"Ich kann nicht verstehen, dass heute die jungen Leute nicht die Bagger an den Baustellen der Kohlekraftwerke blockieren."
Al Gore, Friedensnobelpreisträger 2007 früherer US Vize- Präsident
Die Bundesregierung hat mittlerweile erkannt, dass große Anstrengungen in der Klima- politik dringend notwendig sind. Darum hat sie sich als Ziel gesetzt Maßnahmen zu er- greifen, damit die globale Temperatur nicht mehr als zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau ansteigt. Das halten auch die Klimaforscher für richtig. Denn wenn das Klima sich um mehr als zwei Grad erwärmt, ist es so gut wie sicher , dass die Gletscher in Grönland abschmelzen. Das würde den Meerespiegel um mehrere Meter ansteigen lassen:
Norddeutschland und viele andere Küstenregionen würden
überflutet - Wilhelmshaven natürlich auch.
Darum muss das Abschmelzen des Grönland -Eises unbedingt verhindert werden. Des- halb sollen bis zum Jahr 2020 die Emissionen um 40% gegenüber 1990 gesenkt wer- den. Soweit besteht Einigkeit. Aber wie? Bis 2020 sind nur noch wenige Jahre- und Deutschland senkt seine CO2-Emissionen nicht, sondern beginnt sattdessen, sie drastisch zu erhöhen. Und zwar so stark, dass alle Energiesparmaßnahmen dagegen verpuffen. 25 neue Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 24.000 Megawatt und einem CO2-Ausstoß von 140 Mio Tonnen pro Jahr sind in Deutschland in Planung, teilweise schon im Bau. Als ob es diese ganze Klimadebatte nie gegeben hätte, werden Maßnahmen unbeirrt vorangetrieben. Sicher ist, dass sich so die von Politik und Wissenschaft geforderte CO2 Reduzierung nicht erreichen lässt.
Zum Vergleich:
Bei der Produktion einer Kilowattstunde Strom entstehen in
einem Braunkohlekraftwerk 1153 g CO2
einem Steinkohlekraftwerk 949 g CO2
einem Gaskraftwerk 428 g CO2
einem KWK Gaskraftwerk 148 g CO2
(Quelle : Öko-Institut Freiburg)
Seit den erschreckenden IPCC-Berichten weiß jeder Bürger in Deutschland, dass es den Klimawandel gibt, dass die Katastrophe schneller voranschreitet als anfangs gedacht und dass uns nicht mehr sehr viel Zeit bleibt, dass Ruder herumzureißen. Vom Wissen zum Handeln ist es aber ein weiter Weg, und eine ganze Gesellschaft zur Veränderung von Handlungsmustern zu bewegen ist eine schwere Aufgabe. Umso fragwürdiger sind auch die Äußerungen von Wilhelmshaven Oberbürgermeister Menzel der, zwar die Bedeutung der Arbeitsplätze die Tourismusregion und die und den Klimaschutz betont aber völlig konträr den Ausbau von mehreren Kohlekraftwerk allein in Wilhelmhaven vorrantreibt. Damit werden die Energieeinsparungen jedes einzelnen zunichte gemacht. Oberbürgermeister Menzel will die Wilhelmshavener in Sachen Klimaschutz ganz offensichtlich verkohlen.
Presseerklärung vom 21. November 2007
Keine neuen Kohlekraftwerke für Wilhelmshaven! Klimaschutz geht
anders!
Die Greenpeace-Gruppe Wilhelmshaven protestiert am 21. November 2007 vor dem Rathaus gegen die Kraftwerksplanungen im Rüstersieler Groden. Während die Ratsmitglieder ins Rathaus gehen zeigt Greenpeace ein 15 qm großes Banner mit der Aufschrift: "Keine neuen Kohlekraftwerke für Wilhelmshaven! Klimaschutz geht anders!" Mit 100 schwarzen Säcken - jeweils mit der Aufschrift "CO2" versehen - werden die Ratsmitglieder an das klimaschädliche Treibhausgas erinnert.

