Greenpeace-Gruppe Regensburg, Newsletter Dezember 2007, Ausgabe 58

Liebe Leserinnen und Leser,

kurz vor Weihnachten wollen wir Sie noch über unsere Arbeit der letzten Monaten informieren. Diese war geprägt von unserer Arbeit gegen Kohlekraftwerke, insbesondere Herne 5, an dem sich die REWAG beteiligen möchte. Und dann war da noch unser 25. Geburtstag - aber lesen Sie am Besten selbst!

Wir wünschen Ihnen schöne Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr!

Noch ein Tipp: nehmen Sie sich doch als Vorsatz für 2008 Ihren Energieanbieter zu wechseln und beziehen Sie Ökostrom!


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Und das sind unsere Themen:

- 25 Jahre Greenpeace Gruppe Regensburg
- Jubiläums-Demo gegen Kohlekraftwerke
- Supermarktranking für Fischprodukte
- Bush und Merkel bei Regensburger Klima-Demo


*** 25 Jahre Greenpeace Gruppe Regensburg *** (VS)

Am 10. Oktober 2007 feierte die Greenpeace-Gruppe Regensburg ihr 25jähriges Bestehen. Bevor das offizielle Programm anfing, wurde der Abend in bester Greenpeace-Manier eingeweiht. Vor der historischen Wurstkuchl gab es eine Aktion zum Thema  Kohlekraftwerke und Klimawandel. Mit einem großen Banner mit der Aufschrift „Keine Beteiligung an Herne 5! Klimaschutz geht anders!" machten die Aktivisten auf die Beteiligung des örtlichen Energieversorgers REWAG an einem geplanten Kohlekraftwerk in Herne aufmerksam. Die
ausgestoßene Menge Kohlendioxid wurde durch zahlreiche große, schwarze Säcke mit der Aufschrift „CO2" verdeutlicht, die am Aktionsort vereilt waren. Mehr zur Aktion im nächsten Beitrag.

Danach luden die Greenpeacer ins feierlich geschmückte Büro der Gruppe. Die rund 60 Besucher aus Medien, Politik und anderen Greenpeace-Gruppen erfuhren einiges über Entstehung und Entwicklung der Gruppe, Themen zu denen die Aktivisten gearbeitet haben und es noch heute tun und welche Erfolge die Gruppe damit erzielen konnte. Durch das Programm leitete Pressesprecher Jürgen Friedmann. Dieser konnte mit Bildern der ersten Gruppenaktion zum Thema Robbenjagd vom 19.2.1983 und dem ersten noch erhaltenem Briefwechsel zwischen der Greenpeace-Gruppe Regensburg und der Zentrale in Hamburg aufwarten. Doch bei einem Thema blieb es nicht. Zahlreiche andere kamen hinzu: die Greenpeace-Gruppe im Einsatz gegen die WAA Wackersdorf, beim Aufdecken von FCKW- Verwendung in Kühlschränken, bei der Arbeit gegen die Verwendung gentechnisch veränderter Futtermittel, beim Protest gegen den durch Regensburg rollenden Castor- um nur einen kleinen Einblick in das weite Spektrum des Engagements als Greenpeace-Aktivist zu geben.

Unterstützt wurde der Pressesprecher während der Feier von der Greenpeace-Geburtstags-Band, die mit einem breiten musikalischen Repertoire für Stimmung sorgte, mit selbst geschriebenen Texten alla „so schön, schön war die Zeit; so schön, schön war de Zeit; 25 Jahre lang" die laufende Präsentation untermalte und von den Gästen damit viel Beifall erntete.

Heute zählt die Greenpeace-Gruppe Regensburg rund 40 aktive Mitglieder aller Altersstufen, von der Jugendgruppe bis zum Team50plus. Und das natürlich so aktiv wie eh und je, den Kopf voller Pläne zur Rettung unserer Umwelt. Dabei stehen vor allem Aktion wie eine Stromwechselparty, die Förderung von Recyclingpapierverwendung und eine Donautour mit eigenem Eisberg gegen den Klimawandel auf dem Programm. Was bleibt da mehr zu sagen als: „So schön, schön bleibt die Zeit; so schön, schön bleibt die Zeit!"


