BASF forscht ausgerechnet mit Monsanto

Die BASF und der US-Pflanzenschutz- und Saatgutkonzern Monsanto wollen gemeinsam die Entwicklung und Vermarktung von ertragreicheren und widerstandsfähigeren Nutzpflanzen vorantreiben.
Der Monsanto-Konzern blickt auf eine lange Skandalchronik zurück, von Agent Orange über PCB bis zum Dioxin. Derzeit stammen 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen- Pflanzen von Monsanto. Das global agierende Unternehmen verfolgt ein atemberaubendes Ziel: Es will die globale Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen. Dabei greifen Monsantos Strategien wie Zahnräder ineinander: Einflussnahme auf Politik und Wissenschaft, Aufkauf konkurrierender Unternehmen, aggressiver Erwerb von Patenten, Kontrolle von Landwirten und Inkaufnahme der Kontamination großer Gebiete mit Gen-Pflanzen. Mit diesen Taktiken drängt Monsanto auch auf den deutschen Markt.

Links zum Thema

- Monsantos Machtstrategien als pdf im Downloadbereich
- Monsanto vs Schmeiser  www.percyschmeiser.com
- 03.2007 MON 863: Für Ratten schädlich, für Menschen verträglich? mehr auf greenpeace.de
- 05.2007 ...Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: ...der Anbau von MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt...mehr auf greenpeace.de

Einführung ins Thema Landwirtschaft / Massentierhaltung

 

November 2002, aktualisiert im März 2007

 

Ziele von Greenpeace:

 

Greenpeace arbeitet seit 2001 zum Thema Landwirtschaft / Massentierhaltung.

Mittelfristiges Ziel von Greenpeace ist es, die schlimmsten Missstände in der konventionellen Massentierhaltung zu beseitigen.

Die Forderung lautet: Stoppt Massentierhaltung, so wie sie jetzt ist!!!

Denn selbst wenn Landwirtschaftsministerin Renate Künast ihr hochgestecktes Ziel von 20 Prozent Ökolandbau in Deutschland bis 2010 erreichen sollte, verbleiben immer noch 80 Prozent an industriell arbeitenden Massentierbetrieben, die gegen die Natur wirtschaften wie bisher.

Der Weg dabei ist es, zusammen mit den Konsumenten Druck auf Lebensmittelkonzerne, Erzeuger („Tierfabriken“) und Lebensmittelhandel aufzubauen. Mit dem mittelfristigen Ziel, dass die bisherige alptraumhafte Massentierhaltung so schnell wie möglich auf extensive Bodenhaltung umgestellt wird. Schritt für Schritt - aber letzten Endes soll die komplette Massentierhaltung Verbesserungen erfahren. Die extensive Bodenhaltung ist ein erster Schritt Richtung Verbesserung für die Tiere, da bei ihr die Minimalforderung von Greenpeace zur Beseitigung der schlimmsten Missstände umgesetzt werden.

Langfristiges Ziel (Fernziel) von Greenpeace ist eine moderne, naturnahe Landwirtschaft ohne Massentierhaltung, die bessere und gesündere Lebensmittel produziert und Tiere wie auch Umwelt schont. Dabei muss allerdings klar sein, dass unser bisheriges Konsum- und Ernährungsverhalten sich sehr stark ändern muss. Denn die Mengen an Fleisch und tierischen Produkten, die wir heute im Schnitt zu uns nehmen kann nur über die Massentierhaltung gedeckt werden. Damit wirklich umweltschonend und tierfreundlich Nahrung hergestellt werden kann – ohne die Entwicklungsländer noch stärker auszubeuten als bislang – müsste der Fleischkonsum in der Gesamtbevölkerung relativ stark sinken.

 

Zu den schlimmsten Missständen in der Massentierhaltung gehören vier Punkte:

 

1)      extremer Platzmangel und fehlende Hygiene

2)      vorbeugender (prophylaktischer) Antibiotikaeinsatz (zur Krankheitsvorbeugung) und antibiotische Leistungsförderer

3)      Futtermittel mit Schadstoffen und Gentechnik

4)      Riesige Mengen an Tiergülle, die die Umwelt belasten (Überdüngung von Böden und Gewässern)

 