Greenpeacegruppe Wilhelmshaven vor dem Rathaus
Am 13. November hat die Electrabel Deutschland AG den Genehmigungsantrag für die Errichtung eines 800 MW-Steinkohlekraftwerkes in Wilhelmshaven beim Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg eingereicht. Während der Klimawandel unaufhaltsam voranschreitet plant der belgische Kraftwerksbetreiber Electrabel ein Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Der geplante Meiler allein würde jährlich ca. 3,9 - 4,2 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich ausstoßen. Electrabel hat die Option auf ein weiteres Steinkohlekraftwerk. E.ON plant ebenfalls zwei neue Kraftwerke in Wilhelmshaven.
Eine schnellstmögliche Reduzierung der Treibhausgase ist laut Weltklimarat IPCC dringend nötig - doch mit Kohlekraftwerken nicht möglich. Von den Empfehlungen des Gremiums, scheint man in Wilhelmshaven nichts hören zu wollen. Derzeit sind vier neue Kohlekraftwerke geplant. Sollten diese Pläne umgesetzt werden, würden in den nächsten Jahrzehnten jährlich fast 15 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich von Wilhelmshaven aus in die Atmosphäre gepustet. Zum Vergleich: Für das skandinavische Land Norwegen lag im Jahr 2002 der, durch Verbrennung fossiler Energieträgern erzeugte CO2 Ausstoß, bei 33 Millionen Tonnen.
"Es ist beispiellos, was hier in Wilhelmshaven zur Zeit geschieht!" sagt Marko Konrad, Pressesprecher der Greenpeace-Gruppe Wilhelmshaven. "Auf Bundesebene - ja sogar in der Weltpolitik hat Klimaschutz inzwischen höchste Priorität! In Wilhelmshaven will Oberbürgermeister Eberhard Menzel gleich vier Steinkohlekraftwerke bauen. Wilhelmshaven ignoriert damit den Klimaschutz! Der Bau neuer Kohlekraftwerke ist mit den deutschen Klimaschutzzielen unvereinbar", so Marko Konrad.
Greenpeace will den Ausbauplan in dieser Form verhindern. Die Umweltorganisation setzt auf kleine dezentrale Kraftwerke, bei denen die Wärme durch die so genannte KWK-Technik ausgekoppelt wird. Damit entspricht ein Kraftwerk höchsten Effizienz-Kriterien. In der Praxis werden aber viel zu viele Anlagen geplant, und einzelne Kraftwerke sind überdimensioniert. Bestes Beispiel für Überdimensionierung sind die geplanten vier Steinkohlekraftwerke in Wilhelmshaven. Daher fordert Greenpeace, bei der Planung dem Klimaschutz absoluten Vorrang einzuräumen.
Bundesweiter Klimaaktionstag in Berlin (08.12.2007) - Wir mittendrin!
Unsere Bundeskanlzlerin hat die gefahren des voranschreitenden Klimawandel bekannt und fordert mehr Engagement bei den Bürgern. So sollen Hausbeitzer in effizientere Wärmedämmmaßnahmen und neuer Heiztechnik inverstieren. Gleichzeitig macht Bundeskanzlerin Merkel mehrfach Zugeständnisse an die Automobilkonzerne und den großen Energieversorgern.
Die Bundesregierung muss sich ohne Wenn und Aber zu einer 40-prozentigen Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen bis 2020 im Verhältnis zum Basisjahr 1990 verpflichten. Wilhelmshaven muss deshalb den Neubau klimaschädlicher Steinkohlekraftwerke verhindern und so einen wichtigen Teil dazu beitragen!
Die dadurch zu erwartenden CO2-Emissionen würden die Einsparungen des jetzt verabschiedeten Klimapaketes weitgehend zunichte machen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bestreitet die Anzahl der geplanten Kraftwerke. Er spricht von neun Projekten. Belegen konnte er diese Zahl bis dato nicht. Gabriel versucht die Menschen für dumm zu verkaufen, wenn er die Pläne der Energiewirtschaft herunterspielt, sagt Böhling. Die Bundesregierung muss ein klares politisches Signal gegen weitere Kohlekraftwerke setzten, wenn sie Vorreiter beim Klimaschutz sein will. Wenn diese Kohlekraftwerke gebaut werden, ist das Klimaschutzkonzept der Bundesregierung zum Scheitern verurteilt.
Deshalb waren wir auch als Gruppe in Berlin vor Ort um unseren Unmut auszudrücken.

Greenpeacegruppe Wilhemshaven mit Knut und Banner vor dem Brandenburger Tor
Die Nordsee zeigt schon heute deutliche Zeichen der Klimaerwärmung. Seit Mitte der 90er Jahre hat die Zahl schwerer Orkantiefs stark zugenommen. Im schweren Herbststurm 2006 wurden vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) erstmals in dessen Geschichte Wellenhöhen von bis zu 17 Metern in der Nordsee gemessen.
Wilhelmshaven lebt ... doch noch!
Eine engagierte Gruppe hat sich untersessen gefunden und die Bürgerinitiative Zeche Rüstersieler Groden gegründet. Endlich haben sich Bürger der Stadt Wilhelmshaven zusammengetan und fordern eine klimafreundliche Energiepolitik statt der Ansiedlung von CO2 -Schleudern.
Ende unsere Unterschriftensammlung
Seitdem Beluga 2 am Bontekai vor Anker lag, haben wir hier Unterschriften gegen den Bau weiterer Kohlekraftwerke in Wilhelmsahaven gesammelt. Mit einem eher mäßigen Start. Während viele Touristen erschrocken waren, zeigte sich ein Großteil der Wilhelmshavener Bürger im August noch desinteressiert und glaubte nicht an die Pläne der Stadt und Electrabel. Dann aber nach dem geschlossenen Partnerschaftsvertrag und der Ratsitzung zur Bauvoranfrage von Electrabel ist das Thema ständig in der Tagespresse und wird kontrovers diskutiert. Hierbei zeigte sich auch, dass die Bürger allgemein recht unzufrieden mit Arbeit des Stadtrates sind. Dass die Stadt die Bauvoranfrage von Electrabel mit Sonderbehandlungen und am Bürger vorbei sowie unter Zeitdruck durchgezogen hat, hat viele Bürger nur noch unzufriedener gemacht. Gegen Ende der Unterschriftensammlung sind die Menschen vermehrt auf uns zu gekommen und fragten uns, wo man dagegen unterschreiben könne. Zu Abschluß haben wir dem Oberbürgermeister Menzel unser Unterschriftenlisten zusammen mit einem offenen Brief und mehreren Studien zur zukünftigen Stromversorgung überreicht.
Überreichte Studien
Klimaschutzplan B (Greenpeace) Energie[R]evolution
Entwicklung der Energieversorgung in Norddeutschland
Klimaschutz in Deutschland: Climate Change
Offener Brief an den OB Menzel und den Stadtrat
Presseerklärung zur Übergabe der Unterschriften

Die Greenpeacegruppe Wilhelmshaven vor dem Rathaus mit den über 500 Unterschriften gegen weitere Kohlekraftwerke