Presseerklärung vom 12. Februar 2004

Greenpeace veranstaltet „Castor-Faschingszug“ durch Regensburg:

Ist OB Schaidinger Marionette von E.ON?

Aktivisten ziehen am Samstag mit OB-Marionette, Castorfaschingswägen und Castorclowns durch die Stadt 

Regensburg, 12.02.2004 – Am kommenden Samstag (14.2.) werden Aktivisten der Greenpeace-Gruppe Regensburg einen „Castor-Faschingszug“ durch Regensburg durchführen um so auf die Gefahren der regelmäßig stattfindenden Atommülltransporte hinzuweisen. Die Aktion beginnt um 11:11 Uhr vor dem Alten Rathaus und führt anschließend über Haidplatz, Bismarckplatz, Neupfarrplatz, Kassiansplatz und Maximilianstraße zum Domplatz.

Angeführt wird der Faschingszug von Regensburgs OB Hans Schaidinger (CSU), der als Marionette von E.ON dargestellt wird. „Wir haben Herrn Schaidinger mehrfach gebeten, sich gegen diese riskanten Transporte durch unsere Stadt einzusetzen – dies tut er vermutlich deshalb nicht, weil er als Aufsichtsratsmitglied von E.ON Bayern andere Interessen verfolgt“, kritisiert Jürgen Friedmann, Sprecher der Greenpeace-Gruppe Regensburg. Anders als andere Oberbürgermeister großer bayerischer Städte, erklärt sich Regensburgs OB für nicht zuständig und kümmert sich somit nicht um die Sicherheit seiner Bevölkerung. „Die RegensburgerInnen haben am Samstag die Möglichkeit, mit einer Protestpostkarte Herrn Schaidinger zum Handeln aufzufordern“, so Friedmann weiter.

Im vergangenen Jahr rollten vier Transporte mit abgebrannten Brennelementen aus dem Atomkraftwerk Isar 2 bei Landshut über Regensburg zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Da die derzeitige rot-grüne Bundesregierung die Transporte zur Wiederaufarbeitung „nur“ bis Mitte 2005 erlaubt, ist in diesem Jahr noch mit einer Vielzahl weiterer Atomzüge durch Regensburg zu rechnen.

Atommülltransporte stellen eine erhebliche Gefahr für die Bewohner der Städte und Gemeinden an der Transportroute dar. Bei einem schweren Unfall können die Transportbehälter mit dem hochradioaktiven Abfall undicht werden und die Umwelt verstrahlen. Je nach Unfallverlauf können Evakuierungen und Umsiedlungen notwendig werden. Viele Kommunen setzen sich deshalb – oft mit Erfolg – gegen Atomtransporte durch ihr Gebiet zur Wehr.

Die so genannte „Wiederaufarbeitung“ des Atommülls in der WAA La Hague ist keine Lösung für das Atommüllproblem. Der Strahlenmüll wird dort lediglich chemisch in seine Bestandteile zerlegt, strahlende Abwässer verseuchen dabei die Meere weiträumig. Durch den Wiederaufarbeitungsprozess vervielfacht sich das Volumen des Mülls. Jeder zusätzliche Transport in die Wiederaufarbeitungsanlagen erhöht die radioaktive Verseuchung der Nordsee.

Greenpeace bietet eine Alternative: mit dem Wechsel zu einem umweltfreundlichen Stromanbieter kann jeder seinen persönlichen Atomausstieg vollziehen. „Für alle Interessenten haben wir am Samstag die Anmeldeunterlagen für Greenpeace energy eG und Kontaktinformationen zu anderen empfehlenswerten atomstromfreien Anbietern dabei“, erklärt Friedmann.


Achtung Redaktionen: Rückfragen richten Sie bitte an Jürgen Friedmann, Sprecher der Greenpeace-Gruppe Regensburg.


    23. 05. 2012.       Druckversion