

Wie vor unserer Haustür dem Klimawandel Vortrieb geleistet wird – und was wir dagegen tun können. Von der Greenpeace Gruppe Rhein-Neckar und Felix Haaß
Klimawandel in Neckarau? Mannheim und Umweltverschmutzung? Erderwärmung und Rhein-Neckar Region? Wie passt das denn zusammen? Passiert das nicht alles woanders, vielleicht etwas weiter weg? Nein, es passiert hier. Vor unserer Haustür. Genauer: In Mannheim-Neckarau.
Die Großkraftwerke Mannheim Aktiengesellschaft (GKM AG) plant, bis 2012 ein neues Steinkohlekraftwerk mit 800 Megawatt Leistung anstatt der bisherigen 440 Megawatt in Mannheim-Neckarau, zu bauen. Ein Kraftwerk, das den Ausstoß schädlicher CO2 Abgase in Mannheim noch einmal drastisch erhöhen würde, wie Greenpeace Rhein-Neckar deutlich macht. Dabei ist der Schaden, den CO2 auf das Weltklima hat, nicht mehr von der Hand zu weisen: Sollte es uns laut dem britischen Ökonomen Nicholas Stern nicht in den nächsten Jahren gelingen, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen um 80% zu reduzieren, so droht eine Weltwirtschaftskrise, die mit der von 1930 vergleichbar ist. Von den massiven Schäden für die Umwelt und damit für unsere Lebensqualität ganz zu schweigen.
Ein Neubau eines Kohlekraftwerkes ist daher in dieser Zeit ein Wegweiser in die falsche Richtung.!!! Doch nicht nur aus umweltpolitischen, auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten macht der Neubau des Kraftwerks wenig Sinn. Die Kohle, die in diesem Kraftwerk verbrannt wird, muss erst umständlich aus anderen Ländern, wie z. B. Russland, Südafrika oder Kolumbien nach Mannheim transportiert werden. Das heißt im Klartext: In dem geplanten Kraftwerk würde für mehrere Millionen Euro importierte Kohle verbrannt, die neben den angepeilten 800 Megawatt Strom Unmengen an CO2 erzeugen würde - und zwar fast für das nächste halbe Jahrhundert. So lange soll das Kraftwerk nämlich in Betrieb sein. Durch die damit noch weiter angefachte Klimaerwärmung wird in den Sommermonaten beim Rhein künftig mit verstärktem Niedrigwasser zu rechnen sein. Währenddessen entfällt die Kühlung für das Großkraftwerk und es muss so lange abgeschaltet werden. Das ist alles andere als wirtschaftlich. Sinnvoll, auch während längerer Hitzeperioden, sind dagegen kleine, dezentrale Kraftwerke, die mit regenerativen Energieträgern oder Erdgas beheizt werden und keiner Kühlung bedürfen.
Die GKM argumentiert nun unter anderem, der Neubau schaffe Arbeitsplätze. Ein Argument, das sich nicht lange hält, schaut man es sich einmal genauer an. Eine Studie von Greenpeace hat ergeben, dass sich mit einem nachhaltigen Energiekonzept, das auf den Aufbau und den Einsatz erneuerbarer Energien setzt, acht Mal so viel Arbeitsplätze wie durch den Neubau eines Großkraftwerks geschaffen werden könnten. Gleichzeitig könnten bei dieser nachhaltigen Vorgehensweise die klimaschädlichen Abgase um 93% reduziert werden. Arbeitsplätze durch Klimaschutz - ein klarer Gewinn für die Region, wie Greenpeace Rhein-Neckar betont.
Das geplante Kohlekraftwerk schafft Arbeitsplätze – eine Investition in erneuerbare Energie würde acht Mal mehr erreichen.
Der Neubau war jedoch kein Thema auf der Gemeinderatssitzung am 27. Februar diesen Jahres, obwohl dieses Thema am 21. März im GKM-Aufsichtsrat – dessen Vorsitzender der Oberbürgermeister ist - diskutiert wurde. Das Ergebnis dieser Sitzung ist allerdings noch nicht bekannt. Dennoch heißt das für die Bürger/innen Mannheims, die eine Verschärfung des Treibhauseffektes durch Mannheimer Steuergelder nicht unterstützen wollen: Druck ausüben und Zeichen setzen! Wie funktioniert das am besten?
Was können Sie tun? Sie können zum Beispiel E-Mails an die entscheidenden Vertreter der Mannheimer Stadtverwaltung und dem Gemeinderat schicken. So an erster Stelle an den neuen Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (peter.kurz@mannheim.de, Rathaus E5, 68159 Mannheim), der im Aufsichtsrat der Großkraftwerke ist sowie an die einzelnen Fraktionen im Gemeinderat
(CDU: carsten.suedmersen@mannheim.de, SPD: stefan.fulst-blei@mannheim.de,
Grüne: raufelder@gig-mannheim, FDP: Birgit.Reinemund@fdp-mannheim.de,
Mannheimer Liste: MannheimerListe@Mannheim.de).
Eine weitere Möglichkeit, aktiv wirtschaftlichen Druck auf die Betreiber des Kraftwerks auszuüben, ist den Stromanbieter zu wechseln. Sauberen, d.h. auf der Basis von regenerierbaren Energien erzeugter Strom ist nur minimal teuerer als herkömmlicher Strom. Ein Wechsel ist denkbar einfach: Es genügt das Abschicken einer Postkarte oder das Ausfüllen eines Online-Formulars. Auch Greenpeace hat seinen eigenen Ökostomanbieter: Greenpeace Energy (http://www.greenpeace-energy.de/, Tel: 040/808 110-330).
Oder unterstützen Sie das Bündnis der verschiedenen Umweltschutzgruppen, die schon seit geraumer Zeit auf den Neubau des Kraftwerks hinweisen und zahlreiche Protestaktionen gestartet haben. Zusammen mit MetropolSolar Rhein-Neckar., attac, Robin Wood, BUND und vielen mehr hat Greenpeace Rhein-Neckar im Februar einen Aktionstag am Paradeplatz gegen das geplante Kraftwerk veranstaltet. Gemeinsam mit dem neu gegründeten Bündnis „Initiative Klima Energie Mannheim“, kurz IKEMA genannt, plant Greenpeace auch weiterhin Aktivitäten zu dem Bauvorhaben der GKM.
Wer mitmachen möchte, kann sich direkt an das Netzwerk IKEMA wenden unter Tel.: 06221/16 48 41, Mail: matthias.weyland@bund.net oder an MetropolSolar unter www.metropolsolar.de, Mail: info@metropolsolar.de oder Tel.: 0621/855793. Auch freuen wir uns über neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter unserer Energie-Gruppe von Greenpeace Rhein-Neckar. Wer Interesse hat, kann sich unter der Mailadresse rhein-neckar@greenpeace.de oder Tel.: 0621/33 91 69 8 gerne melden. Wir treffen uns jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Umweltzentrum Mannheim und jeden 4. Dienstag beim NABU in Heidelberg.
Etwas zu tun, ist also leichter als man denkt. Helfen Sie deshalb mit, dass das geplante Kohlekraftwerk in Mannheim und damit die Entscheidung zu einer weiteren Schädigung unseres Klimas nicht Wirklichkeit wird. Denn eines ist klar: Es ist sicher nicht möglich hier in Mannheim die Welt zu retten. Aber wir können einen Beitrag dazu leisten. Und das allein zählt.
Es besteht für jeden die Möglichkeit zu handeln – entscheidend ist, es auch zu tun.