*** Jubiläums-Demo gegen Kohlekraftwerke *** (KB)

Je näher die 25-Jahr-Feier der Greenpeace-Gruppe Regensburg rückte, umso mehr setzte sich bei den Organisatoren die Überzeugung durch, dass eine „übliche" Jubiläumsfeier dem Selbstverständnis von Greenpeace nicht ganz gerecht würde. Damit war die Idee einer gemeinsamen Jubiläums-Aktion geboren. Das Thema war nicht schwer zu finden. Denn erstens lief zum geplanten Termin gerade auf Bundesebene die Anti-Kohle-Tour von Greenpeace, und zweitens war davon Regensburg mit betroffen.

Zwar soll in Regensburg kein Kohlekraftwerk gebaut werden. Aber die Regensburger REWAG, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke, beteiligt sich mit 30 Millionen Euro am Neubau des Steinkohlekraftwerks Herne 5 im Ruhrgebiet, gemeinsam mit einer ganzen Reihe anderer Stadtwerke. Und die Stadt Regensburg als Mehrheitseigner der REWAG hat zu dieser Beteiligung per Stadtratsbeschluss bereits ihre Zustimmung gegeben. Die Idee lag nahe, die geladenen Jubiläumsgäste gleich in eine Demo-Aktion mit einzubeziehen. Bei ihrem Eintreffen wurden die Gäste von unserem Empfangskomitee freundlich zum nahe gelegenen Aktionsort weiter geschickt. Dort erwartete sie ein großes gelbes Banner mit dem Aufruf „Keine neuen Kohlekraftwerke! Klimaschutz geht anders!". Daneben war eine ganze Müllhalde mit schwarzen 120-Liter-Müllsäcken aufgehäuft, jeder mit der Aufschrift „CO2" oder „Der gefährlichste
Müll ist der, den wir nicht sehen".

In einer kurzen Rede erläuterte Energieexperte Karl Bierl vom Regensburger Team50plus die Installation. Das Steinkohlekraftwerk Herne 5, das 2011 in Betrieb gehen soll, ist ein wahrer Klima-Killer. In einer einzigen Sekunde wird es soviel Kohlendioxid ausstoßen, dass man etwa 500 solche Müllsäcke damit füllen könnte. Und noch ein zweiter Vergleich: Wenn man das Kohlendioxid, das Herne 5 ausstoßen wird, in solche Müllsäcke füllen würde und mit Kleintransportern, in denen jeweils 80 Säcke Platz haben, abtransportieren wollte, dann ergäbe das pro Tag eine Kolonne von etwa 500.000 Kleintransportern. Diese erstaunlichen Zahlen sprechen für sich: Dieser Kraftwerks-Neubau ist ökologisch völlig unverantwortlich. Und er ist nicht vereinbar mit der Selbstverpflichtung der Stadt Regensburg als Mitglied im
Klimabündnis europäischer Städte. Diese haben sich nämlich zu einer deutlichen Senkung des CO2-Austoßes verpflichtet.

Karl Bierl forderte deshalb die Verantwortlichen bei der REWAG und im Stadtrat auf, dieses Kraftwerksprojekt zu stoppen. Die vorgesehenen 30 Millionen Euro sollten besser in klimafreundliche Energieerzeugung investiert werden, und nicht im Ruhrgebiet, sondern hier in unserer Region.

Auf die Frage, was jedeR einzelne tun kann, gab er drei Handlungsvorschläge:
1.) Zu Ökostrom wechseln! Wer das noch nicht gemacht hat, sollte es tun. Ökostrom ist nicht mehr teurer als Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken. Und der Wechsel ist leichter als man denkt.
2.) Am 2. März sind Kommunalwahlen. Alle, denen der Klimaschutz wichtig ist, sollten darauf achten, wie die Parteien zu dem geplanten Kraftwerk stehen, und dies bei ihrer Wahlentscheidung berücksichtigen.
3.) Bei Protest-Aktionen mitmachen.

In diesem Sinne forderte der Sprecher zum Abschluss der Demo alle etwa 40 Anwesenden auf, sich nun unter das große Banner zu stellen zu einem gemeinsamen Gruppen-Protest-Foto.


