Liebe Interessierte!
Diesmal haben Sie leider etwas länger auf unsere aktuellen Infos warten müssen - dafür ist heute wieder viel geboten! Über unsere Geburtstagsfeier, den Atomnonsens, einen alternativen Weihnachtsmarkt oder aktuellen Entwicklungen beim Arten-(speziell auch Wale)schutz reicht unser Angebot diesmal.
Wir wünschen Ihnen eine schöne Weihnachtszeit!
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- Greenpeace-Gruppe Regensburg feiert
- Der Atomausstieg ist eine Lüge!
- Advent am Dom
- Erfolge beim Artenschutz
- Neues Sonar gefährdet Wale und Delfine
- Walfangnation Island "aus Versehen" wieder in Walfangkommission
- Schlussworte
*** Greenpeace-Gruppe Regensburg feiert *** (JF)
Am 2. Dezember 1982 gründeten ca. 15 engagierte RegensburgerInnen die Greenpeace-Gruppe Regensburg. Für uns heute Aktive war das Grund genug, am 29. November diesen Jahres Politiker, Medien- und Verbandsvertreter sowie ehemalige Mitglieder einzuladen. Ca. 50 Personen sind dieser Einladung gefolgt und haben mit uns bei Büffet mit ökologischen Zutaten, lateinamerikanischen Gitarrenklängen sowie einer Bilderpräsentation über die letzten 20 Jahre der Gruppe dieses Jubiläum gefeiert. Unter den Gästen waren unter anderem Vertreter von CSU, SPD, Grünen und ÖDP sowie zahlreiche Vertreter anderer Regensburger Vereine.
Die letzten 20 Jahre waren für die Gruppe außerordentlich erfolgreich - sei es der erfolgreiche Kampf gegen die WAA Wackersdorf, die Mitwirkung in der BI für eine autofreie Steinerne Brücke, der Kampf gegen Gentechnik in McDonalds-Futtermitteln oder für klimafreundliche Kühlschränke. Zusammen mit den anderen 80 ehrenamtlich tätigen lokalen Greenpeace-Gruppen in Deutschland sind wir an wichtigen regionalen, nationalen oder internationalen Erfolgen direkt beteiligt! In diesem Sinne hoffen wir auf zahlreiche weitere erfolgreiche Jahre!!!
*** Der Atomausstieg ist eine Lüge! *** (FvT)
In der Pfauengasse protestierten am 2. November Aktivisten der Regensburger Greenpeace Gruppe gegen die Laufzeitverlängerung des AKW Obrigheim, stellten ein 3 x 3 x 3 Meter großes Dreiecksbanner mit der Aufschrift "Fall Obrigheim - Der rot-grüne Atomausstieg ist eine Lüge!" auf und informierten Passanten über den Sachverhalt und Hintergrund. Daneben führten wir noch eine Fotoaktion durch, bei der sich Bereitwillige zusammen mit einer "Stop Castor Figur" gegen die Durchführung von Castortransporten ablichten lassen konnten. Am Sonntag den 3. November berichtete auch der Donaublizz darüber.
Hintergrund:
Kurz nach der Bundestagswahl 2002 war bekannt geworden, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der EnBW (Energie Baden-Württemberg AG) zusagte, sich für eine Verlängerung der Laufzeit des ältesten deutschen Atomkraftwerks in Obrigheim (Baden-Württemberg) einzusetzen. Dabei handelte es sich um eine rein wirtschaftlich geprägte Entscheidung bei der alle ökologischen Gesichtspunkte und Sicherheitsbedenken außer Acht gelassen wurden.
Das 1968 in Betrieb genommene AKW ist mit seinen ca. 340 MW das älteste und kleinste AKW in Deutschland. Das AKW gilt aber auch als eins der unsichersten in Deutschland. So ist es zum Beispiel nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze gesichert, da es nur über eine 70 cm dicke Betondecke über dem Reaktorkern verfügt. Der Standard bei AKWs neuerer Bauart beträgt 200 cm. Nach Expertenmeinung ist es nicht sicherzustellen, dass das AKW den Absturz eines Sportflugzeugs (!) überstehen würde. Weiterhin wird auch der Druckwasserbehälter als sicherheitsbedenklich eingestuft, dessen Schweißnähte im Falle einer Notkühlung platzen könnten. Die Folge wäre eine nicht mehr zu stoppende Kettenreaktion.
Das AKW in Obrigheim stellt eines der unsichersten in ganz Europa dar.
Greenpeace warnt davor, dass das nur der Anfang gewesen sein könnte. Da es sich für die Bundesregierung als schwierig herausstellen dürfte anderen AKWs eine Laufzeitverlängerung abzuschlagen, wenn schon das älteste AKW in Deutschland eine solche erhalten hat. Oder ist der Atomausstieg ohnehin nur eine Lüge?!?
