Seit Millionen von Jahren gibt es Ozeane auf unserem Planeten, doch der Mensch hat nur wenige Jahrzehnte gebraucht, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Laut einer aktuellen Studie (veröffentlicht Anfgang 2008) sind nur noch 4 Prozent der Weltmeere nicht vom Menschen beeinträchtigt. Christian Nellemann vom Uno-Umweltprogramm Unep formuliert es klar und drastisch: "Wir befürchten in absehbarer Zukunft einen völligen Zusammenbruch der Fischbestände in den wichtigsten Fischfangzonen ohne Chance auf Erholung"

1994 wurde im Südpolarmeer ein Walschutzgebiet eingerichtet. In diesem Gebiet lässt die japanische Regierung schon seit 1987 alljährlich Wale unter dem Deckmantel der Wissenschaft töten. Tatsächlich bewirkte die Ankündigung der Schutzzone, dass die Zahl der zu wissenschaftlichen Zwecken geschossenen Wale ständig erhöht wurde.
Was stimmt nicht am wissenschaftlichen Walfang? Antwort auf diese Frage gab im Jahr 2005 Professor Toshio Kasuya, Tierforscher und Walexperte der Teikyo-Hochschule für Naturwissenschaften und Technologie. Seiner Analyse zufolge belaufen sich die jährlichen Kosten des japanischen Forschungsprogramms auf rund sechs Milliarden Yen, das sind über 50 Millionen <abbr lang="en" title="United States of America">US</abbr>-Dollar. Fünf Milliarden Yen kommen durch den Verkauf von Walfleisch aus dem wissenschaftlichen Walfang herein. Die andere Milliarde stammt aus Subventionen der Regierung oder einfacher: der japanische Steuerzahler zahlt dafür. Ohne die Einnahmen aus dem Fleischverkauf könnte das Forschungsprogramm im Auftrag der Regierung nicht fortgesetzt werden.
Fazit: Es handelt sich um nichts anderes als eine wirtschaftliche Aktivität. Wissenschaftliche Fragestellungen sind dem Gewinn-Prinzip untergeordnet und die vermeintliche Forschung erfüllt ganz gewiss nicht den wissenschaftlichen Zweck, dem die Konvention zugestimmt hat.
Kasuya: <q>"Laut dem Institut für Walforschung ist die Untersuchung toter Tiere die einzige geeignete Methode, um die erforderlichen Daten zu sammeln. Dabei könnten Biopsieproben von lebenden Tieren Aufschluss über die Menge an Walspeck oder die Fortpflanzungsrate geben. Auch die Analyse der Ausscheidungen liefert Informationen darüber, was Wale fressen."</q>
Eine Meinungsumfrage von 1999 ergab, dass nur elf Prozent der japanischen Erwachsenen für den Walfang sind, während 14 Prozent sich dagegen aussprechen. Einer Untersuchung der japanischen Statistikbehörde zufolge steigt der Konsum von Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch bereits seit Mitte der 1960er Jahre, während der Verzehr von Walfleisch im gleichen Zeitraum sank.
Japan ist nicht das einzige Land, das Walfang betreibt, ob wissenschaftlich oder auf andere Art. Norwegen hat die kommerzielle Waljagd 1993 wieder aufgenommen. Island begann 2003 - nach 14-jähriger Unterbrechung - wieder mit dem angeblich wissenschaftlichen Walfang. Das Land hatte seine illegale kommerzielle Jagd 1989 nach weltweiten Boykotten und wirtschaftlichem Druck aufgegeben. 2006 verkündete Island den Wiedereinstieg in den offen kommerziellen Walfang. Doch schon im Herbst 2007 vergab das isländische Fischereiministerium keine Quote mehr. Die Begründung lautete, für das anfallende Fleisch gäbe es derzeit keinen Markt. Sowohl Norwegen als auch Island suchen nach Möglichkeiten, Walfleisch nach Japan zu exportieren.
Der Klimawandel: Durch die steigenden Temperaturen erwärmt sich auch der Meereskörper, was zu einem verstärkten Absterben von Korallenriffen führt, die auf Temperaturunterschiede äußerst empfindlich reagieren. Die Riffe sind Lebensraum für viele Seetierarten, d.h. mit den Riffen sterben auch letztere. Die erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre führt zudem zu einer Übersäuerung der Meere, was vielen Schalentieren ein Ende setzt, da das Wasser ihre Kalkschale leichter zersetzt.