1)      Platzmangel: Die Tiere werden auf engstem Raum gehalten, sie liegen oder stehen dicht auf dicht in ihrem eigenen Dreck. So müssen sich 30 Masthähnchen einen qm Boden teilen bzw. 5000 Puten in einem Stall zusammengedrängt leben. Durch die  unhygienischen Zustände und die Enge können sich Krankheitserreger schnell vermehren und gleichzeitig führt die absolut unnatürliche Enge zu Aggressionen der Tiere und zu Verhaltsstörungen, wie „Kannibalismus“, bei dem sich z.B. Puten und Hühner bepicken und sich gegenseitig Federn und Gewebestücke (Haut) rausreißen. Außerdem leiden die überzüchteten Tiere wegen der zu schnellen Gewichtszunahme beim Mästen unter Knochenschäden, Skelettdeformationen und Gelenkschäden. Bei den Puten haben über 80 Prozent der Tiere Knochenschäden. In den letzten Wochen ihre Lebens ist wegen dem hohen Brustfleischanteil von 40 Prozent des Gesamtgewichts kein normaler Gang mehr möglich. Wenn die Tiere statt dessen viel liegen, entwickeln sich entzündliche Brustblasen – vor allem wenn sie auf dem nassen und unhygienischen Boden liegen. Überhaupt ist die Infektionsgefahr sehr groß aufgrund der Dichte und der fehlenden Hygiene. Fazit: Gutes Fleisch gibt es nur von gesunden Tieren. Daher fordert Greenpeace mehr Platz, Licht und Luft für die Tiere.

 

2)      Antibiotika: Aufgrund der extremen Enge in Mastbetrieben können sich Krankheitserreger sehr schnell verbreiten und die ganze Tierherde anstecken. Daher wird bei Krankheitsfall – aber auch zum Teil vorbeugend - allen Tieren Antibiotika im Tränkewasser verabreicht. Eine Einzeltierbehandlung ist aufgrund der riesigen Herde praktisch nicht durchführbar. Trotzt des hohen Antibiotikaeinsatzes verenden in der Regel dennoch 10 Prozent der Tiere vor der Schlachtbank. Antibiotika wie z.B. Amoxicillin, Tetracyclin und Colistin werden auch in der Humanmedizin eingesetzt. Unter anderem gegen Salmonellen, Bronchitis und Lungenentzündung, Chlamydien, Streptokokken und Darmerkrankungen (Chlampylobacter; sind bereits resistent),. Da durch den massenhaften Antibiotikaeinsatz bei der industriellen Tierproduktion viele Krankheitserreger (Bakterien) resistent (= widerstandsfähig) werden, wirken die Antibiotika gegen diese Krankheitserreger bei vielen Menschen nicht mehr. Gerade für Kinder und ältere Menschen kann eine Lungenentzündung oder eine Salmonelleninfektion tödlich verlaufen. In Dänemark ist z.B. eine Frau 1998 an einer Salmonelleninfektion gestorben, nachdem sie mit Salmonellen belastetes Fleisch gegessen hatte. Die Salmonellen waren gegen die Antibiotika resistent geworden. Jeder, der schon mal Antibiotika genommen hat, weiß wie vorsichtig man damit umgehen muss. Und dass man die Antibiotika ohne Unterbrechung bis zum Schluss der Behandlung schlucken muss, damit sich keine resistente Krankheitserreger bilden. Bei der Massentierhaltung nimmt man das schon eher lax und verabreicht schon mal innerhalb von 2 Monten drei verschiedene Antibiotika. Fazit: Der prophylaktische (= vorbeugende) Antibiotikaeinsatz bei der Massentierhaltung ist eine direkte Verbrauchergefährdung und sollte daher so schnell wie möglich verboten werden.

 