*** Advent am Dom *** (SB)
Einen etwas anderen Weihnachtsmarkt als die altbekannten Weihnachtsmärkte am Neupfarrplatz, Kohlenmarkt oder Haidplatz wollte man den Regensburgern bieten und so organisierten die Regensburger "Soziale Initiativen" am siebten und achten Dezember am Altdorferplatz ein besinnliches Fest, bei dem die verschiedenen umwelt-, gesellschafts- und sozialpolitischen Teilnehmer den Besucher mit kulinarischen und musikalischen Angeboten lockten, um neben Glühwein oder saueren Zipfeln über ihr Anliegen zu informieren. Orientalische Bauchtänze, Clownereien, Theaterstücke und Bastelsachen fehlten ebenso wenig wie Kinderpunsch, Plätzchen oder leckere Schmalzbrote.
Auch die Greenpeace-Gruppe Regensburg beteiligte sich mit einem Stand zum Thema Diesel, bot Glühmost und Selbstgebackenes an und machte den Besucher darauf aufmerksam, wie schädlich sich Dieselabgase über Jahre hinweg auf die Gesundheit des Menschen auswirken. Laut Sachverständigenrat werden durch feinen Schwebstaub, also vorwiegend Dieselpartikel, Erkrankungen der Atemwege, des Herzens und des Kreislaufs hervorgerufen. Je kleiner die Partikel sind, umso tiefer dringen sie in die Lunge ein. "Gegenüber feinen und ultrafeinen Partikeln versagen die natürlichen Abwehrmechanismen der Lunge", stellt der Sachverständigenrat für Umweltfragen fest. Denn die "Fresszellen" der Lunge, die Makrophagen, können diese feinen Rußpartikel nicht mehr erkennen. So dringen sie bis in die feinsten Verästelungen der Lungen vor. Dort setzen sie sich fest und lösen Entzündungen aus. Möglicherweise treten die Partikel wegen ihrer ultrafeinen Struktur auch direkt ins Blut über.
Kinder sind einer höheren Konzentration der Schadstoffe ausgesetzt als Erwachsene, weil Autoabgase bis zu einer Höhe von 1,5 Meter stark konzentriert auftreten - direkt auf Nasenhöhe der Kinder. Hinzu kommt, dass Kinderlungen einen relativ höheren Luftdurchsatz als die von Erwachsenen haben. Außerdem sind Kinderlungen empfindlicher und durchlässiger.
In dieser Art bisher einzigartig in Regensburg wird sich dieser alternative Weihnachtsmarkt sicher etablieren, da er eine willkommene Ablösung, familienfreundliche Preise und ein angenehmes Ambiente bietet!
Merry Christmas!
*** Erfolge beim Artenschutz *** (CS)
Die 12. Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, siehe www.cites.org/index.html) ist vor kurzem zu Ende gegangen. Dabei wurden einige Fortschritte erzielt: Entgegen den Bestrebungen von Japan bleibt das Handelsverbot für Minke- und Brydewale weiter. Japan selber kümmert sich allerdings weder um die Beschlüsse der CITES noch der IWC (Internationale Walfang-Kommission). Auf japanischen Märkten werden auch weiterhin illegale Walprodukte gehandelt.
Als weiteres positives und überraschendes Ergebnis ist die Aufnahme des Walhais und des Schwarzmeer-Delfins in Anhang II des Abkommens zu werten - eine Entscheidung, auf die Artenschützer nicht mehr zu hoffen gewagt hatten. Und eine Überlebenschance für den kleinen Tümmler und den größten Fisch der Welt.
Ein Negativum hingegen ist, dass der Antrag Australiens, den Schwarzen Seehecht mit Handelsbeschränkungen zu belegen (Greenpeace hatte die gleiche Forderung) scheiterte. Der als Delikatesse geltende Fisch ist durch Überfischung stark in seinem Bestand bedroht. Unter dem Druck der Fischereilobby zog die australische Regierung ihren Antrag im Laufe der Konferenz jedoch zurück - er hatte keine Aussicht auf Erfolg.
Als geradezu historischer Fortschritt hingegen kann die Unter-Schutz-Stellung der Mahagoni-Bäume gesehen werden: Die durch Holzeinschlag gefährdeten Mahagoni-Bäume wurden auf Anhang II des Artenschutzabkommens hochgelistet, was einen strengeren Schutz-Status bedeutet. Das ist ein erster Schritt für eine verbesserte Kontrolle des Holzhandels und ein klares Signal gegen die Mahagoni-Mafia. Zudem werden durch die CITES-Entscheidung einheimische Initiativen für einen nachhaltigen Mahagoni-Handel unterstützt.
*** Neues Sonar gefährdet Wale und Delfine *** (RR)
Zum Schutz von Walen hat ein US-Bundesgericht Ende Oktober die sofortige Einstellung eines Schallwellenprojektes der US-Regierung angeordnet. Damit verbietet das Gericht laufende Tests der National Science Foundation zur Vermessung des Meeresbodens im Golf von Kalifornien. Die Forschungsbehörde benutzt Luftkanonen um akustische Wellen mit extrem hoher Intensität im Wasser zu erzeugen. Die Schallwellen werden nach dem Aufprall auf den Meeresboden oder auf andere Objekte im Wasser zurückgeworfen und von Detektoren nahe der Oberfläche aufgefangen. Dadurch wird der Standort der Objekte verraten. Laut Wissenschaftler erreiche das Geräusch an der Quelle ungeheure 263 Dezibel (dB). Walexperten und Tierschützer machen die Versuche für den Tod von zwei Buckelwalen verantwortlich, die kürzlich an einem Strand in Mexiko verendet waren.
