Greenpeace-Gruppe Saar kritisiert geplanten Kraftwerksneubau in Ensdorf
Saarbrücken, 20. März 2007 - Mittlererweile ist es amtlich: der Klimawandel schreitet immer schneller voran. Als Folgen der globalen Erwärmung werden wir mit häufigeren Hitzesommern, Dürren, aber auch mehr Extremniederschlägen und Überschwemmungen zu rechnen haben. Die Verursacher der Katastrophe aber machen weiter wie bisher. So setzt einer der großen Verursacher, RWE, in Ensdorf auf ein weiteres neues Kohlekraftwerk.
Die Zunahme von Extremereignissen bedeutet für die Bürger vielerlei Ärgernis, Gefahren, finanzielle Verluste und körperlichen Stress. So starben im Sommer 2003 in Europa 30.000 Menschen an den Folgen der übermäßigen Hitze. Je stärker und rasanter der Klimawandel ausfällt, desto schlimmer seine Konsequenzen für Menschen, Tiere und Pflanzen, da es immer schwieriger wird, sich anzupassen.
„Es ist höchste Zeit für die Energiekonzerne RWE und Co. aus der Kohle auszusteigen und zielgerichtet und in großem Stil in erneuerbare Energien zu investieren. Die Kohlenstoffdioxidemissionen der Industrieländer müssen in den nächsten Jahrzehnten drastisch reduziert werden, wenn wir eine globale Erwärmung um mehr als 2 °C vermeiden wollen. Gleichzeitig muss unsere Energieversorgung gesichert bleiben – das wollen wir alle. Deshalb brauchen wir eine Energiewende - jetzt. Die Technologien dafür sind bereits vorhanden und einsetzbar, die Energiewende ist machbar.“, so Kirstin Bettscheider, Klimareferentin der Greenpeace-Gruppe Saar.
RWE ist Europas größter Klimazerstörer unter den Energieerzeugern. Der Konzern ist für 15 Prozent der europäischen Kohlendioxid-Emissionen aus der Stromproduktion verantwortlich und mit jährlich 168 Millionen Tonnen Kohlendioxid der größte Produzent von Treibhausgasen in Europa. Mit dem Bau des Kraftwerkes in Ensdorf wird sich diese traurige Bilanz noch einmal um 8 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vergrößern.
„Der Klimanotstand kümmert RWE offenbar nicht. In Neurath wurde vor Kurzem der Grundstein für ein 2000 MW Braunkohlekraftwerk gelegt. Weitere große Steinkohlekraftwerke – unter anderem das hier im Saarland mit 1600 MW - sind in der Planung.“ In den nächsten Jahren muss in Deutschland ein Großteil des Kraftwerksparks ersetzt werden. „RWE vertut diese Chance zur Energiewende - und gefährdet damit unser aller Zukunft. Für ein Kraftwerk wie das, das jetzt in Ensdorf gebaut werden soll, sollte es keine Planungssicherheit geben. Es sollte gar nicht gebaut werden.“
Auch den viel gelobten Wirkungsgrad des Kraftwerkes sieht Bettscheider kritisch. „Einen wirklich hohen Wirkungsgrad erreicht ein Kraftwerk nur, wenn es Kraft-Wärme-Kopplung betreibt, also neben der Stromproduktion Fernwärme für nahe gelegene Haushalte zur Verfügung stellt. Kleine, dezentrale Kraftwerke können dadurch einen Wirkungsgrad von etwa 90% erreichen. Da das geplante Riesenkraftwerk in Ensdorf nur einen Wirkungsgrad von 46 % erreicht, kann man sich leicht ausrechnen, dass die Hälfte der produzierten und nutzbaren Energie einfach verpufft.“
Der Vorschlag, die riesigen Mengen an Kohlenstoffdioxid, die das Kraftwerk produziert, abzuscheiden und in tiefen geologischen Formationen zu lagern, erntet Skepsis bei Greenpeace. „Diese Technik steckt noch im Erprobungsstadium und wird nach Einschätzung von Greenpeace frühestens in 10- 15 Jahren für Großanlagen einsatzfähig sein. Bis dahin müssen wir aber unsere Treibhausgasemissionen bereits drastisch gesenkt haben – die Technologie kommt also zu spät. Erst recht für dieses Kraftwerk, das dann schon lange am Netz ist und vermutlich nie nachgerüstet wird. Die aktuelle Diskussion um die Kohlendioxidverpressung ist nur für eines gut – sie liefert ein grünes Deckmäntelchen für den Neubau klimaschädlicher Kohlekraftwerke.“
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