Greenpeace-Gruppe Regensburg, Newsletter Dezember 2003, Ausgabe 42

Liebe Leserinnen & Leser,

wir wenden uns heute ein letztes Mal in diesem aufregenden Jahr an Sie. Unsere Gruppe war in diesem Jahr 2003 sehr aktiv, hat viel Zuwachs bekommen und so manches erreicht. Von Einigem davon wollen wir Ihnen heute berichten. Wie immer ist Ihre Meinung bei uns willkommen - schreiben Sie uns!

Die Greenpeace-Gruppe Regensburg wünscht Ihnen ein schönes und erfolgreiches neues Jahr!

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Sie lesen heute:

- Weihnachtsmann und Kaninchen zu Besuch bei Real in Pentling
- Erfolg der Verbraucherkampagne
- Warum Castor-Transporte auch weiter ein Thema sind
- Jahresrückblick 2003


*** Weihnachtsmann und Kaninchen zu Besuch bei Real in Pentling *** (RK)

Ein als Weihnachtsmann und zwei als Versuchskaninchen verkleidete Aktivisten befanden sich in der Lebkuchenecke. Die Kaninchen hielten dabei zwei Banner und der Weihnachtsmann verschenkte an Kunden Bio-Lebkuchen mit Aufklebern ("garantiert Gentechnikfrei") und anderes Bio-Weihnachtsgebäck. Ein weiterer Aktivist verteilte Infomaterial und redete mit den Kunden. Zur gleichen Zeit wurde im Eingang ein großes Banner aufgebaut und vier weitere Aktivisten verschenkten von uns produzierte Stofftaschen ("KEINE GENTECHNIK IM ESSEN! Wir sind keine Versuchskaninchen") und informierten die Kunden.

Die Reaktion darauf:

Der Filialleiter war über unseren Besuch überhaupt nicht erfreut und verbot uns, das Banner zu zeigen. Wir durften aber etwa eine Stunde lang die Kunden informieren. Nach etwa 15 Minuten wurden Weihnachtsmann und Kaninchen von der Geschäftsführung entdeckt und ohne viele Worte rausgeschmissen. Diese informierten und verteilten anschließend vor dem Eingang.

Bei den Kunden kam die Aktion sehr gut an und auch unsere Taschen wurden sehr gerne entgegengenommen. Das bestätigte uns wieder, dass die meisten Verbraucher Gentechnik im Essen ablehnen.

Fotos von der Aktion können sie auf unserer Homepage unter www.greenpeace-regensburg.de sehen.


*** Erfolg der Verbraucherkampagne *** (RK)

Obwohl sich ein Großteil der Verbraucher gegen Gentechnik in Lebensmitteln ausspricht, waren viele Gespräche, Aktionen und öffentlicher Druck notwendig, um große Lebensmittelkonzerne umzustimmen.

Als Greenpeace am Anfang dieses Jahres von sämtlichen Firmen eine Stellungnahme forderte, ob diese auch zukünftig auf Gentechnik in ihren Produkten verzichten wollen, stellte sich heraus, dass einige wenige wie Aldi, Lidl und die METRO-Group keine Veranlassung sahen, von dieser zerstörerischen Technologie Abstand zu nehmen.

Seit August demonstrierten deshalb Greenpeace-Aktivisten in etlichen deutschen Städten (wie auch in Regensburg, sh. Beitrag "Weihnachtsmann und Kaninchen zu Besuch bei Real in Pentling") vor und in Geschäften der METRO-Group (Extra, REAL, Kaufhof, etc.). Insgesamt gab es 121 (!) Aktionen mit Bannern, Versuchskaninchen, einer riesigen Einkaufstüte, und vielem mehr.

Im November rührte sich dann endlich etwas: Lidl versicherte entgegen seiner ursprünglichen Meinung auch zukünftig auf Gentechnik zu verzichten. Auch Aldi gab an, nochmals darüber verhandeln zu wollen. Mitte Dezember kündigte METRO schließlich an, bei der Eigenmarke TIP auf Gentechnik in pflanzlichen Rohstoffen zu verzichten.

Ein riesen Erfolg!

Aber: Metro möchte sich noch nicht festlegen, ob auch die tierischen Rohstoffe gentechnikfrei bleiben.


