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Lebensmittelverschwendung

Foto (c) Fred Dott / Greenpeace Marburg

Über 30% der weltweit für den menschlichen Bedarf produzierten Lebensmittel landen laut der 2011 von der FAO publizierten Studie „Global food losses and food waste“ auf dem Müll. Betrachtet man die gesamte Nahrungskette, also den Bereich vom Feld bzw. Meer bis auf unseren Teller, so ist davon auszugehen, dass mehr als die Hälfte der Lebensmittel im Müll landet.

In Deutschland fehlen bislang genaue Zahlen, wie viele Lebensmittel tatsächlich auf dem Müll landen und an welchen Stellen der Abfall entsteht. Eine inzwischen vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Auftrag gegebene Studie zur Wegwerfrate in Deutschland, deren Ergebnisse in den nächsten Monaten veröffentlicht werden soll, soll erste belastbare Zahlen liefern. Einer Studie des Folienherstellers Cofresco zufolge landet in Deutschland mengenmäßig etwa jeder fünfte Einkauf in der Tonne. Jeder Verbraucher und jede Verbraucherin verschwendet demnach pro Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel im Wert von rund 310 Euro.

Wo liegen die Gründe für die Lebensmittelverschwendung? Für Greenpeace Marburg sind die Gründe der Verluste im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion vor allem in den Erntemethoden, in Absatzproblemen sowie im Kontext von gesetzlich bzw. vom Handel fixierten Größen-, Farb- und Formvorgaben zu finden. So werden allein durch EU-Richtlinien riesige Mengen an essbaren Lebensmitteln bereits bei der Ernte entsorgt. Im Bereich der Lebensmittelverarbeitung, im Handel und in der Gastronomie liegen die Gründe aus unserer Sicht zu großen Teilen in Lagerüberschüssen durch die Tendenz, Produkte jederzeit in den Regalen und auf den Tischen verfügbar zu halten, in Beschädigungen durch den Transport (Nachernteverluste), fehlerhafter Lagerung und Kühlung sowie vertraglichen Vereinbarungen zwischen Betrieben.

Einer der Hauptgründe bei der Verschwendung in privaten Haushalten liegt aus Sicht unserer Landwirtschafts-AG in der drastisch veränderten Wertschätzung von Lebensmitteln. Neben der fehlenden sorgfältigen (Einkaufs-) Planung liegen die Ursachen in der falschen Lagerung, Verarbeitung aber auch in einem Informationsdefizit im Zusammenhang mit den auf Lebensmitteln angegebenen Daten (z.B. Mindesthaltbarkeit) – Produkte, deren Mindesthaltbarkeit erreicht oder abgelaufen sind, werden häufig ungeprüft in den Müll geworfen. Zunehmend hat sich eine Haltung etabliert, zu viel einzukaufen und nicht ganz makellose Produkte zu ignorieren. Aber auch der übermäßige Konsum von tierischen Produkten und der damit einhergehende immense Verbrauch an Ressourcen (Futtermittel, Anbauflächen) darf nach unserer Ansicht nicht außer Acht gelassen werden.

Die ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen der Verschwendung sind weitreichend. Die Landwirtschaft verbraucht gewaltige Mengen an Energie, Wasser, Pestiziden und Dünger. Werden Lebensmittel nicht verbraucht, sondern entsorgt, führen die weggeworfenen Lebensmittel zur Verschwendung von Ressourcen und Energie, die für die Herstellung der Produkte eingesetzt wurden, was schließlich zur Produktion unnötiger Treibhausgase führt. Bis zu einem Drittel der globalen Treibhausgasemissionen lassen sich auf die Landwirtschaft zurückführen, was durch eine bewusstere Lebensmittelnutzung verringert werden könnte. Zudem ist der großflächige Anbau von Lebensmitteln mit Umweltzerstörung (u.a. Rodung von Regenwald zur Erzeugung agrarischer Rohstoffe und Futtermittel) und der Bedrohung von Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten verbunden. So schreitet z. B. die Überfischung der Meere voran, auf die unsere Meers-AG bereits häufig hingewiesen hat. Eine nicht nachhaltige Fischereiwirtschaft und der damit zusammenhängende sogenannte Beifang (für 250 Gramm Shrimps landen beispielsweise fünf Kilogramm anderer Fisch in der Tonne) tragen aus unserer Sicht letztendlich zur Artenvernichtung über die Mülltonne und zum Verlust der Biodiversität bei. Darüber hinaus ist Lebensmittelverschwendung nicht zuletzt im Kontext des zunehmenden Anteils der Menschen, die weltweit an Unter- bzw. Mangelernährung leiden, moralisch schwer zu verantworten.

Wie lässt sich aus unserer Sicht der umgreifenden Verschwendung begegnen? Bestrebungen, Ressourcen zu schützen und effizient zu nutzen, den Klimawandel aufzuhalten und die biologische Vielfalt zu erhalten, beginnen auch auf und in unseren Tellern und Einkaufsbeuteln. Wir sind als Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur Teil des Problems, sondern können mit adäquatem Handeln zur Lösung des Problems beitragen. „Die Handlungsmöglichkeiten, die jede und jeder Einzelne hat, sind vielfältig. Durch eine Steigerung in Wertschätzung und Bewusstsein im Bezug auf Lebensmittel sowie das Hinterfragen eigener Ansprüche und Essgewohnheiten, kann jede Konsumentin und jeder Konsument Einfluss auf Produktion und Handel nehmen.“ erklärt Stefan Giersiefer von Greenpeace Marburg. Wichtigste Aspekte für eine Reduzierung der Verschwendung sind aus Sicht unserer AG Landwirtschaft demnach eine solide Einkaufsplanung (Einkaufszettel, Fokus auf regionale und saisonale Produkte), eine optimale Lagerung der Lebensmittel aber auch eine effektive Verwertung der Reste. Zudem sind politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger gefragt, Informationsdefizite etwa bei auf Lebensmitteln angegebenen Datumsfristen (Mindesthaltbarkeits- und Verzehrdatum) zu verringern und darauf hinzuweisen, dass es sich etwa beim Mindesthaltbarkeitsdatum nicht um die Haltbarkeit, sondern um eine Gütegarantie handelt. Und schlussendlich sollte auch der Lebensmitteleinzelhandel die übertriebene Vorratshaltung und Angebotspolitik klima- und ressourcenorientiert reduzieren.

Versuch’ auch Du etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu tun! Unsere Landwirtschafts-AG wird dich mit kleinen Aktionen und nützlichen Tipps dabei unterstützen. Mehr dazu 2012! Hast Du bereits weitere Ideen, wie man die Lebensmittelverschwendung reduzieren kann? Dann schreibe uns deine Vorschläge an marburg@greenpeace.de und gewinne einen von 10 Erntekalendern.


Weitere Informationen zum Thema Lebensmittelverschwendung

Frisch auf dem Müll - NDR Kulturjournal