3)      Futtermittel: Dadurch, dass die Massentierbetriebe ihr Futter nicht selbst anbauen, müssen sie Futtermischungen kaufen. Bei gekauftem Futter steht aber derzeit noch nicht drauf, was drin ist. Es ist also auch nicht vermerkt, wenn es Gen-Mais oder Gen-Soja enthält. Gerade in diesen Futtermitteln für die Massentierhaltung aber landet der größte Teil (80 Prozent) von importieren Gen-Soja und Gen-Mais aus dem Ausland (USA, Kanada, Argentinien...). Also bekommt der Verbraucher – ob er es will oder nicht – über tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier wieder Gentechnik auf den Teller. Greenpeace-Recherchen haben ergeben, dass einige Fleisch- und Wursthersteller nicht garantieren können, dass gentechnikfreie Futtermittel verfüttert wurden (siehe Factsheet „Gentechnik im Futter – über Stall und Supermarkt auf den Teller“).  Wo Gentechnik im Futtertrog laden könnten: z.B. bei der Carl Müller GmbH mit den Rügenwalder-Produkten, Herta GmbH, bei Bifi, Höll, Friki, Aoste, Reinert etc.. Für gentechnikfreie Futtermittel verbürgen sich dagegen Heidemark, Neuland, Gutfried, Naturwert und Wiesenhof. Derzeit gibt es noch keine EU-Novel-Food-Verordnung, die die Kennzeichnung der gentechnisch veränderten Bestandteilen vorsehen könnte. Die Bauern haben derzeit also bei Futtermischungen keine wirkliche Wahl zwischen gentechnikfreiem und gentechnikhaltigem Futtermittel. Es sei denn, sie kaufen ihr Futter bei einer Ökomühle oder Soja aus Brasilien (derzeit noch gentechnikfreier Sojaanbau). Generell ist die Gesetzgebung in Bezug auf Futtermittel äußerst lax, da per Gesetz alles erlaubt ist, was nicht verboten ist. Im Tierfutter werden daher viele „industrielle“ Abfälle entsorgt, die häufig verboten sind und kriminelle Profitgeier in der Tierfutterbranche sorgen immer wieder für Lebensmittelmittelskanale, indem Substanzen wie Klärschlämme, Tiermehl (derzeit noch verboten, früher nicht; BSE-Skandal!), dioxinhaltige Altöle (verboten; dioxinhaltige Eier), alte Pestizide (verboten; wie Nitrofen) und Hormone (z.B. Nitrofuran im Thai-Geflügel) im Tierfutter landen. Zudem werden im Tierfutter  sogenannte „antibiotische Leistungsförderer“ eingesetzt, die zwar während der Mast offiziell verboten, aber in der Aufzucht erlaubt sind. Die Antibiotika sollen eine bessere Futterverwertung bewirken und das Wachstum fördern. Greenpeace hat im Juni 2002 Antibiotika in Putenknochen (der italienischen Firma A.I.A.) nachgewiesen, die eindeutig belegen, dass immer wieder auch in der Mast illegal Antibiotika (als „antibiotische Leistungsförderer“) eingesetzt werden. Die Gefahren für den Verbraucher durch verunreinigtes Futtermittel sind: krebserregendes Dioxin in Eiern und Milchprodukten, Rinderwahnsinn bei Kühen (BES; deren Verzehr den medizinischen Untersuchungen nach beim Menschen die tödlich verlaufende Creutzfeld-Jacob-Krankheit auslöst) und sonstige bislang noch nicht absehbare Folgen durch Schadstoffrückstände im Fleisch und anderen tierischen Produkten.

 

Für Gentechnik im Futtermittel gilt, dass es hier bislang noch nicht abschätzbare ökologische und auch gesundheitliche Risiken gibt. Sobald die Gentech-Pflanzen auf dem Acker stehen, verbreiten sich die Pollen, befruchten benachbarte Ackerpflanzen und nah verwandte Wildarten. Neue Eigenschaften können sich auf Wildarten übertragen, die ihnen einen Überlebensvorteil geben und daher andere Arten verdängen können. Das ökologische Gleichgewicht kann durch Gentech-Pflanzen aus den Angeln gehoben werden. Sobald so eine Entwicklung eintritt, hat man aber das Problem bei lebenden Organismen, dass man die Gentech-Pollen nie mehr zurück holen kann. Daher sollte das Vorsorgeprinzip gelten und die Pflanzen nicht freigesetzt werden. Derzeit gibt es noch viel zu wenig historische Erfahrungen mit Gentech-Organismen und ein viel zu geringes ökologische Grundwissen, um alle möglichen Gefahren abschätzen zu können. Gesundheitliche Folgen könnten daher rühren, dass durch die Einführung eines neuen Genes giftige Stoffwechselprodukte entstehen könnten. So zeigten schon einige Gentech-Pflanzen überraschende Nebenwirkungen: Ein Gen-Soja, die gegen Unrkautvernichtungsmittel resistent geworden ist, regte plötzlich die Milchfettproduktion von Kühen an. Die gleich Pflanze zeigte sich plötzlich sehr hitzeanfällig: Die Stengel rissen plötzlich auf und es  kam zu 40 Prozent Ernteausfall... Die Beispiele zeigen, dass die Gentechniker nicht wirklich wissen, was sie durch das Einfügen eines neuen Genes in eine Pflanze alles auslösen können. Es ist wie russisches Roulette mit der Natur und dem Menschen spielen. Zudem können neue Proteine in Pflanzen (durch neues Gen ausgelöst) auch neue Allergien auslösen. So löst der kommerziell angebaute Bt-Mais „Star Link“ der Firma Aventis (jetzt zu Bayer gehörend) Allergien aus. Er durfte zwar nur für Futtermittel angebaut werden, landetet aber doch (über bewusste oder unbewusste illegale Umwege) auch in Lebensmitteln. Die einzige Langzeitfütterungsuntersuchung von gentechnisch veränderten Kartoffeln bei Ratten, zeigte, dass einige Organe und das Immunsystem der Ratten in Mitleidenschaft gezogen wurden – im Vergleich zur Testgruppe.

