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Erdöl

Der Preis des Erdöls

Greenpeace hatte im  Jahr 2000 eine Kampagne zum Thema Umweltzerstörung durch katastrophale Zustände bei der Ölförderung in Russland gestartet.

Wie stellt sich das Problem dar?

Welche Auswirkungen hat der beschriebene schlechte Zustand der Anlagen für Mensch und Umwelt?

Wer ist verantwortlich für die katastrophalen Verhältnisse bei der Ölförderung in Russland?

Wie wird Greenpeace aktiv?

Greenpeace fordert

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Wie stellt sich das Problem dar?

Es geht hier um die großen Ölfördergebiete u. a. in der Komi Region, das ist ein Gebiet ca. 2.000 km nordöstlich von Moskau. Es ist eine dünn besiedelte Fläche, die größer als Deutschland ist. Die Landschaft besteht hauptsächlich aus Taiga, in der die Nadelwälder überwiegen, sowie Tundra mit Marschen und Sümpfen und teilweise Permanentfrostboden. In Teilen der Region ist die Natur noch unberührt und nur ein kleiner Teil wird landwirtschaftlich genutzt. Es herrschen klimatische Extrembedingungen mit einem langen, sehr kalten Winter, bei dem die Temperaturen bis unter -60 Grad Celsius fallen, während der Sommer kurz ist und mit Temperaturen teilweise über 30 Grad Celsius sehr heiß sein kann. Stellenweise taut der Boden aber gar nicht oder wenn, dann nur ca. einen Meter tief auf. 
Seit 1960 wird in dieser Region Öl in größeren Mengen gefördert. Den Höhepunkt der Ölförderung war in den 80'er Jahren. Seit den 90'ern nimmt die Fördermenge wieder ab. Ursache hierfür sind die unzureichende Investitionen, das schlechte technische Management, Probleme mit der Ausrüstung und ein abnehmender Anteil neu in Betrieb genommener Ölfelder. Zur Zeit ist man aber bei der Erschließung neuer Ölfelder, die man bereits in der benachbarten Region Nenets ausgemacht hat. Dort sind die klimatischen Bedingungen allerdings noch schlechter. 
Je schlechter das Klima ist, desto stärker werden die technischen Anlagen beansprucht.  Zum Beispiel war eine 1975 nördlich von Usinsk errichtete, ca. 150 km lange Pipeline, ursprünglich nur für die Nutzungsdauer von sieben Jahren vorgesehen. 1994 war dies aber immer noch in Betrieb, damals im Herbst riß diese komplett ab und riesige Mengen Öl traten aus.
Die Pipelines in der Komi Region sind normalerweise oberirdisch angelegt. Ihre Wartung ist sehr schwierig. Ein großer Teil des Gebietes besteht aus Marschen und Sümpfen. Im Sommer ist es fast unmöglich, eine geborstene Pipeline zu reparieren.
Für den Transport des Öls durch die Leitungen muß es erhitzt werden, um so flüssig zu bleiben. Da sie aber unzureichend isoliert sind, wird der darunter liegende Frostboden erwärmt, was dazu führt, daß der Boden seine Tragfähigkeit verliert und das Fundament der Pipelines sinkt ab. Dies kann zu einem Bruch der Rohrleitungen führen. Das dünnflüssige heiße Öl breitet sich besonders leicht in die Umwelt aus und dringt in die Spalten des Frostbodens ein. Bei der Förderung von Öl wird auch Salzwasser aus der Tiefe an die Oberfläche gebracht, was die Korrosion der Leitungen beschleunigt. 
Die beschriebenen Schwierigkeiten beim Transport des Öls durch Pipelines machen es erforderlich, daß diese ständig gewartet werden und immer wieder repariert oder erneuert werden müssen. Dazu sind hohe Investitionen notwendig, die aber nicht getätigt werden. Statt dessen wird die Erschließung neuer Erdölfelder im Norden geplant. Damit sollen die Fördermengen stark ansteigen. Auch in den bestehenden Fördergebieten sollen die Fördermenge erheblich erhöht werden. Neben den Pipelines will man in Zukunft verstärkt Öltanker in der Ostsee einsetzten, womit das Risiko von Tankerunfällen zunehmen wird.

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Welche Auswirkungen hat der beschriebene schlechte Zustand der Anlagen für Mensch und Umwelt?

