opfer gefallen ist und den Tagebau bei Profen, der bereits 18 Orte seit seiner Erschließung vor über 60 Jahren verschluckt hat. Der geplante Tagebau würde ihn nun um mehrere tausend Hektar erweitern. Nach der Förderung - etwa eine Generation später - wird von den derzeitigen Orten und Feldern wohl nur ein Tagebausee übrig bleiben. Eine solche Rekultivierung ist ökologisch fragwürdig (Quellen: 1 2)  und unsicher. Derartige Altlasten musste die Bevölkerung bereits mit Milliardensummen tragen.



Legende:
Ergundungsgebiet für den geplanten Tagebau Lützen
Umrisse der Tagebaue der MIBRAG in Betrieb (samt bereits genehmigten Erweiterungen)
Ortschaft, die dem neuen Tagebau voraussichtlich zum Opfer fallen wird
Geplantes Braunkohlekraftwerk bei Profen
Alte Kraftwerke der MIBRAG
Zentrale der MIBRAG

Planungsprozess

Zwar soll mit der Kohleförderung erst nach 2025 begonnen werden, doch die Probebohrungen sind bereits abgeschlossen und haben scheinbar die Erwartungen erfüllt. Einen Antrag auf Aufschluss des Braunkohlevorkommens im Raum Lützen hat die MIBRAG noch nicht gestellt. Sollte sich die MIBRAG nicht unter öffentlichem Druck zu einer Abkehr von ihrem Vorhaben entschließen, bleibt nur eine Hoffnung: Die Einbeziehung der Öffentlichkeit in das Genehmigungsverfahren, um einen weiteren unzeitgemäßen Tagebau verhindern zu können. Die eigentliche Genehmigung beruht vielmehr auf fachlichen Kriterien der Behörden denn auf politischen Erwägungen und der Frage nach Auswirkungen und Sinnhaftigkeit. Leider hat sich die Politik in Sachsen-Anhalt bisher auf die Seite des zukünftigen Betreibers gestellt.

Die MIBRAG

Man darf auch fragen, wie viel Zukunft die MIBRAG als Unternehmen noch hat, das weiterhin auf den klimaschädlichen Energieträger Braunkohle setzt. So verkauften die früheren Eigentümer, die US-amerikanischen Firmen URS und NRG Energy, ihre Anteile vor knapp einem Jahr. Als Nachfolger fand sich das tschechische Energieversorgungsunternehmen ČEZ, das hofft, über die MIBRAG auf dem deutschen Energiemarkt Fuß zu fassen. Geerbt hat ČEZ damit drei Braunkohlenkraftwerke in der Region: Mumsdorf, Deuben und Wählitz. Alle drei Anlagen sind vergleichsweise klein und dienen vor allem der Eigenversorgung in den Tagebauen der MIBRAG. Zudem liefern sie Fernwärme in die umliegenden Ortschaften. Die Leistung der Kraftwerke ist gering und liegt zwischen 110 Megawatt in Mumsdorf und 38 Megawatt in Wählitz (elektrisch).

Die alten Kraftwerke

Die größten Probleme folgen allerdings aus dem hohen Alter der Anlagen in Mumsdorf und Deuben. Beide Kraftwerke sind seit weit über 40 Jahren in Betrieb und gehören damit zu den ältesten Installationen in ganz Deutschland. Entsprechend ist es um den Effizienzgrad der Anlagen bestellt. Jede in Mumsdorf erzeugte Gigawattstunde verursacht über 50% mehr Emissionen an Kohlendioxid (CO2) als dies etwa im vergleichsweise modernen Braunkohlenkraftwerk in Lippendorf der Fall ist. Auch die Filteranlagen für Luftschadstoffe und Schwermetalle entsprechen nicht dem technisch Machbaren.

 

Übersicht über Emissionen und Leistung

Das geplante Kraftwerk

Der angestrebte Kraftwerksneubau in Profen soll Ersatz für die Altanlagen der MIBRAG schaffen. Mit über 600 Megawatt Leistung (thermisch) fiele die zugebaute Kapazität in etwa genauso hoch aus wie die Summe der Anlagen in Mumsdorf, Deuben und Wählitz. Ein Gewinn für den Klimaschutz durch den Neubau ist demnach nicht zu erwarten. Gut also, dass die MIBRAG noch keinen weiteren Investor für ihr Projekt finden konnte, nachdem auch EnBW abgesprungen war. Bis auf die Stadtwerke Leipzig, die in ihrer Position sehr schwammig bleiben, scheint auch kein weiteres Unternehmen interessiert zu sein.

Fazit

Bleibt zu hoffen, dass die MIBRAG ihre Chance auf dem Markt der regenerativen Energien erkennt und wahrnimmt. Auf diesem aufstrebenden Sektor arbeiten derzeit mit knapp 300.000 Menschen etwa zehn mal so viele wie in der Braunkohleindustrie. Die MIBRAG selbst beschäftigte 2008 rund 2150 Angestellte. Tendenz fallend.

Wie zahlreiche Studien belegen, ist es möglich, den deutschen Strommarkt umzustrukturieren. In wenigen Jahrzehnten könnte vollständig auf den Energieträger Kohle verzichtet werden.

Was können wir tun?

Damit ein solch unzeitgemäßes Vorhaben gestoppt wird, muss jeder einzelne mit anpacken.

 

Das eigene Wahlverhalten überdenken. Jede Partei setzt sich mehr oder weniger stark für den Ausbau erneuerbarer Energien und damit den Ausstieg aus der Kohleverstromung ein. Also: Informieren und wählen gehen!

 

Den Stromanbieter wechseln. Wo keine Nachfrage, da auch kein Angebot. Je mehr Menschen ihren Stromanbieter wechseln, desto schneller muss auch die Industrie reagieren. Deutschlandweit existieren vier Anbieter, die Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien anbieten: EWS, Naturstrom, Lichtblick und Greenpeace Energy.

 

Selbst aktiv werden. Für Anwohner des Lützener Raums empfiehlt sich, die monatlichen Treffen der ansässigen Bürgerinitiative zu besuchen. Leipziger können sich mit uns gegen einen neuen Tagebau stark machen.


    9. 02. 2012.       Druckversion