 

Fazit Futtermittel: Greenpeace fordert das Verbot von gentechnischen Bestandteilen, Tiermehl, allen weiteren Schadstoffen und antibiotischen Leistungsförderern (auch in der Aufzucht). Nur so kann der Verbraucher gesundes Fleisch ohne Nebenwirkungen auf den Tisch bekommen. Zugleich sollten die Futtermittel mit Gentechnik klar gekennzeichnet, behördliche Tierfutterkontrollen verschärft und mehr Transparenz bei Verstößen gewährleistet werden. Daher unterstützt Greenpeace weiterhin das durch die CDU im Bundesrat abgelehnte Verbraucherinformationsgesetz, das mehr Transparenz auch beim Tierfutter vorsieht (allerdings keine Kennzeichnung gentechnischer Inhaltsstoffe).

4) Übermengen an Gülle: Bei der Massentierhaltung fallen riesige Mengen von Tiergülle (flüssige Ausscheidungen) an, die zu starker Umweltbelastung durch Überdüngung von Böden und Gewässer führt, wenn sie auf die Äcker aufgebracht werden. Eigentlich ist Gülle nichts Negatives, da es natürlicher Dünger ist; aber in übergroßen Mengen führt es eben zur Überdüngung. Die Tierfarmen (räumliche Konzentration) befinden sich vor allem im Norden. So stehen in Niedersachsen die Hälfte der deutschen Putenfarmen. Allein in den niedersächsischen Landkreisen Vechta und Cloppenburg werden über 2,6 Millionen Puten gemästet. In diesen Regionen fällt Gülle in Übermenge an, so dass dort Grund- und Oberflächenwasser belastet (Überdüngung/Eutrophierung – Umkippen) und Trinkwasser durch zu hohe Nitrat- und Phosphat-Konzentrationen ungenießbar wird. Zur Gülle kommt noch, dass ihr Methan, ein Treibhausgas, entweicht, das unser Klima gefährdet. So ist Methan mit 9 Prozent am Treibhauseffekt beteiligt. (Methan könnte durch Biogasverwertung zur Energiegewinnung verwendet werden). Auch Ammoniak (NH3) gelangt von der Gülle in die Luft und regnet als Säure (Salpetersäure HNO3) nieder. Ammoniak wird also zum sauren Regen, der den Boden versauert, so dass er unfruchtbar wird und der am Waldsterben beteiligt ist.

Daher die Greenpeace-Forderung: Keine Überdüngung von Böden und Gewässern durch Gülle.

An der Massentierhaltung klebt noch ein Rattenschwanz an weiteren Umweltschäden, wie der Einsatz von Pestiziden bei Futterpflanzen, Reduzierung der Arten- und Sortenvielfalt, Vernichtung der Regenwälder in Südamerika, wo Mais und Soja in Monokulturen angebaut werden, etc..

 

Puten und Schweine: Im Geflügel- und Schweinebereich herrschen die katastrophalsten Bedingungen. Wobei sich für Hennen durch die Legehennenverordnung schon einiges verbessern wird. So soll jede Henne bis 2006 einen halben qm Grundfläche erhalten und bis 2011 noch eine Sitzstange und einen Scharrplatz. Puten sind aber in der vorbereiteten Nutztierverordnung nicht vorgesehen. 95 Prozent der Puten werden in Massentierhaltung gehalten. Da Puten mageres Fleisch – Putenbrust – an sich haben, wurden sie von Diät- und Schlankheitsbewussten entdeckt. Ihr Fleisch gilt als gesund und besonders seit der BSE-Krise sind viele von Rind- auf Putenfleisch umgestiegen. Daher schießen immer mehr Putenmastställe aus dem Boden, in denen oft mehr als 5.000 Puten in einem Stall zusammengedrängt leben. Die VerbraucherInnen wissen bislang noch extrem wenig über die Putenmastbedingungen – das muss sich so bald wie möglich ändern.