*** Warum Castor-Transporte auch weiter ein Thema sind *** (JF)

Die MZ titelte kürzlich "Das Ende der Castor-Transporte". Sollen wir uns nun freuen und feiern? Oder ist es noch zu früh dafür? In der Tat ist es so - wenn man der rot-grünen Bundesregierung glauben darf - dass Castortransporte zu den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield ab 1.7.2005 der Vergangenheit angehören. Aber das bedeutet im Umkehrschluss: noch 18 Monate Castor-Transporte!

Der Atomkonzern E.ON transportierte in diesem Jahr (2003) viermal nach La Hague. In 2002 zweimal. Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Transporte in 2004 weiter ansteigen wird, weil E.ON möglichst viel Müll ins Ausland schaffen will und damit die Entsorgung auf die lange Bank schiebt, so lange das noch möglich ist. 18 Monate Atommülltransporte bedeuten daher keineswegs Grund zur Freude, sondern weitere 18 Monate Risiko für die Anwohner an den Transportstrecken (u.A. Regensburg) und 18 Monate Verschmutzung und Verstrahlung der Meere durch die Wiederaufarbeitungsanlagen.

Die größte laufende Umweltgefahr der Stromerzeugung durch Kernenergie besteht in der Wiederaufarbeitung von Atommüll. Im Umkreis von 10 Kilometern um die Anlage ist die Blutkrebsrate bei Kindern und Jugendlichen dreimal so hoch als anderswo, die inneren Ablagerungen der Pipeline müssten nach deutschem Recht in Zement verpackt und tiefengeologisch endgelagert werden, die Meeressedimente und Rohrablagerungen sind als kernbrennstoffhaltig einzustufen. Die Verschmutzung der Nordsee wird jedes Jahr durch die Einleitung von 500 Mio. Liter radioaktivem Abwasser in den Ärmelkanal verstärkt. Bei Jugendlichen in GB und Irland wurden sogar bereits Spuren von Plutonium und Strontium in den Zähnen nachgewiesen!

Und das, obwohl es keinen Sinn gibt, den Atommüll wiederaufzuarbeiten. Was gemeinhin als "Recycling" bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit eine Potenzierung der Müllmenge. Verunreinigungen und teure Verarbeitungsprozesse machen das in der WAA gewonnene Uran und Plutonium unattraktiv - es muss zurücktransportiert und gelagert werden. Die Lagerung wäre aber gleich nach der Entnahme aus dem Atomkraftwerk möglich gewesen. Ohne riskante Transporte und erhebliche Umweltverschmutzungen!

Eine Prognose aus dem Jahre 2001 sagte voraus, dass wir bis zum 30.6.2005 (Transportende nach dem Willen der Bundesregierung) noch 1250 t Atommüll in rund 280 Transporten nach La Hague gebracht werden. Dabei ist es vollkommen absurd, bei diesen Gefahren und Umweltproblemen, Atommüll über Tausende Kilometer quer durch Europa zu transportieren.

Die Genehmigung für die Transporte beantragt die Nuclear Cargo & Services NCS (Tochter der Deutschen Bahn AG) beim Bundesamt für Strahlenschutz. Bei der Entscheidung werden die Innenministerien der Länder und der Bundesgrenzschutz beteiligt. Termin und Streckenführung vereinbaren anschließend AKW-Betreiber, Energieversorgungsunternehmen, WAA-Betreiber, die Bahn-Tochter Nuclear Cargo & Services, Polizei und der Bundesgrenzschutz. Das Bundesamt für Strahlenschutz und die Innenministerien werden kurz vor dem Transport informiert. Die örtlichen Katastrophenschutzbehörden (in Regensburg ist das die Berufsfeuerwehr in der Greflingerstraße) erfahren von den Transporten aus den Medien.

All das hört sich jetzt sehr danach an, dass wir von unserem OB Hans Schaidinger (CSU) Unmögliches verlangen. Wir fordern von ihm seit Mai 2002, dass er sich öffentlich gegen Castortransporte durch Regensburg einsetzen und bei Herrn Beckstein (bayerischer Innenminister, CSU) dies einfordern soll. Ebenso haben die OBs der Städte München und Nürnberg (Herr Ude und Herr Dr. Maly) erreicht, dass keine Atommülltransporte durch ihre Gebiete fahren. Nichts anderes soll Herr Schaidinger machen. Er ist formal hierfür nicht zuständig, kann aber sehr wohl auf politischem Wege dem Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger zur Durchsetzung verhelfen! Das wünschen wir uns von ihm für das Jahr 2004.


