16.05.03: Greenpeace-Protest bei Papierproduzenten

Finnische Konzerne verarbeiten die letzten Urwälder des Landes

Hagen, 16.05.2003. Greenpeace Aktivisten der Gruppen Dortmund und Wuppertal protestieren heute ab 8.30 Uhr bei der finnischen Papierfabrik Stora Enso in Hagen Kabel gegen die Vernichtung der letzten finnischen Urwälder. In Tierkostümen stellen sie über zwei Meter hohe Holzkreuze auf. Mit Megaphon, Sirene und Leuchtfackeln sollen die etwa 1000 Beschäftigten des Werks auf die akute Bedrohung der letzten Urwälder aufmerksam gemacht werden. Greenpeace-Gruppen in ganz Deutschland protestieren diese Woche bei den drei großen finnischen Papierkonzernen Stora Enso, UPM Kymmene und M-Real. Stora Enso, UPM-Kymmene und M-Real verarbeiten Holz aus Urwaldgebieten im Norden Finnlands zu Papier und Zellstoff. Deutsche Papiergroßhändler und Zeitschriftenverlage sind die wichtigsten Kunden der finnischen Papierindustrie.

"Stora Enso muss endlich aufhören, mit den letzten finnischen Urwäldern Geschäfte zu machen", sagt Oli Waltenrath, Waldexperte von Greenpeace, vor der Stora Enso-Niederlassung in Hagen. "Der Papiergigant ignoriert seit Jahren alle internationalen Proteste. Für Werbebroschüren, Plakate und Briefumschläge dürfen keine wertvollen Urwaldbäume gefällt werden."

Stora Enso, der größte Papierhersteller Europas, und die weltweit tätigen Papierhersteller UPM Kymmene und M-Real sind Großkunden des staatseigenen finnischen Forstbetriebes Metsähallitus, der die ökologisch wertvollen Urwälder im Norden Finnlands abholzt. Stora Enso, UPM Kymmene und M-Real verarbeiten das Urwaldholz in ihren Fabriken zu Papier und Zellstoff für den deutschen Markt. Mit über 5.000 Zeitschriften und Magazinen und einem Anteil von 41 Prozent der Zellstoffexporte und 20 Prozent der Papierexporte ist Deutschland der weltweit wichtigste Abnehmer der finnischen Konzerne. Das Papier findet als Zeitschrift, Broschüre, Briefumschlag, Klopapier oder Verpackungsmaterial seinen Weg in fast alle deutschen Haushalte.

Von den ursprünglich üppigen Urwäldern Finnlands sind heute nur noch knapp fünf Prozent erhalten, etwa 10.000 Quadratkilometer (das entspricht ungefähr den Waldgebieten Hessens). Die übrigen Wälder sind zumeist artenarme Forstplantagen. Die letzten finnischen Urwälder sind extrem wichtig für das Überleben selten gewordener Tier- und Pflanzenarten. Denn durch die starke Abholzung und Fragmentierung des Waldes stehen bereits 564 waldspezifische Tier-, Pflanzen- und Pilzarten auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten Finnlands. Ohne Urwälder können auch die Einwohner Nord-Finnlands, die Samen, ihre traditionelle Rentierzucht nicht mehr betreiben.

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