*** Supermarktranking für Fischprodukte *** (IK)

Am Donnerstag, den 13. Dezember 2007 veröffentlichte Greenpeace ein Supermarktranking, das in einem Ampelsystem elf Supermärkte – Aldi Nord und Süd, Bünting (d.h. Combi, Famila in Oldenburg und Markant/Ihre Kette), Edeka, Kaufland, Lidl, Metro, Netto, Norma, Rewe und Tengelmann – hinsichtlich Nachhaltigkeit und Transparenz ihrer Einkaufspolitik für Fischprodukte bewertet. Zentrale Gesichtspunkte waren hierbei die Einkaufspolitik und Prinzipien bei Fischprodukten, deren Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung, die Auslistung von Fischprodukten, die Umstellung des Sortiments von Fischprodukten, sowie die diesbezügliche Marketingstrategie. Greenpeace beurteilt die Ergebnisse als überwiegend positiv: die Masse der Märkte bewegt sich im orangen Farbfeld, das heißt, in den jeweiligen Unternehmen sind
Ansätze sichtbar, aber es sind noch gezielte Maßnahmen erforderlich, um einen akzeptablen Standard zu erreichen. Nur bei wenigen Supermärkten wurde dringender Handlungsbedarf in Bezug auf den Einkauf von Fisch und anderen Meeresfrüchten festgestellt (rotes Farbfeld), kein Supermarkt landet im grünen Farbfeld (= die Aufmerksamkeit muss darauf verwendet werden, den Standard zu halten und womöglich noch zu verbessern).

Im Vorfeld hatte sich Greenpeace in Verhandlungen mit den Supermarktketten auf die Umsetzung besserer Standards in deren Einkaufspolitik verständigt. In einem zweiten Ranking, das im Frühjahr 2008 erscheinen soll, wird deshalb die Einhaltung dieses Versprechens auf Herz und Nieren überprüft und die dann vorliegenden Ergebnisse streng evaluiert. Dieses zweite Ranking ist Teil des neuen Greenpeace Fisch-Ratgebers, der neben der erneuten Evaluierung auch eine Liste der Fischarten enthält, die in dem bereits bewährten Ampelsystem über die Bedenklichkeit oder Unbedenklichkeit des Verzehrs ebendieser
Fischarten Auskunft gibt.


*** Bush und Merkel bei Regensburger Klima-Demo *** (KB)

Die Greenpeace-Gruppe Regensburg beteiligte sich mit einer Protest-Aktion in der Regensburger Innenstadt am Weltklimaaktionstag am 08. Dezember. Der Protest richtete sich vor allem gegen die völlig überzogenen Pläne der Stromkonzerne, in den nächsten Jahren bundesweit 24 neue Kohlekraftwerke zu errichten. Regensburg ist dabei auch direkt betroffen. Denn die Regensburger REWAG beabsichtigt, mit Zustimmung des Regensburger Stadtrats, sich mit 30 Millionen Euro am Neubau des Steinkohlekraftwerks Herne 5 im Ruhrgebiet zu beteiligen. Es soll bei einer Leistung von 700 MW jährlich etwa 4 Millionen Tonnen CO2 freisetzen, das sind pro Sekunde etwa 60.000 Liter. Bei der Demo-Aktion wurde dieser gewaltige CO2-Ausstoß durch einen Berg schwarzer Müllsäcke symbolisiert.

Besonders beeindruckend für die Passanten war, dass sich auch zwei Pinguine, deren Lebensraum durch den Klimawandel zerstört wird und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel und George W. Bush an der Demo beteiligten. Wenig überzeugend war allerdings, was diese beiden auf ihren Schildern forderten. Angela Merkel: „E.ON und RWE bauen neue CO2-Schleudern, das find ich gut!" und George W. Bush: „Klimaschutz – wenn es den Konzernen dient!" Dem setzten die Regensburger Aktivisten die Forderung entgegen: „Wechseln Sie zu Ökostrom! Insbesondere nach der zum Jahreswechsel anstehenden Preiserhöhung bei E.ON und anderen Stromanbietern gibt es keinen Kostenvorteil mehr für Atom- und Kohlestrom".

Alle Beteiligten hatten an der Aktion großen Spaß, sogar Angie und George W. strahlten über das ganze Gesicht.


*** Schlussworte *** (JF)

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Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Friedmann (JF)
Greenpeace-Gruppe Regensburg
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Erscheinungstermin dieser Ausgabe: 22. Dezember 2007

Verantwortlich für die einzelnen Beiträge sind die jeweils mit Namenskürzel (z.B. JF) genannten Autoren.


    22. 05. 2012.       Druckversion