Bei Schweinen ist es so, dass 50 Prozent der Schweine in Massentierhaltung gehalten werden. Dabei stehen sie auf Betongitterböden, sogenannten Vollspalten, damit die Exkremente in die darunter liegende Güllegrube fallen. Die Tiere haben weder Auslauf nach draußen, noch Liegeflächen mit Stroh. Während ihres kurzen Lebens atmen die Schweine Ammoniak-Dämpfe der Gülle ein. Die ammoniakhaltige Luft verätzt die Lunge der Tiere, so dass die meisten Schweine vor der Schlachtung lungenkrank sind.

 

Was ist extensive Bodenhaltung? Bei Puten haben die Tiere mehr Platz. Bei dieser Haltungsform teilen sich 1-2 Tiere einen qm. (In der Massentierhaltung sind es 6 und mehr Tiere auf einem qm.) Genau genommen haben Puten bei der tierfreundlichen, „extensiven Putenhaltung“ genauso viel Platz wie Öko-Puten, nur dass sie bislang keinen Auslauf im Freien haben. Allein durch diese Maßnahmen sind die Tiere in besserem Zustand. Aufgrund des größeren Platzangebotes sind die Tiere nicht mehr so aggressiv und bepicken sich weniger. Zudem verbreiten sich bei dieser Haltungsform Krankheitserreger nicht so leicht, so dass auch Antibiotika nur selektiv eingesetzt werden müssen. Generell werden bei extensiver Bodenhaltung weniger Medikamente verabreicht als bei der Massentierhaltung (hier ist die Einstreu stark verschmutzt, die Tiere im schlechten Zustand und häufig krank, was zu einem massiven Einsatz von Medikamenten führt). Zudem wird auf Antibiotika als Wachstumsförderer (antibiotischer Leistungsförderer) verzichtet. Das Fleisch von Puten aus extensiver Haltung ist für die Verbraucher noch gut erschwinglich: Es ist rund 20 % teurer als aus der Massentierhaltung. Die nächsten Ziele bei der extensiven Bodenhaltung sollen ein überdachter Auslauf und der Einsatz von nicht überzüchteten Rassen (Knochenschäden, Skelettdeformationen und Gelenkschäden) sein. Die beiden größten Anbieter von Putenfleisch in Deutschland – Nölke mit der Marke „Gutfried“ und Heidemark – haben auf die Greenpeace-Kampagne gegen die Massentierhaltung vom Sommer 2001 reagiert. Sie bieten seit Juni 2002 Putenfleisch aus tierfreundlicher Haltung an. Heidemark zieht dieses Jahr zunächst 50.000 Tiere auf, bei Nölke sind es sogar 150.000 Puten, die doppelt so viel Platz haben wie üblich. In Supermärkten werden die Puten als Frischfleisch verkauft; Nölke plant zudem auch Wurstprodukte anzubieten. Die Kunden erkennen Putenfleisch aus extensiver Haltung an dem Aufdruck „extensive Haltung“. Bei Heidemark-Fleisch prangt ein großer Aufkleber mit der Aufschrift: „Die Alternative: Putenfleisch aus extensiver Bodenhaltung“.  Auch Unilever mit seinen „Du darfst“-Putenprodukte hat zugesagt, künftig Puten aus der extensiven Bodenhaltung von Heidemark und Nölke zu beziehen. Das Problem ist, dass Unilever nur die Putenbrust für seine „Du darfst“-Produkte verarbeiten kann und der Rest – die Keulen und das andere Fleisch von anderen Firmen angeboten werden müsste. Derzeit blockiert aber noch der Handel.

 

Was ist der Unterschied zu Öko-Puten? Öko-Puten haben genauso viel Platz wie die Puten bei der extensiven Bodenhaltung, haben aber noch zusätzlich Auslauf im Freien und werden mit ökologisch erzeugtem Futter gefüttert. Das heißt, hier wird auf keinen gentechnisch verändertes Soja verfüttert. Zudem schonen Öko-Betriebe die Umwelt, weil sie keine Überdüngung herbeiführen. Und es werden keine antibiotische Leistungsförderer verfüttert. Falls ein Tier dennoch krank wird, wird es von der Herde getrennt und selektiv mit Antibiotika behandelt. Zudem setzen immer mehr Öko-Züchter auf ursprüngliche Rassen, die nicht so überzüchtet sind wie die „Big Six“, die in der Massentierhaltung an Skelettdeformationen leiden. Öko-Putenfleisch ist vielen VerbraucherInnen noch zu teuer. Ein Vergleich: 0,3 kg Putenschnitzel kosten bei Alnatura 6,54 EUR (0,4 kg würden 8,70 EUR kosten), 0,4 kg aus der Massentierhaltung kosten 3,76 EUR. Öko-Putenschnitzel ist also mehr als doppelt so teurer (231 %). Daher ist der Kauf von extensiv erzeugtem Fleisch, das nur 20 % teurer ist als konventionelles, ein erster und leicht verschmerzbarer Schritt.

