23 Jahre nach dem Super-GAU werden die Lehren von Tschernobyl von Politikern in Deutschland ignoriert
Die Tschernobyl-Mahnwache im Zeitraffervideo
Saarbrücken, 25. April 2009. Saarländer, die heute abend in Saarbrücken ausgehen, bietet sich vor Karstadt in der Fußgängerzone ein unerwartetes Bild. Aktivisten der Greenpeace-Gruppe Saar in weißen Anzügen und mit Atemschutzmasken halten ein Banner mit den Worten „Kein Rückfall ins Atomzeitalter“.

Vor ihnen auf dem Boden stehen 200 rote Grablichter, die ein Radioaktivitätszeichen bilden. Mit der Mahnwache, die Samstag abends um 21.00 Uhr beginnt und Sonntag morgen gegen 10.00 Uhr endet, erinnern die Umweltschützer an die Folgen des Super-GAUs in der Nacht auf den 26. April 1986 im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl.

„Tschernobyl hat deutlich gezeigt, wie gefährlich Atomkraftwerke sind. Auch in deutschen Kernkraftwerken ist ein Super-GAU jederzeit möglich. Die Folgen wären dramatisch. Aber deutsche Politiker haben offenbar nicht viel gelernt.“, so Kirstin Bettscheider, Referentin der Greenpeace-Gruppe Saar. So möchte die CDU die Laufzeit von Kernkraftwerken in Deutschland entgegen dem Atomkonsens erneut verlängern. Bezüglich des Neubaus von Atomkraftwerken scheint die Partei innerlich zerstritten. Obwohl der Bundesparteitag im vergangenen Dezember den Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland ausgeschlossen hat, werben CDU-Politiker wie die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katherina Reiche öffentlich dafür.

Die Katastrophe von Tschernobyl forderte in den Folgejahren Zehntausende Todesopfer, Hunderttausende Kranke und die Vertreibung von über 300.000 Menschen aus ihrer Heimat. Radioaktive Strahlung breitete sich über weite Teile Europas aus und verursachte gesundheitliche Schäden in vielen Ländern. Ein derartiger Super-GAU in Deutschland würde Kosten von bis zu 5.000 Milliarden Euro für Gesundheits-, Sach- und Vermögens-schäden verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Schweizer Prognos AG aus dem Jahr 1988 im Auftrag des Bundeswirtschafts-ministeriums. Diese Summe übersteigt den Bundeshaushalt um das Zehn- bis Zwanzigfache.

„Atomkraft ist gefährlich, weltweit gibt es kein Endlager für hochradioaktiven Müll – und Atomkraftwerke sind keine Lösung für den Klimaschutz. Sie sind zu teuer, unflexibel in der Steuerung und deshalb keine gute Ergänzung für erneuerbare Energien. Die Uranvorräte sind begrenzt und führen bei Förderung und Aufbereitung zu immer größeren Kohlendioxidemissionen.“ Die Lösung für unsere Klimaproblem liege in dem zielgerichteten Ausbau erneuerbarer Energien und in mehr Energieeffizienz, so Bettscheider. „ Erneuerbare Energien schützen das Klima, machen uns unabhängig von Uranimporten und schaffen zahlreiche Arbeitsplätze. Im Gegensatz zu Atomkraftwerken ist der Ausbau erneuerbarer Energien ein Gewinn für alle.“

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