Durch den maroden Zustand der Förderanlagen und der Pipelines kommt es immer wieder zum Austritt großer Mengen Öl. Neuere Statistiken über die Freisetzungen von Öl in der Komi Region sind nicht verfügbar. Nach den letzten Angaben des Russischen Ministeriums für Brennstoffe und Energie wird die Gesamtzahl von Öllecks in Russland im Jahre 1999 mit
27.408 angegeben.  Die Größenordnung der ausgetretenen Mengen ist dabei unterschiedlich. Es kommt aber teilweise zum Verlust riesiger Mengen. Jährlich werden bis zu 300 Haverien mit Ölaustritten von bis zu
100.000 Tonnen gemeldet - und das sind nur die amtlich registrierten. Zum Vergleich: das Öltankschiff Exxon Valdez verlor 1989 in Alaska 
42.000 Tonnen Öl, also deutlich weniger. Aber viele dürften noch die Fernsehbilder in Erinnerung haben, welch enormer Aufwand damals nötig war um wenigstens das Gröbste beseitigen zu können. Man kann sagen, daß bei der Förderung in Russland und dem anschließenden Transport durch die Pipelines von 500 Liter gut 100 Liter  in die Umwelt austreten. Es entstehen zahlreiche Ölseen die entweder nur unzureichend abgeschöpft oder aber einfach nicht beachtet werden. Zum Teil werden sie auch einfach angezündet und abgebrannt. Dabei tritt eine enorme Belastung der Luft ein. Wie groß die Verbrennungsaktionen sind beweisen Satellitenaufnahmen. Die hellsten Flecken auf der Erde sind nicht etwa die großen Industriestädte sondern befinden sich in Westsibirien und werden durch das Verbrennen von Erdgas und Erdöl verursacht. Welche Emissionen dabei frei werden sind unvorstellbar. Dem entsprechend schlecht ist die Luft, welche die dortige Bevölkerung einatmet. Das austretende Öl gelangt in zahlreichen Flüsse. In der kalten Jahreszeit treiben sogar schwarze Eisschollen die Flüssen hinab. Der gefangene Fisch schmeckt nach Öl, das Trinkwasser schmeckt nach Öl und in der Milch sind auch schon Rückstände von Öl gefunden worden. Dies alles führt dazu, daß die Krankheitsrate in der Komi Region die höchste in Russland ist und daß in einem Land, in dem generell nicht viel Rücksicht auf die Gesundheit seiner Bevölkerung genommen wird. Dies spiegelt sich auch in der Lebenserwartung der Bevölkerung der Region wieder. Diese sank in den letzten Jahren von 61 Jahren auf gerade noch 45 Jahre.  Man stelle sich vor, man bekommt einfach 16 Jahre seine Lebens genommen weil niemand sich für die maroden Förderanlagen verantwortlich zeigen will.
Gleiche Zustände wie bei der Ölförderung sind auch bei der Nutzung der Erdgasvorkommen in Westsibirien zu verzeichnen. Dabei werden riesige Mengen Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas, in die Atmosphäre gegeben. 

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Wer ist verantwortlich für die katastrophalen Verhältnisse bei der Ölförderung in Russland?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Sicherlich könnte man es sich einfach machen und sagen, die Verantwortlichen sind in den früheren politischen Kadern der ehemaligen Sowjetunion zu suchen. Doch die Sowjetunion existiert nun schon  einigen Jahren nicht mehr und seit dieser Zeit hat das Problem noch zugenommen. Nach dem Zerfall der einstigen Supermacht wurde die staatliche Ölindustrie in mehrere Privatunternehmen aufgeteilt. Jedes dieser Unternehmen stellt für Russland eine Wirtschaftsmacht dar. Auf deren Interessen die Politiker bei ihren Entscheidungen Rücksicht nehmen müssen, sind diese neben den großen Erdgaskonzernen fast die einzigen, die in den betroffenen Regionen noch Steuern bezahlen und fast jeder der in dieser Region arbeitet steht direkt oder indirekt auf der Lohnliste der Öl- bzw. Erdgasunternehmen. Der Widerstand der russischen Bevölkerung ist daher verständlicherweise gering oder kommt erst gar nicht auf, da jeder sonst sofort seine berufliche Existenz gefährdet. Auf Veränderungen können jedoch die westlichen Partner drängen. Deutschland ist der größte Abnehmer russischen Erdöls und Erdgas. Ca. 30 Prozent des deutschen Erdölbedarfs werden durch Importe aus Russland abgedeckt. Pipelines aus den Fördergebieten führen bis nach Schwedt an der deutsch/polnischen Grenze und nach Leuna. Die Raffinerie in Schwedt gehört der Ruhröl GmbH, eine Veba - Tochter, der DEA Mineralöl AG, eine RWE - Tochter, der AGIP Deutschland AG, der Elf Oil Deutschland GmbH und der Total Deutschland GmbH. Die Raffinerie in Leuna gehört dem Elf - Konzern. Auf dem Raffinerieglände von Leuna werden auch Tanksattelzüge von Shell, Esso, BP und Aral beladen. Die westlichen Ölkonzerne, die in Deutschland hohe Umweltstandards erfüllen, sollten auch bei ihren Lieferanten auf die Einhaltung von Umweltstandards achten. 
Da die Investitionen für die Reparatur und den Betrieb der Förderanlagen in Russland sehr hoch sind, sollten sich diese finanzkräftige Unternehmen auch an den dortigen Kosten beteiligen, die von russischer Seite allein kaum aufgebracht werden können. 
Die Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung haben in der Vergangenheit zwar Kredite für die Beseitigung von Ölschäden zur Verfügung gestellt. Der Erfolg blieb jedoch aus. Zu diesem Mißerfolg trugen allerdings auch die damit verbundenen Auflagen bei, bei denen hauptsächlich westliche Firmen von den Geldern profitierten. Ferner mangelte es an Konzeptionen  und das unzuverlässige Verhalten seitens der russischen Unternehmen trug ebenfalls zum Mißerfolg bei. 