 

 

Aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft

 

Tiertransporte: Landwirtschaftsministerin Renate Künast will Tiertransporte von in der Regel acht Stunden auf maximal vier Stunden begrenzen. Dafür sei ein dichtes Netz von Schlachthöfen in der EU erforderlich. Die Transportzeit von Schlachttieren auf gewöhnlichen Fahrzeugen ist EU-weit auf acht Stunden begrenzt. Dann muss eine Pause von 24 Stunden eingelegt werden. Bei Spezialfahrzeugen, auf denen die Schlachttiere auch gefüttert und getränkt werden, darf die Transportzeit 14 Stunden betragen, bevor eine Stunde Pause eingelegt werden muss. (Stand: 15. 04. 2002)

 

Legehennenverordnung:   

Bis 2006 soll jede Henne einen halben qm Grundfläche erhalten und bis 2011 noch eine Sitzstange und einen Scharrplatz. Derzeit stehen sie noch auf einer Fläche von einem halben DIN A4-Blatt.

Haltungsformen von Hühnern:

  • Ökoeier: Artgerechte Tierhaltung mit viel Auslauf im Freien. Futtermittel ökologisch erzeugt. (Nr. 0)
  • „Eier aus der Freilandhaltung“: Pro Huhn mind. 10 qm Auslauf im Freien (Nr. 1)
  • „Eier aus Bodenhaltung“: Stallhaltung; 7 Hühner pro qm; 1/3 der Stallfläche soll mit Stroh bedeckt sein (zum Scharren) (Nr. 2)
  • Käfighaltung/„Batterie-Eier“: Hier sind 25 Hühner in einem 1qm großen Käfig gepfercht. (Nr. 3)

Haltebedingungen für Mastschweine: Die bisherigen Bedingungen für Mastschweine sind alles andere als nutztiergerecht. Im EU-weiten Vergleich haben die deutschen Schweine nach den Schweinehaltungsverordnungen der jeweiligen Länder den geringsten Platz: Während der Aufzucht nur 0,3 qm (Niederlande: 0,4 qm, Schweden: 3,6 qm). In der Endmast nur 0,65 qm (Niederlande: 1 qm, Schweden: 1,02 qm, Großbritannien; 1 qm). Die ausgewachsene Sau hat in Deutschland 1,6 qm Platz (Niederlande: 2,25 qm, Dänemark: > 2 qm, Schweden: Mehrflächenbucht). Nur in Deutschland sind die Vollspalten (damit die Gülle besser abläuft) nicht verboten – in den Niederlanden, Schweden und Dänemark dagegen schon. In Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden muss nicht eingestreut werden (Einstreu ist Wühlmaterial). Im Abferkelbereich wird die Sau sowohl in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Großbritannien fixiert. Nur nicht in Schweden . Dort wird die Sau nur eine Woche während dem Ferkeln und dem Decken fixiert.

Die neu geplante Schweinehaltungsverordnung der EU sieht folgendes vor: Die Fläche für die Sau soll sogar verringert werden auf 1,3 qm! Mindestens 1/3 der Fläche muss planbefestigt, d.h. ohne Vollspalten sein. Wühlmaterial soll vorhanden sein (Einstreu). Die Sau soll zwar im Abferkelbereich fixiert werden, soll sich aber immer drehen können. (Quelle: Christof Maisack, Richter am Amtsgericht, Bad Säckingen; www.bat-witzenhausen.de)

Ziel von Landwirtschaftsministerin Künast: Es soll mindestens ein Verdoppelung der Fläche pro Tier erreicht werden. Davon dürfe nur die Hälfte Spaltboden sein. Auf der anderen Hälfte sollen sich die Tiere hinlegen und schlafen können. (Stand: 15. April 2002)

 

QS-Siegel:     Dieses sogenannte „Qualitätssiegel“ wurde von der Industrie (der CMA, gemeinsam mit dem Bauernverband und der Lebensmittelindustrie) entwickelt. Es ist allerdings eine Verbrauchertäuschung, da weder Gentechnik im Tierfutter noch antibiotische Leistungsförderer in der Aufzucht ausgeschlossen sind (nur in der Mast - also später - sind sie ausgeschlossen). Ab September 2002 sollte das erstes Rind- und Schweinefleisch mit QS-Siegel auf den Markt kommen. Vor allem Wal Mart ist stark in der Vermarktung des neuen verbrauchertäuschenden Siegels; dort liegen extra Informationsbroschüren aus.