*** Jahresrückblick 2003 *** (FvT)

Was hat die Greenpeace-Gruppe Regensburg in diesem letzten Jahr getan, erreicht und versucht zu erreichen?

Zu Beginn des Jahres haben wir unsere Arbeit etwas zurückgefahren. Grund dafür war der zur schockierenden Realität werdende Krieg im Irak, infolge dessen sich aber Greenpeace auch äußerst präsent in der Friedensbewegung zeigte. So besetzte Greenpeace z.B. kurz vor Kriegsausbruch das Brandenburger Tor in Berlin.

Auch die Greenpeace-Gruppe Regensburg nahm zusammen mit vielen anderen Menschen und Initiativen aktiv an Anti-Kriegs-Demonstrationen teil, um sich gegen das Vorgehen der U.S. Regierung und Englands im Irak zu stellen und ihren Unmut darüber zu bekunden.

In unserem "normalen" Arbeitsjahr, das für uns erst verspätet mit dem "Ende der größeren Kriegshandlungen" (G.W. Bush) begann, haben wir zu Anfang mit unserer groß angelegten Kampagne gegen die immer stärker zunehmenden Atommülltransporte durch Regensburg gestartet.

Der erste Teil der Kampagne besteht darin, die Unterstützung des OB's Schaidinger gegen die Castortransporte zu erringen. Die Kampagne läuft... (sh. Beitrag "Warum Castor-Transporte auch weiter ein Thema sind")

Das zweite große Thema in diesem Jahr waren die Verbraucher. Wie Greenpeace festgestellt hat, sind in frischem Obst und Gemüse z.T. Pestizidwerte weit über dem Grenzwert zu finden. Wir wollten die Verbraucher informieren. Mit großem Erfolg. Im Real-Markt in der Donaustauferstraße ließ der Geschäftsführer auf Grund unserer Infoarbeit potentiell belastete Weintrauben und Paprika aus den Regalen räumen.

Auch Gentechnik in Lebensmitteln wird ab morgen aktueller den je. Denn ab 2004 wird es erlaubt sein, genetisch veränderte Bestandteile in Lebensmitteln über einem Grenzwert von 0,9 % anzubieten. Diese Lebensmittel müssen zwar gekennzeichnet sein, wir befürchten allerdings, dass sie nicht ausreichend gekennzeichnet sind, und nur ein wirklich gut informierter Verbraucher tatsächlich gentechnisch veränderte Lebensmittel herausfinden kann.

Die Gruppe Regensburg machte hier viel Infoarbeit zu dem Thema Gentechnik in Lebensmitteln. Zusammen mit den anderen Gruppen Deutschlands haben wir hier einen beachtlichen Erfolg für die Verbraucher eingefahren. Die Metro-Kette, verzichtete schließlich darauf, Gentechnik in ihren Eigenmarken einzusetzen! (sh. Beitrag "Erfolg der Verbraucherkampagne")

Unser drittes wichtiges Thema war im vergangen Jahr Wald und Papier. Hier versuchten wir die Menschen wieder auf die globale Vernichtungen der Urwälder hinzuweisen und dem Rückgang des Recyclingpapier-Anteils entgegenzusteuern.

Das letzte Jahr war also wieder ein sehr arbeitsames aber auch erfolgreiches Jahr für Greenpeace.


*** Schlussworte *** (JF)

Über Anregungen zu unserem Newsletter freuen wir uns unter newsletter--addzeichen--greenpeace-regensburg.de
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Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Friedmann (JF),
Greenpeace-Gruppe Regensburg, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit , Tel 0941-2069470


Erscheinungstermin dieser Ausgabe: 31. Dezember 2003


Verantwortlich für die einzelnen Beiträge sind die jeweils mit Namenskürzel (z.B. JF) genannten Autoren.


    22. 05. 2012.       Druckversion