Leuchtender Protest - Ausstieg aus Gorleben
Foto (c) Greenpeace Marburg
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Am 1. Adventswochende 2011 rollt wieder ein Castor ins Wendland, der seine gefährliche Fracht in eine Art Kartoffelscheune nach Gorleben bringt. Dabei gäbe es deutlich bessere Orte für ein Zwischenlager, wie das AKW Philippsburg. Aber in Gorleben befindet sich der marode Salzstock, der vor Jahren aus politischen Gründen als Endlager auserkoren wurde. Mittlerweile ist jedoch erwiesen, dass er sich als solches nicht eignet. Dies scheint jedoch noch nicht bis oben hin durchgedrungen zu sein. Offiziell heißt es zwar, dass nach einer neuen Möglichkeit für ein Endlager gesucht werden soll, Gorleben ist jedoch noch nicht vom Tisch. Der Fakt, dass weiterhin Atommüll dorthin gebracht wird, zeigt, dass an Alternativen doch nicht so viel gelegen ist. Wir – die Marburger Greenpeace-Jugendgruppe - wollten darauf aufmerksam machen.
Am 19. November stellten wir uns deshalb mit unserem Stand auf den Marktplatz und sammelten Unterschriften von Passanten, die wir an selbstgebastelten Adventskränzen befestigten. Die Kränze werden nach Gorleben zu den großen Protestaktionen geschickt und dort mit vielen anderen aus ganz Deutschland gesammelt. Wir informierten auch über Möglichkeiten, direkt im Wendland gegen den Castor-Transport zu demonstrieren: Busse von Marburg aus fahren am 25.11. und am 26.11. Tickets bekommt ihr unter: www.anti-atom-marburg.de. Als es dunkel wurde, bauten wir aus 300 Kerzen ein großes X und beteiligten uns damit an einer deutschlandweiten Greenpeace-Aktion.
Das X ist das Zeichen der Anti-Castorbewegung, im Wendland sieht man es überall. Dort wurden kürzlich erhöhte Strahlenwerte um das Zwischenlager festgestellt. Die Halle, in der die Behälter für hochradioaktiven Abfall lagern, wird von den Anwohnern „Kartoffelscheune“ genannt. Nicht ohne Grund: Das Gebäude schützt nur vor Witterungseinflüssen, weiter nichts.
Das AKW Philippsburg dagegen verfügt auch über ein Zwischenlager. Dort gibt es spezielle Abflüsse, über die bei einem Flugzeugabsturz das Kerosin ablaufen kann, sodass die Gefahr von Explosionen und Bränden gemindert wird. Außerdem ist der Weg von der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague nach Philippsburg weitaus kürzer als nach Gorleben. Noch dazu verfügt das AKW über direkten Gleisanschluss, während die Castoren auf LKW umgeladen werden müssen, um die Halle in Gorleben zu erreichen.
Trotzdem soll auch der nächste Castortransport ins Wendland fahren. Dass der dortige Salzstock absolut nicht als Endlager geeignet ist, ist jedoch schon länger klar. Über dem Salz befindet sich keine schützende Tonschicht: Feuchtigkeit kann eindringen, die die Fässer zum Rosten bringt und es dem radioaktiven Material ermöglicht, ins Grundwasser zu gelangen. Zudem befindet sich unter dem angedachten Endlager das größte Erdgasvorkommen Deutschlands. Mit jedem Transport nach Gorleben, wird dieser unsichere Ort jedoch als Endlager gefestigt.
von Myriam Willsch