 

Nitrofen-Skandal im Ökolandbau (im Mai 2002): „Der Fall zeigt, wie nötig der ökologische Landbau ist. Nur durch die strengen Kontrollen bei der Herstellung von Öko-Lebensmittel konnte die Belastung erkannt werden. Der Nitrofen-Skandal muss auch wieder das Augenmerk auf die ständige Giftbelastung von Lebensmitteln aus der herkömmlichen Landwirtschaft richten. Analysen zeigen, dass die Rückstände von Spritzmitteln sogar oft über den zugelassenen Grenzwerten liegen. Zum Teil sind diese Rückstände schwer abbaubar und können das Hormonsystem schädigen. Der Nitrofen-Fall muss zum Anlass genommen werden, um den Ausstieg aus der Giftküche der Agrochemie zu beschleunigen. Es ist auch dringend zu klären, wie viele Orte in Deutschland durch alte Agrarchemikalien belastet sind. Sie müssen gefunden werden, damit die Chemikalien beseitigt und die Orte gereinigt werden können. Die Futtermittelindustrie und Hersteller von Pflanzengiften, wie Höchst/Aventis/Bayer, müssen zur Verantwortung gezogen werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Konzerne, die jahrelang an dem Gift verdienten, für die Spätfolgen überhaupt nicht haften müssen.“ (Kommentar von Greenpeace-Sprecher Christoph Then, am 2. Juni 2002)

 

EU-Agrarreform: EU-Agrarkommissar Franz Fischer will die Agrarsubventionen umschichten zugunsten der ökologischen Landwirtschaft. Unterstützung erhält er von Deutschland (Künast) und Großbritannien. Selbst Frankreich zeigt Signale für einen Kompromisskurs.

 

Futtermittel:

Entsprechend der Novel-Feed-Verordnung (2003) müssen Futtermittel, die gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, gekennzeichnet werden. Damit haben die Bauern die Entscheidungsfreiheit, ob sie gentechnikfreies Futtermittel verfüttern möchten oder nicht. Allerdings landen auch noch heute rund 80% des nach Europa importieren Gen-Mais und Gen-Soja in die Futtermittel, mit denen unsere Hühner, Schweine und Rinder gefüttert werden. Entsprechend landet Gentechnik indirekt - durch konventionell hergestellte tierische Produkte, wie Milch, Käse, Butter, Eier, Fleisch, Wurst, - doch auf unseren Tellern. Greenpeace hat viele Aktionen zu dem Thema bei Müller-Milch und Landliebe (Campina)
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25.09.2008
Europas größte Molkerei Campina hat am Donnerstag bekanntgegeben, bei seiner Premiummarke Landliebe auf 'Gen-Milch' zu verzichten. Ab Oktober soll die Milch mit dem Siegel ohne Gentechnik gekennzeichnet sein.
mehr auf greenpeace.de 
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gemacht, aber diese großen Firmen beharren darauf, dass sie keine Garantie für eine gentechnikfreie Fütterung geben wollen. Obgleich das möglich ist. Einige Firmen wie Wiesenhof und Andechser Molkerei sind bereits auf gentechnikfreie Produktion umgestiegen. Der aktuelle Gentechnik-Ratgeber von Greenpeace listet genau auf, welche Hersteller gentechnikfrei produzieren und welche nicht. Dies ist eine Orientierung für alle, die mit ihrem Einkauf nicht den weltweiten Anbau von Gentechnik-Pflanzen unterstützen wollen.

Greenpeace fordert bei den EU-Agrar- und Verbraucherministern eine Positivliste für Futtermittel, die klare Vorgaben macht, welche Bestandteile ausschließlich ins Futtermittel dürfen und somit in der Tiermast erlaubt sind. Ansonsten würde der Gesetzgeber dem Einfallsreichtum der Tierfutterbranche nur hinterrennen. Anlass war der erneute Hormonskandal im Juli 2002, bei dem das in der Tiermast verbotene Anti-Baby-Hormon MPA aus den Niederlanden in Futtermittel nach Deutschland geliefert wurde. Ebenso wies Greenpeace indirekt nach (durch Knochenuntersuchungen), dass das seit knapp 30 Jahren verbotene Antibiotikum Tetracyclin als Wachstumsförderer in Futtermittel für Puten der Firma Agricola Italiana Alimentare eingesetzt wurde.