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Wie wird Greenpeace aktiv und was fordert Greenpeace?

Greenpeace hat zum Beginn des Sommers 2000 eine neue Kampagne gestartet, welche die bisher geschilderten Probleme bekannt machen will und eine Beseitigung der Mißstände zum Ziel hat. Dazu wurden getreu der Devise „Taten statt Warten" bundesweit Aktionen gestartet, die unter anderem die Autofahrer auf das Problem aufmerksam machen sollen. In diese Aktionen wurden auch das Personal und die Pächter von Tankstellen einbezogen. Es wurden Gespräche mit den Konzern - Leitungen der hiesigen Ölkonzerne geführt. Informationsstände bei diversen Veranstaltungen errichtet. Unterschriften wurden gesammelt, die belegen sollen, daß der Bürger die weitere Entwicklung verfolgen wird und von den Ölkonzern ein der Umwelt gerechtes Handeln erwartet. In Russland waren Teams vor Ort, die das Ausmaß der Zerstörung in Augenschein genommen haben und die Nöte der Bevölkerung sich haben schildern lassen. Ende August ist ein dort errichtetes Camp zu Ende gegangen. Die Teilnehmer des Camps haben ausgetretenes Öl eingesammelt, eine Tätigkeit, die eigentlich die Ölkonzerne durchführen müssen. Es wurden Gespräche mit Vertretern russischer Ölförderunternehmen  geführt. Ölanlagen des  Elf - Konzern wurden zeitweise Blockiert um die Konzernleitung zum Handeln aufzufordern. Die Liste der Aktivitäten von Greenpeace ließe sich noch um zahlreiche Punkte fortführen.

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Greenpeace fordert:

* Die russischen Ölkonzerne und ihre westlichen Partner müssen gemeinsam beginnen, die Pipeline - Lecks zu schließen. Die Umwelt darf bei der Ölförderung und dem Öltransport nur so wenig wie möglich belastet werden. Moderne Umweltstandards dürfen nicht erst ab der deutschen Grenze gelten, sondern müssen auch in Russland umgesetzt werden, denn die Umweltzerstörung macht vor Staatsgrenzen nicht halt.
* Die internationale Staatengemeinschaft muß gemeinsam mit Russland sicherstellen, daß Pipeline - Lecks verhindert werden. Deswegen müssen internationale Kredite für konkrete Projekte zum Umweltschutz auch künftig vergeben werden.
* Westliche Banken und die Ölindustrie soll auf die Finanzierung neuer Ölfelder verzichten, solange die sozialen und ökologischen Probleme der Ölförderung in den bisher betroffenen Regionen nicht gelöst sind.
* Greenpeace lehnt die Ausweitung des Öltanker - Verkehrs in der Arktis ab. Das Rohlöl den Fördergebieten soll durch Pipelines transportiert werden, die in einem guten Zustand gehalten werden müssen.
* Westliche Ölkonzerne, die russisches Öl oder Ölprodukte kaufen, sind mitverantwortlich für die Umweltauswirkungen des Öls, schon bevor es in ihren Raffinerien ankommt. Die Bekämpfung von bestehenden Umweltschäden sowie die Verhinderung von zukünftigen Ölverschmutzungen müssen Bestandteil der Verträge zwischen den russischen Ölgesellschaften und ihren westlichen Partnern werden. Projekte zur Pipeline - Reparatur müssen ins Leben gerufen und gemeinsam finanziert werden.
* Weltweit ist eine Wende in der Energiepolitik nötig. Erneuerbare Energien wie Sonne, Wind  und Wasser müssen die fossilen Energieträger Öl und Kohle langfristig ersetzen.
* Weltweit ist eine drastische Senkung des Ölverbrauchs nötig, Sowohl beim Verkehr als auch beim Heizen von Wohnräumen kann problemlos die Hälfte gespart werden. Zurück zum Anfang.



Weitere Informationen:

Diese Seiten befinden sich auf der Greenpeace-Homepage:
* weitere Informationen zum Thema Öl allgemein.
* Öl - Informationen und Öl - Dossier.  Zurück zum Anfang.