Leider wurde neulich ein ähnlicher Fall mit militärischem Sonar von einem US-Gericht nicht zu Gunsten der Wale entschieden, nachdem die Navy nationale Sicherheitsbelange vorgelegt hatte. Am vergangenen Freitag einigte sich die Navy mit den Umweltgruppen, die Dauer und das Areal der Teste im Nordwesten des Pazifik zu begrenzen.
Tierschützer zeigen das Problem von durch Menschen erzeugtem Lärm im maritimen Lebensraum seit mehreren Jahren auf. Wale und Delfine sind in der Ausübung ihrer Lebensgewohnheiten von Tönen abhängig. Sie benutzen Töne, um zu kommunizieren, um sich zu orientieren und zum Aufspüren von Nahrung. Sehr starke Töne, etwa von Sonaren, können die empfindlichen Gewebe von Gehirn und Ohren verletzen. Die Meeressäuger sterben dann an Blutungen im Gehirn oder verlieren ihre Orientierung und stranden.
Insbesondere die Entwicklung von Sonarsystemen durch die Militärs, die feindliche U-Boote in großer Entfernung orten sollen, stellt eine neue Bedrohung dar. Die US Navy entwickelt derzeit ein System, genannt LFAS (Low Frequency Active Sonar), das extrem starke Schallwellen (um 235 dB) im niedrigen Frequenzbereich ins Meer sendet, deren Reflexionen gemessen werden können. Organismen, die sich in unmittelbarer Nähe des LFAS-Transmitters befinden, werden dabei getötet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass einige Massenstrandungen von Walen und Delfinen in den letzten Jahren in direktem Zusammenhang mit den militärischen Aktivitäten stehen.
Auch Deutschland ist in die Entwicklung solcher Systeme involviert. Bei den Militärs wird argumentiert, dass die Sicherheit Vorrang vor dem Schutz der Tiere haben müsse. Das Sonarsystem sei notwendig, um Kriegsschiffe - insbesondere Flugzeugträger - vor einer neuen Generation von Diesel-U-Booten zu schützen. Diese seien dank modernster Technologie so leise, dass sie sich fast unhörbar an den Gegner heranschleichen könnten.
-> http://www.wdcs-de.org/
-> http://www.vistaverde.de/news/Natur/0207/17_sonar.htm
-> http://www.sw-center.org/swcbd/press/beaked10-18-2002.html
*** Walfangnation Island "aus Versehen" wieder in Walfangkommission *** (SA)
Mitte Oktober diesen Jahres fand in Cambridge ein Sondertreffen der IWC (Internationale Walfangkommission) statt, bei dem die ehemalige Walfangnation Island mit 19:18 Stimmen wieder aufgenommen wurde. Zünglein an der Waage war Schweden, was allgemein auf Unverständnis stoß, da Schweden normalerweise als Walfanggegner gilt. Der schwedische Umweltminister erklärte das Fehlverhalten der schwedischen Delegierten mit "Zeitdruck, kompliziertem Abstimmungsprozedere und dem Durcheinander während der Tagung" und nannte es ein "Versehen". Island war 1992 aus der IWC ausgetreten, weil diese kommerziellen Walfang verboten hatte.
Ab 2006 will Island nun wieder offiziell Walfang betreiben. Schon jetzt bricht es das internationale Handelsverbot des Washingtoner Artenschutzübereinkommens für Walfleisch, indem es mit Norwegen einen Importvertrag über 30 Tonnen Walfleisch abschloss. Außerdem kündigte der Isländische Fischereiminister an, im kommenden Sommer mehrere Hundert Zwerg-, Finn- und Seiwale unter dem Deckmantel der Wissenschaft zu töten - ein juristisches Schlupfloch, das Japan seit Jahren als Legitimation für illegale Waljagd benutzt: Offiziell sollen die Ernährungsgewohnheiten der streng geschützten Arten erforscht werden (wofür eigentlich kein einziges Tier getötet werden müsste). Um diese "teuren Forschungen" finanzieren zu können, wird das "Nebenprodukt" Walfleisch zu lukrativen Preisen nach Japan verkauft. Paradoxerweise ermöglicht erst ein Beitritt in die IWC ein Land, diese Lücke im Gesetz zu missbrauchen.
Das nächste Treffen der IWC findet im Juni 2003 in Berlin statt.
*** Schlussworte *** (JF)
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Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Friedmann (JF)
Greenpeace-Gruppe Regensburg, Internetredaktion/Öffentlichkeitsarbeit
Erscheinungstermin dieser Ausgabe: 8. Dezember 2002
Verantwortlich für die einzelnen Beiträge sind die jeweils mit Namenskürzel (z.B. JF) genannten Autoren.