 

Für Verbraucher / Besucher:

 

Schadstoffe in Lebensmitteln: Ende April 2002 stellte die EU in einer Studie fest, dass 40 Prozent aller Lebensmittel in der EU mit Pestiziden belastet sind; davon 5 Prozent über dem Grenzwert. Erst vor kurzem fanden Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich in allen untersuchten Lebensmitteln Rückstände von Nonylphenol, das den Spritzmitteln als Hilfsstoff zugesetzt wird. Lebensmittel wie Brot, Butter, Wurst, Äpfel, Tomaten aber auch Babybrei und Säuglingsnahrung sind erheblich mit der Chemikalie Nonylphenol belastet. Nonylphenol wirkt schon in geringer Konzentration im menschlichen Körper wie ein Hormon. Es kann das Immunsystem schädigen und wird für Missbildungen, Fruchtbarkeitsstörungen und Krebserkrankungen verantwortlich gemacht (zeigen Tierversuche). Die Chemikalie ist das Abbauprodukt von Nonylphenolethoxylate, die unter anderem in Verpackungen, Kunststoffen, Reinigern, Waschmitteln und Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden. Mit vielen Pestiziden werden Nonylphenole auch direkt auf Obst und Gemüse gespritzt. Jeder Deutsche nimmt täglich Nonylphenole mit der Nahrung auf – durchschnittlich 7,5 Mikrogramm. (Ob das viel ist, weiß derzeit keiner, da es bislang keinen Grenzwert gibt.)

Informationsmedium: Der aktuelle Pestizid-Ratgeber von Greenpeace (von März 2007) Internetseiten des Greenpeace-Einkaufsnetztes, www.greenpeace.de/einkaufsnetz.

 

Aktien-Beteiligung am Biolandhof: Es gibt seit neuestem eine Aktiengesellschaft, bei der man sich am rheinland-pfälzischen Biolandhof „Hof am Weiher“ in Albessen beteiligen kann (mit Aktien) und damit die Agrarwende aktiv mitgestalten kann. Information unter der Telefonnummer: 06384 / 7859. 

 

Ausgaben der privaten Haushalte für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke:

1960 waren das 33,4 % aller Verbrauchsausgaben. 1999 sind es nur noch 15,9 % aller Verbrauchsausgaben. Mit sinkender Tendenz. Im März 2007 wurde ermittelt, dass Deutschland die billigsten Lebensmittel in ganz Westeuropa hat. Diese massive Preissenkung geht allerdings nur auf Kosten der Tiere, der Umwelt und letzten Endes auf Kosten der menschlichen Gesundheit. So ist die Pestizidbelastung von 1998 bis 2004 von 34% auf 53% gestiegen. Davon lagen über 8% (in 2004) über dem erlaubten Grenzwert. Und Pestizidrückstände können krank machen (Pestizide schädigen unser Erbgut, unser Nerven-, Hormon- und Immunsystem. Sie können unfruchtbar machen und Krebs erzeugen...

 

Öko-Kost muss nicht teurer sein:

Das Freiburger Ökoinstitut stellt mit Hilfe einer Modellrechnung für einen Vier-Personen-Haushalt fest, dass Biokost letztlich das Budget nicht stärker belastet als übliche Kost. Verglichen wurden die Preise herkömmlicher und ökologischer Produkte. Neben Milch, Butter, Eiern, Kartoffeln, Weizenmehl, Teigwaren und Brot wurden dabei sogar Kaffee und Bananen einbezogen. Die monatlichen Mehrkosten für Grundnahrungsmittel lagen bei 40 EUR. Doch im Endeffekt hielten sich die Grundausgaben die Waage. Der Grund: Im Öko-Haushalt wird meistens weniger Geld für Fleischwaren und Süßigkeiten ausgegeben.

 

Informationen zum Thema "Gentechnik" finden Sie auf der Homepage von Greenpeace Deutschland:

http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/

 

Informationen zum Thema "Landwirtschaft" finden Sie auf der Homepage von Greenpeace Deutschland:

http://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/


    8. 02. 2012.       Druckversion