Die Überfischung: Die Lust auf Fisch macht unsere Meere leer. Auf nationaler und internationaler Ebene werden zwar regelmäßig Fangquoten vergeben, diese fallen jedoch seit Jahren zu hoch aus. Aktuelle Studien zeigen, dass 90 Prozent des Bestandes an Raubfischen - das sind gleichzeitig die Lieblingsspeisefische - wie etwa Tun, Schwertfische und Haie bereits aus den Meeren verschwunden sind. 76 Prozent der weltweiten Fischbestände sind überfischt, 366 von 1.519 Fischereien weltweit zusammengebrochen. 2005 wurden 158 Mio. Tonnen Fisch aus den Weltmeeren geholt. Das sind sieben Mal so viele wie noch 1950. Unabhängig davon räumen Piratenfischer-sie fahren ohne Flagge, Nationalitäten-Kennzeichen oder Namenszug am Schiff und umgehen internationale Fischereiabkommen, indem sie ihre Fangschiffe in Billigflaggen-Ländern registrieren lassen - die Meere leer. Laut der World Conservation Union IUCN sind etwa ein Fünftel der gefangenen Fische illegal gefangen worden. Hinzu kommt noch die Problematik des Beifangs: Weltweit werden jährlich circa 85 Millionen Tonnen Fisch gefangen - vermarktungsfähiger Fisch. Zusätzlich gehen der Weltfischereiflotte circa 30 Millionen Tonnen Meerestiere ins Netz, die nicht weiterverarbeitet werden. Zu den Opfern gehören Groß- und Kleinwale, aber auch Jungfische, Seesterne, Muscheln, Krebse und Haie. Dieser so genannte Beifang, also Tiere die nicht zu Geld gemacht werden können, wird tot oder sterbend über Bord gekippt.
Verschmutzung: Industrielle Giftstoffe wie polychlorierte Biphenyle (PCBs, Flammschutzmittel in Transformatoren und Kondensatoren), polybromierte Biphenyle (PBBs, Flammschutzmittel einer neuen Generation) und Pestizide wie DDT und Tributylzinn (verwendet in Antifouling-Schiffsanstrichen) gelangen durch den Schiffsverkehr und über Industrieabwässer in die Meere und schwächen das Immunsystem insbesondere der Wale, die diese Stoffe, da sie am Ende der Nahrungskette stehen, allmählich in ihrem Körper anreichern. : Zahllose Giftstoffe gelangen über Flüsse, durch Niederschläge und Lufteintrag in die Ozeane und reichern sich dort an. Umweltgifte wie Phthalate (etwa als Weichmacher im PVC), Alkyphenole, PCB und Dioxine greifen schon in geringen Konzentrationen in das Hormonsystem von Tieren ein und können zum Beispiel Unfruchtbarkeit hervorrufen. Zudem leitet die Atomindustrie radioaktiv verseuchtes Abwasser ein: Bei der Wiederaufarbeitung werden die abgebrannten Brennstäbe aus Atomkraftwerken chemisch aufgelöst. Uran (in der Natur vorkommendes, radioaktives Schwermetall) und Plutonium (ein hochgiftiges chemisches Element, das im AKW-Betrieb aus Uran-238 entsteht) werden abgetrennt und dabei Teile des entstehenden Flüssigmülls einfach ins Meer geleitet. Die staatliche Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage von Sellafield, British Nuclear Fuels, pumpt jeden Tag rund acht Millionen Liter radioaktive Abwässer in die Irische See - knapp 3 Milliarden Liter im Jahr. Aus der Anlage in La Hague gelangen jährlich rund 500 Millionen Liter in den Ärmelkanal.
Die zunehmende Verlärmung: Seit dem 2. Weltkrieg hat sich der Lärmpegel um ein Vielfaches erhöht. Erkundungs-Explosionen der Ölförderung, Schiffslärm und militärische Schallexperimente werden durchgeführt. Für Wale ein Delirium: die Dauerbelastung ihres hochentwickelten Gehörs vertreibt sie aus ihren Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten, stört ihre lebensnotwendige Kommunikation und führt im Extremfall zu Gehörschäden und Massenstrandungen.